Der Feldzug gegen Rußland bis Ende November 1941


Albert Kesselring



Ich habe schon ausgeführt, daß die Weisungen über den Ostfeldzug geheimgehalten wurden; Stäbe und Verbände hörten davon nichts. Ich hielt es für richtig, daß auch mein Stab (an der Kanalküste) in den ersten Monaten kaum damit befaßt wurde. Unter der unmittelbaren Leitung des Oberbefehlshabers der Luftwaffe wurde am 20. Februar 1941 ein kleiner Arbeitsstab in Gatow (Luftkriegsschule) bei Berlin gebildet, dessen Leiter – Oberst i. G. Löbel – mich von Zeit zu Zeit unterrichtete oder meine Entscheidung einholte. Anfang 1941 flog ich nach Warschau, um mich mit dem dortigen Oberbefehlshaber, Generalfeldmarschall v. Kluge, auszusprechen und ergänzende Weisungen über den Ausbau der Bodenorganisation zu geben. Ein zweites Mal flog ich im Mai 1941 die Entwicklungsbasis für meine Luftflotte im Osten ab, stellte fest, daß die Arbeiten (vornehmlich wegen Wetter- und Bodenverhältnissen) nicht vor Anfang Juni fertiggestellt werden konnten, aber noch so rechtzeitig, daß der neubestimmte X-Tag (22. Juni) eingehalten werden würde. Die operativen und taktischen Überprüfungen er gaben, daß mit den vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe vorgesehenen Kräften der Angriff der Heeresgruppe Mitte nicht in wünschenswertem Umfang unterstützt werden konnte. In einer heftigen Aussprache im Befehlszug Görings nördlich Paris setzte ich mich mit Unterstützung meines lieben Jeschonnek (Generalstabschef des Oberbefehlshabers der Luftwaffe) durch, so daß mir die erbetene Mindestverstärkung an Fliegern und Flakkräften in Aussicht gestellt wurde. Ich konnte indes den erregten Reichsmarschall verstehen, wenn er sagte, daß ich nicht der einzige sei, der Forderungen stelle; auch England müsse weiter bekämpft werden. Ich mußte aber Verständnis für meine Auffassung verlangen, daß man einen Angriff nicht beginnen dürfe, wenn man nicht die dafür notwendigen Kräfte bereitstellen könne. Aus drei Gründen blieb ich bei meiner Forderung: Erstens kannte ich aus zwei Feldzügen das Unterstützungsbedürfnis der Heerestruppen, zweitens stand ich der Fortführung des Luftkrieges gegen England mit stark verminderten Kräften sehr skeptisch gegenüber, und drittens glaubte ich auf diese Weise der längst bestehenden Forderung auf Vermehrung der Luftstreitkräfte neuen Impuls zu geben.

Am 12. oder 13. Juni 1941 verließ ich die Kanalküste, um der abschließenden Besprechung Hitlers über „Barbarossa“ (Deckname für die Vorbereitungen des Feldzuges gegen Rußland) beizuwohnen. Offiziell blieb ich noch einige Zeit im Westen; damit wollte man der Weltöffentlichkeit vorspiegeln, die Masse der deutschen Luftstreitkräfte sei nach wie vor unter dem Befehl des Feldmarschalls Kesselring gegen England eingesetzt. (Siehe z. B. OKW-Bericht vom 17. Juni 1942)

Ich erwähnte schon in den Abschnitten über die Blitzkriege, daß mich die Mitteilung Hitlers vor dem Polenkrieg über den Nichtangriffspakt zwischen Rußland und dem Deutschen Reich von einem Alpdruck befreit hatte. Das war am 23. August 1939 gewesen; jetzt schrieben wir Mitte 1941. Hatten sich in diesen kurzen zwei Jahren die Verhältnisse so geändert, daß man die seinerzeitigen Bedenken zurückstellen konnte? Wie war die Lage? 1939 mußte man mit einem Angriff der Westmächte rechnen, der vielleicht noch abzuwehren war, wenn die Westmächte nicht sofort mit geballter Kraft antraten, Rußland aus dem Spiel blieb und der Kampf um Polen unter Einsatz der gesamten beweglichen Kräfte der deutschen Wehrmacht zu einem raschen, siegreichen Abschluß gebracht wurde. Diese tatsächlich fast unvorstellbaren Glückszufälle traten ein und ließen den gleichzeitigen Kampf an zwei Fronten vermeiden. 1941 waren aus der alliierten Front die Kontinentalmächte herausgebrochen, die englischen Heereskräfte nach dem Rückzug von Dünkirchen für größere Operationen nicht einsatzfähig und die britische Luftwaffe nach Produktion und Einsatzfähigkeit für größere Luftoperationen noch nicht fertig. Die Nordflanke war durch Generaloberst Falkenhorsts Armee und Generaloberst Stumpffs Luftflotte in Norwegen und die Südflanke durch Generaloberst Rommels Afrika-Korps und die italienischen Kräfte abgedeckt, der Balkan durch den letzten der Blitzfeldzüge als feindliche Front ausgeschaltet. Amerikas Eingreifen war noch fraglich, zum mindesten stand es noch in weiter Ferne. In weit geringerem Maße als 1939 war 1941 die zweite Front eine tatsächliche Gefahr. Mußte man Rußland angreifen? Hitler erklärte schon früher und auch in seiner Schlußansprache an die Generale am 14. Juni 1941, daß der Ostfeldzug unvermeidlich sei, daß jetzt angegriffen werden müsse, wenn man sich einem russischen Angriff zur Unzeit entziehen wolle. Dabei wurden nochmals die Punkte in Erinnerung gebracht, die eine Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland auf die Dauer unwahrscheinlich erscheinen ließen, die nicht wegzuleugnenden ideologischen Gegensätze, die auf beiden Seiten beiseitegeschoben, aber nicht beseitigt waren, die mobilmachungsartigen Maßnahmen an der Ostseeküste und der russischen Westgrenze, zunehmendes aggressives Verhalten russischer Soldaten gegen die Bevölkerung in den Randgebieten, Kräfteverschiebungen in den grenznahen Raum, verstärkter und beschleunigter Aufbau der russischen Rüstungsindustrie usw.

Juni-Vortrag in der Reichskanzlei

Juni-Vortrag in der Reichskanzlei über meine Führungsabsichten im Feldzug gegen Rußland.
Von links nach rechts: Kesselring, Jodl, Hitler, Göring, Bodenschatz, Milch.


Um nur ein Beispiel zu nennen: Es wurden im 300 Kilometer tiefen, grenznahen Raum im September 1939 65 russische Großverbände, im Dezember 1939 106 Groß verbände und im Mai 1940 153 plus 36 motorisierte – 189 Großverbände angenommen oder festgestellt. Die Dislokation der russischen Truppen mit starker Massierung in der Mitte – davon allein im vorspringenden Bogen von Bialystok rund 50 Großverbände – ließ sowohl auf Angriffs als auf Verteidigungsabsichten schließen. Die im grenznahen Raum festgestellte Flieger-Bodenorganisation und ihre Belegung hatte dagegen einen ausgesprochen offensiven Charakter, sie enttarnte damit auch die russischen Heeresabsichten.

Die These Hitlers, daß der Russe uns im ersten, ihm günstig scheinenden Augenblick angreifen würde, hielt ich für indiskutabel richtig. England war zur „front in being“ geworden. Was sich daraus entwickeln konnte, war nicht zu überblicken. Der Möglichkeiten, die Masse der deutschen Wehrmacht zum politisch und militärisch ungünstigsten Zeitpunkt festzulegen, gab es viele; Gründe für einen überraschenden Angriff konnte der Kreml leicht konstruieren. Die Zeit arbeitete für ihn und – er war ein Meister des Abwartenkönnens. Aus den Berichten der deutschen Luftwaffen-Ingenieure, die Rußland noch in der letzten Zeit bereist hatten, wußte ich, daß ein großzügiges – leider vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Hitler als Phantasie angesprochenes – Fabrik- und Rüstungsprogramm angelaufen war, dem wir in kurzer Zeit nichts Gleichwertiges mehr entgegensetzen konnten.[1] Die zukünftige Entwicklung sprach bei objektiver Betrachtung gegen uns. Ich glaube, daß heute nur unverbesserliche Optimisten wähnen können, daß sich Rußland mit dem Stand nach Beendigung des Polenkrieges begnügt haben würde. Obwohl ich vielerorts als Optimist verschrieen war, – den Optimismus, an ein Stillehalten des Kremls zu glauben, brachte ich zu jener Zeit nicht auf.

Wie lagen also, wenn man schon mit einem Krieg rechnen mußte, die militärischen Aussichten 1941? Die Negativa seien zuerst genannt: Der vorgesehene Angriffstermin lag reichlich spät. Das Handikap konnte durch die Zielsetzung einigermaßen ausgeglichen werden. Ich war überzeugt, daß in den wenigen zur Verfügung stehenden Monaten das Menschenmögliche geleistet würde, um die drohende Zukunftsentwicklung des russischen Kolosses gefahrlos zu machen oder wenigstens stark zu beschneiden. Daran würde auch die auf russischer Seite vorhandene Überlegenheit der Heeres- und Luftstreitkräfte nichts ändern können. Denn – nun komme ich zu den positiven Gesichtspunkten –: Wir hatten in zwei großen und zwei kleinen Feldzügen Erfahrungen sammeln können, denen die Russen nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnten. Wir waren bereits alte Krieger geworden, die ihr Handwerk verstanden und für den zu erwartenden Bewegungskrieg alles mitbrachten, was zu einem raschen Erfolg führen mußte. Sicherlich, Mitte der zwanziger Jahre hatten wir zusammen mit den Russen Tanks und Flugzeuge entwickelt – dazwischen lagen aber auf unserer Seite Jahre des Aufbaus und der Bewährung, während der russisch-finnische Krieg keine Bewährung der Russen erbracht hatte. Ich vertraute, um auf die Luftwaffe zu kommen, unseren Geschwadern und wußte, daß sich die Heeresgruppe v. Bock, mit der die Luftflotte 2 zusammenarbeiten sollte, wie bisher, nie verlassen zu fühlen brauchte. Daß das VIII. Nahkampf-Fliegerkorps erst von Kreta im Anrücken war, war unangenehm. Aber das in der Luftkriegführung unter seinem ausgezeichneten Befehlshaber, General der Flieger v. Richthofen, besonders geschulte und bewährte Korps würde sich rasch in die neue Lage hineinfinden; die Einsatzvorbereitungen waren ja getroffen. Ein Flakkorps unter dem tüchtigen General v. Axthelm im ersten Treffen der Schwerpunkt-Heeresgruppe v. Bock mit ihren zwei starken Panzergruppen, vor Brest-Litowsk die schwersten Geschütze – die Sache konnte nicht schief gehen. Leicht würde der Kampf nicht werden, eine Krise konnte die andere ablösen, der Nachschub mußte unerwartete Schwierigkeiten bringen. Aber war das Ziel, das Fernhalten des Kommunismus von Westeuropa, nicht so groß, daß das Letzte und Äußerste gewagt werden mußte? Zweifel mußten überwunden werden, um den eigenen Verbänden das Gefühl des sicheren Sieges einimpfen zu können. Von diesem Augenblick an schaltete ich ganz bewußt jeden anderen Gedanken aus; der Erfolg hat meinen Überlegungen recht gegeben. Man kann nicht gleichzeitig zwei Herren dienen; tut man dies, so ist es der Anfang vom Ende. Eine gewisse Einseitigkeit ist zweifellos die Folge dieser Einstellung.

Es wäre in jener Zeit, in der man den Feldzug als eine beschlossene Sache ansehen mußte, falsch gewesen, sich auch noch mit anderen Operationsideen zu beschäftigen. Das wäre Sache Hitlers gewesen! Hitler hat in seinem Buch „Mein Kampf“ den Zweifrontenkrieg als falsch und gefährlich bezeichnet. Man kann – so glaube ich wenigstens – nicht annehmen, daß er seine eigene Auffassung über den Zweifrontenkrieg vergessen und sich ohne Kenntnis der darin liegenden Gefahrquellen auf einen Zweifrontenkrieg eingelassen hat. Deswegen müssen ihn zwingende Gründe dazu veranlaßt haben. Das muß man ihm zubilligen. Vielleicht glaubte er, aus der Idee des „Kampfes aus der inneren Linie“ heraus, Rußland so rechtzeitig aus dem europäischen Kriegstheater ausschalten zu können, daß er anschließend mit geballten Kräften der Bedrohung aus dem Westen entgegentreten könne. Eines steht aber fest, daß ihm der Gedanke, Rußland von den an das Mittelmeer angrenzenden Ländern aus schwer, vielleicht entscheidend treffen und damit gleichzeitig England an seiner empfindlichsten Stelle tödlich verwunden zu können, fern lag. In kontinentalem Denken befangen, hat er die Bedeutung des Mittelmeerraumes unterschätzt und damit einen weiteren kriegsentscheidenden Fehler gemacht. Doch – das Bessere ist der Feind des Guten.

Als ich am 15. oder 16. Juni 1941 auf einem recht guten Feldflugplatz nördlich Warschau landete, fand ich unter Leitung meines neuen ausgezeichneten Chefs des Stabes, General Seidemann, die Führungsorganisation der Luftflotte im Aufbau und Stäbe und Kampfkräfte bereits anwesend oder, wie diejenigen des VIII. Fliegerkorps, im Anrücken. Die folgenden Tage waren arbeitsreich. Kriegsspielartige Besprechungen mit den Flieger- und Flakkorps, zu denen alle Führer von Gruppen (Abteilungs-) Kommandeuren aufwärts herangezogen wurden, vermittelten nochmals eindringlich meine Ansichten vom Luftkrieg und überzeugten mich, daß die Aufgaben nicht mißverstanden wurden und daß der Einsatzwille nicht zu übertreffen war. Recht eng standen die Flugzeuge der einzelnen Geschwader auf den Plätzen; die verbesserte Tarnung, ein guter Luftmeldedienst und starke Flak konnten nicht jeden Angriff ausschließen, die Wirkung etwaiger russischer Luftangriffe aber mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein Minimum verringern. Die Nachrichtenverbindungen waren, wie immer, in jeder Weise befriedigend, die Stammleitungen bis in die vordersten Frontstellungen vorverlegt.

Kesselring in seinem FW 189 über den weiten Rußlands

Kesselring in seinem FW 189 über den Weiten Rußlands


Doch so leicht sich dies auch liest, so schwer lag die Verantwortung auf den einzelnen Führungsstellen. Ein Beweis dafür war, daß sich mein ausgezeichneter Luftflotten-Nachrichtenführer, Dr. Dr. Seidel, kurz vor Beginn des Kampfes das Leben nahm, da er die Last der Verantwortung nicht mehr tragen zu können vermeinte. Der frühere Luftattache in Moskau, Oberst Aschenbrenner, wurde dessen Nachfolger, eine Regelung, die mich wegen Aschenbrenners Kenntnis des russischen Gegners besonders befriedigte. Seiner Beweglichkeit und einfühlsamen Führung war es zu danken, daß die Luftflotte immer „im Bilde“ war. Bei meinen zahlreichen Flügen auf meiner doppelrumpf- und doppelmotorigen Maschine FW 189 lernte ich die Weite und Tiefe des Aufmarschraumes meiner Luftflotte von südlich Brest-Litowsk bis zur Südgrenze Ostpreußens und die noch in diesem Monat fallenden Regenmengen kennen, deren Ausmaß die Verlegung des Angriffszeitpunktes erzwungen hätte, wenn er nicht schon wegen des verspäteten Antransports der Kampfkräfte vom Balkan hätte verschoben werden müssen. Die Luftflotte hatte Anordnungen für strengste Geheimhaltung gegeben – so durften die Geschwader ihre Flugzeuge nur im Tief- und Einzelflug in die grenznahen Starthäfen vorfliegen lassen, wenn nicht der erste Feindflug aus den Häfen im Hintergelände gestartet werden konnte.

An der taktischen Überraschung der russischen Fliegerverbände auf ihren Flugplätzen konnte man das richtige Verhalten der eigenen Fliegertruppe und selbstverständlich auch des Heeres feststellen. Dies ist um so auffallender, als sich der Kreml über die Zuspitzung der Lage seit dem 20. Juni keinen Illusionen mehr hingeben konnte. Der Angriffsbeginn war entgegen den Luftwaffenwünschen aus sehr naheliegenden, überzeugenden erdtaktischen Gründen auf die Frühdämmerung festgesetzt, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die einmotorigen Jagd- und Stukaflugzeuge noch nicht im Verband fliegen konnten; der Fliegerei entstanden dadurch große Nachteile, die aber überwunden werden konnten.[2]

Die Aussprache mit Generalfeldmarschall v. Bock (Heeresgruppe Mitte) konnte kurz gehalten werden; wir verstanden uns und waren uns in der Lösung der Probleme des Angriffs einig. Als ich ihn am 21. Juni 1941 abends nochmals aufsuchte, um etwaige in der Zwischenzeit aufgetretene Zweifel oder Wünsche zu besprechen, fand ich ihn im Gegensatz zu den Abschlußbesprechungen der vorhergegangenen Feldzüge etwas niedergeschlagen, eine Nachdenklichkeit, die jeden verantwortlichen Führer vor Beginn eines schicksalhaften Großunternehmens ehrt.

Ich merkte erneut, wie gut eine kurze Aussprache zweier verwandter Seelen in solchen Lagen tut. Ich beabsichtigte, mich in diesem Feldzug mit den vielen Unwägbarkeiten noch näher an das Hauptquartier der Heeresgruppe heranzuhalten und durch einen aus dem Heer hervorgegangenen Luftwaffen-Generalstabs-Offizier ständig engste Verbindung aufrecht zu halten. Oberstleutnant i. G. Uebe hat die Aufgabe taktvoll und erfolgreich durchgeführt. Jeden Abend mußte er zur „Abendlage auf meinen Gefechtsstand kommen, die „Heereslage“ des Tages und die in Aussicht genommenen Maßnahmen für den folgenden Tag vortragen und in gleicher Weise die „Luftwaffenlage“ mit anhören, um das Heeresgruppen-Kommando eingehend hierüber ins Bild zu setzen.

Als Luftwaffenflottenchef sah ich die Heeresbewegungen von einer etwas abgesetzten Warte und erhielt durch die Fliegerkorps (Fliegerverbindungkommandos) und Flakkorps unmittelbare Meldungen von der Heeresfront, die sich teilweise recht erheblich von dem Lagematerial der Heeresgruppe unterschieden. Ich beurteilte bei jeder Abendlage die Heereslage und beauftragte Uebe, meine kritischen Bemerkungen an das Heeresgruppen-Kommando weiterzugeben, wenn ich nicht bei wichtigeren Anlässen die Angelegenheit fernmündlich mit Feldmarschall v. Bock besprach oder von Chef zu Chef besprechen ließ. Feldmarschall v. Bock wußte, daß es sich nie um ein Besserwissen, sondern nur um eine verständliche Reaktion eines Mitbeteiligten, um die Hilfe einer auf Gedeih und Verderb mit dem Heer verbundenen Schwesterwaffe handelte. Morgens und häufig auch abends besprach ich sehr eingehend die Tagesereignisse und die Maßnahmen für den nächsten Tag mit dem Generalstabschef der Luftwaffe (Generaloberst Jeschonnek), um den Oberbefehlshaber zu befähigen, die Interessen der Luftwaffe bei der „Führerlage“ im Führerhauptquartier nachdrücklich zu vertreten und sie mit den Absichten des Heeres in Übereinstimmung bringen zu lassen. In seltenen Ausnahmefällen, wie z. B. bei Smolensk oder vor Moskau, nützte ich diese Verbindung aus, um meine persönliche Ansicht über bestimmte Heeresmaßnahmen an der entscheidenden Stelle vertreten zu lassen. Über diesem Kapitel steht aber trotzdem: Vorbildliche, erfolgversprechende Zusammenarbeit von Heer und Luftwaffe. Aus dieser Einstellung heraus habe ich meine Flieger- und Flakgenerale angewiesen, unbeschadet der alleinigen Unterstellung unter mich, die Wünsche des Heeres als meine Befehle anzusehen, wenn nicht schwerwiegende Luftinteressen eine Erfüllung unzweckmäßig oder sogar schädlich erscheinen ließen. Alle meine Führer und ich sahen unseren Stolz darin, im Mitgehen mit den Kampfereignissen den Wünschen des Heeres voraus zu handeln und in der Lageentwicklung begründete Forderungen des Heeres so rasch und umfassend wie möglich zu erfüllen.

Das Ziel des Feldzuges gegen Rußland war in dem Auftrag, die russische Wehrmacht noch im weißrussischen Raum, also im allgemeinen zwischen Grenze und Dnjepr, vernichtend zu schlagen, eindeutig erläutert. Daraus ergab sich entsprechend dem russischen Aufmarsch der Schwerpunktangriff bei der Heeresgruppe v. Bock und die Forderung, in raschestem, unaufhaltsamem Vorgehen ein Ausweichen der russischen Kräfte in den weiten russischen Raum zu verhindern und sie zuvor zu vernichten. Erreicht sollte damit gleichzeitig werden, daß die russischen Kampfflieger, in ihre rückwärtigen Basen ostwärts des Dnjepr verdrängt, zu Angriffen gegen das Altreich nicht mehr fähig waren. Nach dem Befehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe hatte die Luftflotte in erster Linie die Luftüberlegenheit, wenn möglich die Luftherrschaft, zu erkämpfen und das Heer, mit Schwerpunkt die Panzergruppen, in ihrem Kampf gegen das russische Heer zu unterstützen. Weitere Aufgaben hätten zu einer schädlichen Zersplitterung geführt und mußten vorerst zurückgestellt werden. Ich war mir klar darüber, daß auch diese Aufgaben nicht sofort in vollem Umfang, sondern nur nacheinander erfüllt werden konnten.

Welche Kräfte standen der Luftflotte 2 zur Verfügung? Ich habe schon erwähnt, daß ich um die Ausstattung mit Mindestkräften gerungen und diese allmählich auch zugebilligt erhalten hatte. Diese waren neben einer Luftflotten-Fernaufklärungsgruppe:

Das II. Fliegerkorps (Loerzer), aus dessen Verbänden der Nahkampf-Fliegerführer II (Fiebig) gebildet wurde (1 Aufklärungsgruppe, 2 Kampf-Geschwader, 1 Stuka-Geschwader, 1 Jagd-Geschwader zu 4 Gruppen, 1 Zerstörer-Geschwader, 1 Nachrichten-Abteilung und 1 Luftgau-Stab z. b. V.).

Das VIII. Fliegerkorps (Freiherr v. Richthofen)  (1 Aufklärungsgruppe, 1 Kampf-Geschwader, 2 Stuka-Geschwader, 1 Schlachtgruppe, 1 Jagd-Geschwader, 1 Zerstörer-Geschwader, 1 Nachrichten-Abteilung und 1 Luftgau-Stab z. b. V.). Das I. Flakkorps (v. Axthelm).

Dazu später das II. Flakkorps (Deßloch),   mit je 3 bis 4 Flak-Regimentern. Luftgau Posen (Bieneck).

Dank der taktischen Luftplanung und dank dem unermüdlichen Einsatzwillen der Verbände gelang es, auf Grund ausgezeichneter Luftbildaufklärung innerhalb zweier Tage die „Luftherrschaft“ zu erkämpfen. Die Meldungen über Abschüsse in der Luft und über Zerstörung von Flugzeugen am Boden erreichten die Höhe von rund 2500 Flugzeugen, eine Zahl, die anfangs vom Reichsmarschall nicht geglaubt wurde. Als er die Zahlen nach Eroberung des Geländes nachprüfen ließ, mußte er mir mitteilen lassen, daß die wirklichen Zahlen um 2—300 höher lägen. Ohne Gefahr zu laufen, eines falschen Schlusses geziehen zu werden, glaube ich feststellen zu können, daß sich ohne diesen Auftakt die Heeresoperationen nicht so rasch und erfolgreich abgewickelt hätten. Ich habe vom zweiten Tag ab den Kampf gegen die aus der Tiefe des russischen Raumes kommenden russischen mittelschweren Kampfflugzeuge mit angesehen. Ich betrachtete es fast als ein Verbrechen, daß man diese in der Luft so unbeholfenen Flugzeuge in lufttaktisch unmöglichen Formen angreifen ließ. So fiel eine Staffel nach der anderen, die in zeitlich gleichen Intervallen anflogen, unseren Jagdfliegern als leichte Beute zum Opfer, der reinste „Kindermord“, wie ich seinerzeit dachte. Darüber hinaus gelang es, die Basis für den Aufbau einer russischen Bomberflotte so zu zerschlagen, daß russische Bomber während der ganzen Feldzüge nicht mehr in Erscheinung traten, eine nie recht gewürdigte Tat der deutschen im Osten eingesetzten Luftstreitkräfte! Hier wenigstens soll sie gewürdigt werden!

Vom dritten Tage an wurden die Stukaangriffe gegen die feindlichen Frontheereskräfte durch immer größere Teile der übrigen Verbände der Luftflotte verstärkt. Folgende Aufgaben waren nun gestellt und wurden erfüllt: Niederhalten der feindlichen Luftwaffe, eine Aufgabe, die keine besonderen Kräfte mehr beanspruchte. Unterstützung der Panzer- und Infanteriekräfte zur Beseitigung örtlichen Widerstandes oder zum Ausschalten flankierender Feindkräfte, eine Aufgabe, die in erster Linie den Stukas- und Schlachtfliegern vorbehalten war. Vernichtung oder Aufhalten der russischen Kräfte, die noch zur Front marschierten oder nach rückwärts auszuweichen versuchten, durch Stuka-, Schlacht- und Jagdflieger, Zerstörer und sonstige Kampfkräfte. Störung operativer Bewegungen auf den Bahnen. Laufende Aufklärung.

Für die Flakkorps, die bei den Panzergruppen eingesetzt waren, waren an die Stelle der ureigensten Aufgaben, des „Luftschutzes“, in vermehrtem Maße die Panzerabwehr und die taktische Unterstützung gegen russische Widerstandsnester getreten. Die Flakkorps waren so in die Heeresverbände eingegliedert, daß man sie als Teile von diesen ansprechen konnte; ihre Wirkung war oft ausschlaggebend.

Die in diesen Monaten auftretenden Aufgaben waren dem VIII. Fliegerkorps auf den Leib geschrieben; die Ausstattung mit Nahkampfflugzeugen und die Erfahrungen auf diesem Gebiet während dreier Feldzüge ergänzten sich vorzüglich. Ungünstiger lagen die Verhältnisse beim II. Fliegerkorps, bei dem die Voraussetzungen für die unmittelbare Unterstützung der Landstreitkräfte erst improvisiert werden mußten. Zur Erfüllung der an das Korps herantretenden Aufgaben wurde vom II. Fliegerkorps ein „Fliegerführer“, Oberst Fiebig, ernannt, dem in der Hauptsache die leichten Fliegerverbände des Korps unterstellt wurden. Erfahrungen mußten natürlich erst gesammelt werden. Ich erinnere mich eines Besuches auf dem Flugplatz Baranowitschi kurz nach dessen Eroberung, wo ich eine ebenso eingehende wie nachdrückliche Belehrung vornahm, die bei der schwierigen und krisenreichen Erdlage durchaus berechtigt war. Der Erfolg ist ausschlaggebend. Fiebig, der abgelöst werden wollte, hat mir später nicht nur gedankt, hat sich vielmehr zu einem mit Richthofen vergleichbaren Nahkampf-Fliegerführer entwickelt. Auch im Krieg lassen sich zum Nutzen des Ganzen Härten und harte Aussprachen nicht vermeiden. Schon in diesen Tagen flog ich mit meiner FW 189 allein im russischen Raum – ein Beweis, wie vollkommen die ersten beiden Angriffs tage gegen die russischen Flieger gewirkt hatten.

Während noch bis zum 24. Juni 1941 um Brest-Litowsk gekämpft wurde, dessen Zitadelle überdies durch eine 1000-Kilogramm-Bombe geöffnet wurde, eilten die Panzergruppen den Armeen voraus und leiteten die Umfassungsschlacht von Minsk-Bialystok (26. Juni bis 3. Juli 1941) ein, die zur Gefangennahme von über 300 000 Mann, aber nicht zur Vernichtung der dort kämpfenden Kräfte führte. Krisen waren dabei unvermeidlich, da die Masse der Panzerkräfte ihren Vormarsch gegen den Dnjepr und die „Stalin-Linie“ fortsetzte, während die 4. und 9. Armee erst allmählich die nicht motorisierten Divisionen an den Kessel heranbringen konnten. Diese Operation mit ihrer lähmenden Wirkung auf die eingeschlossenen russischen Kräfte erleichterte die Bewegungen der deutschen Panzergruppen beim Angriff über den Dnjepr.

Die Panzergruppe 3 hatte, vom Korps Richthofen unterstützt, am q. Juli 1941 Witebsk genommen und sich damit eine günstige Ausgangslage für ihre erfolgreichen Operationen nördlich und nordöstlich von Smolensk geschaffen. Schlechtes Wetter erschwerte zeitweilig die Bewegungen bei dem völlig ungenügenden altrussischen Wegenetz. Die ersten Eindrücke hinsichtlich des wahren Gesichtes des russischen Kriegsschauplatzes wurden uns so greifbar vermittelt. Die Schwierigkeiten machten sich bei den Kampftruppen, selbst bei den Raupenfahrzeugen einschließlich der Panzer und in noch viel höherem Maße beim Nachschub bemerkbar, der längere Zeit ohne Eisenbahn, also mittels Kolonnenraum, bewältigt werden mußte.

Die Kämpfe um die Dnjepr-Linie (10. und 11. Juli 1941) zeigten den erlahmenden Widerstand der russischen Kräfte, aber auch noch das Vorhandensein großer, wenn auch minderwertiger Reserven.

An diesen Erfolgen hatte die Luftwaffe entscheidenden Anteil. Schwerpunktmäßig wurden von den fliegenden Verbänden die russischen Vor- und Rückwärtsbewegungen auf Straßen, Wegen und Eisens bahnen und die häufig erkannten Lager angegriffen; später traten wieder die Stuka-, Schlachtflieger- und Jäger-Tiefangriffe gegen die Widerstandslinien an den verschiedenen Flußabschnitten in den Vordergrund. Noch stärker als beim Heer machten sich bei der Vorverlegung der Bodenorganisation die Wege Schwierigkeiten bemerkbar, da die Verbände der Bodenorganisation an sich ungenügend motorisiert waren und über keine Raupenfahrzeuge verfügten. Dazu kam, daß außer den wenigen ständigen Flugplätzen Feldflugplätze erkundet und hergerichtet werden mußten, die nicht mehr unmittelbar durch Heerestruppen geschützt waren. Die an sich geringen Bodenkräfte wurden durch Sicherungsmaßnahmen zusätzlich in Anspruch genommen. Es bleibt ein Hoheslied der Luftgaue und Luftgaustäbe z. b. V., daß sie zu jeder Zeit den rollenden Einsatz der Fliegerverbände, besonders des Nahkampfkorps und des Nahkampffliegerführers II, ermöglichten.

Die Einwirkung auf die eigenen Verbände und die Heeres-Verbände sicherte sich die Luftflotte am 23. Juni 1941 durch Verlegung des Gefechtsstandes in einen Eisenbahnbefehlszug bei Brest-Litowsk. In den ersten Julitagen bezog der Stab einen Kraftwagenbefehlszug ostwärts Minsk. Truppennahe Führung war in diesen weiträumigen Kämpfen Voraussetzung für den Erfolg.

Nach dem unerhörten Raumgewinn in den ersten Wochen des Feldzuges wurde sehr frühzeitig die Frage nach der Weiterführung der Operationen aufgeworfen. Die seinerzeitigen Zweifel innerhalb der Wehrmachtführung waren mir, der ich nur die Ereignisse der Mittelfront auf mich wirken ließ, nicht ganz verständlich. Auch ich habe mich wie die Heeresgruppe dafür eingesetzt, die nun schon Wochen andauernde Vernichtungsschlacht über den Dnjepr hinaus fortzusetzen, um das russische Westheer endgültig auszuschalten. Bedauerlich, daß sich die Wehrmachtführung von den Geschehnissen treiben ließ, ohne sofort zu einem endgültigen Schluß zu kommen! An der Front merkte man in diesen Tagen noch nichts von diesem Schwanken. Es wurde angegriffen und Gelände gewonnen. Von der Flugbasis Orscha und verschiedenen nördlich und südlich davon liegenden Feldflugplätzen aus wurde das Vorgehen der beiden Panzergruppen und der Armeen der Heeresgruppe Mitte nach bewährten Grundsätzen unterstützt.

Die Schlachtenfolge im Mittelabschnitt des russischen Kriegsschauplatzes

Die Schlachtenfolge im Mittelabschnitt des russischen Kriegsschauplatzes
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Diese Kämpfe führten zur Kesselschlacht im Raume von Smolensk (von Mitte Juli bis Anfang August), die einen großen Erfolg (über 300 000 Gefangene), aber wiederum keine Entscheidung, also nur einen „ordinären Sieg“ brachte. Er hätte entscheidend werden können, wenn es gelungen wäre, eine ostwärts Smolensk befindliche Lücke zu schließen. Meine und des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Dringlichkeitsanträge scheiterten im Vollzug. Eine schmale, wenige Kilometer breite Lücke, in deren Mitte ein kleines Flußtal mit tarnender Bodenbedeckung verlief, ließ im Laufe weniger Tage, vor allem während der Nächte, beträchtliche Kräfte durchsickern. Glückte es den Nahkampffliegern bei Tage, durch pausenlose Angriffe das Durchsickern wesentlich einzuschränken, so konnten Dämmerung und Nacht von den Russen um so erfolgreicher ausgenutzt werden. Die auf diese Weise nach rückwärts entkommenen russischen Soldaten – von mir auf über 100 000 Mann geschätzt – wurden zum Skelett neuer russischer Verbände. Daß diese Kräfte auch im weiteren Verlauf nicht vernichtet werden konnten – ich erinnere nur an die schweren, verlustreichen Kämpfe im Jelniabogen in der Zeit vom 30. Juli bis 5. September 1941 –, kann nicht als ein Versagen der deutschen Truppe und Führung angesprochen werden. Die Verbände einschließlich der Luftwaffe waren einfach überanstrengt, ausgemergelt und fernab sicherer Nachschubzentren.

Die Devise lautete: Marsch und Kampf, Kampf und Marsch über fast eineinhalb Monate in einer Tiefe von 700 Kilometern bei teilweise ungünstigem Wetter, Kämpfe an der Front mit den zurückweichenden russischen Verbänden und den von rückwärts neu herangezogenen Divisionen, Kämpfe der 2. und 3. Treffen der deutschen Armeen mit den in kleinen und großen Kesseln eingeschlossenen russischen Truppen, mit den zum ersten Mal stärker in Erscheinung tretenden Partisanenverbänden und den vereinzelt in Staffelstärke auftretenden, tieffliegenden recht wirkungsvollen russischen gepanzerten Schlachtfliegern. Eine ordentliche Auffrischung und eine wenn auch nur kurzfristige, aber wirkliche Ruhepause blieben Wunschträume.

Feindliche Flankenvorstöße gegen den rechten ungeschützten Flügel der Heeresgruppe stellten neue unabweisbare Forderungen. So mußte die Luftflotte vom 1. August 1941 an mit Fliegern und Flak in unmittelbarer Folge die Kämpfe der Panzergruppe Guderian im Raum Roslawl (38 000 Gefangene), dann die fast gleichzeitig beginnenden Kämpfe der 2. Armee unter Generaloberst von Weichs um Gomel (rund 100 000 Gefangene) unterstützen, um Ende August bei der Ausräumung der in den Niederungen zwischen Smolensk und Ilmen-See ostwärts Welikije-Luki zurückgebliebenen russischen Kräfte (30 000 Gefangene) zu helfen und der nördlich Kiew im Sumpf gebiet operierenden Kavalleriedivision durch Vernichtung gut getarnter und recht unangenehmer Monitore freie Bahn zu schaffen. Die in diesen Augustschlachten führenden Oberbefehlshaber – Generaloberst von Weichs bei Gomel, Generaloberst Guderian bei Roslawl, General der Panzertruppe Stumme bei Welikije-Luki – haben Unmögliches möglich gemacht. Die Fliegerkräfte kämpften dabei besonders erfolgreich; in kurzer Zeit wurden 126 Panzerzüge, Tausende von Kraftfahrzeugen, 15 Brücken zerstört, ohne die großen blutigen Verluste anzuführen, die die russischen Verbände im Frontraum erlitten. Daß in dieser eben geschilderten Lage die Ostfront der Heeresgruppe bei zahlenmäßiger und materieller Schwäche und wesentlich verminderter Unterstützung durch Flieger und Flak in harten Abwehrkämpfen gehalten hat, muß neben die glänzenden Taten der Flügelkräfte gestellt werden. Führung und Truppe verdienen es.

Bei Beginn der geschilderten Kämpfe wurde der Gefechtsstab der Luftflotte nach Smolensk vorverlegt, während die leichten Verbände in der Basis Shatalowka-Smolensk-Witebsk zum Einsatz gebracht wurden. Für die schweren Kampfverbände wurden lediglich Absprungmöglichkeiten in der oben genannten Basis geschaffen. Zur Versorgung der Verbände in der Basis Shatalowka wurden von Orscha aus zum ersten Mal die schweren Lastensegler des Gigantentyps erfolgreich eingesetzt. Russische gut geländegängige Kraftwagen aus Beutebeständen und die russischen landesüblichen Karren wurden in den Nachschubdienst eingestellt. Auch erbeutete russische Kampfwagen eigneten sich die Kräfte der Bodenorganisation an, mit denen sie, wie z. B. Oberst Müller bei Bobruisk, feindliche Kampfwagen-Angriffe gegen die Flugplätze abschlugen.

Noch heute bleibt es ein Ruhmesblatt meines Oberquartiermeisters (Oberst i. G. Heigl) und des Eisenbahntransportchefs (Heer), daß die gesamten Verbände der Luftflotte stets über genügend Nachschub verfügten und damit allen Anforderungen der Heeresgruppe und des selbständigen Luftkrieges gerecht werden konnten. Bei der entscheidenden Bedeutung des Nachschubs hatte die Luftflotte den Quartiermeisterdienst dem Ia-Dienst gleichgestellt; hier trug diese Organisation ihre Früchte, ohne daß leider bei der Ordenverteilung die Folgerungen gezogen wurden.[3]

Noch während wir Führer der Mittelfront im August 1941 über das Wie und Wann der Fortsetzung der Angriffe in Richtung Moskau grübelten, während die Truppen leider zu lange unnütz auf der Stelle traten, führten die Überlegungen der höchsten Führung nach vielfachem Hin und Her zu unserem großen Verdruß zur endgültigen Verlagerung des Schwerpunktes nach dem Süden (21. August 1941).

Man konnte über die Notwendigkeit, sich Anfang September gegen die russische Heeresgruppe Budjenny im Süden zu wenden, zweierlei Meinung sein – ich gehe darauf nochmals ein –, Tatsache blieb, daß große Teile der Heeresgruppe Mitte (v. Bock) und meiner Luftflotte in der Front nach Süden bleiben oder zusätzlich Front nach Süden nehmen mußten, um die Heeresgruppe Süd (v. Rundstedt) zu der erfolgreichen Einschließungs-Operation gegen Budjenny zu befähigen. Nach mehr als vierwöchigen Kämpfen (28. 8. —26. 9.1941) war das Schicksal Kiews und damit Budjennys besiegelt. Die Panzergruppen v. Kleist und Guderian reichten sich 200 km ostwärts Kiew am 13. September 1941 die Hand. Über 650000 Gefangene, fast 1000 Panzer und über 3500 Kraftfahrzeuge waren die Beute.

Ich würde den Verdiensten der Luftwaffe nicht gerecht, wenn ich nicht die ausschlaggebende Wirkung des II. Fliegerkorps erwähnen würde. Ohne stärkere leichte Kampfverbände, die zum Teil an die südliche Luftflotte 4 abgegeben wurden, mußte das Korps unter erschwerten Umständen kämpfen, da der Russe aus den vorhergegangenen Kämpfen gelernt und den Tagesverkehr fast ganz gedrosselt hatte. Schlechtwetter erschwerte den Einsatz geschlossener Fliegerverbände mit ihrer Massen Wirkung. Man mußte schon das Können der Flugzeugbesatzungen anerkennen, wenn die meisten Eisenbahnlinien im Kampfraum nachhaltig unterbrochen werden konnten. Auf kurzen Streckenabschnitten blieben 20—30 Eisenbahnzüge liegen, die den folgenden Zerstörungsangriffen vollständig zum Opfer fielen. Erst in den Schluß tagen der Schlacht zeigten sich Verbandsziele auf den Straßen, die dann mit vernichtendem Erfolg angegriffen wurden. Die unmittelbare Unterstützung durch Angriffe gegen den Feind in der nahen Front war vorübergehend in den Hintergrund getreten; die lebhafter gewordene feindliche Fliegertätigkeit stellte bei Flugwetter an Flak und Jagdflieger erhöhte Anforderungen; auch hier zeigte sich wieder, daß der Jagdschutz dringend gefordert, aber kaum anerkannt wurde.

Fast gleichzeitig mit den Operationen in Richtung Kiew wurde die Panzergruppe 3 unter Generaloberst Hoth am linken Flügel zur Auffrischung herausgezogen und mit Teilen zum Einsatz am rechten Flügel der Heeresgruppe Nord gebracht. Vorher, aber ohne Auffrischung, hatten OKW und Oberbefehlshaber der Luftwaffe die vorübergehende Abgabe des VIII. Fliegerkorps zur Unterstützung des Angriffs der Panzergruppe 4 (Hoepner), südlich des Ilmensees, angeordnet. Die Vernachlässigung der Front war augenfällig, aber im Interesse entscheidender Kämpfe an wichtigeren Punkten berechtigt.

Mit dem Befehl vom 21. August 1941 (Angriff Richtung Kiew) war auch das entscheidende Wort für den Jelniabogen gefallen, er konnte aufgegeben werden; die Verteidigung sollte nunmehr in Abschnitten aufgebaut werden, die auch ohne Luftwaffenhilfe und unter Schonung der Heereskräfte zu halten waren. Dieser Verzicht auf Luftwaffenhilfe wir durch den bereits erwähnten Einsatz der gesamten Nahkampffliegerkräfte in Richtung Kiew und Ilmensee und durch den am 21. und 12. Juli 1941 begonnenen Luftangriff auf Moskau veranlaßt. Schwerpunkt war, nachdem die Voraussetzungen für die schweren Angriffsflüge durch Aufstellung der notwendigsten Funkfeuer, Bereitstellungen der Fliegerkräfte und der notwendigen Bomben-Munition geschaffen waren, für alle weitreichenden schweren Kampfkräfte: das Führungs-, Rüstungs- und Verkehrszentrum Moskau; die anderen Ziele, wie die großen Flugzeugwerke von Woronesch, die Werke von Tula und Brjansk sowie die überbelegten Verschiebebahnhöfe von Brjansk usw., die nur bei Schlechtwetter in Einzeljagdangriffen angeflogen wurden, waren Ausweich-, Schlechtwetter- oder taktische Augenblicksziele; die Wirkung gegen diese Anlagen war im Verhältnis zur Einsatzstärke als recht gut zu bezeichnen.

Die Angriffe gegen Moskau, an denen vor allem die Kampfgeschwader 28, 54, 3 und 2, darunter Geschwader der Luftflotte 3 im Westen, beteiligt waren, machten mir viel Sorge. Abgeschossene Besatzungen mußte man als „erledigt“ ansehen; die Flakwirkung und die Blendwirkung durch Scheinwerfer machten sogar auf unsere Englandflieger Eindruck. Auch die russischen Abwehrjäger traten im Laufe der Zeit in größerer Zahl – glücklicherweise nur bei Tage – auf. Die Wirkung entsprach nicht ganz meinen Erwartungen; im Verhältnis zur Größe des Objekts waren die Kräfte doch recht schwach, die Blendwirkung störend und die Munitionsbeipackung durch die erhöhte Betriebsstoffzuladung sehr beschränkt. Als mir aber gelegentlich einer Vernehmung im Lager Mondorf 1945 von der russischen Dolmetscherin etwas über die „furchtbare Bombenwirkung“ gesagt wurde, revidierte ich nachträglich gern im Interesse meiner tapferen Verbände und Besatzungen mein seinerzeitiges Urteil. Auf jeden Fall haben die laufenden Angriffe neben der materiellen Wirkung den späteren Zusammenbruch in der Stadt vorbereitet. Schade, daß er nicht ausgenutzt werden konnte!

Mit den schon erwähnten Kämpfen an den Flügeln der Heeresgruppe Mitte und den ständigen Einsätzen der gesamten Fliegerkräfte der Luftflotte 2 vergingen bei wechselnder Wetterlage der August und die erste Hälfte des September. Mit Feldmarschall v. Bock war ich darüber einig, daß die Stellungen der 4. und 9. Armee für den Winterfeldzug wenig geeignet waren, zumal sich die gegenüberliegenden Feindkräfte sichtbar verstärkten. Der Gedanke, noch einmal an dieser Front das Glück zu versuchen, lag deshalb nahe. Schon eine erfolgreiche Kesselschlacht konnte die russischen Kräfte dezimieren und die Kampfführung während des Winters bestimmend beeinflussen. Ob man nach einem derartigen Sieg die Operation Richtung Moskau weiterführen konnte, mußte von Stärke und Zustand der eigenen Kräfte, sowie vor allem von der Wetterlage abhängen. Das Wetter war die große Unbekannte, die schon den Anfangserfolg stark beschneiden konnte.

Mit heißem Herzen und kühlem Kopf wurden seit dem 15. September die Vorbereitungen für den neuen Angriff getroffen; ich selbst besprach die Einzelheiten der kombinierten Kampfführung mit den Oberbefehlshabern der 2., 4., 9. Armee und der 2., 4. und 3. Panzerarmee. Mein alter Metzer Freund, Generaloberst Hoepner (Oberbefehlshaber der 4. Panzerarmee) hatte – anscheinend durch die wenig erfolgreichen Kämpfe der Heeresgruppe Nord beeindruckt – wenig Zutrauen. Zweimal habe ich ihm die ganz anders liegenden Verhältnisse vor der Heeresgruppe Mitte auseinandergesetzt, ihm seine geradezu einmaligen Chancen für eine Durchbruchs- und Umfassungsoperation klargemacht und ihm verstärkte Fliegerunterstützung zugesagt. Er gewann Vertrauen – und als ich ihn während der Schlacht aufsuchte, war er des Glückes und Stolzes voll. Was meine eigenen Verbände betrifft, so war der taktische Rahmen eindeutig gegeben. Die Flakkorps hatten schwerpunktmäßig Erdaufgaben, waren Verstärkungs- und Stoßartillerie – mit dem Schwerpunkt auf dem rechten Flügel[4]. Die Nahkampfflieger kämpften nach den nun schon Gesetz gewordenen Regeln den Weg für die Heeresverbände, vor allem von den Panzergruppen, frei und hatten die Feindverschiebungen auf dem Kampffeld bis zur Vernichtung anzugreifen. Die schweren Kampfkräfte schlössen das Kampffeld nach rückwärts ab. Von feindlichen Fliegern sah man im Verhältnis zu den unmittelbar vorhergegangenen Schlachten wenig; am lebhaftesten traten sie am Südflügel auf.

Das VIII. Fliegerkorps hatte noch den Sonderauftrag, die linke Flanke der Panzerarmee 3 (Hoth) zu überwachen und etwaige Feindangriffe im Raum Bieloy unter Zurückstellung aller anderen Aufgaben zu zerschlagen. Sowohl gegenüber Feldmarschall v. Bock als auch gegenüber Generaloberst Hoth verpflichtete ich mich, diese Aufgabe, wenn sie überhaupt akut werden sollte, zu erfüllen. Leider ließ sich die Panzerarmee beim Vorwärtsgehen und Eindrehen nach Süden durch die mögliche Flankenbedrohung mehr als notwendig beeinflussen, so daß der linke Umfassungsflügel verspätet eindrehte und immerhin einige divisionsstarke Kräftegruppen entweichen konnten.

Das Handikap, das auch diese Schlacht bei 650 000 Gefangenen[5] nur zu einem „ordinären“ Sieg werden ließ, lag am äußersten rechten Flügel. Die Hoffnung auf eine groß angelegte Umfassung über Tula auf Moskau war durch das bereits in den ersten Oktobertagen im Südraum vor der 2. Panzerarmee auf tretende Schlechtwetter zunichte gemacht. Ungünstiges Flugwetter erschwerte die fliegerische Unterstützung; Schnee und Regen zusammen mit einer übermäßig starken Benutzung der Straßen durch schwerste   Raupenfahrzeuge und ihre Zerpflügung durch Bombentrichter verlangsamten die Bewegungen, um sie ab 5. Oktober allmählich nahezu zum Erliegen zu bringen. Selbst die Panzer hatten darunter zu leiden. Der Versuch, mit Zugmaschinen der Flak einzelne Fahrzeuge zu bewegen, endete mit dem Auseinanderreißen von Wagen oder Ketten. Als der Verpflegungsnachschub versagte, mußte die Luftflotte für Teile der 2. Panzerarmee sogar Verpflegung abwerfen. Die körperliche Belastung (die Heeresverbände hatten noch keine Winterausrüstung) und die seelischen Strapazen waren für die Männer der 2. Panzerarmee zu groß geworden.

Dies war der Wendepunkt der großen Schlachtenfolge im Osten. Dies und die vermehrt auftretende Nervenbelastung waren auch – wie sich später zeigen sollte – für den harten und widerstandsfähigen Oberbefehlshaber der Panzerarmee, meinen alten Freund aus dem Reichswehrministerium, Generaloberst Guderian, zuviel.

Angesichts dieser Entwicklung sah ich die operative Auswirkung des Angriffs als kaum mehr gegeben an. Alle Vorteile hatten sich durch das Sudelwetter mit den unglaublichen Bodenverhältnissen und durch die Anfang November folgende Frostperiode, durch das Fehlen von Winterbekleidung beim Heer, durch das Neuauftreten sibirischer Truppen und den vermehrten Einsatz von sehr brauchbaren Kampfwagen (T 34) und Schlachtfliegern ins Gegenteil verkehrt.

An sich wäre es – davon war ich damals überzeugt – für Generaloberst Hoepner und Guderian mit ihren Panzerkräften kein Kunststück gewesen, bei normalem Wetter einfach nach Moskau und über Moskau hinaus zu fahren. Der Wettergott hatte es anders bestimmt; den Russen war es möglich geworden, eine dünne Front westlich Moskau aufzubauen und mit den letzten Reserven aus Arbeitern und Kadetten zu besetzen; sie kämpften heldenhaft und stoppten den Angriff unserer fast bewegungslos gewordenen Kräfte. In diesen Oktobertagen waren die sibirischen Divisionen noch nicht an der Front. Für mich ist es heute noch ein Rätsel, daß unsere Fernluftaufklärung zwar lebhaften Verkehr, aber meines Wissens niemals in diesen und den vorhergehenden Tagen den strategischen Aufmarsch der Fernostarmeen meldete. Aber auch der noch Ende Oktober gemeldete verstärkte Eisenbahnverkehr hätte das OKW zur Vorsicht mahnen sollen. Spätestens Mitte November, als von den Heeresverbänden das Auftreten sibirischer Verbände an der Front gemeldet wurde, hätte man das Zurückgehen in eine Winterstellung anordnen müssen.

Unter dem belebenden Einfluß der Kesselschlachten von Kiew und Brjansk-Wjasma wurde dagegen die Fortführung des Angriffs auf Moskau befohlen, für den allgemein wenig Neigung bestand, vor allem bei den in erster Linie verantwortlichen Führern, Feldmarschall v. Kluge, der erst allmählich Feuer fing, als er die Stimmung der Front auf sich wirken ließ, und Generaloberst Hoepner, dem, wie ich in Gesprächen persönlich feststellte, für diese Aufgabe das mitreißende Fluidum fehlte. Kluge, selbst mehr geschoben als schiebend, beklagte sich über die zögernde Führung Hoepners; dieser verteidigte sich bei mir mit dem mangelnden Nachschub. Ein wenig befriedigendes Bild, als ich Ende November mit meinem Luftflottenstab, dem einige Tage später der Korpsstab des II. Fliegerkorps folgte, aus der Ostfront herausgezogen und in Richtung Berlin mit Ziel „Mittelmeer“ abtransportiert wurde.

Was in diesen Monaten neben der fechtenden Truppe von den Luftgauen mit ihren Bodenverbänden geleistet worden ist, verdient Erwähnung. Die Truppen der Luftflotte 2 hatten nie einen ins Gewicht fallenden Mangel an notwendigem Nachschub. Die Leistungen der Sanitätsorgane, meines Luftflottenarztes, Generalarzt Dr. Schröder, meines hervorragenden beratenden Chefchirurgen, des unermüdlichen und einsatzfreudigen Professors Dr. Bürkle de la Camp, und des Gehirnspezialisten, Professor Dr. Tönnis, hatten einen weit über die Luftwaffe hinausgehenden Ruf.

Der Verwundeten-Lufttransport fand immer stärkeren Anklang und entsprechende Ausdehnung. Schon im August, als ich sah, daß wir während des Winters irgendwo in Rußland bleiben mußten, forderte ich Winterausrüstung an, die auch in unverhältnismäßig kurzer Zeit mit Hilfe des tüchtigen Heeres-Transportchefs angeliefert wurde. Bei meinem Weggang wußte ich meine Soldaten für den Winter gerüstet. Die Hilfe der Finnen nutzten wir aus, um die Einsatzbereitschaft der fliegenden Verbände auch bei Eintreten größter Kälte durch Bau von besonderen Heizvorrichtungen zu gewährleisten. Alles in allem: ein schönes Zeugnis verständnisvoller Gemeinschaftsarbeit.

Konnte nicht die Luftwaffe mit ihrer Kraft die besonders beim Heer sichtbar gewordenen Ermüdungserscheinungen ausgleichen und das weitere rasche Vorgehen der Armeen gegen Moskau ermöglichen? Gerade als Fliegergeneral bin ich berechtigt – ich werde noch anderwärts darauf zurückkommen –, die Leistungsgrenzen der Fliegerei festzustellen. Die Erfolge der Luftflotte 2 vom 22. Juni bis 30. November 1941 sprechen für sich: 6670 Flugzeuge, 1900 Panzer, 1950 Geschütze, 26 000 Fahrzeuge und 2800 Züge. Der ununterbrochene Einsatz der Fliegerkräfte während des ganzen bisherigen Krieges vom 1. September 2939 bis Mitte November 1941 hatte aber die Luftstreitkräfte materiell und personell in höchstem Maße mitgenommen. Die Wetterschwierigkeiten im russischen Herbst, Regen, Nebel, Kälte, taten das übrige. Auch die Flieger, selbst die Nahkampfflieger, konnten nur Ziele angreifen, die sie sahen und die genügend groß waren. Geschlossene Bewegungen waren nach dem Ablauf der Kesselschlacht Brjansk-Wjasma nur noch ausnahmsweise zu beobachten; Großbewegungen der sibirischen Verbände wurden nicht erkannt oder wenigstens nicht als solche bewertet. Die Bekämpfung dieser später entscheidend werdenden Elitetruppe fiel dementsprechend aus. Die Widerstandsnester waren einzelne, kleine, im Gelände zerstreute Bunker, die sicht- und zielmäßig dem sich rasch bewegenden Flieger, besonders bei „Dreckwetter“, außerordentliche Schwierigkeiten boten.

Auch der Kampf gegen die verstärkt auftretenden und auch bei schlechtesten Bodenverhältnissen beweglichen T 34 forderte die äußerste Hingabe der Schlachtflieger im Tiefstflug über Wälder, Bäume und Ortschaften hinweg. Die laufend angeforderten Einsätze der Jagdflieger zum Schutz der Heeresverbände gegen gepanzerte tieffliegende russische Schlachtflieger wurden zur Beruhigung der Erdtruppe geflogen; die Waffenwirkung war gering, da die Erfolgs aus sichten fehlten. Hier war mit Flak und Pak mehr zu erreichen, wenn auch diese bei den ungünstigen Boden- und Bodenbedeckungsverhältnissen nur beschränkt zur Wirkung kommen konnten. So häufig, allen Hemmnissen zum Trotz, von den Fliegern angegriffen wurde, entscheidend konnten diese Angriffe nicht werden und wurden es auch nicht.

Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, waren die fliegenden Verbände ganz nahe hinter der Heeresfront in der allgemeinen Linie Orel-Juchnow-Rshew auf Feldflugplätzen untergebracht. Ein durchschlagender Erfolg konnte auch dadurch nicht erreicht werden. Auch eine starke Luftwaffe hätte der erstarrten und geschwächten deutschen Front, gegenüber einem fast unsichtbaren Gegner, keine schlachtentscheidende Hilfe bringen können. Von einer schwach gewordenen und übermüdeten Fliegerwaffe war dies noch weniger zu erwarten.

Wenn man die kriegsgeschichtlichen Arbeiten des In- und Auslandes liest, so finden mit vollem Recht die beispiellosen Leistungen der Infanterie oder der Panzer gebührende Erwähnung; von der Mitwirkung der Luftstreitkräfte oder gar der Flakartillerie wird kaum gesprochen. Zum Teil dürfte dies deutscherseits darauf zurückzuführen sein, daß die Luftwaffenverbände den örtlichen Heeres-Truppenführern nicht unterstellt waren und daß deswegen das „wehrmachtmäßige Denken“ zu kurz gekommen ist. Ein noch wichtigerer Grund scheint mir der zu sein, daß die fliegerischen Verbände häufig in Zonen kämpften, die von der Erdtruppe nicht eingesehen wurden; die Angriffe riefen keinen unmittelbaren, nachhaltigen Eindruck hervor und blieben unerwähnt, obwohl durch die Luftangriffe der Feind bei Annäherung, Bereitstellung oder beim Rückzug Verluste erlitt, die häufig die Voraussetzungen für den Erfolg der Schwesterwaffen des Heeres lieferten. Wer, wie ich selbst, an den Marschstraßen ganze Kolonnen hingemäht, Eisenbahnzüge in einem unentwirrbaren Stau zusammengefahren sah, der ist zu der vorstehenden Feststellung berechtigt. Daß der Erfolg der entscheidend wirkenden Nahkampfflieger oder der Flakkorps fast unerwähnt blieb, ist für mich kaum zu verstehen, da ich während der Kämpfe eigentlich nur begeisterte Anerkennung hörte. Diese Worte sollen geschrieben werden, um die einmaligen Leistungen der Luftwaffe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und zu zeigen, daß große Erfolge auf dem guten Zusammenwirken der Waffen und Wehrmachtteile beruhen.

Einige Bemerkungen, frei von der Parteien Gunst und Haß, mögen dies Kapitel beschließen. Der an sich fehlerhafte und wenigstens unerwünschte Zweifrontenkrieg brauchte nach Ansicht vieler nicht unbedingt die schicksalhafte Bedeutung für den Ausgang des Krieges zu haben. Was ist daran richtig? Deshalb die Frage: Konnte der Feldzug in Rußland mit den beschränkten Kräften bis Ende des Jahres 1941 zur Einnahme Moskaus und zur Vernichtung der russischen Wehrmacht führen?

Ich nehme dabei als selbstverständlich an, daß es sich bei einem so kurz bemessenen Feldzug nur um die Vernichtung der im europäischen Rußland befindlichen Streitkräfte, Wehrzentren und Rüstungsstätten handeln konnte. Dabei lege ich die von Hitler gewählte Operationsidee als verbindliche Ausgangslage zugrunde. Für mich, der ich den Mittelabschnitt sehr gut kenne, steht fest, daß das zeitweise auftretende Schlechtwetter und die Bodenlosigkeit der Wege, vor allem ab Oktober 1941, die schlimmsten Feinde waren; wären sie nicht gewesen, so wäre die Inbesitznahme Moskaus kein Problem gewesen. Rechnet man mit den Schlechtwetterperioden und ihren Folgen als unausweichliche Erscheinung des russischen Kriegsschauplatzes, so hätte das gesteckte Ziel erreicht werden können, wenn Hitler nicht durch zu lange Überlegungen und Nebenoperationen kostbare Wochen hätte verstreichen lassen. Hätte man nach einer berechtigten Atempause im Anschluß an die Kesselschlacht von Smolensk, Anfang September, die Offensive gegen Moskau fortgeführt, so wäre nach meiner Überzeugung Moskau noch vor dem Winter und vor dem Eintreffen der sibirischen Divisionen in unsere Hand gefallen. Es wäre dann höchstwahrscheinlich möglich gewesen, einen schirmartigen Brückenkopf nach Osten vorzuschiebender russische Umgehungsmanöver und den Nachschub für die anderen russischen Fronten erschwert hätte. Die entscheidende Folge der Einnahme Moskaus wäre gewesen, daß das ganze europäische Rußland von seinen asiatischen Kraftquellen abgeschnitten und die Inbesitznahme der lebenswichtigen Wirtschaftszentren (Leningrad, Donez-Becken, Maikop-Ölzentrum) 1942 keine unlösbare Aufgabe gewesen wäre.

Auch bei dieser Operation hätte man sich irgendwie mit der russischen Kiew-Gruppe des Marschalls Budjenny abfinden müssen. Die Kämpfe an dieser Front wären sicher schwer und krisenreich geworden, hätten aber kaum feldzugentscheidenden Charakter besessen. Wären doch, wie oben angedeutet, mit der Einnahme Moskaus die russische Führungsorganisation zerschlagen und die Verbindungen nach dem Fernen Osten unterbrochen worden. Hatte man allein das strategische Ziel im Auge, so dürfte es richtiger gewesen sein, die Offensive gegen Moskau nach einer entsprechenden Auffrischungspause und der notwendigen Umgruppierung von August oder September ab weiter zu führen. Es wäre dann noch genügend Zeit für eine Angriffsoperation mit beschränktem Ziel gegen Budjenny vorhanden gewesen.

Eine zweite Frage: War die Operationsidee Hitlers, am Dnjepr mit der Heeresgruppe Mitte zur Verteidigung überzugehen, um mit den verstärkten Flügel-Heeresgruppen die wirtschaftlich wichtigen Ziele – rechts: Donez- und Ölbecken, links: Leningrad mit Verbindung nach Finnland – zu erreichen, richtiger als die, Moskau zu gewinnen?

Zweierlei war beim Eintreffen am Dnjepr Gewißheit geworden; einmal war es nicht gelungen, die russischen Kräfte westlich des Dnjepr vollkommen einzukesseln und zu vernichten, und zum zweiten war es klar geworden, daß noch im Gebiet zwischen Moskau und Dnjepr frische Kräfte vorhanden waren oder aufgestellt und mit dem notwendigen Nachschubgut versorgt werden konnten. Die Stärke dieser Kräfte durfte man nicht unterschätzen. Wenn man sie aus den späteren Ereignissen (Gefangene und Tote) rekonstruiert, so mußte man gegenüber der Heeresgruppe Mitte mit 1½ bis 2 Millionen rechnen. Budjennys Kräfte gegenüber der Heeresgruppe v. Rundstedt   hatten sicherlich dieselbe Stärke, während die Heeresgruppe Nord etwas weniger Kräfte gegen sich gehabt haben dürfte. Diese Kräfte konnten dem deutschen Vorgehen entsprechend verschoben werden.

Auch durch starke deutsche Fesselungsangriffe aus der Mitte heraus hätte man die schwerpunktmäßige Verschiebung der vor der Mitte liegenden Masse der russischen Kräfte nicht auf die Dauer verhindern können. Mit einem raschen und sicheren Erfolg der Flügel-Heeresgruppen konnte man deutscherseits nur rechnen, wenn den Heeresgruppen Süd und Nord außer den Heeres-Reserven alle bei der Heeresgruppe Mitte nicht unbedingt notwendigen Kräfte und alle Verbände der Luftwaffe aus ihrem ganzen Bereich – also auch vom Westen und Norden – zugeführt worden wären, sowie wenn diese Flügeloperationen spätestens Ende Juli oder Anfang August 1941 begonnen hätten. Es besteht kein Grund zur Annahme, daß die Operationen nicht noch vor Winterbeginn zum Abschluß hätten gebracht werden können, zumal im Süden nicht wie im Norden mit einem frühen Wintereinfall gerechnet zu werden brauchte. Das Steckenbleiben der Heeresgruppe Nord im August und September dürfte nicht dagegen sprechen, daß unter vollkommen veränderten Verhältnissen die früher und stärker angesetzte Offensive nicht doch erfolgreich hätte sein können. Ein Vorteil wäre mit der Flügeloperation verbunden gewesen, der in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Die Heeresgruppe Mitte und zum mindesten die anschließenden Teile der Heeresgruppe Süd und Nord wären in starken, wahrscheinlich auch stark ausgebauten Stellungen gewesen und kaum im Winter ins Rutschen gekommen. Ob aber der Besitz Leningrads, des Donezbeckens und der Ölfelder die Vorteile der Einnahme Moskaus als Führungs-, Rüstungs- und Verkehrszentrum hätte ausgleichen können, möchte ich heute ebenso wie 1941 bezweifeln. Deswegen: Das erste Operationsziel mußte unter bewußter Beschränkung der Zielsetzung für die Flügel-Heeresgruppen Moskau sein.

Die dritte Frage endlich ist folgende: Die gestaffelten Kesselschlachten von Bialystok-Minsk, Smolensk, Kiew, Wjasma-Brjansk haben Zeit gekostet und den Panzergruppen Zügel angelegt, so daß diese ihre arteigene Aufgabe, ohne Rücksicht auf die Lage rechts, links und im Rücken bis zum Ziel durchzustoßen, nicht erfüllen konnten. Hätte dieses Ziel bei klarer operativer Planung und exakter Durchführung überhaupt erreicht werden können?

Wenn ich auch 1941 noch nicht die Erfahrungen von 1942—1945 hatte, auf die ich später zurückkommen werde, so fühle ich mich doch berechtigt, auf Grund meiner damaligen allgemeinen Kenntnisse meine seinerzeitige Auffassung niederzulegen. Ich glaube, daß der Durchbruch der Panzergruppen 2 und 3 durch die russischen Stellungszonen gelungen wäre. Ich glaube aber nicht, daß die im 2. und 3. Treffen folgenden Infanterie-Korps die millionenstarken russischen Kräfte – wenn überhaupt – so rasch hätten überwältigen können, daß die Panzergruppen rechtzeitig, d. h. vor dem unweigerlich auftretenden Erschöpfungszustand, hätten aufgenommen und versorgt werden können.

Die Panzergruppen waren für diese Aufgabe zu schwach. Die motorisierten operativen Kräfte mußten in einem gesunden Verhältnis zur Tiefe und Breite des zu erobernden Raumes und zur Stärke des Feindes sein. Eine noch tragbare Relation war nicht vorhanden. Die Kriegsbrauchbarkeit der Raupenfahrzeuge (einschließlich der Panzer) war ungenügend. Der ununterbrochenen Bewegung waren technische Grenzen gesetzt. Eine Bewegungsoperation in 1000 Kilometer Tiefe durch stark besetztes Feindgebiet benötigt sehr viel Nachschub, vor allem dann, wenn man nicht auf feindliche verwendungsfähige Großvorräte zurückgreifen kann. Nachschub Straßen und Flugplätze lagen zum großen Teil im feindgefährdeten Gelände; sie waren ungenügend gesichert. Der Luftnachschub war nicht auf diesen Massenbedarf vorbereitet, ebensowenig war – aus mir unbekannt gebliebenen Gründen – der Einsatz von starken Luftlandetruppen vorgesehen, die für derartige weitgesteckte Operationen unentbehrlich sind.

Alles in allem konnte die Moskau-Offensive mit den Panzergruppen nur gelingen, wenn man wenigstens an zwei Abschnitten (Minsk und Smolensk) einen Stop für die Panzergruppen einlegte, die westlich dieser Abschnitte befindlichen Feindkräfte zusammen mit den Infanterie-Korps ausräumte und erst aus gesicherter Basis heraus zum weiteren Angriff antrat.

Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die Erschließung zusätzlicher personeller und materieller Quellen. Im August oder Anfang September 1941 hatte Generalfeldmarschall v. Reichenau, Oberbefehlshaber der 6. Armee, die Aufstellung von weißrussischen und ukrainischen Divisionen beantragt. Das wurde seinerzeit von Hitler mit der Bemerkung abgelehnt: Reichenau – (den er übrigens sehr schätzte) – solle sich um seine militärischen Probleme kümmern und das andere ihm überlassen. Wer das zahlreich vorhandene prächtige und willige russische Menschenmaterial gesehen hat, kann diese Haltung Hitlers nur bedauern. Ich habe ab 1943 bis zum Schluß deutsch-russische Verbände unter mir gehabt, die, ohne ihr heißersehntes Ziel verwirklichen zu können, bis zum bitteren Ende zu uns hielten; sie hätten seit 1942 mit dem Auftrag der Verteidigung ihrer Heimat und ihrer Befreiung vom bolschewistischen Joch eine fühlbare Entlastung gebracht; mit ihrer Unterstützung hätten sich die militärischen und wirtschaftlichen Ziele mit größter Wahrscheinlichkeit erreichen lassen. Die verfehlte Volkstumspolitik Hitlers und seiner politischen Beauftragten hat sich auch auf dem militärischen Gebiet, nicht nur auf dem Bandensektor, gerächt. Die sofortige planmäßige Ausnützung und der großzügige Ausbau der russischen Grundstoff- und Rüstungsindustrie hätten die Zerschlagung unserer Produktionsstätten, wie wir sie seit 1943 erleben mußten, wesentlich erschwert und mit Sicherheit das fehlende Material in beachtenswertem Umfang ergänzen lassen.

Wenn man sich die Verhältnisse im Osten – ohne auf die ebenfalls gegebenen Möglichkeiten im Westen einzugehen – nüchtern vor Augen hält, erhebt sich die Frage von selbst:

„Mußte dieser Krieg den apokalyptischen Ausgang nehmen, den er gefunden hat?“


(Aus dem Buch: Albert Kesselring. Soldat bis zum letzten Tag)



[1] 1945 sagte mir ein russischer Offizier bei der Vernehmung, daß Rußland 1943 auf die Höchststufe der Rüstung und Einsatzbereitschaft gekommen wäre. Die Schlußfolgerung aus dieser Bemerkung liegt im Hinblick auf die auffällige Dislokation der Truppen an der russischen Westgrenze nahe.

[2] General Deichmann, Chef des Stabes II. Fl. K., schildert anschaulich die Lage:

„Den Einwänden des Heeres mußte sich die Luftwaffe fügen und einen ungünstigen Angriffsbeginn in Kauf nehmen, der der feindlichen Luftwaffe 40 Minuten mehr Zeit gab, sich zur Abwehr zu rüsten. Um nun zu vermeiden, daß die feindlichen Jagdverbände diese frühzeitige Alarmierung ausnutzen konnten, entschloß sich das II. Fl. K. (VIII. Fl. K. verhielt sich ebenso) zu einer nicht ungefährlichen Zwischenlösung. Für jeden mit russischen Jägern belegten Flugplatz starteten drei im Nachtflug erfahrene Besatzungen und flogen in Gipfelhöhe unter Ausnutzung unbesiedelter Sumpf- und Waldgebiete so über die russische Grenze, daß sie unbemerkt die feindlichen Flugplätze erreichten und sich in dem gleichen Zeitpunkt, wie das Heer zum Angriff antrat, auf die Flugplätze stürzen konnten. Zweck dieser Angriffe war es, auf den feindlichen Jagdflugplätzen solche Verwirrungen zu verursachen, daß sich der Start der Einheiten verzögerte.

Der Zweck wurde vollkommen erreicht. Als die Bomberverbände, die bei Dämmerung gestartet waren, über den feindlichen Flugplätzen eintrafen, war noch kein russischer Verband gestartet, so daß sie ihre Bombenlast mit bestem Erfolg auf die am Boden stehenden Flugzeuge abwerfen konnten. Lediglich an einem Platz wurde ein Jagdverband angetroffen, der gerade startete. Die Bomben fielen mitten in den startenden Verband hinein, so daß die Flugzeuge in Startformation zerstört am Ende des Platzes lagen. So kam es, daß das Korps an dem ersten Angriffstag und ebensowenig an den nächsten Tagen Jagdabwehr antraf und in etwa zwei bis zweieinhalb Tagen ganz systematisch auf allen feindlichen Flugplätzen bis zu einer Tiefe von 300 km alle Flugzeuge zerstören konnte.“

[3] Meine Gedanken waren in dieser Frage sehr einfach. Alle Feldzüge hatten erwiesen, daß der Ausgang vom Nachschub abhing. Mangelte es an Nachschubgut, so nutzte auch der beste Führungsgedanke nichts. Die Gleichstellung des Oberquartiermeisters mit den Ia-Führungsgehilfen war für mich eine Selbstverständlichkeit geworden. Ich war immer verärgert, wenn man meine Auszeichnungsvorschläge für die Nachschubbearbeiter unberücksichtigt ließ.

[4] Das I. Flakkorps hatte vom Feldzugsbeginn bis zu diesem Zeitpunkt 314 russische Flugzeuge und über 3000 Panzer abgeschossen.

[5] Von verschiedenen Seiten werden Zweifel in die deutschen Angaben der Gefangenenzahlen gesetzt; wer aber die endlosen Züge der russischen Gefangenen tagtäglich nach rückwärts marschieren sah, kann keinen Zweifel darüber haben.


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