Der faschistische Katholizismus des Carl Schmitt


Pierre Chassard


Pierre Chassard | Der faschistische Katholizismus des Carl Schmitt


Nach Carl Schmitt, eigentlich Karl Schmitt-Dorotič, soll das Politische mit dem Theologischen eng verbunden sein in dem Sinne, daß das Letztere das Erstere vollkommen bestimmen soll. Der höchste Bezugspunkt der politischen Entscheidungen soll in der Tat das Theologische sein, anders gesagt, die politische Aktion und der Feind sollen nach einem Glauben bezeichnet werden, selbstverständlich im vorliegenden Fall nach dem Glauben von Carl Schmitt, das heißt nach dem christlichen Glauben in seiner katholischen Form.

Dieser Feind wird nicht nach seinem wirtschaftlichen und sozialen Vorhaben benannt, sondern nach seiner Ideologie oder seiner Metaphysik, im Sinne eines Glaubens, der einem anderen Glauben entgegengesetzt ist, das heißt dem christlich-katholischen Glauben von Carl Schmitt. Der Feind steht für ihn auf dem Gebiet des Glaubens, denn alles bezieht sich auf den Glauben. Der Krieg ist politisch und militärisch nichts anderes als ein Religionskrieg.

Der Feind ist wesentlich der Bekenner eines anderen Glaubens, nicht des echten Glaubens, der für Carl Schmitt nur der Katholische ist. Der Andere als Feind ist der Ungläubige, der Irrgläubige, der Ketzer. Er vertritt das Böse in sich und ist der Vernichtung verschrieben. Diese primäre Teilung in Glauben und Unglauben, in Gläubigen und Ungläubigen bildet das Urbild der Schmitt’schen Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Dieses Urbild ist der Existenz einigermaßen inhärent und ihr Grundwesen.

Die aggressive Feindseligkeit von Carl Schmitt – der nicht lange beim Begriff Freund verweilt – Bakunin gegenüber veranschaulicht trefflich die religiöse Natur der Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Sie verrät mindestens die Natur der streitenden Abstoßung des Ersteren dem Zweiten gegenüber. Für Schmitt ist Bakunin der absolute Andere, das satanische Wesen, der radikale Gegensatz, reell und nicht nur potentiell, der göttlichen hierarchisierten Ordnung, die er selbst verteidigt: der Atheismus gegen den blinden Glauben in der Offenbarung, das Prinzip der Anarchie gegen das Prinzip der (göttlichen) Autorität, der anarchistische Humanismus gegen den Theologismus der Unterwerfung.

Die genaue Bezeichnung seiner Doktrin hat Carl Schmitt selbst ausgewählt: Politische Theologie. Der Ausdruck politische Theologie mit Theologie als Substantiv zeigt das, was in dieser Benennung entscheidend ist. Er setzt zuerst eine Wahrheit voraus, die ganz subjektiv ist, aber für absolut gehalten wird. Es ist die sogenannte Wahrheit der Offenbarung, die eine Glaubenswahrheit ist, und die unvermeidlich dazu führt, daß derjenige, der diesen Glauben nicht teilt, für einen Feind zu halten ist. Der Hauptfeind ist gerade derjenige, der ohne Glauben ist und durch seinen Unglauben das Eigentliche des Gläubigen in Frage stellt. Derjenige, der einen anderen Glauben verehrt, ist anderswo. Er kommt nachher, befindet sich aber praktisch auf demselben Niveau.

Wenn der Glaube an die Offenbarung die theoretische Unterscheidung zwischen Freund und Feind bestimmt, bestimmt er auch das praktische Verhalten, das aus dieser Unterscheidung entsteht, und so wird die Theologie politisch. Carl Schmitt verbindet Offenbarung und Politik so eng, daß in einem Sinne die Eine die Andere wird. Für ihn ist die Theologie höchste Politik und die Politik höchste Theologie. Es entsteht kein Bruch in der Einheit der Ersteren und der Anderen. Es gibt eine genetische Kontinuität ohne Diskontinuität zwischen Theologie und Politik. Der Kampf gegen den Feind ist zugleich religiös und politisch, religiös zuerst aufgrund des Vorranges und der Ubiquität des Religiösen. Die Geschichte, geleitet durch die Vorsehung, die ihr den Charakter einer unteilbaren Totalität gibt, ist daher die Konkretisierung des stärksten Glaubens durch die extremste Politik. Sie hat mit dem Ungehorsam Gott gegenüber angefangen und wird mit dem Gottesurteil enden.

Der vom Hauptgegner geführte Kampf ist antireligiös. Wesentlich gegen Gott gerichtet ist er satanisch. Er wird aber mit der Niederlage von Satan enden. Für die heutige Zeit ist der luziferische Feind im Zusammenstoß gegen Gott, des Antichristen gegen den Christ, in erster Linie der Liberalismus. Der Marxismus ist, nach Carl Schmitt, nur eine eigentümliche Anwendung des liberalen Gedankengutes des 19. Jahrhunderts. Der Liberalismus ist, bevor er ein wirtschaftliches System ist, ein neuer Glaube, die Ideologie und der Motor des irdischen antireligiösen Aktivismus, die Theorie des linearen Fortschritts, der die Menschen vom religiösen Obskurantismus zur Aufklärung führt, die Doktrin der unbegrenzten Macht über die Natur und des universalen Glücks. Der Sieg des irreligiösen Liberalismus würde der Sieg der industriell-kommerziellen Gesellschaft, die sich dem Staat und Gott widersetzt, der Sieg über die politische Theologie sein.

Es ist vor allem seiner Natur von areligiöser Ideologie, folglich antireligiös weil wirtschaftlich-industriell-merkantil und technisch-humano-fortschrittlich, der sich Carl Schmitt widersetzt.

Der Begriff gottlose Menschheit ist in sich antireligiös, da er die Gottheit durch die Menschheit ersetzt. Die Erste wird zu einer unmächtigen Zuschauerin in der Entwicklung der Geschichte gemacht.

Carl Schmitt widersetzt sich dem was er die Pseudo-religion der absoluten Humanität nennt (Donoso Cortès, in Gesamteuropäischer Interpretation, Köln 1950).

Die Theorie des Fortschritts ist die Verneinung der kreationistischen und entwicklungslosen Welt und die Beseitigung des schaffenden Gottes, denn der Mensch schafft sich selbst und bildet die Welt in einem wilden und ruhelosen Aktivismus um, um ein irdisches Paradis zu erreichen, wo ein perfekter materialistischer Eudemonismus herrschen würde. Carl Schmitt, der jeden natürlichen Transformismus zurückweist, behauptet, daß alles, was nicht von Gott stammt, das Werk der Sünde ist (daher seine Ablehnung vom Begriff des Fortschritts vom Menschen).

Der Feind, sagt Carl Schmitt, definiert sich nach seinem Glauben. Er charakterisiert sich so durch seine Metaphysik, nicht durch sein soziales Ziel. Das ist wahr für den Liberalismus. Es ist auch wahr für den Marxismus, dieses abtrünnige Kind des Liberalismus. Daher ist er nur ein sekundärer Feind. Er hat nur die Theorie der Geschichte der Gesellschaften als Klassenkampf in die liberale Theorie des Fortschrittes und des Glückes eingeschoben, so seiner irdischen Theorie der Wirtschaft und der Technik erliegend und die sich parallel als Irrlehre in Beziehung auf den echten Glauben konstituiert.

Carl Schmitt weist ihre Ideologie des universalen Glücks und des ewigen Friedens in einem einzigen endlich verwirklichten Weltstaat zurück. In einem Sinne ist seine Zurückweisung widersprüchlich, denn sein römischer Katholizismus ist gerade die religiöse und politische Doktrin des Universalen und der einen und unteilbaren Menschheit, die nach dem Bild seines Schöpfers geschaffen worden ist, und der Monotheismus, sogar unitrinitarisch, zieht in sich eine göttliche Monarchie nach dem Prinzip: Ein Gott, eine Welt, ein Reich. In einem anderen Sinne ist seine Zurückweisung kohärent weil, obwohl die Welt von einem Gott präsidiert und regiert wird, an dem Satan sich seit dem Anfang ständig widersetzt in einem Zerstörungskampf, der die Feindschaft zwischen den Generationen sät, mit dem Ergebnis daß eine Kriegsdualität ihn in seinem Wesen kennzeichnet. Diese Kriegsdualität wird nur mit der Niederlage von Satan verschwinden, das heißt am Ende der Zeit. Der ewige Frieden auf Erden ist folglich vollkommen ausgeschlossen.

Die Welt wird aus einem anderen Grund politomorph bleiben. Sie ist ein Pluriversum, sagt Schmitt. Das Wesen des Politischen zieht eine Pluralität von Staaten mit sich, was selbstverständlich auf dem Gebiet der Religion mehr einem Polytheismus als einem Monotheismus entspricht.

Auf einem anderen Gebiet wäre ein universalistischer Staat, liberal oder marxistisch, außerhalb aller politischen Theologie, der Sieg des Antichristen, eines Antichristen der nicht unendlich Sieger sein kann, dessen Herrschaft folglich, so lang sie dauert, nur vorübergehend sein würde.

Carl Schmitt bezieht sich nur auf den christlich-katholischen Glauben an die Offenbarung, auf die Gewißheit, daß Jesus der Christ ist. Aus dieser einzigen christlichen Referenz bildet und kräftigt sich sein Antisemitismus, nicht aus einer völkischen Auffassung für welche das Volk die höchste Referenz ist, was mindestens ein ideologisches Einverständnis mit dem Zionismus mit sich gebracht hätte. Das erscheint völlig in seinem Leviathan wo er mehrere jüdische Autoren, wie Spinoza an erster Stelle, angreift.

Dieser ließ in der Tat die Schmitt‘sche Forderung der Kontinuität zwischen katholischem Glauben und Politik, christlicher Theologie und Politik sprengen, indem er die libertas philosophandi (Tractatus theologico-politicus) verlangte und die Hobbes’sche nukleare Unterscheidung zwischen staatlicher Macht und individueller Frömmigkeit, zwischen vom Staat bestimmtem öffentlichem Kult und privater Innenverehrung der individuellen Sphäre, zwischen Äußerlichkeit des Staates und Innerlichkeit des Individuums zum äußersten brachte. So provozierte er die Spaltung in der Schmitt‘schen Einheit der Staatsmacht und des Glaubens des Gläubigen und er begrenzte durch die individuelle Denkfreiheit die staatliche Macht, die zu der oberflächlichsten Äußerlichkeit reduziert wurde. Aus dieser ideologisch-religiösen Position bildet sich der persönliche Antisemitismus von Carl Schmitt, indem er über den jüdischen Geist in der Rechtswissenschaft spricht. (Das Toleranzedikt des Vertreters des Führers vom 14. Oktober 1933 hat Carl Schmitt sicher nicht begeistert, denn es trennte streng die Sphäre des Politischen von der Sphäre des Religiösen, die erste Sphäre war diejenige der irdischen Volksgemeinschaft, wo die Bewegung den totalen Vorrang in der politischen Bildung der Nation hatte). Carl Schmitt lehnte es ab, den widersprechenden Charakter seiner Position anzuerkennen. In seiner Zeit spottete Nietzche über die christlichen Antisemiten als geistig verjudet durch ihren semitischen Glauben – Christentum: Judaismus für die Nationen, sagte Disraeli seinerseits –, die sich sehr laut als Antisemiten vorgaben. Carl Schmitt konnte die Richtigkeit der Bemerkung von Klages, die ihn in eine unerträgliche Lage brachte, nicht annehmen. Sie hätte ihn mit den antisemitischen Juden, die seltsame und schizophrene Wesen sind, gleichgestellt.

Was nach Carl Schmitt den areligiösen Liberalismus charakterisiert ist außerdem die Ablehnung des Staates. Der Marxismus mit seiner Theorie des Absterbens des Staates kommt dazu. Für beide ist folglich die Ablehnung der Politik sogleich die Ablehnung der politischen Theologie, da der Staat, durch die Person des Prinzen oder durch eine Assemblée, vertritt die göttliche Macht auch so wie das hierarchische System, die sie gründet. In diesem Sinne sind Liberalismus und Marxismus parallel gegen den Staat gerichtet, das heißt zugunsten einer Art von ungöttlichem und antistaatlichem Anarchismus, in der Richtung eine Archie ohne hier(os), das heißt ohne Heiliges, ohne Gott, ohne Staat.

Im Gegenteil zieht die politische Theologie die Existenz des Staates mit sich, und sogar eines sehr starken Staates, daher die Begeisterung von Carl Schmitt für den italienischen faschistischen Staat, den er viel höher als den deutschen national-sozialistischen Staat bewertete (cf. Wesen und Werden des faschistischen Staates). Der von Carl Schmitt befürwortete totale Staat ist derjenige, in dem sich die Identität des Staates und der Gesellschaft realisiert hat. Sein Einfluß erstreckt sich auf alle Gebiete der menschlichen Aktivität (Carl Schmitt. Der Begriff des Politischen, 1963, Duncker und Humblot, Berlin). Was in Deutschland eine große philosophische Theorie des Staates blieb, sagt Carl Schmitt, nämlich diejenige von Hegel, wurde in Italien verwirklicht, denn Mussolini hat die Notwendigkeit der Vormacht des Staates vor den privaten, divergenten und spaltenden wirtschaftlichen Interessen erkannt. Diese Vormacht des Staates ist durch eine hierarchisierte und mächtige politische Organisation versichert. Nur ein starker und autoritärer Staat kann der Nation im Allgemeinen dienen, ohne nachzugeben und vor den kapitalistischen Forderungen zu weichen. Nur ein schwacher, parlamentarischer und viel-rednerischer Staat macht sich zum Diener der begehrlichsten privaten Interessen. Er verrät seine ganze Schwäche, wenn er den wirtschaftlich Stärkeren nachgibt.

Indem der Liberalismus nur eine Gesamtheit von Neutralisierungen, Tricks und Listen ist, um den Staat zu schwächen und ihn dem Wirtschaftlichen total zu unterwerfen und nur dem Anschein nach demokratisch ist, der faschistische Staat von Mussolini will ein echter Staat sein mit richtigen Führern, nicht ein Staat, der scheinbar geführt wird wie eine Bande von unverantwortlichen Politikern oder von Marionetten in den Händen von Geldgebern. Der Faschismus ist nicht das Gegenteil der Demokratie, behauptet Carl Schmitt, er ist nur der Feind der indirekten Macht, die von hinten die Politik des Staates bestimmt zugunsten von gewissen Privatinteressen. Der stato totalitario von Mussolini macht Front gegen die liberale Auflösung der echten Demokratie und gegen die zersetzenden Methoden der liberalen Bourgeoisie. Das demokratische Prinzip fordert, daß das Volk in seiner Gesamtheit entscheidet und regiert; in der liberalen Demokratie ist die Souveränität des Volkes umgangen. Es sind wenige, die insgeheim politisch entscheiden, nicht das Volk. Aus diesem Grunde ist die liberale Demokratie eine Demokratie ohne Demos, das heißt ohne Volk, folglich eine falsche Demokratie.

Carl Schmitt versteht das Volk in einer besonderen Weise, das heißt als eine Ansammlung von Menschen, die zusammen gebracht und politisch durch einen starken und überwiegenden Staat vereinigt worden sind. Der Mythos der Nation sichert diese Ansammlung. Carl Schmitt erkennt, daß der nationale Mythos wirkungsvoller als der soziale Mythos mit seinem Klassenkampf ist. Beide aber sind in seinen Augen nur minderwertige Mythologien, Abweichungen, Verirrungen, Häresien in Bezug auf den echten Glauben (Die geistige Lage des heutigen Parlamentarismus, 1921-1926).

Wollte man die Natur der politischen Staats-auffassung von Carl Schmitt bestimmen, so müßte man sie katholisch-faschistisch nennen, nicht einfach klerikal-faschistisch. Sie ähnelt mit einigen Nuancen derjenigen von Hegel nach dem der Staat der Gotteswille als gegenwärtiger Geist ist, der sich nach der reellen Form und Organisation einer Welt entwickelt (Grundlinien der Philosophie des Rechtes), und das Volk eine Menge, die nicht weißt was sie will. Sie ähnelt auch, aber teilweise, derjenigen des kommunistischen Staates, der vor seinem theoretischen Absterben eine reelle autoritäre Praxis war, und von Anfang bis zum Ende der absolute Herr der Wirtschaft und der Kultur. Der offizielle Atheismus des Regimes machte in der Tat aus diesem Staat, laut Carl Schmitt, ein Instrument des Teufels, bzw. einen Feind jeder Theologie.

Wie ist die Beziehung des Staates zum Volk in der politischen Theologie von Carl Schmitt?

Dieser stellt das Volk unter die Herrschaft des Staates wie der Titel seines Werkes Staat, Bewegung, Volk zeigt. Seine Theorie des totalen Staates macht diesen Staat zum einzigen bestimmenden Element der Politik mit einem permanenten Bezug zum Katholizismus, seine Werte, seinen transzendenten Gott und deren Vorsehung. Nach Gott ist der Staat alles wie bei Hegel und dem Faschismus Mussolinis. Neben dem Staat, oder vielmehr unter ihm, ist das Volk praktisch nichts. Carl Schmitt spricht manchmal von Volk und betrachtet es als eine Masse von irgendwelchen Individuen, die nur politisch vereinigt werden können nach der faschistischen Weise, nie in seiner substantiellen eigenartigen Wirklichkeit. Tatsächlich ist das Volk die apolitische anonyme Masse eines alles beherrschenden Staates, der nach Hegelscher Art vergöttlicht wird.

Auf diesem Gebiet verfährt Carl Schmitt wie der Liberalismus und der Marxismus indem er sich zugleich als Antiliberal und Antimarxist gibt. Der Staat allein bildet die Nation, woher die Staat-Nation stammt, die alles und irgendwas, alle und jede versammelt, ohne dem Ursprung und der Natur der politisch gesammelten Bevölkerung Rechnung zu tragen. Das Ergebnis dieser Art und Weise zu tun kann nur demjenigen des US-amerikanischen multirassistischen Staates und demjenigen des französischen republikanischen Staates identisch sein, die heute die primitivste Bevölkerung der ganzen Welt blind empfangen und integrieren. Diese künstlichen Konstrukte sind der Nation-Staat total entgegengesetzt, wo die Nation, das heißt das Volk, als natürliche rassisch charakterisierte Gemeinschaft zuerst kommt und sich einen Staat gibt, der sich zu ihrem Dienst stellt, da er nicht sein eigener Zweck ist. Carl Schmitt aber, der von seinem streitenden Katholizismus besessen ist, kann einen solchen Vorgang nicht annehmen. Es würde seine politische Theologie und seinen religiösen Wahnsinn verraten.

Der Nation-Staat vergöttert nicht den Staat, verfolgt aber auch nicht seine Beseitigung. Ein genügend starker Staat ist im Gegenteil unentbehrlich, um die Nation zu organisieren, strukturieren und gestalten, ihre innere und äußere Politik zu führen. Er bleibt aber hinter der natürlichen Volksgemeinschaft, die das absolut erste und referentiell bestimmende Element, das die bestehenden Assoziationen hinter sich läßt.

Die Position von Carl Schmitt ist dieser völkischen Auffassung des Staates diametral entgegen-gesetzt. Nach dem, was er 1914 in Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen (Molte, Tübingen) schreibt ist der Staat keine von den Menschen für sich selbst ausgearbeitete Konstruktion. Von Gott stammend geht er vor den Menschen her und steht über ihnen. Nach Gott ist der Staat das Absolute, oder vielmehr ist er die irdische Vertretung des himmlischen Absoluten; das Volk ist nur die namenlose und charakterlose Herde, die der höchsten Göttlichkeit geopfert wird.

Die Art von katholisch-römischer Subversion des Carl Schmitt gegen das national-sozialistische Regime wurde zur richtigen Zeit erkannt. Sie bestand darin zu versuchen, den christlichen qeÒj verstohlen als erstes und einziges Prinzip über das Volk wieder einzustellen. Sein Versuch, aus der völkischen Politik eine politische Theologie zu machen, mißlang total. Carl Schmitt, der sich für klüger als die Theoretiker der Partei gehalten hatte verlor die Hauptfunktionen, die er im Staat innehatte.


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