Evola: SS-Archiv


Boris Pragov. Julius Evola | SS-Archiv

Boris Pragov. Julius Evola [Öl, 2009]


Anmerkung der VS-Redaktion: Wir freuen uns, Ihnen Evolas Vorträge aus dem SS-Archiv zu präsentieren. Hiermit möchten wir uns ganz herzlich bei dem Mitarbeiter der Staatlichen Bibliothek der Russischen Föderation A.M. bedanken, der uns diese Dokumente 2008 zur Verfügung gestellt hat.


I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Aktenvermerk
Studienkreis
Vorwort
Erster Vortrag: Arische Lehre des heiligen Kampfes
Zweiter Vortrag: Gral als nordisches Mysterium
Dritter Vortrag: Die Waffen des geheimen Krieges
Die SS, Wächter und "Orden" der Hakenkreuz-Revolution

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A k t e n v e r m e r k

Der Vortrag von Baron Evola über Gralsmysterium und Reichsgedanke ist nach meiner Meinung eine gute Arbeit, die von reicher Sachkenntnis zeugt. Im Wesentlichen deckt sich seine gibellinische Reichsauffassung auch wohl mit dem arischen Reichsgedanken, den wir vertreten. Die Literatur über Gral und Parzival scheint Evola zu beherrschen. In letzter Zeit sind darüber ja zahlreiche neue Veröffentlichungen erschienen, die, wenn wirklich eine deutsche Burg das Vorbild zur Gralsburg gewesen ist, die am deutlichsten auf den Wildenberg "Mont Sauvage" im Odenwald hinweisen.

Übrigens ist von Evola im Berliner Tageblatt vom 13.2.38 ein interessanter Aufsatz "Die beiden Adler" erschienen, in den er seine Auffassung von der Verwandtschaft des germanischen und des römischen Reichsadlers in bezeichnender Weise darlegt.

Vom Politischen ans gesehen, wirft jedoch Evolas Theorie, so sehr wir sie wissenschaftlich begrüssen können, einige schwierige Fragen auf. Das mittelalterliche Reich mit der Einbeziehung Italiens ist ja in seiner Bewertung heute ausserordentlich umstritten. Manche Kreise (zu denen ich nicht unbedingt gehöre) lehnen ja das Mittelalterliche Reich und die Italienpolitik restlos ab, auch in ihrer gibellinischen Ausprägung. Es kennzeichnet die ganze Verworrenheit der Lage, dass dabei durchweg die päpstlich gesinnten Welfen den antipäpstlichen Staufen als die angeblich besseren Germanen gegenüber gestellt werden.

Bo ist es zu befürchten, dass eine Veröffentlichung dies an sich ausgezeichneten Aufsatzes in "Germanien" unter den Lesern eine gewisse Verwirrung anrichtet. Sehr viele von diesen stehen immer noch unter der Vorstellung eines Kampfes gegen Rom um jeden Preis, wobei wirkliche Sachkenntnis meistens nicht die stärkste Seite ist. Aber man muss mit solchen Stimmungen rechnen, und es wird nicht leicht sein, den grundlegenden Unterschied zwischen dem päpstlichen und dem kaiserlichen Rom speziell der gibellinischen Reichsauffassung darzulegen. Natürlich werden alle diese Fragen durch den Aufsatz Evolas nur am Rande aufgeworfen. Seine Leitidee ist aber eine geistige Untermaurung der sog. Achse Berlin - Rom durch die alte Idee der Einheit von Deutschland und Italien. Sein Reichsgedanke kommt also letzten Endes auf ein übernationales Reich hinaus, wenn auch unter Vorherrschaft der nordischen Elemente, das ich nur mit grössten Bedenken vertreten könnte. Grundsätzlich scheint es mir überhaupt bedenklich, unsere Zeitschrift irgendwie in den Dienst zeitgebundener Aussenpolitischer Konstellationen zu stellen, wie sich das im Falle Japan schon einmal ergeben hat.

Berlin am 22.2.38.

Unterschrift


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Deutsch-Italienische Gesellschaft
"Studienkreis"

Berlin W. 15. den 3 Juni 38



Der Studienkreis der Deutsch-Italienischen Gesellschaft veranstaltet im Juni in der Räumen der Deutsch-Italienischen Gesellschaft, Berlin W. 15, Uhlandstrasse 171/172, (nähe Kurfürstendamm) eine Vortragsreihe von Baron E v o l a , Rom.

1. Vortrag: Montag, den 13. Juni 1938, 20,3o Uhr

"Arische Lehre des heiligen Kampfes."

2. Vortrag: Montag, den 20. Juni 1938, 20,3o Uhr

"Gral als nordisches Mysterium."

3. Vortrag: Montag, den 27. Juni 1938, 20,3o Uhr

"Die Waffen des geheimen Krieges."

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie an diesen Abenden erscheinen könnten. Für baldige Benachrichtigung auf beiliegender Karte oder fernmündlich ( 91 71 31 ) wären wir Ihnen sehr verbunden.

Heil Hitler !

Ihr sehr ergebener

Unterschrift: Düssel


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Vorwort .

Der Zweck des ersten Vortrags ist, jene Motive unserer alten Tradition hervorzuheben, die zur Überwindung des Gegensatzes zwischen dem Asketischen und dam Soldatischen, des Sakralen und des Heldischen führen und im Kampf und Sieg einen positiven Weg zur inneren Vollendung und transzendenten Steigerung der Persönlichkeit in voller Abhängigkeit von "religiösen" Prämissen erblicken lassen.

Durch den zweiten Vortrag wird versucht, vor allem dem Verdacht zu entfernen, dass diese Vollendung durch das Heldische doch ins Mystisch-Formlose und Subjektiv- Weltfremde mündet. Deshalb wird die Gralstradition als weiterer Bezugspunkt erwählt. In dieser Tradition tritt die erste Aufgabe, - mit dem Gedanken des Reiches und eines kämpferischen Ordens in engste Verbindung, damit auch mit überindividuellen und historischen Zielsetzungen: der Held, der den Gral gesehen hat, wird verflucht. Es wurde ausserdem die Gralstradition als Beleg gewählt, weil die in Frage stehende Lehre durch Elemente zum Ausdruck kommt, die nordischen Ursprungs sind und dazu auf unsere gemeinsame römisch-germanisch-gibellinische Wirklichkeit zurückweisen.

In den beiden Vorträgen wird betont, dass es sich dabei nicht um eine "tote" Vergangenheit handelt, sondern um Bedeutungsgehalte, die als höherer Bezugspunkt für die Symbole und Mythen der heutigen erneuernden Bewegungen dienen könnten.

Die Okkulte Kräfte des Weltumsturzes streben danach, diese Steigerung zu verhindern und folglich die geistige Macht derartiger Symbole und Mythen zu lähmen. Mit dem dritten Vortrag wird versucht, die Hauptwaffen dieses geheimen Krieges zu entdecken und entpuppen, um im voraus die Aktion zu verhindern, die unsere Gegner gegen die Wiederaufnahme der Hauptmotive der arischen Tradition der Tathandlung, des Ordens und des Reiches in ihrer höchsten und unverfälschten Form richten.

Baron E v o l a .


Erster Vortrag :

" Arische Lehre des heiligen Kampfes "


Unsere Kultur befindet sich einer Alternative gegenüber, in der die Hauptwurzel ihrer Krise zutage tritt. Einerseits haben wir eine Kultur ohne Leben, eine Ethik des Ungewissen, einen Glauben, der im Grunde recht wenig unserem Lebensstil entspricht. Auf der anderen Seite haben wir eine paroxystische Entwicklung all dessen, was Tathandlung ist, freilich in einem materialistischen und fast barbarisch zu nennenden Sinn. Kaum nötig, hervorzuheben, wie von diesen beiden termini der zweite sich von Tag zu Tag als der überwiegende erweist. Unsere Zivilisation steht ganz wesentlich im Zeichen der Aktion. Dies vor allem darum, weil die dem Abendlande eigene Tradition tatsächlich eine Tradition nicht der reinen Erkenntnis oder der Kontemplation, sondern der Tat ist. Loch die heute bekannte Aktion ist nichts als eine entpotenzierte, weil verweltlichte und jedes transzendenten Beziehungspunktes beraubte Aktion. Biese Lage entspringt verborgenen, von den meisten kaum geahnten Ursachen. Der Gedanke ist nicht gewagt, dass in gewisser Hinsicht das Christentum eine dieser Ursachen ist. Dieser Glaube, der weder arischer noch römischer, sondern semitisch-südlicher Herkunft ist, kam — anstatt eine Ergänzung unserer alten Tradition zu bedeuten — als deren brüske Unterbrechung zur Geltung. Die Psychologie lehrt, wie die Hemmungen die Sublimierung lähmen und unterdrückte Energien in Krankheitskeime verwandeln. Analog ist die Diagnose des Prozesses, dem wir die Säkularisierung und Materialisierung unserer Tradition der Tathandlung verdanken. Die christlich-dualistische Auffassung des Geistes entseelte unsere Kultur der Tat. Sie versperrte ihr den Weg nach oben, den Weg zur absoluten Geistwerdung. Sie errichtete eine unsichtbare, doch hartnäckige Schranke, sodass im Anrennen gegen sie die von den Tatwerten bedingten Kräfte endlich zu ihrer Entladung kein anderes Gebiet zugänglich fanden als das des Materiellen, Daraus entsprang eine pathologische Uebersättigung dieses Gebietes. Die entweihte und jeder verklärenden Macht beraubte Aktion musste mit Notwendigkeit zu Fieber und Manie entarten; sie wurde zum Tun um des Tuns willen oder zu einem Tun, das nur zeitbedingten Verwirklichungen verhaftet ist. Von der Reformation und dem Humanismus an hat dieser Prozess sich nicht mehr aufhalten lassen.

An diesem Wendepunkt unserer Geschichte ergibt sich für die Besten die Notwendigkeit einer Revolte und der Rückkehr zur Tradition einer wieder sakralen und spirituellen Tathandlung. Nur auf diesem Wege kann das arische Abendland seine Befreiung finden und eine Seele empfangen, die ihm wirklich angemessen ist. Nur auf diesem Wege wird unsere heroische Berufung ihre höchste Entfaltung erlangen und werden unsere Bestrebungen zum Wiederaufbau Erfüllung finden können.

Wir wollen heute Abend einen kurzen Ausflug wagen in eine Welt, die unter dem positivistischen Aberglauben der modernen Zivilisation fast begraben liegt. Wir verfolgen dabei das Ziel, einige Grundbegriffe eben unserer alten gemeinsamen Tradition der Tat und ihrer Krönung in der mystischen Lehre vom Sieg wieder ans Licht zu ziehen.

Vor allem wollen wir die "Spiele" betrachten. Für die Modernen wird es überraschend sein zu erfahren, dass die von Livius übermittelte Definition für Kampf spiele res divinae lautet. Das klassische Aequivalent dessen, was heute der Sport ist, war also etwas Heiliges, Religiöses: es war ein "göttliches Ding", res divinae. Ueberdies waren in Griechenland und Rom die Spiele symbolischen Gestalten von Göttern und Heroen oder ihren gleichfalls symbolisch gemeinten Taten geweiht. Sie hatten im strengsten Sinne den Bedeutungswert eines Kultes oder Ritus. Die Kampfspiele, berichtet Dion Cassius, werden rite facte, rituell abgehalten. Sie folgen deshalb einer strengen und unveränderlichen Ueberlieferung. Der leichteste Verstoss brachte die Notwendigkeit mit sich, sie zu wiederholen, um so zu vermeiden, dass göttliche Kräfte sich unheilbringend gegen die Stadt wenden könnten, ueberdies war man in Rom überzeugt davon, dass die Vernachlässigung der sacra certamina, der heiligen Kampfspiele, eine schwere Gefahr heraufbeschwören würde. In Augenblicken öffentlichen Unglücks oder politischer Gefahr wurden die Spiele fast im Sinne eines Beschwörungsritus ausgeführt.

Die Leiter der römischen Spiele waren ursprünglich stets strenge Priestergestalten. Im Zirkus wurden keine profanen Darstellungen geduldet, sondern sie fanden im Zeichen der den grossen arischen Göttern geweihten Altäre und Tempel statt. Der feierliche Umzug, mit dem die Spiele eingeleitet wurden, war ähnlich dem Umzug der Triumphatoren selbst. Die Symbole der höchsten kapitolinischen Götter wurden in den Zirkus getragen, gleichsam um so ihre unsichtbare Gegenwart zu versinnbildlichen, die überdies auch durch das Vorhandensein leerer Stühle ihren mystischen Ausdruck fand. Die siegreichen Heerführer ihrerseits begaben sich vom Kapitol zum Zirkus, zur Feier der Spiele. So erweisen sich die Spiele aufs engste dem mystischen und sakralen, wie auch dem heroischen und triumphatorischen Element angehörig.

Der antike Mensch erlebte geheime und göttliche Kräfte hinter der körperlichen Welt, hinter den menschlichen Gedanken und Instinkten, hinter den Kolliktivitäten und grossen historischen Schicksalen. Der Ritus war für ihn keine leere und formalistische Zeremonie. Der Ritus war für den traditionsgebundenen Menschen eine objektive geistige Technik, wirksam, um auf diese Kräfte einzuwirken, sie zu entfesseln, zu bändigen oder in bestimmte Richtungen zu leiten. Dieser Hintergrund ist nicht als Aberglaube anzusprechen, sondern er ist bedingt durch einen transzendenten und überreligiösen Realismus. Von diesem Hintergrund hebt sich der geheime Sinn auch der Kampfspiele greifbar ab.

Die Kampfspiele wurden in ihrem tieferen Bedeutungsgehalt ein Ritus von ehedem heroischem Charakter. Sie waren eine Methode, um mittels einer bestimmten Handlung göttliche Kräfte zu entfesseln oder im kollektiven Bewusstsein die Gegenwart und Wirksamkeit göttlicher Kräfte zu erneuern. Es kann also nicht überraschen, dass mystische Zahlen und Symbole bis hinein in die architektonische Struktur der Zirkusse und Rennbahnen derart vorherrschen, dass ihre greifbare Stofflichkeit übergeordneten Bedeutungsgehalten angepasst wird. Tief unten, an dem der Gottheit Consus geweihten Altar, einer unterirdischen Wesenheit voll gieriger Erwartung des bei den Kampfspielen vergossenen Blutes, bestand eine Art Durchbruchstelle unterirdischer Mächte. Oben dagegen verkörperten die von Siegesgöttinnen und olympischen Gottheiten gekrönten Statuen und in ihrer Mitte die Symbole der Sonnenflamme das entgegengesetzte Prinzip, die wahrhaft göttliche Kraft. So wurde eine physische Angelegenheit — sei es auch unbewusst — auf eine symbolische und übernatürliche Ebene erhoben. Der Zirkus verwandelte sich so in einen sozusagen schicksalhaften Mittelpunkt, - Tertullian sagt eindrucksvoll: in einen Rat von Göttern. Analogien stifteten geheimnisvolle Zusammenhänge. Der Sieger konnte so mit göttlichem Charakter bekleidet, wenn nicht geradezu als Augenblicksinkarnation eines Heroen oder eines Gottes erscheinen. Wenn wir von den arisch-römischen Ueberlieferungen zur hellenischen übergehen, so möchten wir nur daran erinnern, dass in Olympia die olympischen Spiele als von Herakles begründet galten, zur Erinnerung an einen metaphysischen Kampf, an Kampf und Sieg der olympischen Mächte über die titanischen. Im Augenblicke des Triumphes wurde der Sieger als eine Offenbarung des olympischen Gottes, von Zeus selbst, angesehen.

Damit haben wir uns dem leitenden Gesichtspunkt unserer Betrachtungen genähert. In den altarischen Ueberlieferungen erschien der heroische Rausch und Sieg als ein Weg zu innerer Erhöhung, analog demjenigen, den die klassischen Mysterien lehrten und wonach im Initiierten der Tod sich in Auferstehung verwandelt. In diesem Sinne konnten die Spiele, weit davon entfernt, ein Ausdruck des Aberglaubens zu sein, die Taten von Göttern und Halbgöttern feierlich ins Gedächtnis zurückrufen: die antike Gräberkunst verwandte entsprechend häufig als Stoff die Gestalten olympischer Sieger und triumphierender Krieger, um die Zuversicht des Verstorbenen auf ein vollkommenes und unzerstörbares jenseitiges Leben auszudrücken. Auf dieser Grundlage wird auch die schon angedeutete Auffassung der Kampfspiele als eines heroischen Ritus verständlich, als eine Methode zur Erweckung und Erneuerung übermenschlicher Kräfte, die von den Volksgemeinschaften als entscheidend für ihre Schicksale und ihre Grosse empfunden wurden. In Rom hatten eine ganze Reihe von Spielen eben den Sinn, die Victoria des Caesars zu erneuern, die als eine mit selbständigem und unzerstörbarem Leben begabte Wesenheit aufgefasst wurde.

Gehen wir jetzt zu einer zweiten und höheren Erscheinungsform der geistigen Ueberlieferung über, soweit sie auf die Tathandlung Beziehung hat. Wir haben dabei in Kürze vom Krieg als von einem "Heiligen Krieg" zu sprechen. Den blutigen Unternehmungen und Eroberungen aller altarischen Völker lässt sich schwerlich eine metaphysische Rechtfertigung und transzentende Absicht absprechen. In dem traditionsbegründeten Weltbild wird jede Wirklichkeit zum Symbol. Dies gilt auch für den Krieg. Auf dieser Grundlage konnten Krieg und "Gottes Weg" nicht selten zu einer und derselben Sache verschmelzen.

Allen sind die charakteristischen Zeugnisse geläufig, die uns in dieser Hinsicht die nordisch-germanische Ueberlieferung bietet. Wie allgemein bekannt, ist Walhalla der Sitz himmlischer Unsterblichkeit, die den "Freien" göttlicher Abstammung und den auf dem Schlachtfeld gefallenen Helden vorbehalten ist. Der Herr dieser Stätte, Odhin-Wotan, wird uns in der Ynglingasaga vorgeführt als derjenige, der mit seinem symbolischen Opfer am Weltbaume Yggdrasil den Helden den Weg gewiesen hat, der zum göttlichen Wohnsitz hinauführt, wo ewiges Leben blüht,- wie auf einer leuchtenden Bergspitze, die über die Wolken hinausglänzt. Gemäss dieser Ueberlieferung ist kein Opfer oder Kult dem höchsten Gott genehmer, keines trägt reichere überweltliche Früchte als dasjenige Opfer, welches der Held dadurch bringt, dass er kämpfend auf dem Schlachtfelde fällt.

Aber mehr noch: durch die Helden, die fallend Odhin ein Opfer darbringen, wird die Schaar derer verstärkt, deren dieser Gott bedarf zum letzten Kampf gegen ragna-rökkr, d.h. gegen das Verhängnis der Verdunkelung des Göttlichen, das seit fernen Zeiten drohend über der Welt liegt. In der Edda heisst es denn auch: "So gross auch die Zahl der in Walhalla versammelten Helden ist, es werden ihrer nie genug sein, wenn der Wolf hervorbrechen wird." - Der Wolf ist hier das Symbol finsterer und wilder Mächte, die zu bändigen und zu unterwerfen ursprünglich der Kultur der Asen gelungen war.

Analog ist die iranisch-arische Lehre von Mithra, dem "Krieger ohne Schlaf", der an der Spitze der fravashi, d.h. der transzendentalen Anteile seiner Getreuen, gegen die Feinde des arischen Glaubens ankämpft. Wir werden gleich näher auf die fravashi einzugehen haben, die im Grunde den Walküren der nordischen Ueberlieferung entsprechen. Zunächst möchten wir jedoch noch den allgemeinen Begriff des "Heiligen Kampfes" mittels dreier weiterer Zeugnisse klären, die wir der islamischen Ueberlieferung, der mittelalterlichen Kreuzfahrertradition und der indo-arischen Ueberlieferung entnehmen.

Was die islamische Ueberlieferung angeht, so muss sofort hervorgehoben werden, dass die Idee des Heiligen Krieges ursprünglich persischer, also arischer Herkunft ist und erst später von den arabischen Stämmen übernommen wurde. Dies vorausgeschickt, unterscheidet die islamische Tradition zwei heilige Kriege: der eine ist der grosse Heilige Krieg, der andere der kleine Heilige Krieg. Diese Unterscheidung rührt von einem Ausspruch des Propheten her, der auf der Rückkehr von einer kriegerischen Unternehmung sagte: "Vom kleinen sind wir zum grossen Heiligen Krieg zurückgekehrt." Der grosse Heilige Krieg gehört der geistigen Ordnung an. Der kleine Heilige Krieg ist dagegen der materielle Kampf, der physische Krieg, der in der Aussenwelt gegen ein feindliches Volk, insbesondere gegen die Ungläubigen, Ungerechten oder Barbaren, ausgefochten wird. Der grosse Heilige Krieg ist der Kampf des Menschen gegen die Feinde, die er in sich trägt. Genauer gesprochen, ist er der Kampf des übernatürlichen Elements im Menschen gegen alles, was triebhaft, leidenschaftsbedingt, den Kräften der Natur hörig ist. In diesem Sinne wird in einem Text arischer Kriegerweisheit, in der Bhagavad-gitâ, gesagt:  "Durch die Verwirklichung dessen, was jenseits des Verstandes ist, bekräftige Dich durch Dich selbst und töte den Feind in Gestalt des schwer besiegbaren Wunsches." Vorbedingung für das innere Befreiungswerk ist, dass ein solcher Feind, der "Ungläubige" und der "Barbar" in uns, vernichtend geschlagen wird.

Im Rahmen einer heroischen Tradition wird jedoch der kleine Heilige Krieg nur als äusser1icher Kampf, nur als Weg begriffen, durch dessen Vermittlung eben dieser grosse Heilige Krieg zu verwirklichen ist. Aus diesem Grunde treten im Islam "Heiliger Krieg" und "Weg Gottes", jihad, oft als Synonyme auf. So lesen wir im Koran: "Es kämpfen auf dem Wege Gottes - d.h. im Heiligen Krieg - diejenigen, welche das irdische leben dem zukünftigen opfern: denn dem, der auf dem Wege Gottes kämpft und getötet wird, oder dem, der siegt, werden wir hohen Preis zollen". Und weiterhin: "Und diejenigen, die auf Gottes Weg getötet werden, - nimmer leitet er ihre Werke irre. Er wird sie leiten und ihren Herzen Frieden schenken. Und einführen wird er sie ins Paradies, das er ihnen zu wissen getan". Hier wird auf den physischen Tod im Kriege angespielt, dem der sogenannte Mors Triumphalis, der "siegreiche Tod", der klassischen Ueberlieferungen genau entspricht. Doch dieselbe lehre kann auch in symbolischem Sinne verstanden werden. Wer im kleinen Krieg einen "grossen Heiligen Krieg" zu erleben verstanden hat, hat eine Kraft in sich erzeugt, die ihn instandsetzt, die Krise des Todes zu besiegen. Doch auch ohne physisch getötet worden zu sein, kann man den Tod erleben, kann man gesiegt und ein "Ueberleben" verwirklicht haben. "Paradies", "Himmlisches Reich" und ähnliche Bezeichnungen sind in Wirklichkeit nichts anderes als symbolische Versinnbildlichungen transzendenter Bewusstseinszustände, auf einer höheren Ebene als leben und Tod.

Diese Betrachtungen dürfen auch als Prämisse gelten, um dieselben Bedeutungsgehalte unter dem äusseren christlichen Gewande wiederzufinden, welches die heroische nordisch-abendländische Ueberlieferung in den Kreuzzügen überzuwerfen gezwungen war, um nach aussen hin in Erscheinung treten zu können.

Viel mehr, als man im allgemeinen zu glauben geneigt ist, hatte in der Kreuzzugsideologie die Befreiung des Tempels, die Eroberung des Heiligen Landes Berührungspunkte mit der nordisch-arischen Tradition, die sich auf das mystische Asgard bezieht, auf das ferne Land der Asen und Helden, wo der Tod nicht herrscht, und wo die Bewohner sich eines unsterblichen Lebens und eines übernatürlichen Friedens erfreuen. Der Heilige Krieg erschien als ein durchaus geistiger Krieg, sodass er buchstäblich von den Predigern mit einer "Läuterung, gleichsam dem Feuer des Purgatoriums noch vor dem Tode", verglichen werden konnte. - "Welcher Ruhm für Euch, aus dem Kampfe nicht anders denn mit Lorbeeren gekrönt hervorzugehen. Doch wieviel grösser der Ruhm, sich auf dem Schlachtfeld eine unsterbliche Krone zu erringen," - so sprach zu den Templern ein Bernhard von Clairvaux. Der "absolute Ruhm* - derselbe, der dem Herrn in Himmelshöhen, in excelsis Deo, von der Theologie zugeschrieben wurde - war auch dem Kreuzfahrer verheissen. Auf dieser Grundlage stellte sich Jerusalem, das erträumte Ziel des "kleinen Heiligen Krieges", in einem doppelten Aspekte dar, als irdische Stadt und als himmlische Stadt und der Kreuzzug als Präludium einer wahrhaft zur Unsterblichkeit führenden Leistung.

Die militärischen Wechselfälle der Kreuzzüge verursachten zunächst Ueberraschung und Verwirrung. Doch dann hatten sie nur die Wirkung, die Idee des Krieges von jedem Rückstand von Materialität zu läutern. Der unglückliche Verlauf eines Kreuzzuges wurde mit der vom Unglück verfolgten Tugend verglichen, deren Wert nur in Bezug auf ein nicht irdisches Leben beurteilt und belohnt werden kann. Damit wurde ein Standpunkt eingenommen, der über Sieg wie über Niederlage erhaben ist und jedes Werturteil auf die rituelle Seite der Tat konzentriert. Den wahrhaften Mittelpunkt bildete demnach der Heilige Krieg, unabhängig von seinen sichtbaren Ergebnissen, als ein Mittel, um aus dem aktiven Opfer des menschlichen Elementes unsterblich machenden Ruhm zu erlangen. Der Dualismus von Sieg und Tugend ist hier naturgemäss von dem allgemeinen Dualismus beeinflusst, wie er dem christlichen Glauben eigen ist. Trotzdem kommt in dieser Haltung ein höherer Standpunkt erneut zum Durchbruch, der seine Wurzel und seinen logischen Ort nicht im Christentum, sondern in der heroischen Wirklichkeit des arischen Altertums hat.

Dieser Wirklichkeit gehört die Ueberlieferung an, wie sie In einem indo-arischen Text, der Bhagavad-gitâ, zutage tritt.

Dieselbe Lehre gewinnt hier eine metaphysische Grundlage. Das Mitleid, das den Krieger Arjuna davon abhält, gegen den Feind ins Feld zu ziehen, wird von dem Gott: "Feigheit, unwürdig eines Edlen und vom Himmel entfernend" genannt. Die Verheissung lautet: "Getötet, - wirst Du das Paradies haben, siegreich, - wirst Du die Erde haben. Deshalb stehe entschlossen auf zur Schlacht." Die innere Ausrichtung, die fähig ist, den kleinen Krieg in den grossen Heiligen Krieg zu wandeln, in Tod und triumphierende Auferstehung, wird klar umschrieben: "Indem Du jede Handlung mir weihest", sagt der Gott, "mit dem in höchstem Ichzustand verweilenden Geist, fern jedem Gedanken des Besitzes, befreit vom Fieber des Geistes, kämpfe!" In ebenso klaren Ausdrücken heisst es von der Reinheit dieser Handlung: sie muss um ihrer selbst willen gewollt werden, jenseits von jedem empirischen Zweck, von jeder Leidenschaft, von jeder menschlichen Triebfeder. "Indem Du Lust und Leid, Vorteil und Verlust, Sieg und Niederlage im Werte gleichsetzest, bewaffne Dich für die Schlacht: so wirst Du keinen Makel auf Dich laden."

Als weitere metaphysische Begründung erklärt der Gott den Unterschied zwischen dem, was absolute Geistigkeit und als solche unzerstörbar ist - und dem, was als körperliches und menschliches Element nur illusorisch ein Dasein hat. Mit dem Bewusstsein der metaphysischen Unwirklichkeit dessen, was man als vergängliches Leben und sterblichen Leib verlieren, oder wodurch man bei anderen den Verlust bedingen kann, verbindet sich die Kenntnis jener Erscheinungsform des Göttlichen, der gemäss es eine Macht ist, die in unwiderstehlicher Absolutheit mit sich fortreiset. Der Grösse dieser Kraft gegenüber erscheint jede bedingte Daseinsform als Negation. Deshalb gelangt diese Macht zu furchtbarer Offenbarung, wo immer diese Verneinung aktiv verneint wird, das heisst, wo im Ansturm jedes begrenzte Dasein fortgerissen oder vernichtet wird. Die Einzelnen sind dem Werden, der Verwandlung, dem Verschwinden unterworfen, eben weil in ihnen eine Macht lodert, die über sie hinaus transzendiert, eine Macht, die unendlich mehr will, als was sie je wollen können. Auf dieser Grundlage lässt sich die Energie genauer umschreiben, die geeignet ist, die heroische Verwandlung zu bewerkstelligen. Die Werte werden in ihr Gegenteil umgewandelt: der Tod wird Behauptung des Lebens. Der sakrale Krieger erscheint als eine Manifestation des Göttlichen, als metaphysische Kraft der Zerstörung des Endlichen. Er zieht diese Kraft aktiv auf sich, verklärt und befreit sich in ihr, indem er die Fesseln des Menschlichen zerbricht. Die suggestiven Aeusserungen eines anderen, doch derselben Tradition zugehörigen Textes lauten: "Das Leben wie ein Bogen; die Seele wie ein Pfeil; als die zu durchbohrende Zielscheibe - der absolute Geist. Mit diesem Geist sich verbinden, wie der abgeschnellte Pfeil sich in sein Ziel einbohrt. Kurz, darin besteht die metaphysische Rechtfertigung des Krieges, die Wandlung des kleinen Krieges in den grossen Heiligen Krieg, wie er der heroischen indo-arischen Welt geläufig war.

Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, um auch zum Verständnis des innerlichsten Gehaltes vorzustossen, der einer Gruppe klassischer und nordischer Ueberlieferungen zugrundeliegt, gipfelnd in der mystischen Lehre vom Sieg. Als Ausgangspunkt darf uns dabei die Beobachtung dienen, dass im klassischen und indogermanischen Altertum im allgemeinen mehrere Vorstellungen in eigenartiger Vermengung auftreten: die Vorstellung der Seele als Dämon und "Doppelgänger"; die Vorstellung von einer Todesgöttin; endlich die Vorstellung von einer Siegesgöttin. Mit anderen Worten: es handelt sich dabei um die Idee von einem einzigen Wesen, das gleichzeitig Göttin der Schlacht und des Sieges ist, sowie es das transzendentale Element der Seele verkörpert.

Versuchen wir zu einem geistigen Verständnis dieser verschiedenartigen Elemente vorzudringen. Vor allem gilt es zu prüfen, was für eine Bewandtnis es mit dem "Dämon" oder "Genius" oder "Doppelgänger" hat, und in welcher Beziehung zur menschlichen Seele stehend diese Wesen gedacht wurden. Der Schlüssel dazu ist bereits gegeben in unserer Hindeutung auf jene tiefliegende Kraft, der gegenüber die menschliche Existenz nichts ist als blosse Negation. Hinzuzufügen ist nur, dass diese Kraft in einer Seite ihrer Entfaltung als gestaltende Energie aufgefasst wurde. Der Dämon ist ähnlich den "Laren", von denen Makrobius sagt: "Sie sind die Götter, die uns am Leben erhalten. Sie nähren unseren Leib und regulieren unsere Seele." Der antike Mensch sah im Dämon oder Doppelgänger eine tiefliegende Kraft, die insgeheim alle jene leiblichen und seelischen Vorgänge leitet, zu denen das gewöhnliche Bewusstsein nicht gelangt, die aber doch unser Dasein und unser Schicksal bedingen. Es darf gesagt werden, dass zwischen Doppelgänger und gewöhnlichem Bewusstsein eine Beziehung besteht wie zwischen individuierendem und individuiertem Prinzip. Das erste ist nach der Lehre der Alten eine überindividuelle Kraft, daher Geburt und Tod überlegen. Das zweite Prinzip ist auf normalem Wege der Auflösung unterworfen. Bemerkenswert ist der Umstand, dass in der nordischen Tradition die Vorstellung der Walküre mit derjenigen der fyljgya verschmilzt, das heisst mit einer im Menschen wirkenden geistigen Wesenheit, deren Macht sein Schicksal anheimgestellt ist. Dasselbe gilt für die frawashi der iranisch-arischen Ueberlieferung. Die frawashi - führt Darmesteter aus - ist die innerste Macht jedes Wesens, ist dasjenige, was es aufrecht erhält und bewirkt, dass es geboren wird und besteht. Gleichzeitig sind die frawashi, wie die Walküren, schreckliche Kriegsgöttinnen, die Glück und Sieg verleihen. Verweilen wir einen Augenblick bei dieser Gleichsetzung.

Es ist bekannt, dass das indogermanische Altertum eine ausgesprochen aristokratische Auffassung von der Unsterblichkeit besass. Nicht alle entrinnen der Salbstauflösung, dem erloschenen Scheindasein im Hades und in Niflheim. Die Unsterblichkeit ist ein Vorrecht weniger, und im wesentlichen ein heroisches Vorrecht. Ein Nachleben nicht als Schatten, sondern als Halbgott ist nur denen gewährt, die eine besondere geistige Tat von der einen zur anderen Natur erhoben hat. Hier können wir leider nicht alle Belege anführen, die zur folgenden Schlussfolgerung hindrängen: im technischen Sinne bestand eine solche geistige Handlung nach den altarischen Ueberlieferungen in einer Wandlung des Selbstsinnes vom gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein, das beschränkt und individuiert ist, zu einer tiefen, überindividuellen, individuierenden Kraft, die jenseits steht von Leben und Tod, und von der wir gesagt haben, dass ihr die Vorstellung des "Dämons" entspricht.

Doch der Dämon transzendiert jede der endlichen Formen, in denen er sich offenbart. Deshalb hat der brüske Uebergang vom gewöhnlichen Ichzustand zum "dämonischen" Zustand die Bedeutung einer zerstörerischen Krise: wie ein Blitzschlag infolge eines zu hoch gespannten Potenzials. Eine solche Zerstörung und Krise vollzieht sich tatsächlich durch den Tod. Nehmen wir nun an, dass unter ganz aussergewöhnlichen Umständen der Dämon sozusagen in uns hereinbrechen und uns so seine zerstörerische Transzendenz fühlen lassen kann; dann hätte man eine Art aktiven Erlebnisses des Todes, und es wird nun klar, warum die Gestalt des Doppelgängers oder Dämons in den antiken Vorstellungen mit der Gottheit des Todes verschmelzen könnte. In der nordischen Ueberlieferung sieht der Krieger seine Walküre eben im Augenblick des Todes oder der Todesgefahr.

Gehen wir weiter. Sind in der religiösen Askese, Abtötung, Verzicht aufs eigene Ich, Elan der Hingabe an Gott die bevorzugten Mittel, mit deren Hilfe man es unternimmt, die eben angedeutete Krise erfolgreich zu überwinden, so ist dagegen im Rahmen einer heroischen Tradition der Weg zu diesem Ziel der aktive Aufschwung, die Entfesselung des Tatelementes. Als niedere Erscheinungsform dieses Elementes sehen wir so z.B. den Tanz als heilige Methode verwandt, um durch die seelische Ekstase tiefer liegende Kräfte hervorzurufen und einzusetzen. In das zu dionysischem Rhythmus entfesselte Leben des Einzelnen senkte sich ein anderes Leben ein, gleichsam als das Auftauchen seiner abgründigen Wurzel. Furien, Erinnyen und andere wilde geistige Naturen sind die antiken symbolischen Verbildlichungen dieser Kraft. Sie entsprechen daher einer Erscheinungsform des Dämons, seiner schrecklichen und aktiven Transzendenz nach. Auf einer höheren Stufe stehen eben die sakralen Kampfspiele. Noch höher steht der Krieg. Auf dem hellsichtigen Gipfel der Gefahr und des heldischen Kampfesschwunges wurde die Möglichkeit eines derartigen Erlebnisses anerkannt. Sehen der Ausdruck ludere, spielen, kämpfen enthält nach Brugmann die Idee des Lösens. Es ist dies eine Anspielung auf die dem Kampfe eigene Kraft, tiefere verborgene Kräfte von der individuellen Begrenzung zu entbinden und frei hervortreten zu lassen. Daraus entspringt der Grund für die zweite Gleichsetzung. Der Dämon und die Todesgöttin sind nicht nur mit den Furien, Erinnyen und anderen entfesselten dionysischen Wesenheiten identisch, sie sind gleichwertig auch mit den Stürmjungfrauen der Schlachten. Die frawashi heissen "die schrecklichen, die allmächtigen", "diejenigen, die im Sturm angreifen und den Sieg dem geben, der sie anruft."

Die gleiche Wesenheit nimmt schliesslich die Gestalt der Siegesgöttin an. Diese letzte Metamorphose kennzeichnet die glückliche Vollendung der geschilderten inneren Erlebnisse. Ebenso wie der Dämon oder Doppelgänger eine tiefere Macht in ihrem Latentzustand gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein bedeutet, wie die Furien und Erinnyen eine besondere Erscheinungsform dämonischer Entfesselungen und Ausbrüche widerspiegeln - ebenso ist die Siegesgöttin der Ausdruck des Triumphes über diese Macht. Sie bedeutet den sieghaften Aufschwung zu einem Zustand jenseits der Gefahr von Ekstasen und unterpersönlichen Zersetzungsformen, einer Gefahr, die stets hinter dem frenetischen Augenblick der dionysischen Handlung lauert. Sie bedeutet den Aufschwung zu einem geistigen Zustand, der frei, unsterblich, innerlich unzerstörbar macht.

Doch wo die Taten des Geistes sich durch Tathandlungen und reale Tatsachen äussern, da ergibt es sich, dass wirklich das Physische dem Metaphysischen, das Sichtbare dem Unsichtbaren entspricht. Derartige geistige Tathandlungen zeigen sich uns dann als die geheime Seele kriegerischer Unternehmungen, deren Krönung der echte und wirkliche Sieg ist. Der materielle militärische Sieg wird dann zu einer blossen Entsprechung für eine geistige Tatsache, die den Sieg dort, wo Aeusseres und Inneres zusammenhängen, bedingt hat. Der Sieg erscheint so als greifbares Zeichen für eine Initiation und mystische Wiedergeburt, die sich im selben Punkte vollzogen haben. Die Furien und der Tod, denen der Krieger materiell auf dem Schlachtfelde standgehalten hat, begegnen ihm auch innerlich, im Geistigen, in Form eines gefahrdrohenden Aufbruchs der tiefsten Gründe seines Wesens. Indem er über diese triumphiert, ist der Sieg sein. Und der Ruhm, der ihn dann umgibt, ist kein leerer Schall, sondern eine wirkliche Kraft, eine metaphysische Offenbarung, ein Aufleuchten der Ueberwelt.

So erklärt es sich, warum in den antiken Ueberlieferungen jeder Sieg einen sakralen Bedeutungsgehalt gewann. So bot der auf den Schlachtfeldern bejubelte Kaiser das Erlebnis der brüsken Anwesenheit einer mystischen, ihn verwandelnden Kraft. So ist endlich der tiefe, keineswegs theoretische Sinn eines im Ruhm und in der Göttlichkeit der Sieger durchbrechenden überirdischen Charakters zu begreifen. Von der Siegesgöttin Nike empfängt der dorische Held Herakles den Kranz, der ihn teilhaftig werden lässt der olympischen Unsterblichkeit. Wenn die Seelen der Helden von den Walküren — die Walküren wurden gleichzeitig auch als jene Kräfte verstanden, die dem Feinde einen panischen Schrecken einjagen — zum Sitz der Unsterblichkeit geleitet werden, so sind sie es auch, die den Endsieg bestimmen. Die mystische Theologie lehrt, dass sich im Ruhme die seligmachende geistige Schau vollzieht, und die christliche Ikonographie umgibt die Häupter der Heiligen und Märtyrer mit der Aureole des Ruhmes. All dies bedeutet aber eine allerdings verkümmerte Erbschaft unserer höchsten heroischen Ueberlieferung. Die iranisch-arische Tradition kannte nämlich bereits den als himmlisches Feuer verstandenen Ruhm, der auf Könige und Führer herabsteigt, sie unsterblich macht und im Siege für sie Zeugnis ablegt. Und die antike königliche Strahlenkrone symbolisierte eben den Ruhm als sonnenhaftes und himmlisches mystisches Feuer Prüft man den tiefsten Sinn der dem Rittertum eigentümlichen Auffassung der Waffenprobe als eines Gottesurteils, so entdeckt man dieselbe Vorstellung: der Sieg gleichbedeutend mit einem übernatürlichen Zeichen für die Wahrheit, die Gerechtigkeit, das Recht. Kraft desselben Gedankens hatte in Rom die Zeremonie des Triumphes einen weit eher sakralen als militärischen Charakter. Der Triumphator zog zum Tempel des leuchtenden kapitolinischen Himmelsgottes, um in seine Hände den Lorbeer des Sieges zu legen, womit ausgedrückt werden sollte, dass der wahre Schöpfer des Sieges nicht so sehr der menschliche und sterbliche Teil des Siegers sei als vielmehr ein transzendentes, über persönliches Element, das ihn ebenbildlich jenem Gotte angleicht. Aus diesem Grunde bekleidete sich in der Zeremonie des Triumphes der Sieger mit allen der Gottheit eigenen Wahrzeichen und Symbolen. Licht, sonnenhafter Glanz, Ruhm, Sieg, göttliches Königtum sind Vorstellungen, die in der klassischen und indogermanischen Welt in engster Verbindung erscheinen. In diesem Sinne ist uns die mystische Lehre vom Siege ein leuchtender Gipfelpunkt unserer gemeinsamen Tat-Tradition.

Diese Tradition spricht auch heute noch vernehmbar zu uns. Diese Tradition stellt uns heute vor die Alternative: Treue oder Verrat. Wir können hier nur die Worte wiederholen, die wir an den Eingang dieses Ausflugs in die alte heroische Welt gesetzt haben. - Heute stehen wir vor dem gebieterischen Bedürfnis, überwinden zu müssen — sei es nun eine müde, blutleere, aus frömmlerischen Gefühlen oder abstrakter Spekulation geformte Geistigkeit — oder sei es die materialistische Entartung der Tathandlung. Wenn auch die äusseren und zeitbedingten Erscheinungsformen der altarischen Tatüberlieferung der Vergangenheit angehören, so ist doch der ihr innewohnende Geist auch heute noch lebendig und darf ein höchstes Recht beanspruchen gegenüber den alten und neu geschaffenen Idolen.

Vor allem: es muss zu neuem Leben zurückkehren das Ideal einer Kraft, die gleichzeitig Geist ist; eines Sieges, der gleichzeitig Verklärung und erleuchtender Ruhm ist. Möge sich auch weiterhin eine barbarische Zivilisation mit dem tierisch-aktivistischen und mechanischen Lebensideal berauschen - all dies interessiert uns nicht, betrifft uns nicht.

Krieg: sagen wir es mit lauter Stimme: der Krieg soll für uns weder ein grausames Gemetzel, noch eine traurige Notwendigkeit sein, sondern der Weg zu einer höheren Lebensform und die Prüfung der göttlichen Sendung eines Volkes.

Für den alten Arier war übrigens jeder Krieg das Gleichnis eines ewig dauernden Kampfes zwischen metaphysischen Mächten: auf der einen Seite stand die rohe Gewalt, das Titanisch-Tellurische, das Barbarische im klassischen Sinne, das Weiblich-Dämonische. Wir haben schon die Gelegenheit gehabt hervorzuheben, dass unsere Kultur heute Jahre der Entscheidung erlebt, deren letzter Sinn in der engsten Verbindung mit einer solchen Erkenntnis steht. Nach dem Zusammenbruch unseres alten Europas, nach den rationalistischen und individualistischen Verwüstungen und all dem, was der Aufstand der Massen und die Dämonie des materialisierten Kollektivismus auf jedem Gebiet zustande gebracht haben bis zum Endpunkt des Bolschewismus, sind heute dunkle Mächte im Begriffe, sich zum letzten Angriff vorzubereiten. Diesen Kräften entsprechen am genauesten die Vorstellungen der alten Arier bezüglich der unterirdischen Kräfte, denen gegenüber, in der Symbolik des heiligen Kampfes, das sonnenhafte Prinzip der Ordnung mit seiner Miliz stand. Diese Erkenntnis und dieser metaphysische Dualismus sollen heute zu neuem Leben gerufen werden und unserer heroischen Berufung den letzten Sinn verleihen. Eine neue Front soll sich bilden und alle die zusammenfassen, die noch standhalten und Träger der Tradition sind. Aus fernen Zeiten klingt noch die suggestive Formel: Das Leben, wie ein Bogen; die Seele, wie ein Pfeil; das zu treffende Ziel: der höchste Geist. Sei dies das Losungswort des neuen Heiligen Krieges, das Prinzip eines unwiderstehlichen, heldischen und gleichsam metaphysischen Schwunges. Es ist kein Paradox: vielleicht nie sind unsere alten Mythen der letzten Entscheidung und der letzten Schlacht, der neu erwachenden Heldenschaar im Kampf gegen die einbrechende Dämonie der Massenwelt, die sonnenhafte Tradition der Tat und die Mystik des Sieges so intensiv aktuell gewesen, wie sie es in den kommenden Zeiten sein werden; in den Zeiten, die das gesamte europäisch-abendländische Schicksal gestalten werden.


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Zweiter Vortrag :

" Gral als nordisches Mysterium "


In der einen oder anderen Form kehrt in allen grossen Traditionen des Altertums, und insbesondere in den indogermanischen, die Vorstellung immer wieder eines mächtigen Weltherrschers; eines unsichtbaren, jedes sichtbare Königtum überragenden Reiches; eines Ortes, der im höheren Sinne die Bedeutung eines Pols, einer Achse, eines unwandelbaren Mittelpunktes hat, und der als festes Land in der Mitte des Lebensozeans, als heilige, unantastbare Gegend, als Lichtland oder "Sonnenland" verbildlicht wird.

Metaphysische Bedeutungsgehalte, Symbole und dunkle Erinnerungen verspinnen sich dabei zu einem einzigen Gewebe. Der Gedanke des olympischen Königtums und des himmlischen Auftrages ragt empor. Der traditionsgebundene Grundsatz lautet: "Wer kraft der(himmlischen)Tugend herrscht, gleicht dem Polarstern. Unveränderlich verweilt er an seinem Orte, während alles andere um ihn herum kreist."

Der Gedanke des als çakrawartî aufgefassten Weltkönig; ragt auf; der çakrawartî, König des Königs, dreht unbeweglich das Rad des Reiches. Unsichtbar wie jene des Windes, zeigt sei ne Handlung die Schicksalhaftigkeit der Naturkräfte auf. In tausend Formen und in engster Verbindung mit der Vorstellung eines nordisch-hyperboräischen Landes bricht die Symbolik und Analogik des Sitzes der Mitte, des Sitzes der Beständigkeit durch: die Insel, die Berghohe, die Sonnenburg, das bewahrte Land, die weise Insel, bzw. die Insel des Glanzes, der Heldenhof. "Weder zu Land noch zu Wasser ist das heilige Land erreichbar", so berichtet die hellenische Ueberlieferung. "Nur der Flug des Geistes fuhrt dorthin", raunt die fernostliche Tradition. Andere Texte sprechen vom geheimnisvollen magnetischen Berg, in welchen die zur geistigen Erleuchtung Gelangten entrückt werden. Weitere Schriften erzählen wiederum vom Sonnenland, aus dem symbolische Gestalten hervorgehen, welche die Königswürde inmitten herrenloser Rassen zu übernehmen haben. Dies ist auch die Insel von Avalion, d.h. die Insel Apollons, des von den Kelten Aballun genannten Sonnengottes. Von sagenhaften, göttlichen Rassen wie die Tuatha dé Danann, die aus Avallon kamen, wurde ebenfalls gesagt, sie stammten aus dem "Himmel". Die Tuatha nahmen aus dem Avallon gewisse mystische Gegenstande mit: einen Stein, der die legitimen Könige bezeichnet, eine Lanze, ein Schwert, ein Gefäss, das "unerschöpfliche Speise spendet", d.h. die ewig dauernde Nahrung, die "Gabe des Lebens". Es sind die Gegenstände der späteren Gralssage.

Von den Höhen der Urzeit steigt dieses Gedankengut bis ins Mittelalter hinab und nimmt in dieser Periode eigentümliche Erscheinungsformen an. Diese sind, unter anderen, die Vorstellungen vom Reiche des Priesterkönigs Johannes und des Königs Arthur. "Priesterkönig Johannes" ist nicht ein Name, sondern ein Titel. Es wird von einer Dynastie der "Priesterkönige Johannes" gesprochen, als von derjenigen, welche, wie das Davidgeschlecht, die königliche und zugleich die geistige Würde verkörpert. Das Reich Johannes bekommt oft die Züge des "ursprünglichen Ortes" - des "irdischen Paradieses". Dort wächst der Baum: ein Baum, der in den Varianten der Sage manchmal als Lebensbaum, manchmal aber auch als Baum des Sieges und der Weltherrschaft zur Geltung kommt. Dort ist auch der Stein des Lichtes zu finden: ein Stein, der das kaiserliche Tier, den Adler, wieder auferstehen lässt. Johannes hält das Volk von Gog und Magog — die Elementarmächte, die Dämonie des Kollektivums — in seinem Bann. Die Legenden berichten über symbolische Fahrten, welche die grössten Herrscher der Weltgeschichte bis zum Lande des Priesterkönigs Johannes oder zu gleichbedeutenden Ländern gemacht hätten, um dort eine Art übernatürlicher Weihe für ihr Amt und ihre Macht zu suchen. Johannes seinerseits hätte Kaisern, wie beispielsweise "Friedrich", symbolische Gaben gesandt, welche die Bedeutung eines himmlischen Auftrags enthalten. Einer der Helden, die in das Reich Johannes gelangen, ist Ogier der Däne. Von der Ogiersage wird jedoch das Reich Johannes mit Avallon, d.h. mit der hyperboräischen Insel, dem urnordischen Sonnenland, der arischen weissen Insel, gleichgestellt. Nach Avallon zieht sich König Arthur zurück. Eine Tragik, die von den Texten in verschiedener Weise geschildert wird, zwingt ihn, dort Zuflucht zu suchen. Arthur's Rückzug hat nur die Bedeutung des Latentwerdens eines Prinzips. "Arthur" ist nach der Sage nie gestorben. Er lebt immer noch in "Avallon". Er wird sich wieder offenbaren. In der Gestalt des Königs Arthur ist nur eine neue Erscheinungsform des "polaren Herrschers", des Weltkönigsgedankens zu erblicken. Das Geschichtliche wird hier durch das Uebergeschichtliche mitgerissen und durchgestaltet. Schon die alte Ethymologie führt den Namen "Arthur" auf arthos, d.i. Bär, zurück, was uns wiederum durch die astronomische Symbolik des Polargestirns auf den "Mittelpunktgedanken" zurückweist. Die Symbolik der Tafelrunde, von deren Rittertum Arthur das höchste Haupt ist, ist eine solare und eine "polare". Man berichtet, dass die Arthusburg wie Mitgard, der lichte Wohnsitz der nordischen Asen, - "in die Mitte der Welt" eingebaut ist. (in medio mundi constructum). In einigen Texten wird diese Burg als sich drehend geschildert: sie dreht sich um sich selbst, wie in der "weissen Insel", çveta-dîpa, der Indogermanen Indiens im hyperboräischen Land, dessen Gott der sonnenhafte Vishnu ist, das Hakenkreuz sich dreht, wie die keltisch-nordische "Glasinsel" - ein Ebenbild des Avallon - sich dreht; wie das schicksalhafte Rad des eakravartl, des arischen Weltkönigs, sich dreht. Die übernatürlichen Züge des arischen Weltkönigs verkörpern sich sozusagen in Myrddhin, bzw. Merlin, einem von Arthur unzertrennlichen Berater, der im Grunde kein anderes, von ihm verschiedenes Wesen, sondern etwa wie ein ergänzender Teil von ihm ist. Die Ritterschaft Arthurs wird den Gral suchen. Die Ritterschaft Arthurs, die ihre Mitglieder aus allen Ländern versammelt, hat das Losungswort: "Wer Führer ist, der soll uns Brücke sein". Nach der antiken Ethymologie bedeutete "Pontifex" der Brückenbauer, derjenige, welcher die Verbindung zwischen den beiden Ufern, den beiden Welten, herstellt.

Dazu kommen dunkle historische Erinnerungen und geographische Uebermittlungen zeitlicher Bedeutungsgehalte. Das an der äussersten Grenze der "Welt" liegende Inselland, wovon in vielen Traditionen die Rede ist, weist in der Tat nur auf das Urzentrum in der Urferne der Zeit hin. Das Sonnenland ist für die Griechen Thüle. Thüle ist dem Airyanem-Waêjô gleichbedeutend, dem Land des äussersten Nordens der arischen Persier. Airyanem-Waêjô ist der "Same" der arisch-iranischen Urrasse, in welcher die Vorstellung des Königs der Könige, des Trägers des Gesetzes vom Lichtgott wieder auftauchen wird. Airyanem-Waêjô kannte das Reich des sonnenhaften Yima, das goldene Zeitalter. Aber Hesiod erinnert sich: "Als jenes Zeitalter (das goldene) zu Ende ging, bestanden jene göttlichen Manschen weiter und wurden in unsichtbarer Form die Wächter der Menschen." Dies, weil der "Sinn der Geschichte" Verfall ist: an Stelle des goldenen trat das silberne Zeitalter - das der "Mutter", nachher das bronzene Zeitalter - das der Titanen, zuletzt das eiserne "dunkle" Zeitalter; kali-yuga, Zeit des Wolfes, Götterdämmerung. Warum? Viele Mythen scheinen einen Zusammenhang zwischen "Absturz" und Hybris, d.h. promethäischer Usurpation, titanischem Aufstand, herstellen zu wollen. Abermals erinnert sich Hesiod: Zeus, das olympische Prinzip, erschafft ein Geschlecht von Helden, die mehr als Titanen sind und wieder ein götterähnliches leben erringen können. Durch sie kann die sonnenhafte Urgeistigkeit, das goldene Zeitalter, wieder hergestellt werden. Ein Symbol: der dorisch-arische Herakles, Verbündeter der Olympier, Feind der Titanen und Riesen.

Die Lehre vom höchsten Zentrum und den Welt Zeitaltern steht mit der lehre der zyklischen Gesetze und Manifestationen in engster Verbindung. Ohne diese Bezugnahme blieben viele Mythen und Erinnerungen im Zustande ungegliederter und unverständlicher Bruchstücke. "Das geschah einmal - das wird wieder geschehen", lehrt die Tradition. Und auch: "Jedesmal, wenn der Geist untergeht und die Ruchlosigkeit emporsteigt, offenbare ich mich: zum Schutze der Gerechten, zur Vernichtung der Bösen, zur festen Wiederherstellung des Gesetzes nehme ich von Zeitalter zu Zeitalter einen Körper an." In allen Traditionen, in verschiedenen, mehr oder Weniger vollendeten Formen ist immer die Lehre der zyklischen Erscheinung eines einzigen Prinzips zu finden, das in den dazwischen liegenden Zeiträumen in unoffenbartem Zustande weiterbesteht. Messiasglauben, jüngstes Gericht, Regnum usw. - dies alles sind nur fragmentarische, durch eine ungezügelte religiöse Einbildungskraft entstellte Wiedergaben dieser Erkenntnis, einer Erkenntnis, die jedoch auch jenen unklaren Vorstellungen zugrunde liegt, welche einen nie gestorbenen, sich in einen unzugänglichen Wohnsitz zurückgezogen und sich eines Tages zur letzten Schlacht wieder offenbarenden Herrscher zum Gegenstand haben, einen "schlafenden" Kaiser, der erwachen wird; einen verwundeten Fürsten, der Den erwartet, der ihn heilen und sein Reich zu neuer Blütezeit führen wird. Diese bekannten Motive aus der Kaisersage führen uns sehr weit in die Zelten zurück. Der urarische Mythos des Kalki-avatara verkörpert bereits dieselben Bedeutungen in sinnvollem Zusammenhang mit den anderen, schon angedeuteten Symbolen. Kalki-Avatara ist in Shambala - eine der Bezeichnungen des urnordischen Zentrums - "geboren". Die Lehre wird ihm von Paraçu-râma übermittelt, dem "nie gestorbenen" Träger der Tradition der göttlichen Helden, dem Vernichter der aufständischen, entheiligten Kriegerkaste. Kalki-avatara kämpft gegen das "dunkle Zeitalter" und wesentlich mit dessen Dämonenführern Koka und Vlkoka, welche sogar ethymologisch Gog und Magog entsprechen, den unterirdischen, vom Priesterkönig Johannes beherrschten und sich im dunklen Zeitalter entfesselnden Kräften, gegen die auch der ghibellinische, erwachende Kaiser zu kämpfen haben wird.

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Die Gralssage ist auf diese Gedankenwelt zurückzuführen und nur auf der Grundlage dieser traditionsgebundenen Lehren und dieser übertraditionellen Symbolik geschichtlich wie auch übergeschichtlich zu verstehen. Wer die Gralssage inhaltlich damit zu erschöpfen glaubt, dass er sie als eine nur christliche Legende, als eine "heidnisch-keltische Folklore" oder als die poetische Erdichtung eines sublimierten Rittertums definiert, wird nur das Aeusserliche, das Unbedeutende und Unwesentliche von dieser Literatur empfangen. Ebenso irreführend wäre jeder Versuch, die Gralssage von einem besonderen "Volksgeist" abhängig machen zu wollen. Wir können ja erklären: Der Gral ist ein nordisches Mysterium. Dann soll man jedoch dabei unter "nordisch" etwas viel Tieferes und Umfassenderes als nur Deutsch oder sogar Indogermanisch verstehen und sich auf die hyperboräische Tradition beziehen, die letzten Endes dasselbe wie die Urtradition selbst ist. Auf diese Tradition lassen sich in der Tat alle Hauptmotive des in Frage stehenden Zyklus zurückführen.

Aeusserst bedeutungsvoll ist in dieser Hinsicht schon die Angabe des Perceval le Gallois, dass die Schriften über die Geschichte des Grals auf der Insel Avallon, auf der "das Arthusgrabmal liegt", gefunden wurden. Und nicht nur das: Andere Text nennen das Land, in das Joseph von Arimathia ursprünglich den Gral verbracht hätte, oder in dem gewisse geheimnisvolle Vorfahren Josephs wohnten, die "weisse Insel", "isle blanche" und Insel Avallon, "Insula Avallonis". Es sind wieder die Bezeichnungen des nordischen Urzentrums. Wurde England als eine Art "Land der Verne Issums" des Grals und als Gegend geschildert, in welcher sich die Gralsabenteuer hauptsächlich abspielen, so führt schon vieles zu dem Verdacht, dass es sich dabei im wesentlichen um ein symbolisches Land handelt. England wurde auch "Albion" und "weisse Insel" genannt, Albania ein Teil von ihm, Avallon die Oertlichkeit Glastonbury. Die alte keltisch-britische Mythologie scheint nämlich auf England oder auf einen Teil Englands gewisse Erinnerungen und Bedeutungsgehalte übertragen zu haben, die sich wesentlich auf das nordische Urzentrum, auf Thule, das Sonnenland beziehen. Das wahre "Land" des Grals ist dieses. So geschieht es, dass das Gralsreich mit dem symbolischen Reiche Arthurs, dem verwüsteten Reich, "la terre gaste" und dem Königreich, dessen Herrscher verwundet, lethargisch oder verfallen ist, in engste Verbindung tritt. Eine Felseninsel, eine Glasinsel, die drehende Insel, the Isle of the Tournance, ein von Gewässern umgebenes Land, ein unzugänglicher Ort, eine Berghöhe, eine Sonneburg, ein wilder Berg und ein Berg des Heils (Montsalvatsche und Mons Salvationis), ein unsichtbares, unnahbares, nur von den Gerufenen, und sogar von diesen nur unter Lebensgefahr erreichbares Schloss, usw.: Dies sind die Hauptbühnen aller Abenteuer der Gralshelden; sie sind nichts anderes, als ebensoviele Erscheinungsformen des symbolischen Wohnsitzes des Weltkönigs. Die Erinnerung an das Urzentrum kehrt wieder: "Eden" wird von einem Text das Gralsland genannt. Der Lohengrinzyklus und die Sachsenkronik von Halberstadt berichten: "Arthur sitzt mit seinen Rittern im Gral, der damals das Irdische Paradies, - d.h. das Urland - war, und jetzt ein Ort der "Sünde" geworden ist".

Der Gral ist in der Ritterliteratur eigentlich ein übernatürlicher Gegenstand, welcher folgende Haupteigenschaften aufweist: Er "nährt" - (Geschenk des Lebens); er beleuchtet (geistige Erleuchtung); er macht unbesiegbar. Von seinen übrigen Aspekten sind hier vor allem zwei hervorzuheben:

Erstens: Der Gral ist ein himmlischer Stein, welcher nicht nur, wie der von den Tuatha aus Avallon mitgenommene Stein, die Könige ernennt, sondern auch die Herrscher bezeichnet, die "Priesterkönig Johannes" zu werden haben (Titurel).

Zweitens: Der Gral ist der Stein, der aus der Krone Luzifers im Augenblick seiner Niederlage sprang (Wartburgkrieg). Als solcher, symbolisiert der Gral eine Macht, die Luzifer im Fall verloren hat, und er bewahrt auch in den übrigen Texten die Züge eines Mysterium tremendum. Wie eine furchtbare Macht tötet, zerschmettert oder blendet der Gral Jeden Ritter, der sich ihm zu sehr nähert, ohne gerufen oder dessen würdig zu sein. Dieser Aspekt des Grals steht mit der sogenannten Probe des "gefahrvollen Sitzes" in Verbindung. An der Tafelrunde Arthurs fehlt nunmehr jemand. Ein Platz ist leer, der letzten Endes dem höchsten Haupte des Ordens zukommt. Wer ihn besetzt, ohne der erwartete Held zu sein, wird vom Blitz erschlagen oder von der Erde verschlungen. Der Gral ist nur durch Kampf zu erreichen, "er muoz erstriten werden", sagt Wolfram von Eschenbach.

Das Mysterium des Grals gliedert sich in zwei Motive: Das eine bezieht sich auf ein symbolisches, als Ebenbild des höchsten Zentrums erscheinendes Reich, das wiederherzustellen ist. Der Gral ist in ihm nicht mehr anwesend oder hat seine Tugend verloren. Der Gralskönig ist siech, verwundet, vergreist oder von einem bösen Zauber befangen, der ihn scheinbar noch am Leben hält, während er schon seit Jahrhunderten tot ist (von dem Turlin).

 Das andere Motiv bestellt im Vorhandensein eines Helden, der, indem er den Gral erkämpfen kann, sich zu solcher Wiederherstellung verpflichtet fühlen soll; andernfalls verfehlt er seihe Aufgabe, und seine Heldenkraft wird verflucht (Wolfram). Er soll ein zerbrochenes Schwert wieder zusammenschmieden können. Er soll der "Rächer" sein. Er soll "die Frage stellen".

Um welche Aufgabe handelt es sich dabei? Es scheint dieselbe zu sein, die Hesiod den Heroen zugewiesen hat: jenem Geschlechte, welches, in den Zeitaltern des Verfalles geboren, das Urzeitalter wieder herzustellen hat. Wie der hesiodische Held das Titanische überwinden und bezwingen soll, so soll der Gralsheld die luziferische Gefahr überwinden. Es genügt nicht, dass sich der Gralsritter in allerlei natürlichen und übernatürlichen Abenteuern als ein "stählernes Herz" und der "beste und tapferste Ritter der Welt" erweist: Er soll ausserdem "frei von Stolz" sein und«Weisheit" erlangen (Wolfram, Gautier). Hat Luzifer den Gral verloren, so führen einige Texte (Grand St. Graal, Gibert de Mostreuil, Morte Darthur) ohne weiteres auf Luzifer die dämonische Kraft zurück, die in verschiedenen Prüfungen gegen die Gralsritter wirkt. Und nicht nur das, sondern jeweils ist der Gralskönig machtlos durch das Leiden an einer brennenden, vergifteten Wunde, die er sich im Dienste der Orgelluse zugezogen hat, wobei ohne weiteres ersichtlich ist, dass Orgelluse nichts anderes als eine weibliche Personifikation des Prinzips des Stolzes, auf franzosisch orgueil, ist. Doch im Schloss derselben Orgelluse werden andere Gralsritter, wie zum Beispiel Gawain, auf die höchste Probe gestellt. Sie unterliegen aber nicht. Sie siegen. Sie ehelichen bzw. "besitzen" Orgelluse. Der Sinn dieser Prüfungen ist, eine reine Kraft, eine geistige Männlichkeit zu verwirklichen, die heldische Eigenschaft auf eine olympische, königliche, sonnenhafte Ebene, auf eine von jeder Macht des Chaos losgelöste Ebene zu erheben. "Das irdische Rittertum soll ein himmlisches werden", steht in Queste du Graal nachzulesen. Nur unter dieser Bedingung ist der Weg zur Gralsburg erschlossen und kann man auf dem "gefahrvollen Sit" ausharren, ohne zerschmettert zu werden, wie die Titanen vom Blitz des olympischen Gottes zerschmettert wurden.

Als eigentümliches Hauptmotive des ganzen Gralszyklus ist jedoch, wie schon gesagt, das folgende zu betrachten: Dem Helden, der so weit in solcher Vollendung eines nicht-irdischen Rittertums gegangen ist, legt sich eine weitere, entscheidende Aufgabe auf: Wird er einmal in die Gralsburg gelassen, so soll er die Tragik des verwundeten, gelähmten oder nur scheinbar lebenden Gralskönigs mitempfinden und die Initiative zur absoluten Wiederherstellungstat ergreifen. Dies wird von den Texten mehrfach rätselhaft zum Ausdruck gebracht: Der Gralsheld soll z.B. "die Frage stellen". Welche Frage ? Hier scheinen die Autoren schweigen zu wollen. Man hat den Eindruck, als ob in diesem Punkte den Verfasser etwas am Sprechen hindert, und dass eine banale Erklärung zur Deckung der wahren Antwort gegeben wird. Verfolgt man jedoch die innere Logik der gesamten Erzählungen, dann leuchtet beinahe eindeutig ein, worum es sich tatsächlich handelt: Die zu stellende Frage ist die Reichsfrage; es handelt sich nicht darum, zu wissen, was gewisse Gegenstände in der Gralsburg bedeuten, sondern es handelt sich darum, die Tragik des Verfalls zu empfinden und, nachdem man einmal diese Vollendung, die die Vision des Grals bedeutet, erreicht hat, die Frage der Wiederherstellung anzuschneiden. Nur auf dieser Grundlage erklärt sich das Ganze, und die wundertätige Tugend dieser rätselhaften Frage wird verständlich: Weil der Held, der nicht gleichgültig ist, und die Frage stellt, mit dieser Frage das Seich erlöst. Wer nur scheinbar lebendig war, verschwindet; wer verwundet war, wird gehellt. Jedenfalls tritt der Held als neuer, wahrer Gralskönig an den Platz des vorhergegangenen. Ein neuer Zyklus beginnt.

Nach einigen Texten tritt der tote Ritter, der den Helden an seine Rache und Aufgabe zu erinnern scheint, in einer von Schwänen gezogenen Bahre auf. Der Schwan ist das Tier Appollons im Lande der Hyperboräer, im nordischen Urland. Von Schwänen gezogen fahren die Gralsritter aus dem höchsten Zentrum, wo Arthur herrscht: aus Avallon.

In anderen Texten wird der Gralsheld der "Ritter der beiden Schwerter" genannt. In der theologisch-politischen Literatur jener Zeit, vor allem in der gibellinischen, bedeuteten aber die beiden Schwerter nichts anderes als die doppelte Macht, die doppelte Herrschaft: die zeitliche und die übernatürliche. Ein klassischer Text spricht vom hyperboräischen Lande als von dem, aus welchem Geschlechter wie das der Herakliden stammen, welche zugleich die königliche und die priesterliche Würde trugen.

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Das unzugängliche und unantastbare Gralsreich ist auch in jener Form eine Wirklichkeit, derzufolge es an keinen Ort, an keine sichtbare Organisation und kein irdisches Königreich gebunden ist. Es ist eine Heimat, der man nach einer anderen als der physischen Geburt, im Sinne einer geistigen Würde zugehört. Dies Reich vereinigt, in unzerreissbarer Kette Männer, die in der ganzen Welt, im Raum, in der Zeit, in den Völkern zerstreut sein können, und zwar so weit, dass sie vereinzelt erscheinen, und der eine nicht vom anderen zu wissen braucht. In diesem Sinne ist das Reich des Grals, wie das Arthurs und Johannes, wie Thule, wie Mitgaard und Avallon immer da. Es ist wegen seiner "polaren" Natur unbeweglich. Es ist demnach der Strömung der Geschichte nicht jeweils naher oder ferner. Vielmehr sind es die Strömungen der Geschichte, die Menschen und ihre Reiche, die sich ihm mehr oder weniger anzunähern vermögen.

Nun schien zu einer gewissen Zeit das gibellinische Mittelalter in hohem Masse eine solche Annäherung aufzuweisen und sozusagen den geschichtlich-geistigen Stoff zu bieten, vermittels dessen das Gralsreich nicht nur okkult, sondern auch sichtbar und, wie in den Urüberlieferungen zu einer innerlichen, zugleich aber auch äusserlichen Wirklichkeit würde. Auf diesem Wege lässt sich vertreten, dass der Gral die Krönung des mittelalterlichen Kaisermythos und das höchste Glaubensbekenntnis des Gibellinentums bildete. Ein solches Bekenntnis ist wirklich eher in der Sage als im Leben und dem klaren, politischen Willen jener Zeit zu suchen. Desgleichen drückt sich, was sich am tiefsten und gefährlichsten im Einzelnen bewegt, weniger durch die Formenbildung des reflektierenden Bewusstseins aus, als vielmehr durch die Symbolik des Traumes und der unterbewussten Ursprünglichkeit.

Das Mittelalter harrte des Gralshelden, aufdass der "dürre" Baum des Reiches wieder erblühe, jede Zerrissenheit, jede Usurpation, jeder Gegensatz zerstört würde und tatsächlich eine sonnenhafte Ordnung herrsche. Das Gralsreich, das zu neuem Glänze geführt werden sollte, ist selbst das heilige römische Reich deutscher Nation. Der Gralsheld, der zum "Beherrscher aller Geschöpfe" und derjenige geworden wäre, welchem die "höchste Macht" überreicht wird, wäre der geschichtliche Kaiser, "Fridericus", wenn er der Vollzieher des Gralsmysteriums bzw. des hyperboräischen Mysteriums gewesen wäre.

Geschichte und Uebergeschichte schienen also in einem Augenblick zusammenzutreffen: Es ergab sich eine Periode der metaphysischen Spannung, eine Gipfelung und höchste Hoffnung -nachher wieder Zusammenbruch und Zerstreuung.

Die ganze Gralsliteratur scheint sich in einen kurzen Zeitraum zusammenzudrängen: Kein Text scheint vor dem letzten Viertel des zwölften Jahrhunderts und nach dem ersten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts geschrieben worden zu sein. Am Ende des ersten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts hört man plötzlich auf - etwas, wie einem Losungswort gehorchend - , vom Gral zu sprechen. Erst nach vielen Jahren und in schon verschiedener Stimmung schreibt man wieder über den Gral. Das sieht aus, als ob in einem bestimmten Augenblick eine unterirdische Strömung aufgetaucht wäre, sich aber unmittelbar darauf wieder ins unsichtbare zurückgezogen hätte (Weston). Die Zeit dieses Untertauchens der Gralstradition entspricht ungefähr dem Vorabend der Tragödie der Templer. Vielleicht liegt dort der Ausgangspunkt zum Zusammenbruch.

Bei Wolfram werden die Gralsritter "Templeise" bzw. Templer genannt, obwohl bei ihm kein Tempel in Frage kommt. In gewissen Texten tragen die Ritter-Mönche der geheimnisvollen "Insel" dasselbe Zeichen der Templer: rotes Kreuz auf weissem Gewand. In anderen Texten nehmen die Gralsabenteuer eine Götterdämmerungsstimmung an: Der Gralsheld vollbringt wohl die "Rache" und stellt das Reich wieder her. Eine himmlische Stimme verkündet jedoch, er solle sich mit dem Gral auf ein geheimnisvolles Eiland zurückziehen. Das Schiff, das ihn abholen kommt, ist das Templerschiff: Es trägt weisse Segel mit rotem Kreuz.

Geheimbünde scheinen, wie auseinanderlaufendes Geäder, die alten Symbole und Ueberlieferungen des Gralszyklus nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Kultur aufbewahrt zu haben: gibellinische "Getreue der Liebe", spätere Minnesänger, Hermetisten. Man gelangt damit bis zur Rosenkreuzerbewegung. Bei den Rosenkreuzern taucht derselbe Mythos wieder auf: die Sonnenburg, der Imperator als "Herrscher des vierten Reiches" und Zerstörer jeder geistigen Usurpation; eine unsichtbare Bruderschaft von transzendenten, ausschliesslich durch ihre Absicht und ihr Wesen geeinten Persönlichkeiten; zuletzt das sonderbare Geheimnis der Auferstehung des Königs, ein Geheimnis, das sich in die Feststellung verwandelt, dass der König schon lebe und wache. Wer diesem Mysterium beiwohnt, trägt die Templerfahne: eine weisse Panne mit rotem Kreuz. Auch das Gralstier, die Taube, ist dabei.

Ein Losungswort scheint jedoch auch hier gegeben zu sein. In einem bestimmten Augenblick hört man überall plötzlich auf, über die Rosenkreuzer zu reden. Nach der Tradition sollen die letzten echten Rosenkreuzer zu der Zeit, in welcher Absolutismus, Rationalismus, Individualismus und Aufklarung bereits im Begriff waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, das Abendland verlassen und sich nach "Indien". Zurückgezogen haben.

Indien ist hier ein Symbol. Es bedeutet die Stätte des Priesterkönigs Johannes, des arischen Weltkönigs. Es ist Avallon. Es ist Thüle. Nach einem Text sind dunkle Zeiten über Salvatierra gekommen, wo die Monsalvatritter sich befinden. Der Gral darf dort nicht länger bleiben. Er wird nach "Indien" verbracht, nach dem Reiche des Königs Johannes, welches "bei dem Paradiese liegt". Sind die Gralsritter dort einmal gelandet, so erscheint plötzlich und wundertätig dort auch der Monsalvat und seine Burg, weil "unter den sündigen Völkern nichts davon verbleiben soll". Parsifal selbst nimmt das Amt des "Priesters Johannes" an. Von Shambala, der mystischen "Stadt des Nordens", wohin die "nördlichen Wege" bzw. die "Wege der arischen Götter", deva-yana, führen, wird von den tibetanischen Asketen gesagt: "Sie liegt in meinem Geist".

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In jedem Ende liegt ein Anfang beschlossen. Heute löst sich eine Welt des Verfalls auf. Neue Kräfte tauchen aus den liefen auf. Entscheidende Kämpfe bereiten sich vor. Ursymbole werden heraufbeschworen: Unter dem Zeichen von Hakenkreuzen, Adlern, romanisch-hyperboräischen Aexten marschieren neue Völker. Der Mythos des Reiches hat wieder einmal seine Auferstehung. Man spricht schon von einem neuen Staat, der Ordensstaat zu werden hat: von einem neuen Orden, der alle abendländischen gegen die Dämonie des Kollektivums und die dunkle Flut der Dritten Internationale ringenden Kräfte zu vereinigen hat. Damit reifen vielleicht auch allmählich neue Zeiten: Zeiten, in welchen die Mythen unserer gemeinsamen gibellinischen Grösse, des unsichtbaren, unantastbaren Zentrums, des arischen Herrschers, der erwachen soll, des rächenden und wiederherstellenden Helden nicht mehr als Fabeln einer verschollenen romantischen Vergangenheit gelten, sondern sich als die Wahrheit und Wirklichkeit derer offenbaren werden, die man mit Recht als die allein lebendigen betrachten kann.

Es wäre sehr zu begrüssen, dass insbesondere die geistige Vorhut der deutschen Erneuerungsbewegung sich die klarste Rechenschaft davon gäbe und auf dieser Grundlage die Fähigkeit in sich erwecken würde, in ihren heutigen Mythen den Weg zu finden, der wirklich die Rückverbindung mit den Ursprüngen, mit der geheimen Tradition des Reiches und dem Mysterium des Nordens ermöglichen kann.


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Dritter Vortrag :

" Die Waffen des geheimen Krieges " .


Es gibt einen geheimen Krieg: das ist der Krieg, der unterirdisch von den Kräften des Weltumsturzes bei Verwendung von Mitteln geführt wird, die sich fast immer den geläufigen Forschungsmethoden entziehen. Der Begriff des geheimen Krieges gehört einer sozusagen dreidimensionalen Geschichtsauffassung an; nicht die beiden Dimensionen der scheinbaren Ursachen, Ereignisse und Führer kommen dabei in Frage, sondern hauptsächlich die Dimension der Tiefe. In dieser unterirdischen Dimension stecken Kräfte und Einflüsse, deren Wirkung bestimmend ist, und die sich oft nicht einmal auf das einfach Menschliche - sei es individuell oder kollektiv - zurückführen lassen.

Wir wollen vor allem den Sinn der von uns gebrauchten Bezeichnung "unterirdisch" klarstellen. Wir denken dabei nicht an einen dunklen irrationalen Untergrund, der zum allgemein bekannten Teil der Geschichte in derselben Beziehung steht, wie im Einzelnen das Unbewusste zum wachen Bewusstsein steht. Vom Unbewussten kann nur angesichts derjenigen die Hede sein, die nach der dreidimensionalen Auffassung der Ereignisse uns weniger als Subjekte denn als Objekte der Geschichte erscheinen, indem sie sich in ihrem Denken und Handeln kaum eine Rechenschaft ablegen von den eigentlichen Einflüssen, denen sie gehorchen, und von den wahren Zielen, die sie verwirklichen. So fällt ihr Mittelpunkt mehr ins Vor- und Unterbewusstsein als ins klare, reflektierende Bewusstsein, und in dieser Hinsicht darf man wohl sagen, dass tatsächlich die entscheidendsten Handlungen des geheimen Krieges im Unterbewussten geführt werden. Vom Standpunkt der wahren Täter der Geschichte aus stehen aber die Sachen ganz anders; hier kann weder vom Unterbewussten noch vom Unbewussten die Hede sein: Wir haben vielmehr mit durchaus intelligenten Kräften zu tun, die ganz genau wissen, was sie wollen und welche Mittel am passendsten sind zur Verwirklichung des von ihnen Gewollten. Anzunehmen, dass der Grundboden der Geschichte vom "Irrationalen", dem "Leben", dem "Werden" oder einer anderen dieser unklaren, neu erdichteten Wesenheiten gebildet ist, ist hur Philosophie und ein ganz gefährlicher Irrtum: wie Später zum Ausdruck kommen wird, erblicken wir darin sogar eine der Suggestionen, die im Dienst gewisser Zielstrebigkeiten der geheimen Front in gewissen Kreisen verbreitet wurden. Also: die dritte Dimension der Geschichte darf nicht im Nebel abstraktphilosophischer Begriffe verschwinden, sondern ist als von ganz genauen "Intelligenzen" besetzt und bewohnt zu denken. Können gewisse Geheimbünde das unmittelbare Organ dieser Kräfte sein, so darf man jedoch nicht dabei beharren und annehmen, dass diese letzteren das Wesen und die Wirkung des unsichtbaren Feindes erschöpfen, denn es handelt sich dabei um einen Kampf, der letzten Endes metaphysisch ist. Nach einer der verschiedenen im Abendlande verbreiteten Geschichtsauffassungen ist in der Geschichte kein Mechanismus naturhafter, politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Ursachen zu erblicken, sondern die Entwicklung eines Planes - des "vorsehungsmässigen" Planes -, dem gegnerische Kräfte mit ihren historischen Trägern Widerstand leisten. Solche Kräfte werden manchmal moralistisch als "Kräfte des Bösen" oder religiös christlich als antichristliche Kräfte oder Kräfte des Antichrists bezeichnet. Eine solche Auffassung hat etwas für sich unter folgenden drei Bedingungen: sie ist aus der theologischen in die praktische Ebene zu übersetzen, sie soll zum allgemeinen methodologischen Prinzip für ein vertieftes Wissen der Ereignisse werden, sie ist zu verallgemeinern und von den einseitig christlichen Prämissen zu befreien, weil sie auch in Bezug auf nicht-christliche Kultur gültig ist. Wenn im wesentlichen von den menschlichen Institutionen die Rede ist, dann ist es ohne weiteres besser, schlechthin von Kräften der Tradition und Kräften der Antitradition zu sprechen, von Kräften der geistigen Hierarchie und des Kosmos und von Kräften des revolutionären Umsturzes und des Chaos. Heute besteht mehr denn je die Notwendigkeit, sich mit solchen Gedanken zu befassen, die nicht mit philosophischen Spekulationen zu verwechseln, sondern als unentbehrliche Waffen für die richtige Tathandlung zu betrachten sind. Wir möchten an eine sehr bezeichnende Stelle der "Protokolle von Zion" erinnern: "Die Denkungsart der goim ist nur tierisch so sind sie unfähig, die Folgerungen vorauszusehen, die eine gewisse Ursache hervorrufen kann, wenn sie unter einem bestimmten Licht vorgestellt wird. Gerade infolge dieses Denkungsunterschiedes zwischen uns (den Weisen von Zion) und den goim kommen wir leicht zu der Erkenntnis, die Auserwählten Gottes zu sein, und unserer übermenschlichen Natur, verglichen mit der instinktiven und tierischen Denkungsart der goim. Diese letzteren verstehen wohl die "Tatsachen", sie sehen sie jedoch nicht voraus und sind unfähig, etwas zu erfinden ausser materiellen Dingen". Dieses Dokument, das das Judentum zum Haupttäter des Weltumsturzes macht, bezieht sich auf die Nichtjuden (goim): lassen wir sie im allgemeinen für diejenigen gelten, die wir als "Objekte" der Geschichte bezeichnet haben, dann erscheint dieses Urteil über den goi noch heute furchtbar treffend. Die Denkart der meisten heutigen "Menschen der Tat" erscheint - mit derjenigen ihrer maskierten Gegner verglichen - tatsächlich kindlich. Sie konzentrieren ihre gesamten Kräfte auf das unmittelbar Greifbare, und sie sind unfähig, jenseits eines äusserst beschränkten und fast immer krass materialistischen Horizontes kausale Beziehungen zu erfassen.

Die geheime Front arbeitet dagegen mit dem, was wir gern mit einem aus den positiven Wissenschaften entnommenen Gleichnis, das Unwägbare oder die unwägbaren Mengen, bezeichnen möchten. Sie verursacht sehr oft Änderungen, die beinahe unmerklich sind, von denen langsam, aber schicksalhaft erhebliche Wirkungen ausgehen. Sie wirkt beinahe hie durch einen direkten Widerstand, sondern durch eine zweckmässige Lenkung, die die Kräfte zum gewünschten Ziele führt. Was Wundt einmal als "Heterogenie der Ziele" bezeichnet hat, spielt dabei die Hauptrolle: gewisse Menschen oder Kreise, die glauben, nur etwas von Ihnen Gewolltes durchzusetzen, dienen als Werkzeuge, ganz anderes zu verwirklichen oder zu ermöglichen, wodurch sich ein übergeordneter Einfluss und "Sinn" verrät. Deshalb bietet das "Differential" zwischen dem Gewollten und dem Geschehenen, zwischen den Prinzipien und Programmen und ihren wahren Folgerungen in der Geschichte das kostbarste Material zur Forschung nach den wirklichen Kräften, die in der Geschichte wirksam sind.

Dies vorausgeschickt, wollen wir einige Mittel betrachten, die zu unseren Zeiten am häufigsten von den maskierten Kräften des Weltumsturzes in Anwendung gebracht werden, um ihre Handlungen zu tarnen, die ihrer Gegner im voraus zu verhindern und ständig ihren Einfluss auszuüben.

1.) Die positivistische Suggestion. Man soll sich vor allem mit dem Gedanken vertraut machen, dass die sogenannte "positive" Methode, die Geschichte und die Ereignisse zu betrachten, eher eine Suggestion ist, die systematisch in der modernen Kultur von den antitraditionellen Kräften zur Bemäntelung ihrer Aktion verbreitet wurde, als eine spontane Erscheinung oder das einer sehr beschränkten Denkungsart eigene Vorurteil. Wer glaubt, die Geschichte sei ausschliesslich von den Menschen geschaffen und nur von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren bestimmt, der sieht nicht weit und verwechselt die Ursachen mit den Wirkungen. Eben das wünschen sich die Kräfte, die unterirdisch wirken wollen. Eine vom "positiven" Vorurteil beherrschte Kultur bietet die vorzüglichste Voraussetzung für ein Handeln aus der dritten Dimension. Zum grossen Teil ist dies leider bei der modernen Kultur der Fall. Sie ist eine durch das positivistische, rationalistische und wissenschaftliche Vorurteil direkt unfähig, blind und wehrlos gewordene Kultur. Heute spricht man zwar von Erneuerung, man ist jedoch weit davon entfernt, so vielen Ideen die Maske herunterzureissen, die immer noch die Grundlage der modernen Denkungsart und des modernen Unterrichtes bilden: Ideen, die weniger Irrtümer oder Beschränktheiten als Suggestionen sind, die von den zerstörungs- und herrschaftsgierigen Verschwörern mit Absicht verbreitet wurden.

Wir haben schon von gewissen Geschichtsauffassungen gesprochen, die nicht mehr "positivistisch" eingestellt sind und als Grundlage das "Werden", das "Leben" oder den "Geist" haben. Wir können darin ein Beispiel der Anwendung eines zweiten Instrumentes des geheimen Krieges erblicken, und zwar:

2.) Die Taktik des Ersatzes. Sie wird jedesmal angewandt, wenn sich die Gefahr des "Erwachens" spürbar macht und die "Objekte der Geschichte" versuchen, sich von den Ideen loszumachen, durch welche das okkulte Spiel der Kräfte des Weltumsturzes sich leicht durchsetzt. In dem eben angedeuteten Fall sind in der Tat diese unklaren Begriffe von "Werden", "Leben", "Unbewusstem" usw. nur ein Köder für diejenigen, die sich nicht mehr mit den positivistischen Schemen zufrieden gaben, damit ihr Auge sich nicht dorthin richtet, wohin es schauen sollte. Durch den Nebel solcher Begriffe wird das Blickfeld so gut verschleiert, wie durch die finstere Nacht des positivistischen Agnostizismus. Man spielt mit Phielosophie und Weltanschauung, während die Verschwörung weiter fortschreitet.

Die Taktik des Ersatzes entwickelt sich auch in bezeichnender und wirksamer Weise als

3.) Taktik der verfälschten Ebenbilder. Es handelt sich um folgendes: Die Auswirkungen des Zerstörungswerkes können sich bis ins Materielle übertragen und eine so sichtbare und extreme Form annehmen, dass sie zuletzt zur Reaktion aufrufen. Diese Reaktion sucht dann in unklarer Weise nach Symbolen und Mythen, die für den Wiederaufbau geeignet sind, und kann solche sogar finden. Es handelt sich fast Immer um Symbole und Bezugspunkte aus der traditionsgebundenen Vergangenheit, die durch die tieferen Kräfte einer ml endgültiger Zerstörung bedrohten Rasse zum neuen Leben erweckt werden. In solchen Fällen setzt sich der geheime Kampf mit keiner direkten Aktion durch, d.h. diesen Symbolen wird scheinbar kein Widerstand entgegengesetzt, man trachtet vielmehr danach, nur Fälschungen und Nachahmungen von ihnen zur Verbreitung und Geltung kommen zu lassen. Dadurch wird die Reaktion entweder gedämmt oder abgelenkt oder sogar in die entgegengesetzte Richtung verkehrt. In dieser Richtung setzten dann dieselben Einflüsse ein, die im bekämpfenden Übel und im Verfall wirkten, und gegen die man sich zur Wehr zu setzen versuchte. Diese Taktik kann sich auf verschiedenen Gebieten, im Geistigen wie im Politischen, abspielen und scheint heute besonders beliebt zu sein. Es lohnt sich, Beispiel davon aufzuführen.

Der typischste Fall ist vom "Traditionalismus" gebildet. Tradition ist Gebundenheit an das Metaphysisch-Gestaltende. Tradition ist das Geheimnis all dessen, was in höherem Sinne Form hat, folglich aus dessen, was Rasse und Kultur in Höherem Sinne bedeutet. Kontinuität, d.h. Ununterbrochenheit, Überwindung des Zeitlichen innerhalb des Zeitlichen, ist Tradition, und diese Eigenschaft verdankt die Tradition dem Vorhandensein sowohl eines Wissens von Symbolen und Prinzipien und Bedeutungsgehalten, die überindividuell und übergeschichtlich sind, wie auch einer herrschenden Elite, die sich eben durch diese übergeordnete Wirklichkeit legitimiert. Nun kommt es oft in der modernen Welt vor, dass die unbestimmte Sehnsucht nach der Rückkehr zur Tradition in die Form des "Traditionalismus" abgelenkt wird, d.h. in die Form vager Annahmen dilettantenhafter oder militanter Prägung, die die Tradition mit den Gebräuchen und der Routine verwechseln, in einen kurzatmigen Partikularismus münden und bei gewissen überlieferten Formen faul verharren, ohne von deren Geist etwas zu wissen. Als solche bieten die "traditionalistischen" Gebilde den besten Vorwand zum Spiel ihrer Gegner, deren leichter Angriff gegen den Traditionalismus nur der Deckmantel ihres Kampfes gegen die Tradition ist, und der die Förderung des revolutionären Umsturzes zum wahren Ziele hat. Damit wird die Reaktion verhindert, und das Manöver führt in glänzender Weise zum gewünschten Resultat. Man soll sehr acht geben, damit Ähnliches nicht mit den Hauptideen der heutigen erneuernden Bewegungen geschient - bzw. mit Rasse- und Reichsgedanken, Römertum, Ariertum usw. Man kann wohl behaupten, dass es unter diesen Ideen keine gibt, die nicht der Gefahr ähnlicher Verkehrungen ausgesetzt ist, weil der Gegner nur zu gut weiss, welche heilende Wirkung aus diesen Ideen hervorgehen könnte, wenn sie in der echtesten und höchsten Form zum Durchbruch kämen.

In einem im Dezember ebenfalls im Rahmen der D I G gehaltenen Vortrag haben wir uns schon mit dieser Frage befasst, so weit sie auf das Nordische und die nordische Tradition Bezug hat. Und unsere beiden vorhergehenden Vorträge könnten vielleicht schon einen ähnlichen Beitrag bedeuten hinsichtlich der traditionsgebundenen Auffassung der Tathandlung und des Reiches?

4.) Taktik der Umwälzung. - Die geheimen Kräfte des Weltumsturzes wussten ganz genau, dass die Voraussetzung der zu zerstörenden Ordnung das übernatürliche Element ist, der Geist, aufgefasst als keine philosophische Abstraktion, sondern als eine höhere Wirklichkeit, Endziel des Prozesses der transzendenten Vollendung der Persönlichkeit und Legitimation jedes wahren Herrschertums. Nachdem der Einfluss beschränkt wurde, den das letzte abendländische Glaubensbekenntnis in dieser Hinsicht noch ausüben konnte (wir können hier nicht die Mittel untersuchen, die dazu verwandt wurden), mussten die Kräfte des Umsturzes danach streben, dass jede neue, ausserhalb der herrschenden Religion erwachende Bestrebung nach dem Übernatürlichen abgelenkt und gelähmt würde. Was wir, mit Bezugnahme auf die verschiedenen theosophistischen, spiritistischen, orientalisierenden und "okkultistischen" Sekten der Neuzeit als Neuspiritualismus bezeichnen können, ist hauptsächlich als Ergebnis eines solchen Manövers zu betrachten. In all dem handelt es sich wiederum fast ausschliesslich um Zerrbilder, Nachahmungen und Entstellungen eines geistigen Wissens, woran Kreise von Halbgebildeten und Schwärmern die Schuld tragen, die in dieser Beziehung oft einem wirklich dämonischen Einfluss unterlegen zu sein scheinen.

Damit hat man ein doppeltes Resultat erzielt. Es ist vor allem leicht gewesen, den Misskredit, in den diese Nachahmungen zuletzt fallen mussten, auf die Lehren an sich zu beziehen, wodurch diese letzteren ausserstandgesetzt wurden, gefährlich zu wirken. In der letzten Zeit scheint dieses Manöver auch mit politischen Mitteln durchgeführt zu werden: es gibt z.B. Kreise, die überall nur "Freimaurerei" und Geheimbünde sehen, da wo es sich um esoterische Symbole handelt, auch wenn die Bezugnahme auf alte Überlieferungen geht, die nichts mit den Irrlehren der Freimaurerei zu tun haben und geistig-aristokratische Züge aufweisen. Es kommt dazu das positivistische Vorurteil, das in all dem nur Aberglauben und Phantasie erblickt.

An zweiter Stelle ist man mittels missverstandener "Übungen" dazu gekommen, die meisten unter denjenigen, die praktisch dem Übersinnlichen zustrebten, nicht zum Übernatürlichen, sondern zum Unternatürlichen hinzulenken, d.h. zum "Unbewussten", zur Medianität und im allgemeinen zu einer Welt, die weit davon entfernt, die Steigerung der normalen Persönlichkeit zu bedeuten, nur ihren Zusammenbruch und ihre Zersetzung bewerkstelligen kann, womit der Mensch direkt zum ahnungslosen Werkzeug der dunkelsten Einflüsse wird. Mit dem "Neuspiritualismus" hat die Weltverschwörung also die Gefahr beseitigt, die das wahre Übernatürliche in der modernen antimaterialischen Kultur für die geheime Front hätte bedeuten können, und sie schaut jetzt befriedigt auf diejenigen, die die Geheimlehre des Übermenschen in theosophistischen Kreisen von alten Weibern, Minderwertigen und Untermenschen verkünden oder auf die anderen, die nach dem Takt der rationalistisch-politischen Idole tanzen,

5.) Taktik des Rückschlages. - Sie verwirklicht sich, wenn eine der Kräfte, die man wegen ihres noch traditionsgebundenen Charakters aus der Welt schaffen will, dazu veranlasst wird, die Initiative zu einer Handlung zu ergreifen, die sich in einem ersten Moment gegen eine ähnliche, d.h. traditionelle Kraft richtet; wenn diese zugrunde gerichtet wird, wendet sie sich gegen die erstere und reisst sie mit. Die geheimen Kräfte des Weltumsturzes kommen oft durch geeignete Infiltrationen zu dem Ziel, dass die Vertreter einer Tradition diese am besten dadurch zu verteidigen glauben, dass sie andere Traditionen angreifen und diskreditieren. Wer sich keine Rechenschaft darüber abgibt und aus materiellen Belangen die Tradition in der Gestalt eines anderen kulturverwandten Volkes angreift, muss gewärtig sein, früher oder später einmal die Tradition auch bei sich durch eine Bewegung, sozusagen des Rückschlages angegriffen zu sehen. Die Kräfte des Weltumsturzes rechnen sehr mit dieser Taktik: Sie trachten folglich mit allen Mitteln danach, dass jede höhere Idee unter der Tyrannei von partikularistischen Interessen, von proselitären Bestrebungen, von Stolz und Habgier bleibt: Sie wissen ganz gut, dass dies die beste Methode ist, jede Einheit und wahre Solidarität zu zerstören und einen Zustand der Zerrissenheit zu fördern, in welchem ihr Spiel sehr leicht wird.

Ähnlich liegt der Fall bei jeder machiavellistischen Nutzanwendung der revolutionären Kräfte. Einige kurzsichtige Staatsmänner haben sich zuzeiten gedacht, es könnte unter Umständen eine Stärkung ihres Volkes bedeuten, die Revolution bei gegnerischen Nationen zu fördern oder zu unterstützen. Ohne es zu ahnen, sind sie zum entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Während sie glaubten, sich der Revolution als Mittel zu bedienen, hat die Revolution sie zu ihrem Werkzeug gemacht: nachdem sie dank jener Politiker die Wege bei anderen Völkern geebnet gefunden hat, hat die Revolution fast immer auch die ersten erreicht und niedergerissen. Man kann sagen, dass die ganze moderne Geschichte der Schauplatz eines Umsturzes gewesen ist, der sich tragisch eben auf diesem Wege verwirklicht hat. In diesem Zusammenhang kann nie genügend betont werden, dass nur die bedingungslose, asketische, unerschütterliche Treue an eine Idee vor den Kräften des okkulten Krieges schützen kann; geht die Fähigkeit dieser geistigen Treue und die Solidarität einer Art heiligen Krieges verloren, gehorcht man den zufälligen Beweggründen einer sogenannten Realpolitik, dann wird die Front des Widerstandes gebrochen, und damit geht auch die Möglichkeit jeder wahren Selbständigkeit und Freiheit verloren.

Wir wollen eine der letzten Erscheinungen solcher Taktik erwähnen: das "Prinzip der Nationalitäten" und des "Antiimperialismus" sind Mythen, die von den freimauererischen und jüdischen Drahtziehern der Verbündeten zur Mobilmachung jeder Kraft gegen die mitteleuropäischen Reiche und zur Vernichtung derselben erfunden wurden; sie sind aber inzwischen zu Ideologien geworden, die in Zukunft z.B. eine allgemeine Erhebung aller farbigen Völker gegen die europäischen Grossmächte und ihren Vorherrschaftsanspruch am besten fördern können werden. Kein Wunder, dass auf dieser Grundlage eine solche Ideologie in die Hände der Komintern übergegangen und ein wichtiges Werkzeug der bolschewistischen Propaganda ausserhalb Europa's geworden ist.

6.) Taktik des Sündenbockes. - Spüren die geheimen Kräfte des Waltumsturzes die Gefahr, in manchem Aspekt entlarvt zu werden, dann bemühen sie sich darum, die ganze Aufmerksamkeit ihrer Gegner auf gewisse Elemente zu lenken und zu konzentrieren, die nur teilweise oder nur in untergeordneter Weise als verantwortlich für ihre Untaten betrachtet werden können. Die ganze Reaktion entlädt sich dann auf diese, zu echten Sündenböcken gewordenen Elemente. Der okkulten Front steht es dann frei, ihr Spiel weiterzutreiben, da ihre Gegner glauben, nunmehr den Feind entdeckt und nichts weiter zu suchen zu haben. Als Vorkämpfer des Antisemitismus in Italien können wir sicher keinen Verdacht erwecken: deshalb haben wir manchmal gewisse radikale Antisemiten ermahnt, achtzugeben, damit sie nicht gelegentlich, da sie überall nur den Juden sehen, in eine derartige Falle gehen. Dieselbe Ermahnung könnte an die gerichtet werden, die überall nur die Freimauererei sehen, und so weiter, da eine solche Taktik auch auf vielen anderen Gebieten wirksam ist. Damit wollen wir freilich nicht im geringsten das Maaß der Schuld von z.B. Juden und Freimauerern verkennen, vielmehr die Frage aufwerfen, ob noch tiefere und geheimnisvollere Kräfte die funktionelle Rolle von Judentum und Freimauererei in der Neuzeit bestimmt haben, und wir sind überzeugt, dass es zu schön wäre, wenn mit der Erledigung von Judentum und Freimauererei ohne weiteres ein goldenes Zeitalter angetreten werden könnte, wie einige es aufrichtig glauben. Man soll sich vor jeder Einseitigkeit hüten und nie das Gesamtbild der wahren geheimen Front aus dem Auge verlieren.

Jetzt zur:

7.) Taktik der Verdünnungen. - Sie ist ein Sonderaspekt der "Taktik des Ersatzes". Um zu verstehen, worum es sich handelt, sei folgendes vorausgeschickt: Der Prozess, der bis zur heutigen all gemeinen Krise geführt hat, hat ferne Ursprünge und verschiedene Phasen. In jeder dieser Phasen war die Krise schon vorhanden, obwohl in einer noch nicht akuten, eher potentiellen als aktuellen Form. Die Lehre des "Fortschritts" kann als eine jener Suggestionen betrachtet werden, die die geheimen Kräfte des Welt Umsturzes verbreiten, damit das Auge sich von den Ursprüngen abwendet und der Prozess des Niederganges immer weiter fortschreitet unter dem Zeichen von illusorischen Werten, vor allem des Blendwerkes der "Errungenschaften" der technisch-mechanischen Zivilisation. Die tragischen Erlebnisse der letzten Jahre haben es jedoch zuwegegebracht, diese Hypnose teilweise zu beschwören, womit man begonnen hat, sich Rechenschaft darüber zu geben, dass das Tempo des angeblichen "Fortschritts" nur das eines Rennens zum Abgrund bedeutete. Halt zu machen und zu den Ursprüngen zurückzukehren als einzigem Weg zu einer neuen normalen Kultur, wurden dann Losungsworte. Darauf hat die geheime Front neue Mittel zur Vorbeugung jedes Radikalismus mobilgemacht. Vor allem hat sie das Schlagwort der "Unzeitgemässheit" geprägt und verbreitet; dann hat sie es vorstanden, die den Ursprüngen wieder zustrebenden Kräfte auf Zustände hinzulenken, in welchen die Krise und das Übel in milderen und folglich wenig empfindbaren Formen auftraten. Auch diese Falle ist gelungen. Die Führer des Weltumsturzes wissen selbstverständlich, dass von diesem Augenblick an keine grosse Gefahr mehr besteht: die Reaktion wird bald denselben Weg beschreiten und sich wieder am Ausgangspunkt befinden, aber jetzt ohne die Möglichkeit, noch Widerstand gegen den endgültigen Zusammenbruch zu leisten.

Man könnte auch für diese Taktik zahlreiche historische Beispiele anführen. Die Führer der heutigen gegenrevolutionären Bewegungen sollten darauf sehr aufmerksam sein. Zum Beispiel sollten gewisse Züge des heutigen Nationalismus sorgfältig von diesem Gesichtspunkt aus geprüft werden. Jeder weiss von der umstürzlerischen und antihierarchischen Rolle, die der kollektivistisch-demagogische "Nations"-Begriff gegenüber den vorhergegangenen Kulturformen gespielt hat. Nun geht die Bezugnahme im heutigen Kampf gegen die verschiedenen Internationalen und den Bolschewismus vorwiegend auf den Nationsgedanken zurück. Es ist folglich erforderlich, den Begriff der Nation derart zu gestalten, dass er keine Etappe jenes Weges mehr bedeutet, der eben zu der heute zu bekämpfenden Verderbnis geführt hat. Wir haben schon in unseren Schriften Gelegenheit gehabt, dieses Problem näher zu betrachten und zwei gegensätzliche Nationsbegriffe systematisch zu unterscheiden.

Hier müssen wir uns auf zwei Worte beschränken. Nach der ersten Auffassung bedeutet Nation nur die Masse - wir haben absichtlich nicht Volk, sondern, auf französisch, "Nation" gesagt -, sie ist nur ein Vorwand, um jede Unterschiedlichkeit und Rangordnung in einer erniedrigenden Nivellierung abzuschaffen. Als solche erscheint in der abendländischen Geschichte die Nation im Untergang der alten hierarchischen Staaten und als Vorspiel jener weiteren Nivellierung, die als allgemeinen Nenner nicht mehr die Nation, sondern die Internationale haben wird. - Nach der anderen Auffassung hat dagegen die Nation als bestimmte Volksgemeinschaft die Bedeutung einer ersten Reaktion gegen die internationalistische Gleichmacherei: sie verkörpert schon ein Unterschiedlichkeitsprinzip, das in einer weiteren innervölkischen sinnvollen Gliederung und Rangordnung zu entwickeln ist. Dann ist nicht mehr von Nation, vielmehr von Reich in traditionsgebundenem Sinne die Rede.

8.) Taktik dar Verwechselung des Prinzips mit seinen Vertretern. - In vieler Hinsicht hat der Verfall der traditionsgebundenen Institutionen den Verfall ihrer Führer und Vertreter als Voraussetzung. Die wahre Auflösung und Zerstörung wird jedoch durch die Taktik der Verwechselung des Prinzips mit der Person ermöglicht, und dies ist eine weitere Waffe des geheimen Krieges. Wenn der Vertreter eines gewissen Prinzips unwürdig erscheint, geht man im Prozess gegen diesen Vertreter zugleich oder sogar wesentlich gegen das Prinzip an sich vor; jedenfalls zieht man in diesen Prozess auch das Prinzip mit hinein. Anstatt sich darauf zu beschränken, jenen Vertreter als dem Prinzip nicht gewachsen zu erklären und ihn durch jemand anders zu ersetzen, behauptet man, dass das Prinzip falsch, verderblich und in Verfall geraten sei und durch ein neues Prinzip ersetzt werden müsse.

Jeder weiss, dass in nur zu vielen Fällen der Angriff gegen den einen oder anderen entarteten Aristokraten sich in einen Angriff gegen das aristokratische Prinzip an sich und in eine Waffe der Demagogie verwandelt hat. Die Geschichte ist reich an Beispielen dieser Taktik, dar die Weltsubversion vieles zu verdanken hat. Die hierarchische Ordnung der altarischen Gesellschaft gipfelte in einem geistigen Herrschertum, dem der Kriegeradel, nachher das Bürgertum und zuletzt der Arbeiterstand untergeordnet war. Der Zusammenbruch dieser Ordnung ist in vieler Hinsicht durch die eben angedeutete Taktik zustande gekommen. Der Kriegeradel stand nicht gegen die entarteten Vertreter der reinen geistigen Autorität auf, um sie durch andere würdigere Vertreter desselben Prinzips zu ersetzen, sondern um sich unter diesem Vorwand zu emanzipieren und den Anspruch an die höchste Autorität zu erheben. In einer darauffolgenden Phase bzw. Kultur erhob sich der dritte Stand gegen den entarteten Kriegeradel, nicht, damit an seine Stelle wahre Aristokraten und Krieger traten, sondern um die Macht an sich zu reissen. In einer dritten Phase hat der Prozess gegen eine gewisse zerstörerische und negative Seite des Kapitalismus und des Bürgertums (d.h. gegen den dritten Stand) keine entsprechende Reform als Ziel gehabt, sondern ist der Vorwand für die Revolte der Massen und die Usurpation der stufenmässig abgesetzten Macht durch das Proletariat gewesen: Klassenkampf, Dritte Internationale, Geburt des Bolschewismus.

Haben wir uns auf ein paar Beispiele beschränken und vor allem mit der Darstellung der Grundsätze befassen müssen, so hoffen wir doch, dass dieser Umstand kein Hindernis bedeuten wird für die Feststellung der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieser Grundsätze und der wertvollen Ergebnisse, zu denen sie bei einer systematischen Anwendung auf einem beliebigen Gebiet führen können. Es kann in der Tat behauptet werden, dass es kaum ein Gebiet gibt, auf welchem der geheime Kampf sich nicht in irgendwelcher Art abgespielt hat.

Wiederholt sei noch einmal, dass es sich hier nicht um "philosophische" Haltungen handelt, sondern um sehr ernste Dinge. Wir sind sogar überzeugt, dass kein Leiter oder Kämpfer der Front des Gegen-Umsturzes und der Tradition als reif und als seinen wahren Aufgaben gewachsen angesehen werden kann, bevor er in sich nicht die Fähigkeit entwickelt hat, klar in diese unterirdische Welt der Ursachen zu schauen und den Gegner mit denselben unsichtbaren Waffen zu bekämpfen.

Ich erinnere Sie abermals an den Mythos der Weisen von Zion: ihnen gegenüber sind die Menschen, die nur die "Tatsachen" verstehen, wie stumpfsinnige Tiere. Besonders in Zeiten, die, wie die heutigen, Vorspiel zur letzten Entscheidung einer ganzen Kulturwelt sind, müssen wir die Forderung in uns spüren, in dieser Elite oder in diesem Orden, wovon in unseren Vorträgen schon so oft die Rede gewesen ist, die Fähigkeit zu erwecken, den materiellen Kampf durch einen unsichtbaren, subtilen Kampf zu ergänzen, durch ein geheimes, unerbittliches Wissen, das jetzt jedoch nicht im Dienst dunkler Mächte, sondern des lichten, sonnenhaften Prinzips der arischen Geistigkeit steht.


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Anno XXVI – Vel. LII Roma, 15 Agosto 1938 (XVI) Fascicolo CCCV

L A  V I T A  I T A L I A N A

Rassegna Politica

Direttore: Gievane1 Presios1

Le SS., guardia e "ordine" della rivoluzione crociuncinata
Die SS, Wächter und "Orden" der Hakenkreuz-Revolution.


Eine der interessantesten, bedeutungsvollsten und vielleicht am wenigsten bekannten Schöpfungen der N.S.-Revolution ist das sogenannte Korops der SS. SS ist die Abkürzung der Schutzstaffel, sie ist das "Schwarze Korps" zum Schutz des dritten Reichs. Sie das Heer, - die Reichswehr – das Organ der Aussenverteidigung des Staates ist, so ist die SS das Organ der Innenverteidigung. In dieser eigenartigen Organisation finden sich einzelne Züge antiker Ordnungsform in einer Synthese zusammen mit einer politischen, einer biologischen und heldenhaften Elite, einer "Leibwache" des Führers, einer "Geheimen Staatspolizei" im höheren Sinne und schliesslich einer Gruppe, die dazu bestimmt ist, die Grundideen der N.S.-Weltanschauung auf geradem Wege in die Tat umzusetzen und zu verteidigen. Es sind zweihunderttausend Mann, die durch einen unverletzlichen Schwur auf Treue und Ehre geeint sind, und die sich nach den Werten ihres eigenen Leiters, Reichsführers Heinrich Himmler, als ein Kampforden des Nationalsozialismus fühlen. Ihre Bestrebungen wenden sich dem Ursprünglichen zu: sie wollen eine Einheit bilden, in welcher sich die wiederaufgenommene Verbindung mit den Urkräften des Urgeschlechts und mit den Mythen der grossen nordischen Uranfänge in das Prinzip eines neuen unbeugsamen Lebens umwandelt, und hier soll der neue Sinn des Blutes in eine geheimnisvolle Verbindung mit dem Vorfahren und den Verstorbenen treten und den Einzelnen sein individualistisches Fühlen überwinden lassen, um ihn in das Fortbestehen des Stammes und in einen Lebenstrom einzufügen, der sich neuen Zukunftswegen öffnet. Die heiligen Zeichen der germanischen vorchristlichen Antike werden wieder heraufbeschworen: die "Runen" dienen häufig zur Bezeichnung besonderer Abteilungen des "Schwarzen Korps". Der in Deutschland eingeführte Brauch, die verschiedensten Formationen mit ihren Initialen (K.d.F., H.J., B.d.H., S.A. usw.= hat bei der Abkürzung der Schutzstaffel SS zu einer besonders bedeutungsvollen Anwendung geführt: durch die Ähnlichkeit der beiden Buchstaben mit dem Zeichen der sogenannten "Runen des Sieges" – Siegrunen – ist man ohne Weiteres dazu übergegangen, die ersteren durch die letzteren zu ersetzen. So sind es also nunmehr die "Siegrunen" der nordischen Antike, die Zick-Zackzeichen, die bei jeder Gelegenheit, an den SS-Uniformen, in Vorladungsschreiben usw., zur Anwendung kommen. Und damit hat sich einer der Fälle verwirklicht, in denen der moderne Mensch dazu schreitet, elementare Dinge heraufzubeschwören, über deren Tragweite er sich nur dunkel Rechenschaft ablegt, und bei denen es sich nicht mehr um "Auffassungen" und "Theorien" und "Sorte" handelt, sondern um Gewalten, Kräfte und bestimmte Uranfänge. Diese Zickzackzeichen der Siegrunen, die jetzt an allen Uniformen der SS getragen werden, sind die gleichen, die im alten ägyptischen Symbol durch das Bild des Szepters dargestellt sind und die die Bedeutung der furchtbaren Sonnenkraft besitzen, die die Könige heiligt, vergöttlicht und unbesiegbar macht. Sie erscheinen auch als die zerstörende Kraft im Symbol der himmlischen Macht, das besonders von den olympischen Gottheiten der arischen Rasse in ihrem fortdauernden Kampf gegen dunkle titanische und tellurische Kräfte angewandt wurde. Dies ist auch der Sinn, der heute in den ersten noch unklaren Anschauungen wiederkehrt; so sieht z.B. Himmler in Kampf gegen den Bolschewismus nur eine Episode des fortgesetzten und fast metaphysischen Kampfes, in welchen die Kräfte der arischen Menschheit mit denen des Untermenschentums zusammenstossen, und die SS, als die Trägerin der "Siegrunen", nimmt nun auch noch die Bedeutung der antibolschewistischen Kampforganisation an, und ist sich – nach den Worten von SS-Gruppenführer R. Heydrich, einem der übrigen Führer des "Schwarzen Korps" – der dem Kampf entsprechenden Aufgaben bewusst, die nicht nur gegen den sichtbaren, sondern auch gegen den verborgenen Gegner gerichtet sind.

Wenn man in Kürze die Entwicklung der SS streifen will, können wir sagen, dass ihre ersten Anfänge in der sogenannten Stabswache liegen, die im März 1933 vom Nationalismus geschaffen wurde, auf welche dann der "Stosstrupp Hitlers" folgte, der aus auserwählten und militärisch geschulten Elementen bestand, die sich nur unbedingten, persönlichen Verfügung des Führers stellten. Nachdem die halb-militärisch Partei-Organisationen verboten waren und das Korps nach aussen hin nicht mehr in Erscheinung treten konnte, wurde im Sommer 1923 die wirkliche und heute bestehende SS durch Julius Schreck, dem Vertrauensmann Hitlers, geschaffen; gleichzeitig wurde die jetzige schwarze Uniform mit dem silbernem Totenschädel auf der Mütze eingeführt. Als Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 das Kommando über dieses Korps übernahm, zählte es 270 Mann; aber schon von dieser Zeit an entwickelte es eine wirksame Schlagkraft, nicht nur nach aussen hin, sondern auch nach innen gegen unzufriedene oder zweifelhafte Elemente der Partei. Bei der Machtübernahme zählte das "Schwarze Korps" bereits einhunderttausend Mann; seine Macht, seine Autorität und seine Vorrechte nahmen immer mehr zu und erhielten ihre endgültige Sanktionierung im Jahre 1934. Die SS war das Organ, dessen sich Hitler im Wesentlichen bei den Massnahmen am 30. Juni 1934 und bei der Liquidation der Auflösungstendenzen bediente, die von Ernst Röhm und von Schleicher ausgingen. Auf Grund der  Treue und der Verdienste der SS bei dieser Gelegenheit bewiesen hatte, die ja in der braunen Uniform die dahin der S.A. (Sturm-Abteilungen in brauner Uniform)untergeordnet war, (Röhm war einer ihrer Hauptführer), wurde sie nur zu einer selbständigen Organisation bestimmt, und ihr wurde auch in vollem Umfang der Dienst der "Geheimen Staatspolizei" oder GSP übertragen. Ihr Führer Himmler hat den offiziellen Titel eines "Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei". Somit ist die SS die mächtigste Organisation der Partei geworden, in direkter Fühlung mit Hitler. Sie ist, wie man wohl sagen darf, das Rückgrat der Bewegung, das Organ, das diese in allen ihren Teilen überwacht und für ihre Sicherheit einsteht. Was Deutschland in allgemeinen betrifft, so besteht seine zweite grosse Grundlage im Heer, in der Reichswehr, welche sich bekanntlich nicht im einfach militärischen Element erschöpf, sondern die auch eine eigene Tradition, ein eigenes Ideal, unmittelbare Beziehung zum Adel, vor allem dem preussischen, hat. Die Behauptung ist nicht zu kühn, wenn man sagt, dass die Art, in der sich weiterhin die Beziehungen zwischen SS und Reichswehr gestalten, einen entscheidenden Wert für Deutschlands Zukunft haben. Was die übrigen N.S. Organisationen betrifft, wie z.B. "Arbeitsfront" oder S.A., werden diese, so wichtig auch ihre Aufgaben im politischen Hinblick und in der Dynamik der politischen entscheidenden Kräfte für das neue Deutschland sind mögen, doch immer in zweiter, nachgeordneter Linie stehen. (1)

Heinrich Himmler verdankt man die geistige Gestaltung der SS, die Präzisierung ihrer Aufgaben, die Aufstellung der für sie geltenden Grundsätze und Vorschriften. Der Grundgedanke hierbei ist die Schaffung einer neuen "Elite", eines neues Adels. Bei der Frage, war in den alten Staaten bereit, seinen Fürsten alles zu opfern, um ihn zu verteidigen, zu stützen und zu schützen, kam Himmler leicht zu der Erkenntnis, dass eine solche Aufgabe stets dem Adel zu eigen war, einer Elite, die von dem Fürsten und seiner Tradition eben als "adelig" anerkannt wurde. Dieser Adel, als der Bürge für das Prinzip der Oberherrschaft, sank in der kritischen Zeit des Nachkrieges durch die Gefahren des Kapitalismus und dadurch, dass er sich an die Seite des Liberalismus des XIX. Jahrhunderts stellte, herab und zeigte sich unfähig, seinen Aufgaben gewachsen zu bleiben.

Die gesündesten Elemente verblieben im Heer, aber als solche waren sie vom politischen Kampf überhaupt ausgeschlossen, weil dem Heer Aufgaben der Aussenverteidigung gestellt sind, die, wenn auch nicht unbedeutend, so doch unabhängig in Bezug auf die politische Form seiner Nation sind. Es war also erforderlich, zu der Idee einer Elite überzugehen, die eng mit der spezifisch-politischen Idee des neuen Staates verbunden wäre, also einer Elite, die gleichzeitig politisch und kriegerisch Wert hätte, und die als neuer Bürge für den Sinn und die Beständigkeit der politischen nationalen und revolutionär befestigten Ordnung gelten würde. Die ist die ideale Entwicklung der SS als "revolutionäre Elite des Dritten Reiches".

Zu ihrer Bildung und Organisation haben Betrachtungen biologisch-rassischer, ethischer und geistiger Art geführt.

Was den ersten Punkt anbetrifft, geht Himmler von der Voraussetzung aus, dass sein Volk zur Kultur im höheren Sinne und zum unbesiegbaren Widerstand gegenüber den eigenen Feinden insofern fähig ist, als in seinen Adern eine genügende Menge nordischen Blutes fliesst. Wenn ein solches Blut, vom Fürsten angefangen bis zum Bauern, sich versickert, gerät das Volk in Verfall. Für den Aufbau des neuen Staates und seiner Elite werden also die Auswahl und die Beschaffenheit der nordischen Elemente eine wesentliche Rolle spielen. In den Sturmtruppen der SS wird die betreffende Auswahl nach zwei Gründen genossen.

Der erste Grad ist hauptsächlich biologischer Art. In die SS werden alle jene Personen aufgenommen, die mit Sicherheit arischer Herkunft sind und sich in Gestalt, Proportionen und Gesichtszügen dem rein nordischen Typ nähern. Es wird natürlich angenommen, dass durch die in allen Völkern möglichen Mischungen Charakterzüge und Empfindungsformen einer anderen Rasse in einem physisch nordischen Typ auftreten können, aber man hat auch beobachtet, dass man mit grösserer Wahrscheinlichkeit nordische Eigenschaften häufiger in einem Körper von nordischem Typ als woanders antrifft. In einer weiteren Auswahl sind diesbezügliche Gegenproben zu erbringen. Hierbei wollen wir hervorheben, dass sich das nordisch-rassische in der SS nicht auf den Einzelnen beschränkt, sondern sich in der Betrachtung auf seine Familie und seine Herkunft erstreckt. Ein SS-Mann darf nicht heiraten, wen er will. Nach einem, von Himmler 1931 erlassenen Gesetz, muss eine dafür in Betracht kommende Stelle feststellen, dass die von ihm gewählte Frau genügende Garantien für die Wahrscheinlichkeit einer dem Typ und der Rasse entsprechenden Herkunft bietet. Auf dieser Grundlage betrachtet sich die SS als einen "Sippenorden", und auf dieser antiindividualistischen Basis, die an das Blut gefesselt ist, will sie sich weiter entwickeln. Schon in der Fähigkeit, sich diesem Gesetz bei der Heirat zu unterwerfen, zeigt sich ein erster Beweis höhere Ordnung, und damit bestätigt man seine Bereitschaft, das rein persönliche Moment des Gefühls und der Leidenschaft den Anforderungen einer überindividualistischen Ordnungsform zu unterstellen.

Der zweite Grad der Auswahl hat als Voraussetzung das Prinzip des Anpassungsvermögens gemäss den Worten Hitlers: "Wenn ich eine Heldentat verlange, antwortet darauf der heldische Gest. Wenn ich dagegen viele Vorteile verspreche, wird auf diesen Ruf der kaufmännische Geist antworten". Wenn moralische Eigenschaften verlangt werden, die man hauptsächlich der nordischen Rasse zuschreibt, hofft man schon auf eine innere Disziplin als die spontane Auswahl zweiten Grades. Wie Materialien nach dem Mass der Ladeprüfung kontrolliert werden, es wird derjenige, der der SS angehören will, in besondere Situationen gebracht, in denen sich seine rassischen Eigenschaften erweisen sollen.

Wenn wir nur auf diesem Wege das ethische Wesen der SS betrachten, so kommen wir, nach Himmler, zu folgenden hauptsächlichsten Eigenschaften. Die erste und grundlegendste unter allen ist die Treue. "Alles", sagt Himmler, "kann verziehen werden, nur nicht der Verrat". Hitler selbst hat gelegentlich die Ereignisse des 30. Juni 1934 der SS als Parole gegeben: "SS-Mann, Deine Ehre ist die Treue", in augenscheinlicher Beziehung an der Norm des altdeutschen Rechts: "Jede Ehre kommt aus der Treue". Hiermit ist jede Art der Treue gemeint: Treue, und vor allem Achtung vor dem Führer und der Rasse, Treue den Kameraden und den Regeln des Anstandes gegenüber, der Ehrenhaftigkeit und der Ritterlichkeit. Und Himmler fügt hinzu: "Man sündigt gegen die Treue und die Ehre nicht allein , wenn man die eigene Ehre oder die eines Anderen verletzt, sondern auch, wenn man Dinge verhöhnt, die Anderen heilig sind, oder wenn man sich nicht männlich für Abwesende, Schwache und Unbeschützte einsetzt". In einem Gesetz vom 9. November 1935 hat Himmler für die SS nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zum Duell geltend gemacht, falls es durch die Umstände geboten ist.

Nach der Treue und der Ehre kommt der Gehorsam, der unbedingt und unbegrenzt sein muss. Man sagt, nachdem der preussische Offizier seinen Fahneneid geleistet hat, er nicht mehr hat, was sein ist. Diese Tradition ist von der SS aufgenommen worden. Im Namen des Führers und der N.S. Weltanschauung muss man zu allem bereit sein, auch dazu, den eigenen Stolz zu opfern, die äusseren und alles das, was uns persönlich lieb und wert sein kann.  Man muss sich von einer Handlung fernhalten können, wenn sich auch alles in uns dagegen auflehnt und uns dahin drängt, einzugreifen, ebenso wie man auf ein einziges Zeichen hin handelt können muss, wenn man auch eine Abneigung dagegen empfindet, die uns unübersichtlich erscheint. Himmler betrachtet diese Eigenschaft des unbedingten Gehorsams als grundlegend nicht nur für uns selbst, sondern auch, um den betonten Sinn des Ichs und den hervorbrechenden Wunsch nach Freiheit des nordischen deutschen Menschen auszugleichen, Eigenschaften, die häufig die Ursache von viel Unglück für ihn waren.

Weitere vom SS-Mann verlangte Eigenschaften sind Wahrheitsliebe, die Fähigkeit, sich unbeugsam an das zu halten, was mit grösster Überlegung beschlossen worden ist, absolute Rechtschaffenheit und als Grundlage, natürlich kämpferischer Geist(2). In seiner am 12. Juni 1937 in Magdeburg gehaltenen Rede, gelegentlich der Zusammenkunft des deutschen Adels, hat Himmler gesagt, dass diesen Tugenden ebenso viele Prüfungen entsprechen, denen die SS unterstellt sei, und die das Auswahlverfahren vervollständigen. Mitglied der SS-Formation wird derjenige nach anderthalb Probejahren, der, seinen SS-Eid auf den Führer geleistet und einwandfrei seinen Militär- und Arbeitsdienst absolviert hat; er erhält dann den Ehrendolch der SS. Es ist interessant zu bemerken, dass durch ein Gesetz vom 9. November 1936 verfügt worden ist, dass jeder SS-Gruppenführer unter Eid dafür zu bürgen hat: 1.) dass kein Bewerber angenommen wird, wenn er nicht den entsprechenden Anforderungen nachkommen kann, selbst wenn es sich um einen Sohn oder um einen Verwandten handelt, 2.) dass in jedem Jahr ein Viertel der neuen Elemente nicht aus Familien oder Kreisen der SS hervorgehen. Damit will man vermeiden, dass sich die SS in eine Art von Erbkaste zusammenschliesst, in der andere Masstäbe als diejenigen der tatsächlichen Qualifikation überwiegen; ausserdem trachtet man danach, die besten Elemente im richtigen Verhältnis zu der SS heranzuziehen woher sie auch kommen mögen, auch schon, um zu vermeiden, dass sie andere Gruppen bilden, die sich von der zentralen Elite ablösen, wie es nach Himmler z.B. im alten Rom vorgekommen sein soll, wo sich das beste Blut im gegebenen Augenblick ausserhalb des Senats befand.

Aus dem über die charakteristischen Eigenschaften des SS-Mannes Gesagten geht deutlich die Tendenz hervor, den alten Plan, der einem einfach politischen Korps eigen ist, zu überschreiten und das zu erstreben, was einen "Orden", im antiken Sinne, eigen ist. Es wird ganz klar anerkannt, dass ohne die Voraussetzung einer Religiosität und eines rein geistigen Gesichtspunktes die angeführten Werte von Treu, Ehre, Wahrheit usw. zu leeren Formeln würden und eine Einheit, die zu einem vereidigten Orden gehört, unmöglich wäre. Darin liegt der dritte Gesichtspunkt der SS, der rein geistige.

In einem Heft mit dem Titel: "Fünfzig Fragen und Antworten für den SS-Mann" wird, nachdem die Formeln des feierlichen Eids auf Treue und Gehorsam in Betracht gezogen worden ist, gefragt: "Glaubst Du also an einen Gott?" – Die Antwort darauf ist: "Ja, ich glaube an einen höheren Gott und betrachte denjenigen für anmassend, dumm und zu uns nicht passend, der nicht glaubt". Aber hier ist dieses generische Bekenntnis zur Treue, das durch die Achtung von jeder religiösen Überzeugung, die sich nicht mit Politik vermischt, unsicher genug wird, weniger interessant als die Tendenz, eine präzise Form der Geistigkeit wiedererstehen zu lassen, die an die nordische Tradition, aber im Sinne der indogermanischen, gebunden ist, um der SS auch den Charakter einer "Stosstruppe der Weltanschauung" zu verleihen – weltanschaulicher Stosstrupp (Heydrich). – Wir haben auf das Prinzip hingewiesen, dass die "Rückkehr zu den Ursprüngen" einen wesentlichen Anteil an dem Verhalten der SS hat. Diese Tendenz wird greifbar im sogenannten "Ahnenerbe", ein Wort, das mehr oder weniger die Bedeutung von "Erbteil der Vorfahren" hat und eine besondere Kulturform der SS darstellt(3). Der vornehmste Werk dieser Organisation ist der, den Kontakt zwischen den alten Traditionen und der bewussteren Elite des neuen Deutschlands wieder herzustellen; er geht von der Voraussetzung aus, dass das, was unbewusst als Instinkt aus der Tiefe der Seele hervorgeht, fortgesetzten Gefahren ausgesetzt ist und nicht zu einer wahren Realisierung gelangen kann, wenn es nicht von bewusster Geisteskraft und klarer Anschauung getragen wird (Walther Wüst). Es empfiehlt sich also, "den Geist und die Taten des nordischen Indogermanismus" zu erforschen und "den Resultaten dieser Nachforschung eine lebendige Form" zu geben und sie dem deutschen Volk zu übermitteln.

Und in dieser Hinsicht werden auch, wenigstens programmatisch, die Methoden der "starren Wissenschaft" und des Rationalismus stark bekämpft, wird jede, "naturalistische" Auslegung der antiken Religionen zurückgewinnen, werden im Mythos und im Symbol "Objektivität" und "starre Wissenschaft" für das verborgene Wirken paralysierender und zerstörender Kräfte als Deckmantel gelten können (Heydrich). Die Sache ist typisch und höchst interessant. Die Führer der SS, die die schwierigsten und wichtigsten politischen Funktionen zu erfüllen, die Geheime Deutsche Staatspolizei zu kontrollieren haben, und die die Leibwache des Führer und des Nationalsozialismus darstellen, sind gleichzeitig Menschen, die sich lebhaft für die Welt der Symbole und der Uranfänglichen Mythen interessieren, und es sind Menschen, mit denen man über-sinnliche Probleme und geistige Traditionen der Ursprünge besprechen kann. Diese Tatsachen haben wir persönlich und wiederholt festgestellt, und sie hat uns nicht gerade froh gemacht, wenn wir an das Niveau vieler italienischer Kreise denken, an jene gewisse Kultur bei uns , auf die die Revolution der Schwarzhemden keinerlei Einfluss gehabt hat, diene Kultur, die, auch wenn es sich um unsere heiligsten Dinge handelt, wie um die antike römische Welt, bei ihren immer gleichen, positivistisch ignoranten Erkenntnissen bleibt, und die, von akademischer Anmassung ummantelt, der "erleuchteten" und rationalistischen Welt des verflossenen Jahrhunderts angehört.

Wollen wir jedoch jede Parteilichkeit vermeiden, so müssen wir doch immerhin feststellen, dass, soweit diese geistige Haltung der SS in Betracht kommt, wir nicht stets das Gleiche von den Grundsätzen sagen können, die dieses Namens wirklich würdig wären, wenngleich Lebhaftes Interesse und eine angemessene Empfindlichkeit unbestreitbar sind. Für den Wiederaufbau der alten traditionellen Welt sind gar zu oft falsche Geistespunkte angenommen worden, durch welche die Bedeutung vieler Gedanken entstellt und ihre Tragweite begrenzt wurde, besonders durch eine gewisse Elite, daraus politische Nutzenerwägungen zu ziehen, sowie durch den Partikularismus einer gewissen rassisch-nationalen Haltung.

Diese Beobachtungen gelten ebenso in Bezug auf die verschiedentlichen Versuche des neuen Deutschland, die N.S.-Weltanschauung mit ihrem traditionellen und symbolischen Inhalt höherer Ordnung zu vervollständigen. Sie dürfen aber nicht zu einer übereilten Beteiligung führen, denn es ist nicht leicht, sich bei einem solchen Gang der Dinge zu orientieren, weil man von heut auf morgen nicht die verderblichen Wirkungen einer irrigen Denkungsart und einer falschen Kultur zerstören kann, die sich der abendländische Mensch seit Jahrhunderten zu eigen gemacht hat. Wenn es jedoch der SS, die nicht eine Gruppe Intellektueller darstellt, sondern ein Korps, das bereits fest organisiert ist im Sinne einer Ordnung, die eine der mächtigsten erneuernden europäischen Bewegung überwacht, gelingen wird, aus ihren eigenen Reihen heraus eine Elite zu schaffen, die in der Tat fähig ist, mit voller Bewusstheit der Prinzipien die Bestrebung der Rückkehr zum Ursprung zu realisieren, wäre die Bedeutung einer solchen Verwirklichung etwas ganz Besonderes. Auf der ersten Stufe einer solchen Vervollständigung würden wir tatsächlich auf Formen einer Geistigkeit und einer Zivilisation stossen, wie die des ghibellinischen Mittelalters mit seinen Ritterorden, die eine Synthese zwischen dem nordisch-germanischen und dem römischen Element darstellen.

Die zweite Stufe würde uns auf die allgemeine ursprüngliche indogermanische Geistigkeit und ihre Sonnentraditionen führen, die dem Ursprung alles dessen gleichkommt, was für uns den Wert einer Zivilisation im höheren Sinne halten kann, in unserem Zeitalter, das für uns Gegenstand der Geschichte sein kann. Daraus geht leicht hervor, dass eine Elite, die tatsächlich zu einer Realisierung der Art fähig wäre, einen Wert nicht nur für die eigene Nation haben würde, sondern auch für alle anderen arischen Völker, die gegen den gleichen Feind kämpfen und sich darüber Rechenschaft ablegen, dass dieser Kampf nicht entschieden werden kann, bevor er nicht durch eine Idee, durch Symbole und Ordensbekenntnisse, die im Grunde schon an sich metaphysisch sind, vervollständigt wird. Während die jüdisch-kommunistische Presse sich bemüht, die SS als eine Art der GPU hinzustellen, neigen wir zu der Meinung, im "Schwarzen Korps" die Garde der Hakenkreuz-Revolution, in den Kennern der "Siegrunen", des "Runenblitzes" und des Totenschädels, der den Treueschwur bis zum Tode symbolisiert, den Eid einer Ordnung im höheren Sinne der Tradition zu sehen; als eine geistige Solidarität, die Übernational werden könnte; wir denken an Einheit, die erprobte und gleich abgestimmte Gruppen verschiedener Nationen umfassen könnte, die alle in sich die grossen heroischen und metaphysischen Anschauungen der arischen und nordischen Geistigkeit erneuern und so die für uns notwendige Front bilden, wenn, wie heute und wie in der nächsten Zukunft die Gefahr besteht, gegen die Flut dunkler Kräfte, die an die Symbole der verschiedenen Internationalen gebunden sind, der entscheidende Kampf entbrennt.

J. Evola



(1) Wir bemerken, dass sich mit den sogenannten "Ordensburgen", die kürzlich ausgebaut wurden, auch im Rahmen der "Arbeitsfront" der Versuch Bahn gebrochen hat, eine "Elite" und sozusagen eine "Schule" für diejenigen zu schaffen, die später politische und allgemeinleitende Aufgaben zu erfüllen haben. Damit hat man jedoch noch nichts, das einem organischen Korps wie der SS gleichkommt. – Über die "Ordensburgen" berichtet ein Aufs. im Juliheft d. Rassegna Italiens ( XVI. )

(2) Charakteristische Aussprüche Himmlers: "Was in Japan möglich ist dass eine Goldmünze auf dem Boden liegen bleiben kann, ohne aufgenommen zu werden, muss auch bei uns Geltung haben". Oder auch: "Man kann einen SS-Mann den Alkohol verbieten. Wenn er dies verspricht und dann nicht hält, bleibt ihm nichts als die Pistole". Wenn er weigert, zu versprechen, wird er ausgestossen.

(3) Der Vorsitzende des "Ahnenerbe" ist der SS-Sturmführer Prof. Walther Wüst. Die Organisation gibt verschiedene Veröffentlichungen heraus, und ihr offizielles Organ ist die Monatsheft "Germania", geleitet von Dr. J.O.Plassmann.


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