Lenins Mumie. Okkulte und rassische Aspekte


Wladimir Awdejew


Wladimir Awdejew | Lenins Mumie


Der Sturz des Kommunismus in fast allen Ländern, wo er zuvor am Ruder war, hat natürlicherweise einen Prozeß des Umdenkens in Gang gesetzt. Themen, die mit der Vorgeschichte und Geschichte des Kommunismus zusammenhängen und deren Diskussion unter den Bedingungen der totalitären Ideologie verboten war, konnten nun eingehend beleuchtet werden. Das Leben und die Tätigkeit des Führers des Weltproletariats, die zuvor als Heiligenlegende des bolschewistischen Kults dargestellt worden waren, wurden jetzt einer peinlich genauen Analyse unterzogen, und es erwies sich, daß viele Charakterzüge des wirklichen Lenin weit von dem vergötterten Ideal entfernt waren. Neue Informationen über seinen jesuitisch anmutenden Fanatismus, seine Skrupellosigkeit bei der Wahl der Mittel, früher unbekannte Passagen aus seiner Korrespondenz und seinen Geheimbefehlen, Fakten über sein Privatleben bis hin in die letzten Einzelheiten einschließlich seiner Krankheit – all dies hat unser Bild von Lenin grundlegend verändert.

Die Kritiker des Kommunismus, die sich in den Wust von Fakten vertieften, vergaßen jedoch die Existenz des Mythos selbst, dessen Ganzheitlichkeit und innere Geschlossenheit durch diese Enthüllungen keinerlei Schaden nahmen, da sie schon lange zuvor geschaffen worden waren. Obschon diese Kritiker den Kommunismus als neue Religion auffaßten, gaben sie sich damit zufrieden, seine materielle, historische Seite bloßzustellen, ohne das Herzstück des Bolschewismus je anzutasten. Doch gerade bezüglich ihres Einflusses auf die Psychologie der Massen hatte die neue, materialistische Ideologie sämtliche zuvor bestehenden idealistischen Doktrinen übertroffen. Die überschäumende Begeisterung der Masse, die blitzartige Akkumulation ihrer psychischen Energie, die leicht faßliche Symbolik – all dies zeugt von der Effizienz dieser ideologischen Konstruktion, die sich in erster Linie auf die verborgensten Instinkte des Menschen abstützte.

Aus diesem Grund gilt es eine offenkundige Tatsache zur Kenntnis zu nehmen: Die magische Geschichte der Entstehung des Kommunismus ist noch nicht geschrieben, die okkulten Wurzeln der „russischen“ Revolution sind noch nicht vollständig bloßgedeckt, genau wie die Einflüsse dieser Ideologie auf die seelische und leibliche Substanz des russischen Menschen und seinen Archetyp selbst noch nicht schlüssig ermittelt worden sind.

Wir erheben nicht den Anspruch, diese Fragen detailliert zu erforschen; unser Ziel besteht lediglich darin, gewisse Aspekte des kommunistischen Mythos unter die Lupe zu nehmen und ihn hierdurch neu zu deuten.

Eine Schlüsselposition in jedem beliebigen Kult nimmt die Frage nach seinen Heiligtümern und Reliquien ein, denn diese reduzieren ihn auf einen okkulten Kern, der seine eigene Realität schafft und ein ganzes, komplexes System von Gefühlen der Gläubigen in Bewegung setzt, indem sie diese in einer neuen Qualität vereint.

Während das Leben Lenins bis in alle Details erforscht und bekannt ist, ist die Rolle, die er nach seinem Tod in Gestalt eines kultischen Heiligtums, einer Mumie, im Rahmen des neuen Mythos gespielt hat, erst sehr unzulänglich erforscht – und dies, obwohl nicht der lebende Lenin, sondern seine einbalsamierte Mumie eine okkulte Gedankenverbindung mit dem „Werk Lenins, das lebt und siegt“ herstellt.

Der Marxismus-Leninismus hat den Materialismus sowie den wissenschaftlichen Atheismus zu seiner philosophischen Grundlage erklärt, womit er das Weiterleben der Seele nach dem Tode in Abrede stellt. Dies hat ihn freilich nicht daran gehindert, Lenin sofort für unsterblich zu erklären. Infolgedessen wurde der Führer in seiner Eigenschaft als Zentrum des Symbolsystems des Kultes schon unmittelbar nach seinem Ableben in einem besonderen Bauwerk untergebracht. Da die neue Religion die Sterblichkeit des Menschen mitsamt seiner Seele verkündet hatte, verlieh das neue Ritual Lenin nicht im geistigen Sinne den Nimbus der Unsterblichkeit, wie es viele alte Religionen zuvor getan hatten, sondern in körperlicher Hinsicht, indem es ihn in Form einer Mumie verewigte. Hierin besteht der zentrale Unterschied zwischen der kommunistischen „Religion“ und allen vorhergehenden. Die Mumien der altägyptischen Pharaonen symbolisierten die Kontinuität der Lebenszyklen, die Unveränderlichkeit des Reinkarnationsprozesses. Sie verkörperten die Garantie eines neuen Lebens für jeden Untertan, der einige Zeit nach seinem Tod abermals eine körperliche Form erwerben und im besten aller irdischen Königreiche – Ägypten – wiedergeboren werden sollte.

Von okkultem Standpunkt aus stellte der marxistische Kult eine absolute Revolution dar, strebte er doch offen danach, die Kette der Wiedergeburten mit ihrem tiefen mystischen und moralischem Sinn abzubrechen und damit die Unsterblichkeit der Seele zu vernichten. Indem er die Wechselwirkung von Ursache und Wirkung in der Welt der transzendenten Ethik außer Kraft setzte, schuf er unvermeidlicherweise eine „neue Moral“, die sich in der Legitimierung des brudermörderischen Bürgerkrieges, der Denunziation, der Schändung des Andenkens unserer Ahnen sowie der Abtrennung des russischen Volkes von seiner eigenen Geschichte äußerte. Der neue revolutionäre „Mensch“ fand sich in einem leeren Raum wieder und verwarf im Grunde genommen sämtliche Gesetze der Natur.

Von Kindsbeinen an wurde den Kindern auf einem Sechstel des Erdballs fast siebzig Jahre lang eingetrichtert, Lenin sei „lebendiger als alle Lebenden“. Der okkulte, rein satanische Sinn dieser Phrase entzog sich dem Verständnis. Man lehrte die Kinder, dieser Satz sei symbolisch aufzufassen, behauptete jedoch gleichzeitig, er sei wortwörtlich zu nehmen. Diese Doppelzüngigkeit bildet das Herz des bolschewistischen Mythos.


Die kommunistischen Testamentsvollstrecker

Kehren wir zu den dürren Fakten zurück. Liest man A. H. Kotyrews offizieller Schrift Das Mausoleum W. I. Lenins (Moskau, 1971), so treten die inneren Widersprüche der heiklen Frage nach der Verewigung des Andenkens an den Führer des Weltproletariats von Anfang an klar zutage. Den Dokumenten zufolge tat W. I. Lenin am 21. Januar 1924 um sechs Uhr fünfzig abends in Gorki seinen letzten Hauch. Um zehn Uhr abends fand im Kreml eine Sitzung statt, an der u.a. F. E. Dserschinski, W.W. Kuibischew, W. A. Awanesow, A. S. Jenukidse und E. M. Jaroslawski teilnahmen und auf der die Organisation des Begräbnisses erörtert wurde. Bereits am 22. Januar um 2 Uhr fünfzehn wurden bei einer Sondersitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion die ersten Maßnahmen zur Durchführung der Beerdigung bestätigt. In der Nacht vom 22. auf den 23. trat das Zentralkomitee um 3.30 Uhr zu einer Sitzung zusammen, bei der eine Kommission zur Organisation der Beisetzung gebildet wurde. Zu deren Vorsitzenden wurde F. E. Dserschinski gewählt, zu den übrigen Mitgliedern zählten K. E. Woroschilow, A. S. Jenukidse, W. D. Bontsch-Brujewitsch, W. A. Awanesow u.a.

Dies alles spielte sich am 22. Januar um vier Uhr früh im Kreml sowie im 35 km von Moskau entfernten Gorki ab. S. D. Merkurow stellte einen Gipsabdruck des Gesichts und der Hände Lenins her, und um zwölf Uhr mittags balsamierte A. I. Abrikosow, Professor für pathologische Anatomie, den Leichnam ein.

Was folgt aus all dem? Unter den Bedingungen eines bitter kalten Winters – die Temperaturen schwankten in Moskau zwischen minus 25 und minus 35 Grad – mußte man ein Auto zwanzig bis dreißig Minuten lang warmlaufen lassen, um anschließend durch Schneehaufen und Schneeverwehungen langsam die 35 Kilometer nach Gorki zurückzulegen. Dies bedeutet, daß die Vorbereitungen im Kreml sowie die Fahrt nach Gorki nicht weniger als anderthalb bis zwei Stunden in Anspruch genommen haben können. Außerdem muß auch die Sitzung, auf der die Organisation des Begräbnisses erörtert wurde und die um 3.30 Uhr morgens begann, zwangsläufig einige Zeit gedauert haben, denn immerhin wurde eine so epochale Frage wie die Verewigung des Andenkens an den Führer entschieden. Schon in den Stunden danach mußte man sich mit dem Bildhauer S. D. Merkurow und dem Pathologen A. I. Abrikosow in Verbindung setzen, ihnen ihre Aufgabe erläutern und ihnen Zeit zur Vorbereitung ihres Materials und ihrer Instrumente geben.

Doch wurdersamerweise erweist es sich, daß der Bildhauer mit der Herstellung der Totenmaske schon zu einem Zeitpunkt begann, wo die Kommission ihren Entscheid noch gar nicht gefällt hatte, und daß sich der Pathologe mit nicht minder großer Eile an die Einbalsamierung des Leichnams machte, als habe er sein ganzes Leben lang auf nichts anderes gewartet. Diese Unstimmigkeiten könnte man noch notdürftig erklären, läge nicht eine dritte Information vor, die damals von allen Rundfunkstationen der Welt verbreitet wurde: „Gestern, am 21. Januar, um sechs Uhr fünfzig abends, verstarb Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) plötzlich in Gorki bei Moskau. Nichts wies auf seinen bevorstehenden Hinschied hin...“

Bitte sehr: Wie konnte man ernstlich behaupten, daß „nichts auf seinen bevorstehenden Hinschied hinwies“, wo doch die gesamte Führungsspitze der Partei wußte, daß Lein schon seit zwei Jahren unheilbar krank war und daß sein Ableben nur noch eine Frage der Zeit sein konnte?

Somit stehen die drei Informationen im Widerspruch zueinander, und Zufälle pflegt es in solchen Fragen nicht zu geben.

Dies ist freilich noch längst nicht alles. Am 26. Januar wurde der Zweite Gesamtsowjetische Kongreß eröffnet, auf dem unter anderen ein Beschluß zur Errichtung eines Grabgewölbes für die Leiche Lenins gefällt wurde. Unter einem „Grabgewölbe“ verstand man eine Gruft, nicht jedoch ein Mausoleum. Man beschloß ferner, die provisorische Einbalsamierung des Leichnams lediglich während der Vorbereitung der Beisetzung zu nutzen, damit sich jene, die es wünschten, von dem Toten verabschieden konnten. In der Resolution des Präsidiums des Zentralkomitees der UdSSR vom 25. Januar war denn auch nur von einem Grabgewölbe die Rede, welches Besuchern offen stehen solle.

Dies hinderte W. D. Bontsch-Brujewitsch freilich nicht daran, in seinen Erinnerungen zu schreiben: „Am Morgen des 23. Januar 1924, um elf Uhr, berief ich eine erste Versammlung von Spezialisten ein, um den Bau eines Grabs für Wladimir Iljitsch,  dessen Beisetzung auf dem Roten Platz neben der Kremlmauer stattfinden sollte, sowie die Errichtung eines Mausoleums über dem Grab zu besprechen.“ Der Architekt A. W. Schtschussew teilt mit, er habe den Auftrag zur Planung und Errichtung des Mausoleums in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar erhalten; bereits am Morgen des 24. soll sein Projekt gutgeheißen worden sein, und dazu noch von einer Regierungskommission. W. D. Bontsch-Brujewitsch fügt hinzu, während des in größter Eile erfolgten Baus des Mausoleums seien keinerlei Protokolle geführt worden, und die Arbeit habe lediglich vier Tage in Anspruch genommen.

In dem von A. N. Kotyrew erstellten Album lesen wir, allein vom 23. bis zum 25. Januar seien Tausende von Briefen und Telegrammen Werktätiger mit der Bitte um Verewigung des Körpers W. I. Lenins eingegangen. Allerdings meldeten die Telegrafenagenturen der Sowjetunion am 27. Januar während der offiziellen Beisetzungsprozedur um punkt 16 Uhr: „Erhebt euch, Genossen, man senkt Iljitsch ins Grab!“ Abermals findet sich in der offiziellen Mitteilung kein Sterbenswörtchen über die Einbalsamierung des Leibes Lenins im Mausoleum; es ist lediglich von einer traditionellen Beerdigung die Rede. Unter diesen Umständen hätte man zwangsläufig die Exhumierung der sterblichen Überreste des Führers zur Sprache bringen müssen, doch dies hätte man den revolutionär gesinnten Massen unmöglich erklären können.

Abermals haben wir es also mit einer ganzen Reihe von Lügen zu tun, die zudem in völligem Widerspruch zueinander stehen, wobei das Ganze abermals nach ein und demselben Schema abläuft. Eine Gruppe von Menschen, die Lenin besonders nahe gestanden hatten, versucht fortwährend den Eindruck zu erwecken, der Gedanke an eine Einbalsamierung seiner sterblichen Hülle – der den breiten Volksmassen völlig absurd erschienen wäre - sei unverzüglich aufgetaucht, doch greift diese Darstellung den wirklichen Ereignissen vor. Die zunächst paradox anmutende Schlußfolgerung kann nur lauten, daß der Gedanke, Lenins Leiche einzubalsamieren, einem engen Kreis von Personen bereits vor seinem Ableben gekommen sein muß und der Masse nachträglich weisgemacht wurde, die Initiative sei von ihr selbst ausgegangen. In Wirklichkeit liegt freilich überhaupt kein Paradox vor. Es reicht, sich die jüngere Vergangenheit unseres Landes in Erinnerung zu rufen, als die Kommunisten selbst so prosaische Dinge wie die Erhöhung der Vodkapreise mit den „Wünschen der Werktätigen“ begründeten. Wieviel näher lag dieses Vorgehen da in einer derart epochalen Frage wie der Kanonisierung des mächtigen proletarischen Propheten! Der Betrug ist hier mit Händen zu greifen.

Selbst L. D. Trotzki schrieb in seinen Memoiren Mein Leben: „So unwahrscheinlich dies auch anmuten mag: Die Verschwörer führten mich hinsichtlich des Tages des Begräbnisses hinters Licht.“ Bedenkt man, daß Trotzki während der fraglichen Periode noch die reale Macht in den Händen hatte, wird die Angelegenheit mit der „Beisetzung“ und „Kanonisierung“ vollends unverständlich, und unter den „Verschwörern“ ist dann eine Gruppe waschechter Leninisten zu verstehen, an deren Spitze F. E. Dserschinski als Leiter des ganzen Projekts gestanden haben muß.

A. I. Abrikosow – ein unbestrittenermaßen hochqualifizierter Anatom - hielt den Kampf um die Bewahrung des Leichnams für sinnlos, denn auf diesem erschien eine Pigmentation, und der Prozeß der Vertrocknung der Gewebe hatte bereits eingesetzt. Abrikosow erklärte dann, die zeitgenössische Wissenschaft verfüge über keine Möglichkeit, den Leib eines Menschen langfristig zu konservieren. A. S. Jenukidse, Sekretär des Präsidiums des Zentralen Exekutiv-Komitees gab offiziell bekannt, man gedenke nicht, aus Lenins Leiche eine “Reliquie” zu machen, und auch N. K. Krupskaja sowie K. E. Woroschilow erklärten einen solchen Schritt für unzulässig. Erst dann mischte sich Dserschinski in den Gang der Dinge ein, indem er anregte, die moderne Wissenschaft einzuschalten. Am 4. Februar 1924 schlug L. D. Krassin, welcher der Kommission bereits angehörte, vor, bei der Einbalsamierung die Technik der niedrigen Temperaturen zu benutzen. Gemäß seinem Projekt sollte abgekühlte Luft aus einer Kühlkammer in den Sarkophag geleitet werden, in dem die Leiche lag. Der Kommission gehörten N. A. Semaschko, Prof. W.N. Rosanow, B. S. Weisbrod, W. P. Worobjew sowie B. I. Sbarski an. Bezeichnenderweise wurde B. I. Sbarski als letzter und auf persönliche Anweisung Dserschinskis in die Kommission aufgenommen.

Erst am 25. März veröffentlichte die Regierung eine Mitteilung, der zufolge die Kommission beschlossen hatte, die der modernen Wissenschaft zur Verfügung stehenden Maßnahmen “für eine mögliche langfristige Bewahrung des Körpers“ zu ergreifen.

Diese Formulierung ist sehr aufschlußreich. Auch diesmal ging es einzig und allein darum, den Leib des Führers für eine gewisse Zeit zu bewahren; von einer Unsterblichkeit im heutigen Sinne des Wortes – also von sehr langen Fristen – war noch nicht die Rede.

Das Projekt L. D. Krassins, der von seiner Ausbildung her Ingenieur war, wurde in grober Form abgelehnt. Am 26. März begann man mit der Mumifizierung des Leichnams, und zwar nach einer Methode, von deren Existenz man in Rußland nur eine verschwommene Vorstellung hatte, analog zu den bruchstückhaften Kenntnissen der Mumien altägyptischer Pharaonen. In das provisorische Mausoleum stiegen drei Personen hinunter: Der Pathologe und Anatom W. P. Worobjew, der Professor der Biochemie B. I. Sbarski sowie der Prosektor des Leichenhauses, der den verblüffend satanischen, für einen Menschen, dessen Arbeit der Umgang mit Leichen war, höchst passenden Namen A. L. Schabadasch[1] trug.

Über den Verlauf der Arbeit ist nichts Näheres bekannt, um so mehr, als Sbarski laut seinen Kollegen mehrfach erklärt haben soll, man zeige „den Dummköpfen nur die Hälfte der Arbeit“. Genau bekannt ist jedoch, daß die technische Grundidee von Sbarski stammte und daß WorobjeW und Schabadasch lediglich anatomische Arbeit verrichteten.

Bis zum 26. Mai war alles fertig, und die Delegierten des Achten Parteikongresses besuchten das Mausoleum. Lenins Bruder Dmitri Uljanow, der später seine Tage in einem Irrenhaus beschließen sollte, war nach dem Besuch äußerst erregt und rief aus: „Ich kann jetzt nichts sagen, ich bin zutiefst aufgewühlt. Er liegt so da, wie ich ihn damals nach seinem Tod gesehen habe.“

Fakten sind Fakten: Ungeachtet der früheren offiziellen Erklärungen der Spezialisten, wonach die Verwesung der Leiche eingesetzt habe, war diese nach vier Monaten frischer und jünger geworden.

Der Volkskommissar (d.h. Minister) für das Gesundheitswesen, N. A. Semaschko, verlas den Bericht der Regierungskommission, der heutzutage ausgezeichnet in einen Hollywoodfilm über Dracula, Frankenstein oder ähnliche Gruselfiguren passen würde: „Der allgemeine Anblick ist im Vergleich mit dem, der sich vor der Einbalsamierung bot, erheblich besser geworden und erinnert immer mehr an den eines eben erst Verstorbenen.“

Läßt man das ganze kommunistische Pathos beiseite, so sieht der chronologische Ablauf der Ereignisse wie folgt aus: Die offenen Widersprüche, die an die Oberfläche treten, erwecken lediglich das Gefühl eines großen Geheimnisses, lassen die Wahrheit jedoch nicht ans Licht kommen. Der rätselhafte rote Pharao, dessen zu einem Heiligtum verklärte Grabkammer alle „progressiven“ Menschen um jeden Preis besuchen mußten, verbarg sein Rätsel weit raffinierter als seine altägyptischen Kollegen, die sich in den labyrinthischen Gängen innerhalb der Pyramiden verbargen. Der neue Pharao wählte eine ausgeklügeltere Taktik, die auf einen direkten Widerspruch beruhte, und verbarg sich keinesfalls, sondern strebte im Gegenteil danach, überall zu sein.

Die altägyptischen Pharaonen mußten ihr Volk im Jenseits begleiten und von dort aus auf seine physische Existenz einwirken, indem sie es segneten und schützten. Die Funktion des kommunistischen Pharaonen war genau entgegengesetzter Art: Ihm oblag es, die physische Existenz seines Volkes nicht vom Jenseits, sondern vom Diesseits aus zu beeinflussen. Die alten Pharaonen verbargen ihren einbalsamierten Leib selbst vor den Augen der Eingeweihten, während der zeitgenössische Führer den seinen den Augen einer verblüfften und sprachlosen Menge darbot. Die ägyptischen Pharaonen regierten – wie es sich gehörte – im Totenreich weiter, wohingegen sich der rote Pharao eifrig in die Reihen der Lebenden drängte und gar beanspruchte, lebendiger zu sein als sie selbst. „Lenin ist auch heute der Lebendigste der Lebendigen“ – der schreckliche, nekrophile Sinn dieser Phrase verbarg sich hinter seiner Allgegenwart. Doch sogar aus den heutigen Hollywoodfilmen, die am Fernsehen bis zur Ermüdung gezeigt werden, weiß man, daß ein Toter nur auf Kosten der Lebenden auf Erden wandeln kann. Die physische Fortsetzung der Existenz eines toten Körpers bringt den Lebenden immer nur Unheil. Was früher lediglich den Kabbalisten und den Besuchern schwarzer Messen bekannt war, weiß heutzutage jeder Liebhaber von Horrorfilmen. Der Kontakt mit Leichengift ist nicht nur für die physische Gesundheit gefährlich, sondern auch für die geistige. Ein lebender Kadaver ist etwas, was über den Rahmen der Realität hinausgeht und dadurch noch gefährlicher als die Unkenntnis der Grenze, welche diese Welt von jener trennt.


Verkehrte Welt

Betrachten wir das Problem nun aus einem anderen Gesichtswinkel. Die Schöpfer der kommunistischen Religion, welche diese mit aller Kraft propagierten, verbergen deren Verbindung zu der Magie, die sie erzeugt hat, sowie zu gewissen sehr konkreten Magiern aufs sorgfältigste. Zwar nicht alle, aber doch einige der Handlanger des Roten Demiurgen wollen wir aber doch nennen.

Am Ende des 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten parallel zur Blüte anderer Wissenschafter auch Biologie, Anthropologie und Genetik einen rasanten Aufschwung. Es schien, als seien die Geheimnisse der Vererbung und der Genetik geklärt. Die Entdeckungen Gregor Mendels und Charles Darwins sowie ihrer Nachfolger wurden unter den Bedingungen einer beispiellosen Politisierung der Gesellschaft sofort von sozialen Theorien vereinnahmt, und zwar von solchen, die von unbändigem Optimismus geprägt waren. Es fehlte nicht an Schwärmern, die wähnten, man könne die Welt im Handumdrehen verbessern, die Irrtümer der Natur leicht und schmerzlos korrigieren und der Menschheit so einen Ausweg aus der Sackgasse der gesellschaftlichen Widersprüche weisen. Bezeichnenderweise zogen diese Vielfalt von sich stürmisch entwickelnden Theorien die Vertreter zweier einander diametral entgegengesetzter Lager gleichermaßen in ihren Bann. Sowohl Konservative als auch Sozialdemokraten schenkten ihre Aufmerksamkeit schon bald dem Zusammenhang zwischen der Gesellschaftsstruktur und der biologischen Grundlage des Menschen. Freilich unterschieden sich ihre Methoden und Ziele grundlegend. Die Rechten, die Konservativen, entwickelten das Konzept der Rassenhygiene und schlugen vor, die menschliche Natur zu verbessern, indem man vom genetischen Standpunkt aus unerwünschten Elementen das Recht auf Fortpflanzung verwehrte. Hingegen strebten die Linken, die Sozialdemokraten, eine Verbesserung des menschlichen Erbes mittels seiner Umwandlung in ein hochbewußtes, progressives Wesen vor, die durch eine Veränderung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen bewerkstelligt werden sollte. Während die Rechten darauf hofften, den Archetyp des Menschen reinigen und ihn ins „Goldene Zeitalter“ zurückversetzen zu können, schwebte den Linken eine rücksichtslose Rekonstruktion des Archetyps vor, welche der gesamten Menschheit den Weg in eine lichte Zukunft weisen sollte.

Die ganzen heftigen politischen Diskussionen jener Zeit kreisten somit um die Schlüsselfrage nach der Vererbung günstiger Merkmale. Als hervorragendste Vertreter der ideologischen Rechten innerhalb der Genetik und der Soziologie machten sich Thomas Morgan und August Weißmann einen dauerhaften Namen. Diese beiden Gelehrten entwickelten die Grundideen der „Chromosomentheorie der Vererbung“, gemäß welcher der „Stoff der Vererbung“ nicht von den Lebensbedingungen abhängt. Diese Lehre nahm schon bald die Züge einer idealistischen Philosophie und Metaphysik an und gab den Anstoß zu einer Vielfalt von Theorien, vom Neodarwinismus und Sozialdarwinismus bis hin zur Eugenik und Genetik. All diese Konzepte lagen später der nationalsozialistischen Doktrin zugrunde, welche in Deutschland zur Zeit Hitlers ihre klarste und ausgeprägteste Form erlebte.

Die Linken hingegen fanden Gefallen an der Weiterentwicklung der Ideen Lamarcks, obwohl im 19. Jahrhundert lediglich „Reaktionäre“ dessen Thesen Beifall gespendet hatten. Die Lamarckisten messen dem Einfluß der Umwelt entscheidende Bedeutung bei und gehen von der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften aus. Dieser Theorie schlossen sich die Linken aller Schattierungen nun eifrig an, und mit der Unterstützung eines der Führer der internationalen Sozialdemokratie, Karl Kautski, wurde sie zum Ideologem und zur dauerhaften Grundlage des revolutionären Reformismus der Bolschewiken in Sowjetrußland.

Der Aufruf der „Internationale“, „eine neue Welt, unsere Welt“ zu bauen, wurde nicht allegorisch-metaphysisch, sondern buchstäblich, in physischem, ja biologischem Sinne gedeutet. Die Schaffung eines „neuen Menschentyps bis hin zum Blut“ war keine revolutionäre Metapher, sondern ein anarchisch-lamarckistisches Projekt, das für die Welt der traditionellen Werte ungemein zerstörerische Auswirkungen hatte: Vergesellschaftung aller Frauen unter den Bedingungen des Kriegskommunismus, die Chimären Mitschurins, das Institut für Blutübertragung, die Entkulakisierung, die Zerschlagung des traditionellen Bauernstandes, die Vernichtung der „perspektiveloser“ Dörfer im Herzen Rußlands – all dies waren durchaus keine bizarren Handlungen verlogener Maximalisten, wie man uns in der Schule weismachen will, sondern die bewußte Politik radikaler Sozial-Lamarckisten. Gerade aus diesem Grund nahm der Okkultismus unter den Bedingungen Sowjetrußlands, dem von den Bolschewiken die Lehre des Materialismus aufgezwungen worden war, dermaßen aggressive und maßlose Formen an. Okkultismus und rote Magie wurden von den Kommunisten nämlich als Kampfinstrumente zur Veränderung der rassischen Natur der Russen verwendet. Die ganzen unvorstellbaren Gewalttaten und lästerlichen Greuel, die im Rußland des 20. Jahrhunderts in so großem Maßstab verübt wurden, hatten überhaupt nichts Mystisches oder Übernatürliches an sich, sondern waren das bewußte und methodische Werk von Menschenhänden. Und die Mumie des roten Pharao Lenin ist lediglich eine Komponente dieser Zerstörungsarbeit, dieser Ideologie, laut der die Toten „lebendiger als alle Lebenden“ sind. Sämtliche Alpträume der Hollywood-Gruselfilme sind dank den Bemühungen der Helfershelfer des Roten Demiurgen auf einem Sechstel des Erdballs Wirklichkeit geworden.

Vergleicht man die Funktion der Einbalsamierung der altägyptischen Pharaonen mit jener der Mumifizierung des Führers des Weltproletariats, so tritt zwangsläufig folgender Unterschied zutage: Als „rechte Monarchisten“ gingen die Ägypter intuitiv von den Vorstellungen aus, denen Morgan und Weisman später eine wissenschaftliche Grundlage verleihen sollten; Lenin hingegen war der erste Mensch, dessen Einbalsamierung unter Anlehnung an die Lehren Lamarcks erfolgte. Hierin besteht – bei aller äußerlicher Ähnlichkeit der Ausstattung der Grabkammern – der okkulte Unterschied. Dies ist auch der Grund dafür, daß man Lenins Mumie im Gegensatz zu jenen seiner altägyptischen Vorgänger nicht vor den Blicken der Öffentlichkeit verbirgt, denn wenn es keine Vererbung gibt, kann es auch kein Geheimnis geben. Die gesellschaftlichen Unterschiede bedingen somit auch kultische.

Es ist seit altersher bekannt, daß sich die Magier oder Okkultisten, die hinter den Führern zweier einander gegenüberstehenden Heere stehen, gegenseitig gründlicher studieren, als es irgendwelche anderen Menschen zu tun pflegen. Auch bei der Entwicklung biologischer Konzeptionen, welche als Grundlage für hegemonistische politische Ansprüche dienten, verfolgten die Ideologen des einen Lagers aufmerksam, was ihre Rivalen im anderen Lager trieben. Der Unterschied lag lediglich darin, daß es unter den rechten Rassenforschern, welche die Position Morgans und Weismans verfochten, erstrangige Wissenschaftler gab, während im Lager der linken Lamarckisten Okkultisten dominierten, die keine positive Wissenschaft vertraten.

Zu den hervorragendsten deutschen Rassenforschern gehörte Fritz Lenz. In der Zeitschrift Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie veröffentlichte dieser Ende der zwanziger Jahre einen Artikel mit dem verblüffenden Titel „Die Kammerer-Affäre und der hierzu von Lunatscharski gedrehte Film“[2], in dem sich Lenz mit der Vorführung des allegorischen Films Der Salamander in Sowjetrußland auseinandersetzt, der im Jahre 1927 unter der persönlichen Obhut des Kulturministers A. W. Lunatscharski hergestellt worden war. Der tendenziöse, psychologische Streifen spielte in einem mitteleuropäischen Land, in dem man übrigens ohne Mühe Deutschland erkennen konnte; dort ist der Faschismus an die Macht gekommen und hat eine absolute Herrschaft der Rassengesetze eingeführt. Ein Professor führt Experimente an Salamandern durch, um zu ermitteln, inwiefern erworbene Eigenschaften vererbt werden, und die Faschisten drohen, ihn zu vernichten. Es handelt sich also um eine recht einfältige Fabel. Doch Fritz Lenz, der mit dem Hintergrund des Streits zwischen den beiden antagonistischen Lagern vertraut war, liefert eine ausführliche Dechiffrierung des Films, die er mit zahlreichen Erläuterungen versieht.

1926 hatte Lunatscharski den Wiener Professor Paul Kammerer nach Moskau eingeladen, wo er am 1. Oktober eine Stelle an der Moskauer Universität antreten sollte; hierzu kam es freilich nicht, da Kammerer am 23. September starb. Aus zahlreichen von der kommunistischen Akademie herausgegebenen Büchern wissen wir, daß der Mechano-Lamarckismus, zu dessen Vertretern Paul Kammerer zählte, die These verfocht, die Einwirkung der Umwelt beeinflusse nicht nur das individuelle Leben eines Organismus, sondern verleihe auch seiner Nachkommenschaft einen unauslöschlichen Stempel und schlage sich in den rassischen Eigenschaften der betreffenden Art nieder. Von allen Lamarckisten war Paul Kammerer der radikalste und am weitesten links stehendste.

Fritz Lenz schrieb, bei Kammerer habe das politische oder demagogische Ziel stets im Vordergrund gestanden. Seine Ideologie habe auch vor der Abstammung des Menschen nicht haltgemacht; für Kammerer verschwänden die rassischen Grenzen, und die nationalen Gegensätze ließen sich mit Hilfe von Umwelt und Erziehung überwinden. In diesem Zusammenhang lohne sich der Hinweis darauf, daß Kammerer Halbjude gewesen sei und daß sich Halbjuden besonders stark für die Vererbung erworbener Eigenschaften interessierten. Kammerers Freunde und Mitstreiter seien Juden gewesen. Jetzt sei zu diesen noch der Jude Lunatscharski gestoßen. Unter diesen Umständen verstehe man ohne weiteres, weshalb Bildungsminister Lunatscharski Kammerer als Professor an die Universität Moskau habe berufen wollen. Die Lehren Kammerers seien den neuen Herrschern Rußlands offenbar wie gerufen gekommen.

Einen großen Teil seines Artikels widmete Lenz übrigens der wissenschaftlichen Unhaltbarkeit der Theorie Paul Kammerers gewidmet, wobei er dieses Urteil durch eine eindrückliche Liste von Daten aus experimentellen Forschungsarbeiten bedeutender Biologen aus verschiedenen Ländern abstützte.

Wer also war dieser Paul Kammerer? Die Grosse Sowjetische Enzyklopädie widmete ihm einen langen, hymnischen Artikel, in dem er als bahnbrechender, progressiver Gelehrter über den grünen Klee gelobt wurde, der von der reaktionären bürgerlichen Wissenschaft schnöde attackiert worden sei.

Nicht weniger als fünf von Kammerers Büchern sind in russischer Sprache erschienen, und zwar während des Bürgerkrieges, während der ersten Jahre der Wirren. Dies beweist eindeutig, daß seine Ideen von der sowjetischen Regierung protegiert wurden.

In seinem Buch Über Verjüngung und Verlängerung des persönlichen Lebens (1922) setzt sich Kammerer ausführlich mit der Frage der Verpflanzung der Geschlechtsorganen bei Ratten zum Zweck ihrer Verjüngung auseinander, wobei er beiläufig behauptete, es seien auch erste erfolgreiche Experimente an Menschen durchgeführt worden. Doch nicht genug damit: Er machte geltend, selbst die Verpflanzung der Geschlechtsorgane frischer Leichen auf Lebende sei machbar!

Nicht der Pikanterie entbehrt auch ein Hinweis auf Kammerers Freunde in der Welt der Wissenschaft, auf die er sich zur Stütze seiner Thesen berief. Einer der prominenteste war ein gewisser Magnus Hirschfeld, der sich vor allem dadurch einen Namen machte, daß er im Deutschland der Weimarer Republik ein Institut für Sexualpathologie gründete; aus diesem machte die SA nach Hitlers Machtübernahme dann im Handumdrehen Kleinholz.

Bei der Lektüre dieses Kammerer-Buches hat man beharrlich das Gefühl, etwas Ungesundes, Widernatürliches und offen Satanisches zu lesen. Von ungleich größerem Interesse für das Thema seiner Forschung ist freilich das 1927, nach Kammerers Tod, veröffentliche Buch Das Rätsel der Vererbung, in dem der Verfasser schreibt, die Summe winzig kleiner Veränderungen führe letzten Endes dank deren Vererbung zu einer Umgestaltung nicht nur der Individuen, sondern ganzer Rassen, Arten, Gattungen und großer Gruppen.

Die russische Revolution war in biologischer Hinsicht als eine Art genetischer Schwelle geplant, hinter der ein neues Leben beginnen sollte: Sämtliche rassisch-biologischen Strukturen des russischen Volkes sollten etappenweise planmäßig verändert werden. Das gesetzmäßige Ergebnis dieses Experiments war dann der berühmt-berüchtigte Homo sovieticus.

Hier haben wir es bereits mit dem theoretischen Prinzip der Genmanipulation zu tun, denn Kammerer spricht von der Möglichkeit der Entfernung von Chromosomen, die Veränderungen im menschlichen Organismus zur Folge haben werde. Immer wieder kehrt er auf die Probleme der Kreuzung, der Hybridisierung zurück, wobei er sogar eine poetische Definition der Rassenmischung liefert – „Quadrille Chromosom“. Es schließt sich eine Beschreibung der „alternativen Vererbung“ an, bei der keine gleichmäßige Mischung der väterlichen und mütterlichen Merkmale erfolgt, sondern lediglich einer der beiden Elternteile der Nachkommenschaft seine Eigenschaften weitergibt, was bedeutet, daß diese vollständig dominieren. Mittels anschaulicher Schemen, an denen es in dem Buch nicht mangelt, wird ausführlich illustriert, wie man durch Mischung von Weißen und Farbigen die weiße Nachkommenschaft vollständig auslöschen und all ihre rassischen Eigenschaften verändern kann. Die ganzen Gedankengänge Kammerers kreisen beharrlich um die Frage der Mischung; nirgends ist bei ihm von einer reinen Art die Rede, geschweige denn von deren Reinigung von fremden Beimischungen. Völlig paradox wird das Ganze dadurch, daß es der Verfasser für nötig erachtet, sich bei seinen Lesern zu entschuldigen: Seine politische – oder genauer gesagt rassische – Voreingenommenheit ist nämlich selbst für den Uneingeweihten offenkundig

Wir haben also ein anschauliches Beispiel eines Ideologen vor Auge, der nicht Rassenhygiene, sondern im Gegenteil rassische Anti-Hygiene predigt.

Das folgende Kapitel des Buchs heißt “Die Vererbung der Folgen von Schädigungen“. Hier wird der Frage nachgegangen, wie man einen Makel in der Nachkommenschaft verankern und erblich machen könne. Der heutige Gesundheitszustand unseres Volkes, das an zahlreichen genetischen Störungen leidet, ist der beste Beweis dafür, daß die Bolschewiken auch vor solchen Praktiken nicht zurückgeschreckt sind.

Des weiteren benutzt Kammerer den Ausdruck „Xenien“, der vom lateinisch-griechischen „xenium“, „Gastgeschenk“ herrührt. Hierunter versteht er die Auswirkung fremden Samens; wie immer erstrecken sich seine Analogien über den Organismus als separate Erscheinung hinaus und konzentrieren sich auf die Prinzipien der Rassen, oder vielmehr des Mordes an den Rassen.

Im folgenden ergeht sich der Autor in einer Beschreibung der Telegonie, d.h. der Weitergabe erworbener Eigenschaften auf Distanz, und zwar nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit. Außerordentlich große Bedeutung mißt Kammerer der langfristigen erblichen Veränderung bei, die der weibliche Organismus infolge der einmaligen Befruchtung durch einen Vertreter einer anderen Rasse erfährt und die er als „Saturation“ bezeichnet. Dies bedeutet, daß eine weiße Frau, die nur ein einziges Mal von einem farbigen Mann befruchtet worden ist, Kinder mit den Merkmalen von Mischlingen zur Welt bringen wird, selbst wenn deren Vater ein Weißer ist.

Daß das nächste Kapitel „Bastarde durch Okulierung und Chimären“ heißt, vermag angesichts des bisher Gesagten nicht mehr zu verwundern. Hier finden wir eine Analyse gezielt herangezüchteter abartiger Mißgeburten im Tierreich, aber auch beim Menschen. Warum in aller Welt brauchen wir gesellschaftliche und rassische Mißgeburten? Kammerer erteilt die Antwort auf diese Frage selbst: Ein erworbenes Merkmal besitze in solchen Fällen größere Chancen, sich dauerhaft in der Nachkommenschaft zu verankern, als ein altes erbliches Rassenmerkmal. Dies heißt im Klartext folgendes: Die Mißgeburt und der Degenerat sind leichter für die Ideen des Kommunismus oder der allgemein menschlichen Werte zu gewinnen als ein gesunder Mensch, der seine Ahnen ehrt, weil ersterer eine stärkere Neigung zur Mutation aufweist, und zwar auch in der geistigen Sphäre.

Es folgen Ausführungen zu den theoretischen Aspekten des Transsexualismus und des Transvestitentums. Durch die Verpflanzung eines Eierstocks, meint Kammerer, werde eine Nachkommenschaft erzeugt, welche Eigenschaften einer anderen Rasse aufweise.

Das Kapitel „Sprunghafte Veränderungen (Mutationen)“ enthält ebenfalls eine theoretische Schlußfolgerung: Bei jeder beliebigen Art träten merkliche Veränderungen auf, die dauerhaften Charakter annähmen und erblich weitergegeben würden. Dies ist eine äußerst treffende Definition des biologischen Aspekts der „russischen“ Revolution: Die durch sie in allen Lebensbereichen hervorgerufenen Erschütterungen hatten zwangsläufig biologische, psychische, moralische und geistige Veränderungen in der Natur des russischen Volkes sowie sämtlicher anderen Völker des russischen Imperiums zur Folge.

Im Schlußkapitel „Gemischte Bevölkerung und reine Linie“ faßt Kammerer den Inhalt seines Buchs zusammen und schließt zynisch mit einer äußerst vielsagenden Passage: Ein Arzt, der eine Krankheit ausmerzen wolle, müsse diese zuerst künstlich hervorrufen. Ein beredtes Beispiel, nicht wahr?

Man gehe auf die Strasse, man stelle seinen Fernseher an, man gehe in einen Nachtklub, man besuche eine Ausstellung modernistischer Kunst, man analysiere die Geschichte unseres Landes im 20. Jahrhundert und sage dann, welches der im vorhergehenden geschilderten Projekten nicht erfüllt worden ist! Und dann wiederhole man mit gedankenlosem Automatismus, was die Verfechter der These von den allgemein menschlichen Werten behaupten, nämlich daß jeder das Recht besitze, so zu leben, wie er wolle. Das Schicksal sämtlicher Degeneraten und ihrer Sympathisanten ist längst festgeschrieben; sie sind dauerhaft in ihren Gruppen verhaftet und zu ihren infernalischen Hypostasen verurteilt, und damit es ja keinem von ihnen gelingen möge, doch noch ein normales Leben zu führen, wacht beim Ausgang aus dem Kerker eines jeden Lasters ein Arzt, der darauf gedrillt worden ist, die betreffende Krankheit „künstlich hervorzurufen“!

Wie wir sehen, ist der Lamarckismus, der zu den Grundlagen der marxistisch-leninistischen Ideologie gehört, umgekehrte Rassenhygiene, vulgärer biologischer Satanismus, dessen Aufgabe darin besteht, die rassische Lebenskraft des Volkes zu untergraben, dem er von okkulten Ränkeschmieden aufgezwungen worden ist. Das Streben nach der Weltrevolution ist kein Befolgen einer pompösen Losung, sondern der biologische Fatalismus rassischer Degeneraten, die keinem Volk und keiner Kultur angehören und sich einzig und allein mit Lumpengesellen ihres Schlages zu verbrüdern vermögen.

Der Internationalismus in seiner marxistischen und liberalen Spielart ist keine ideologische, sondern eine rein biologische Erscheinung. Die Anhäufung äußerer Reichtümer, ein erkaufter Adelsrang oder Popularität bei den Massen unterstreichen die innerliche Verkommenheit des „Bastards durch Okulierung“ und der „Chimäre“ nur noch.


Der rote Pharao

Aus dem Umschlag eines Kammerer-Buches

Aus dem Umschlag eines Kammerer-Buches

Das nächste “Meisterwerk” Paul Kammerers, Tod und Unsterblichkeit, wurde in der UdSSR anno 1925 publiziert; das deutsche Original war im Februar 1923 – also ein Jahr vor Lenins Tod - in Wien erschienen. Dieses Buch spielte nicht nur bei der Planung der kommunistischen Zukunft des russischen Volkes im Ganzen eine Rolle, sondern stand bereits in konkretem und funktionalem Zusammenhang mit dem hauptsächlichen Heiligtum des neuen Kultes – der Mumie des roten Pharao.

Es spricht Bände, daß in der vom Sowjetstaat publizierten russischen Ausgabe auf dem Umschlag ein Zirkel – das Symbol der Freimaurerei – abgebildet ist, der die Sowjetmenschen darauf hinwies, daß dieses Zeichen „unser“ Zeichen sei.

Der Verfasser des Vorworts zu diesem Buch pries Kammerer vor allem als radikalen Internationalisten, heftete seinen Widersachern die Etikette des „Patrio-Idiotismus“ an und erklärte, von Kammerer könne man hierzu eine Menge lernen. Gleich zu Beginn des Buchs wird dessen ideologische Hauptthese vom „Tod und dessen hoffnungserweckender lichten Seite, der organischen Unsterblichkeit“ aufgetischt. Kammerer faßt die Unsterblichkeit also in organischem und keinem anderen Sinne auf. „Das Lebendige verschmilzt mit dem Toten“, erläutert der Autor im folgenden.

In seinem Buch Krankheit, Tod und Einbalsamierung W. I. Lenins (Moskau 1997) bekundet J. M. Lopuchin zu Recht sein Erstaunen darüber, daß die medizinische Kommission nach der Obduktion des Leichnams die äußerst ungewöhnliche Todesursache „Abnützungssklerose“ diagnostizierte. Dies bedeutet, daß der Tod durch Abnützung eintrat und eine völlig ungewöhnliche Formulierung benutzt wurde.

Dieselbe Formulierung, „Abnützungssklerose“, treffen wir jedoch ausgerechnet bei Kammerer an; mit ihr beginnt in dem erwähnten Buch eine Aufzählung der Ursachen, die zum Tod eines Menschen führen können. Des weiteren werden die Prozesse der Lebenstätigkeit des Menschen nach einer Entfernung des Gehirns erforscht. Erinnern wir daran, daß auch Lenin ohne Gehirn im Mausoleum liegt, denn im mystischen Konzept des neuen Kultes ist ein solches nicht nötig; erforderlich ist lediglich der blinde Glaube. Grosse Wichtigkeit maß Kammerer auch den Fragen der Entfernung von Teilen des Gehirns sowie der Auswirkung dieser Operationen auf den Prozeß der Lebenstätigkeit eines Organismus bei. Heute ist allgemein bekannt, was die Obduktion Lenins ergeben hat: Die Hälfte seines Hirns war noch zu seinen Lebzeiten auf die Größe einer griechischen Nuß geschrumpft.

Beachtung verdient auch eine andere Passage, wo Kammerer behauptet, die eigentlichen Zerfallsprodukte müßten nach außen abgeführt werden, wo sie sich negativ auf die Lebensfähigkeit der Bevölkerung der Umgebung auswirkten. Wer dächte da nicht an die Vampire und Zombies der Hollywood-Gruselfilme!

Nach dem bisher Gesagten ist es nun wirklich kein Kunststück mehr zu erraten, weshalb man dafür sorgte, daß ein nicht enden wollender Strom von Besuchern der Lenin-Mumie seine Aufwartung machte. „Auf dem Pfade zu ihm wächst weder Gras noch Moos.” Diese Allegorie liefert auch die Erklärung für eine funktionale Notwendigkeit: Bei der organischen Konservierung einer Leiche entstehen zwangsläufig Zerfallsprodukte, die man, um die Mumie in gutem Zustand zu bewahren, nach außen abführen muß. Die Besucher des „Heiligtums der Revolution“ dienen eben diesem Ziel, sind sie doch in physischem, biologischem und okkultem Sinne Überträger dieser Abfallprodukte, die sie mit sich nach außen tragen und somit dafür sorgen, daß der Körper des Führers erhalten bleibt. Laut den Berechnungen Lopuchins haben bisher schon mehr als 70 Millionen Menschen das Mausoleum besucht und auf diese Weise die Funktionsfähigkeit dieses okkult-nekrophilen Systems ermöglicht. Vergessen wir nicht, daß sich diese „Zerfallsprodukte“ laut Kammerer negativ auf das Leben der umgebenden Bevölkerung auswirken. In der Tat erhärtet das Leben unseres Volkes in all den Jahren seit der Errichtung des Mausoleums diese These aufs nachhaltigste.

Millionen von Menschen verbreiten die Zerfallsprodukte und das Leichengift des Toten über die ganze Welt. Dies hat unvermeidliche Auswirkungen auf die Qualität des Lebens unseres Volkes, dem ein solches „Heiligtum“ nichts als Entartung bringt.

Des weiteren beschreibt Kammerer gewisse Methoden zur Verjüngung der Haut von Toten. Bei Anwendung dieser Techniken, legt er dar, werde trockene, runzlige, schuppige, bleiche oder bläulich-rote alte Haut feucht, elastisch, rosa und jugendlich; Runzeln verschwänden, und es wüchsen Haare, welche die selbe Farbe aufwiesen wie zu Lebzeiten der betreffenden Person. 

Laut dem Anatomen Abrikosow war das Gewebe der Leiche des Führers im Februar 1924 stark ausgetrocknet und pigmentiert. war. Doch im Mai desselben Jahres wurde sie der Kommission in tadellosem Zustand übergeben; man hatte den Eindruck, einen Menschen vor sich zu sehen, der eben erst seinen letzten Hauch getan hatte, so daß Lenins Bruder vollständig aus der Fassung geriet. Dies läßt sich damit erklären, daß B. I. Sbarski unter Anwendung einer biochemischen Methode und mit Hilfe des Anatomen W. P. Worobjew eine Operation zur Verjüngung des Leichnams durchgeführt hatte, was reiner Satanismus war. Als Assistent amtierte der Mann mit dem eigentümlichen Familiennamen Schabadasch.

J. M. Lopuchin weist in seinem erwähnten Buch auf weitere zwei interessante Fakten hin. Erstens wurden Lenins sterbliche Überreste klammheimlich und in einem nicht dazu vorbereiten Raum obduziert; in ihm standen zwei Tische, die mit Wachstuch bedeckt waren. Dies könnte entweder einen Hinweis auf die Unterschlagung der wirklichen Todesursache oder aber auf mögliche magische Manipulationen an der Leiche darstellen. Zweitens verschwanden die zahlreichen Blutanalysen auf vollkommen unerklärliche Weise aus den medizinischen Akten. Das Blut ist der hauptsächliche Indikator der Lebensprozesse und spielt deswegen bei allen okkulten Handlungen eine zentrale Rolle.

Die Erklärung all dessen finden wir in Kammerers Buch Tod und Unsterblichkeit. Eines der Kapitel trägt die vielsagende Bezeichnung „Der Tod von Rassen und Arten“. Hier werden die metaphysischen Ursachen sämtlicher Konzepte der organischen Unsterblichkeit enthüllt. Kammerer legt hier folgenden Gedankengang dar: Falls man das Aussterben von Arten als eine Form des Todes anerkenne, die als höchste Kategorie auch einzelne Todesfälle umfasse, müsse man auch die niedrigeren Stufen des individuellen Todes als kleine periodische Ausstöße anerkennen, welche ein teilweises Absterben des Leibes zur Folge hätten, bis seine Lebensfähigkeit endgültig erschöpft sei.

Als Schwarzmagier, der über die „Unsterblichkeit der Seele“ nur lacht und satanische Ideen von einer Mischung aus Leben und Tod propagiert, erklärt Paul Kammerer offen, die organische leibliche Unsterblichkeit des Individuums sei lediglich auf Kosten des Volkes als Ganzes möglich. Dies erinnert an die Volkslegende vom Dämon Kaschej Bessmertnyj, der, um selbst nicht physisch zu sterben, junge Menschen töten und ihr Blut trinken muß. Berücksichtigt man sämtliche früheren Aussagen Kammerers zu diesem Thema, ergibt sich zwangsläufig, daß darin die wahre Funktion der Mumie Lenins liegt: Sie soll das Volk als Vampir heimsuchen, seine Lebenssäfte aussaugen und dafür sorgen, daß es sich nicht vom roten Unheil des Bolschewismus befreien kann.

„Die algebraische Summe von Leben und Tod muß immer gleich Null sein“, lautet Kammerers Schlußfolgerung, die Phänomene wie Kaschej Bessmertnyj und die Lenin-Mumie mit unübertrefflicher Deutlichkeit erklärt – mit dem Unterschied freilich, daß es im zweiten Fall nicht um eine Volkslegende, sondern um die Existenz einer ganzen Nation geht.

Des weiteren führt Kammerer aus, genau wie gewisse Perioden im Leben eines Menschen Hand in Hand mit dem Zerfall und Absterben von Körperteilen gingen, erfolge auch in gewissen Epochen der Geschichte einer Nation ein Absterben von Teilen des „nationalen Körpers“. Ein weiteres anschauliches Wort aus dem dämonischen Lexikon Kammerers lautet „Anhäufung von Entartungen“; er bedient sich dieses Ausdrucks zur Begründung seiner Theorie der sozialen okkulten Nekrophilie.

Erinnern wir ein weiteres Mal daran, daß dieses “Meisterwerk” genau ein Jahr vor Lenins Tod in russischer Sprache erschien und nicht das einzige seiner Art war. Die Titel anderer Kammerer-Bücher sind noch unverhohlener: Einzeltod, Völkertod, biologische Unsterblichkeit.

Schon eine oberflächliche Lektüre mit diesen Werken Kammerers ergibt, daß sie nichts mit Biologie zu tun haben. Diese dient lediglich als Tarnmäntelchen, das echte Wissenschaftler über den wahren Sinn dieser Schriften hinwegtäuschen soll.

Man hat Kammerer zwar als Scharlatan und Pseudo-Biologen entlarvt, es jedoch bisher unterlassen, ihn auch als eingeweihten Satanisten zu entlarven. Er war beileibe nicht der einzige Vertreter dieses Menschenschlages und erfüllte vermutlich einen gesellschaftlichen Auftrag. Als einen seiner Lehrer auf dem Gebiet der Theorie von der leiblichen Unsterblichkeit nannte er übrigens Karl Ludwig Schleich.


Die Helfershelfer des Roten Demiurgen

An den im vorhergehenden aufgezählten hanebüchenen Schlußfolgerungen, in der Mystik und Biologie miteinander verschmelzen, ist genau betrachtet gar nichts Ungewöhnliches – ganz im Gegenteil: Alles und jedes ist streng gesetzmäßig. Indem die Bolschewiken das russische Volk entsprechend ihren Zielen umgestalteten, vernichteten sie ganze gesellschaftliche Klassen: Den Adel, das Offizierskorps, die Geistlichkeit, den Stand der Kaufleute, die Intelligenz; sie gaben Millionen von Bauern absichtlich dem Hungertode preis und führten als erste die Praxis der Konzentrationslager ein. Deshalb darf man den Kult des Todes mit Fug und Recht als hervorstechendstes Attribut der neuen Religion des militanten Atheismus bezeichnen.

Bereits 1918 begann man mit der Projektierung von Massengräbern für Revolutionäre, die im Kampf gegen das eigene Volk gefallen waren. Lenin selbst wählte am 1. Mai 1919 eine Hinrichtungsstätte als Schauplatz einer flammenden Ansprache, die er anläßlich der Einweihung eines provisorischen Denkmals für Stepan Rasin hielt. Später bürgerte sich die Gewohnheit ein, hohe Persönlichkeiten des Sowjetregimes in der Kremlmauer beizusetzen, so daß diese in der offiziellen Sowjetpresse die pompöse Bezeichnung „Revolutionäre Nekropole“ erhielt. Das Mausoleum selbst befindet sich genau im geographischen Zentrum der russischen Hauptstadt, die bekanntlich eine konzentrische Form aufweist, so daß die ganze Stadt eine okkulte Energie widerspiegelt, die von dem bolschewistischen Tempel ausgeht.

Es wird nun klar, weshalb das Projekt L. D. Krassins zur Einfrierung des Leichnams verworfen wurde. Als Ingenieur hatte dieser nämlich eine rein technische, materialistische Lösung entworfen, welcher der gesunde Menschenverstand zugrunde lag und kein ägyptischer Mystizismus. Außerdem hätte eine Einfrierung die Zerstörung der organischen Struktur bewirkt, was dem bio-okkulten Konzept Kammerers widersprochen hätte und deshalb unannehmbar war.

Am 22. Februar 1924 schrieb die Kommission zur Bau eines provisorischen Mausoleums einen Wettbewerb zur Projektierung eines Sarkophags aus, obgleich der Regierungsbeschluß zur „möglichst langfristigen Konservierung des Leichnams“ erst über einen Monat später erfolgte. Wiederum liegt also eine scheinbare Unstimmigkeit vor.

Der Bau des Sarkophags wurde dem bekannten modernistischen Architekten K. S. Melnikow anvertraut, der offensichtlich in alle Einzelheiten des Plans eingeweiht war.

Mausoleum nach dem Projekt F. O. Schechtels

Mausoleum nach dem Projekt F. O. Schechtels

Auf die direkte Frage, wem die Idee zur Verewigung der Leiche des Führers als erstem gekommen sei, erwiderte Sbarski stets ausweichend, die Idee sei „mit elementarer Spontaneität“ gekommen. Doch wie konnte unter einem Volk, das jahrtausendelang nach den Gesetzen eines lebensbejahenden Heidentums und danach neun Jahrhunderte lang nach den ethischen Normen des orthodoxen Christentums gelebt hatte, die rein satanische Idee der Verewigung eines Leichnams „spontan“ erscheinen? Wie erinnerlich starb Lenin am 21. Januar um neun Uhr abends; die Nachricht von seinem Ableben wurde am frühen Morgen des 22. bekanntgegeben, und schon am 23. sollen aus den verschiedensten Teilen der Sowjetunion Tausende von Briefen und Telegrammen mit der Bitte um die Bewahrung der Leiche des Führers eingetroffen sein! Außerdem soll das ganze Volk erahnt haben, nach welcher Methode die Einbalsamierung erfolgen würde, als ob die Menschen selbst im hintersten Winkel Rußlands nichts Gescheiteres zu tun gehabt hätten, als sich mit solchen ägyptischen Kunststücken zu beschäftigen! Diese offiziellen Erklärungen der Sowjetführung waren purer Unsinn, mit dem sie die dämonischen Geheimnisse ihres Ursprungs zu verbergen trachtete!

Lopuchin, der Verfasser des bereits zitierten Buchs Krankheit, Tod und Einbalsamierung W. I. Lenins, schreibt: „Man behauptete, es sei eine große Zahl von Briefen eingegangen, in denen die Bitte geäußert worden sei, den Leichnam Lenins vor der Vermoderung zu bewahren, auf Jahrhunderte zu bewahren und in ein Symbol für das neue Zeitalter des Kommunismus zu machen. Doch in Wirklichkeit verhielt es sich durchaus nicht so. In den Briefen und Telegrammen ging es nämlich um die die Frage, wie man das Andenken an Lenin in Bauwerken und grandiosen Denkmälern verewigen könne. Von einer Einbalsamierung und dauerhaften Konservierung des Körpers Lenins war in den Briefen nicht die Rede. Jedenfalls sind Briefe solchen Inhalts in den Archiven nicht erhalten.“

All dies deutet darauf hin, daß der Einpeitscher Nummer eins des Projekts F. E. Dserschinski war, der im Juli 1926 unter ungeklärten Umständen den Tod fand. Am 23. September desselben Jahres segnete Paul Kammerer, der auf Einladung Lunatscharskis einige Tage später nach Sowjetrußland hätte fahren und sich dort auf Dauer hätte niederlassen sollen, unter nicht minder mysteriösen Umständen das Zeitliche.

Lunatscharski, unter dessen Obhut die rassisch-biologischen Forschungen in der Sowjetunion durchgeführt wurden, starb 1933, also in jenem Jahr, in dem in Deutschland Hitler an die Macht kam, der schon bald darauf seine Rassengesetze erlassen sollte. Ein wenig gar viele Zufälle aufs Mal, nicht wahr? Es macht den Anschein, als habe jemand dafür gesorgt, daß einige unerwünschte Personen rechtzeitig von der Bühne verschwanden, und alle Spuren sorgsam verwischt.

An die Stelle des provisorischen, hölzernen Mausoleums trat ein stationäres, und 1930 wurde ein steinernes Mausoleum nach dem Projekt A. W. Schjusews eröffnet. Beim ausgeschriebenen Wettbewerb waren verschiedene Varianten vorgelegt worden, von denen die bemerkenswerteste wohl jene F. O. Schechtels aus dem Jahre 1925 war. Es sah die Errichtung einer traditionellen Pyramide im ägyptischen Stil vor, in deren Inneren die Einrichtung eines gewölbten Auditoriums vorgesehen war, wo man über dem Leichnam des Führers rote Messen zelebrieren konnte. Solcherlei magische Handlungen konnten allerdings auch in dem bestehenden Mausoleum stattfinden, denn Professor Sbarski besaß als einziger Angehöriger der mit der Einrichtung beauftragten Equipe einen Passierschein, der es ihm ermöglichte, das Gebäude zu jeder beliebigen Zeit bei Tag und bei Nacht zu betreten.

In seiner Erzählung Und nicht nur von ihm (Moskau 1990) liefert Alexander Stein etliche interessante Informationen über den Lebensweg des Mannes, der Lenins Leiche einbalsamiert hat. Bereits als Gymnasiast schloß sich Sbarski einer terroristischen Gruppe von Sozialrevolutionären an, die sich nicht nur durch eine Reihe spektakulärer Morde an zaristischen Würdenträgern hervortat. Mit dem Geld der Revolutionäre mietete der junge Schnösel eine konspirative Wohnung und leitete eines der Zentren zur Verbreitung illegaler Literatur in Rußland.

Zu Sbarskis Aufgaben gehörte die massenhafte Verbreitung extremistischer Broschüren und Flugblätter in den verschiedenen Gubernien[3]. Dies bedeutet, daß die Führer der Geheimgesellschaften dem Jüngling voll und ganz vertrauten. Hält man sich seine Jugend und die Bedeutung seiner Aufgabe vor Augen, so scheint die Hypothese nicht aus der Luft gegriffen, daß man ihn in die Geheimnisse dieser Gesellschaften einweihte, damit er in Zukunft Magie praktizieren konnte.

Obwohl unser Held infolge seiner revolutionären Tätigkeit in hohem Masse gefährdet war und in Ermangelung von Mitteln seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten konnte, reiste er, wie uns Stein mitteilt, seelenruhig in die Schweiz und immatrikulierte sich an der Universität Genf. Es macht ganz den Anschein, als hätten sich all jene, die später aktiv an der Zerstörung Rußlands mitwirkten, zuvor eine Zeitlang in der Schweiz aufgehalten. Dieser Umstand ist dermaßen bekannt, daß es sich kaum lohnt, noch lange darauf einzugehen. Auf die Frage, woher denn das Geld kam, mit dem Sbarski in der Schweiz seinen Lebensunterhalt, sein Studium und seine konspirative Tätigkeit finanzierte, erhalten wir wie im Fall der anderen Revolutionäre keine klare Antwort. Weder bei Lenin, der zur selben Zeit in der Schweiz weilte, noch bei anderen revolutionären Aktivisten noch bei den später in der Schweiz lebenden „Perestroika-Männern“ läßt sich die Frage nach ihrer Finanzierung klären. Die finanzielle Seite des Bolschewismus ist für den Normalmenschen ebenso dunkel und rätselhaft wie seine kultische.

Nachdem er einen akademischen Grad errungen hatte, kehrte Sbarski am Vorabend des Ersten Weltkriegs in die Schweiz zurück, wo er nach Ausbruch der Kämpfe erfolgreich einen Betrieb leitete, der formal Material für die Armee produzierte. Welche Rolle er während der Revolution gespielt hat, ist unklar. Seine große Stunde schlug erst 1924, als er Mitglied einer ständigen Regierungskommission der UdSSR beim Völkerbund wurde, was ihm einen willkommenen Vorwand bot, nach Genf zurückzukehren. In seinen Memoiren schreibt er, ab Anfang der dreißiger Jahre hätten sich dunkle Wolken über ihm zusammengeballt, und die Atmosphäre um ihn herum sei zunehmend gespannter geworden. Nach dem Krieg, fährt er fort, habe Stalin das Mausoleum selbst nicht ein einziges Mal besucht, auch wenn er an Feiertagen dessen Tribüne bestieg. Vergebens wartete Sbarski jedesmal darauf, daß der lebendige Führer dem Leib des toten Führers seine Aufwartung machte. Ende 1952 wurde der verdiente sowjetische Wissenschaftler, den der Staat mit den höchsten Auszeichnungen geehrt hatte, verhaftet, und bald darauf ereignete sich die sogenannte „Ärzte-Affäre“. Haben wir es abermals mit einem wundersamen Zufall zu tun?

Nach Stalins Tod wurde Sbarski auf freien Fuß gesetzt; man gab ihm sämtliche Dokumente und Notizblöcke zurück, mit Ausnahme eines Porträts Dzerzhinskis sowie eines Dankesbriefs zum Anlaß der erfolgreichen Einbalsamierung der Leiche Lenins. Dies ist fürwahr symbolträchtig. Stalin war ein Mensch mit großer politischer Intuition, und deshalb hatte er angeordnet, dieses Gedenkfoto zu beschlagnahmen.

In seinem in mehreren Auflagen erschienenen Buch Das Lenin-Mausoleum schreibt Sbarski in einem der Geschichte der Einbalsamierung gewidmeten Kapitel stolz: „Bei den Ägyptern und Phöniziern oblag die Einbalsamierung besondere Menschen, die eine eigene Kaste bildeten und ihre Balsamierungsmethoden geheim hielten.“ Selbstverständlich ließ er damit durchblicken, daß zu dieser uralten Kaste, welche die Geheimnisse so sorgfältig wahrte, auch er selbst gehörte, der Hohepriester des Kultes um das Grab des roten Pharao.

Lopuchin lobte Sbarski als „blendenden Organisator, der sich in der Sowjet- und Parteihierarchie bestens auskannte“. In dem 1930 nach dem Projekt Schjusews errichteten steinernen Mausoleum entstand die ganze innere Ausstattung auf seine Initiative hin: Der Sarkophag, die Einrichtung des Saals, die Beleuchtung, die Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung. Somit lagen nicht nur die technischen, sondern auch die kultischen Funktionen in ein und denselben Händen.

Wie erinnerlich war in der Anfangsetappe des Projekts die treibende Kraft Dserschinski, der sich auch durch die Schaffung der ersten Konzentrationslager einen Namen gemacht hat. Ein anderer Schöpfer eines Systems von Konzentrationslagern, Heinrich Himmler, war ebenfalls ein leidenschaftlicher Verehrer von Magik und Okkultismus. Die Macht über Leben und Leib der Menschen erweckt bei den Mächtigen den brennenden Wunsch, auch über ihre seelische Individualität verfügen zu können. Dies alles ist streng gesetzmäßig. Bei den ersten nächtlichen Besprechungen, auf denen das Geschick der Leiche Lenins erörtert wurde, war noch eine andere bekannte Person regelmäßig zugegen: Jemeljan Michailowitsch Jaroslawski, der führende militante „Gottlose“ des Landes (sein wirklicher Name lautete Minej Israilewitsch Gubelman). Bei den nicht-traditionellen biologischen Konzepten zur Umgestaltung der Gesellschaft spielte einer der führenden bolschewistischen Intellektuellen eine Führungsrolle: A. W. Lunatscharski. Der Gründer der russischen eugenischen Gesellschaft und hervorragende Genetiker N. K. Kolzow schrieb 1940, als man ihn zum Abschuß freigab und ihn der „Propagierung faschistischer Rassentheorien“ zieh, in einem seiner letzten Briefe an Stalin, er habe den Auftrag zur Beschäftigung mit diesem Thema von keinem anderen als Lunatscharski erhalten. In dieselbe Richtung deutet auch eine Passage in den Memoiren von Lunatscharskis Frau N. A. Lunatscharski-Rosenel, die bestätigt, daß die Probleme des Mechano-Lamarckismus den Bildungsminister ungemein faszinierten. Hinweise auf den Namen Paul Kammerers und seine Kontakte mit der sowjetischen Führungsspitze finden sich in zahlreichen Quellen zur Geschichte der sowjetischen Genetik, in denen er freilich einzig und allein als bedauernswerter Biologe gerühmt wird, der um der Wissenschaft willen habe leiden müssen. Welch unverzeihlich naiver Fehlschluß!


Die Religion des Todes

Im Licht des bisher Dargelegten wollen wir uns nochmals dem rassisch-biologischen Aspekt der Einbalsamierung der Lenin-Leiche zuwenden. Nicht bloß seine Mumie, sondern auch sein Leben, sein genetisches Erbe und seine Krankheitsgeschichte werfen ein grelles Licht auf das Hauptziel der kommunistischen Religion.

Der vorzügliche russische Schriftsteller W. A. Soluchin analysiert in seinem Buch Am hellichten Tage (Moskau, 1992) die Herkunft des Führers des Weltproletariats. Er gelangt zum Schluß, mütterlicherseits sei er Jude und väterlicherseits Kalmücke gewesen, was bedeutet, daß in seinen Adern nicht ein Tropfen russischen Blutes rann. Außerdem war in der Familie der Uljanows Inzucht betrieben worden, was eine zwanglose Erklärung für die unverkennbaren psychischen Abnormitäten sowie die frühzeitige Kahlheit Lenins liefert. Von seiner Mutter hatte er die im Russischen unbekannte, aber unter den Juden Rußlands gängige gutturale Aussprache des Lautes >R< (Rhotazismus) sowie eine ganze Reihe anderer negativ auffallender Eigenschaften. Der zeitgenössische deutsche Forscher Günter Hesse, der sich mit Lenins Gebrechen auseinandergesetzt hat, vertritt die Ansicht, seine Unfruchtbarkeit sei durch eine Verbindung zweier Geschlechtskrankheiten – Syphilis und Tripper – verursacht gewesen.

Gesundheitsminister N. A. Semaschko war dermaßen besorgt über die in Rußland und im Ausland kursierenden Gerüchte, wonach Lenins an den Folgen einer Syphilis litt, daß er sich schon drei Tage nach dessen Tod zu einem offiziellen Dementi genötigt sah. Doch an den Fakten gibt es nichts zu rütteln: Lenin wurde mit Arsen und Jod-Tinkturen behandelt, Medikamenten also, die man Syphilitikern verschreibt. Lenins behandelnder Arzt F. A. Getje gab offen zu, daß er dessen Krankheit “nicht verstand”. Der deutsche Neuropathologe O. Förster sowie sein russischer Kollege A. M. Koschewnikow erklärten gewunden, sie schlössen eine syphilitische Beschädigung des Gehirns ihres Patienten nicht aus. Die Obduktion erhärtete diesen Tatbestand dann. Eugenik und Rassenhygiene – zwei Wissenschaften, die am Ende des 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine stürmische Entwicklung erlebten – erkannten die Ursachen rassischer Entartung klar und empfahlen deshalb, Menschen mit folgenden erblich bedingten Makeln das Recht auf Fortpflanzung abzusprechen: Syphilis, Alkoholismus, psychische Abnormitäten, Rassenmischung, Inzucht, kriminelle Veranlagung, erbliche körperliche Defekte sowie schließlich Sprech- und Hörfehler. Bei Lenin finden sich Symptome fast all dieser Gebrechen: Er war ein kalmückisch-jüdischer Mischling, väterlicherseits durch Inzucht vorbelastet, litt an einem Sprechfehler, wurde frühzeitig kahl, war unfruchtbar, wich psychisch von der Norm ab, und sein Gehirn war vom Stempel der Lues gezeichnet. Außerdem betrachtete er sich als Berufsrevolutionär, was vom psychologischen Standpunkt aus auf eine kriminelle Veranlagung hindeutet.

Die Mumifizierung eines Pharao im alten Ägypten diente als Symbol dafür, daß sich all seine positiven Eigenschaften nach den Gesetzen der asymptotischen Magie metaphysisch auf sein ganzes Volk übertrugen. Unter den Pharaonen konnte es keine erblich belasteten Menschen, keine Krüppel und keine chronisch Kranken geben, genau so wenig wie es unter ihnen anti-ägyptische Revolutionäre gab, die ihr Königtum gezielt zerstörten und ihr Volk in den Abgrund führten. Am Hof des Pharao waltete ein besonderer Priester, der die Potenz des Herrschers überwachte, da man der Ansicht war, ein unfruchtbarer Führer könne das ganze Volk verderben. Dieser Brauch zeugte von der tiefen Sorge um die Gesundheit der gesamten Nation. Auf diese Weise sollte die geistige und körperliche Größe des Pharaonen, welche durch die Einbalsamierung seiner sterblichen Überreste symbolisiert wurde, die Lebensfähigkeit, die rassische Reinheit sowie die Langlebigkeit seines Volkes stärken. Das Wichtigste aber war, daß der Pharao auch nach seinem Tode die Unversehrtheit und Unverwundbarkeit der „Rassenseele“ behütete. Dieser moderne rassenbiologische Begriff definiert die Bedeutung der Mumifizierung des Führers vom okkulten sowie vom rassischen Standpunkt äußerst treffend. Das hochkomplexe System von Ritualen sowie die großartige architektonische Darstellung der altägyptischen Mythen, die sowohl den Lebensweg der Pharaonen als auch deren Reise ins Totenreich widerspiegelten, besaßen einen klaren Sinn: Die physische und metaphysische Gesundheit des Volkes in einer natürlichen und harmonischen Einheit der Welten – der realen und der irrealen. Mythos, Ritual und Mumie bildeten zusammen ein wirksames Instrument zur Bewahrung der Rasse.

Im Fall der Mumie des „roten Pharaonen“ Lenin finden wir diesen ganzen okkulten und rassischen Kern wieder, doch unter genau umgekehrten Vorzeichen. Der kahle, syphilitische, mit einem Sprachfehler behaftete, manische Pygmäe, in dessen Adern nicht ein einziger Tropfen russischen Blutes floß und der sein ganzes Leben der Vernichtung Rußlands und des Russentums geweiht hatte, liegt genau im Zentrum Moskaus und versinnbildlicht die Verschmelzung mit seinem Volk, dessen Blut er auch nach seinem Ableben vergießt.

Die Mumie Lenins ist ein Energievampir, ein Verhängnis, das den physischen und geistigen Tod des russischen Volkes herbeiführt. Nach den Gesetzen der Parasitologie ist es bekannt, daß der Organismus des Wirts Säfte entwickeln und Bedingungen schaffen muß, unter denen der Parasit existieren kann. Der Kult der Mumie des Führers übt eine analoge Wirkung aus. Da es diese verehrt und preist, vor allem aber da es die Gruft mit der bolschewistischen Reliquie besucht, siecht das russische Volk dahin und entartet; mit seinen Lebenskräften gewährleistet es den Fortbestand eines einbalsamierten Kadavers. Ein zerfallender „nationaler Körper“, lehrte Paul Kammerer, fördere die organische leibliche Unsterblichkeit des Leichnams. Die Bilanz von Leben und Tod müsse gleich null sein, und die organische Unsterblichkeit des Individuums sei nur auf Kosten der Minderung der Lebensfähigkeit des ganzen Volkes erreichbar. Indem wir einen nicht verwesenden Leichnam als größtes Heiligtum unseres Volkes im historischen und kulturellen Zentrum unseres Landes bewahren, saugen wir die Lebenssäfte aus dem „nationalen Leib“ des russischen Volkes und verurteilen es zu einem langsamen Tod. Diese bündige Formel der schwarzen Magie war bereits in der primitiven Gesellschaft bekannt, und erst die Glaubenslosigkeit des 20. Jahrhunderts vermochte Millionen naiver „progressiver“ Menschen aller Völker und Kontinente hinters Licht zu führen.

Wie wir sehen, wurden im Fall der Lenin-Mumie praktisch alle Thesen Kammerers in die Praxis umgesetzt. Der Mythos von der Unsterblichkeit Lenins sowie das sorgsam gehätschelte Andenken an ihn erfüllt in unseren Herzen die Funktion einer Telegonie, was bedeutet, daß die Merkmale des Führers in Raum und Zeit auf das ganze Volk übergehen. Das Eindringen dieser negativen Eigenschaften in unseren Genpool und unsere geistige Welt ist eine „Xenie“, ein „Gastgeschenk“. Daß den Russen fremde Rassenmerkmale aufgezwungen werden, entspricht dem Prozeß der Saturation. Auch eine Bastardisierung durch Aufpfropfung, oder „Chimäre“, findet statt, denn wie erinnerlich war der Führer ein jüdisch-mongolischer Bastard. Schließlich gehen die Erbkrankheiten Lenins – Syphilis und psychische Abnormitäten – erblich auf das russische Volk über. Das Schlimmste jedoch ist, daß die Mumie im Mausoleum kein Gehirn hat. Dies wirkt sich auf das Leben unseres Volkes vermutlich noch verhängnisvoller aus als alles andere.

Unter den russischen Orthodoxen erzählt man sich mit Vorliebe, wie beim Ausheben der ersten Grube für das Mausoleum ein Kanalisationsrohr brach und der Ort der künftigen Begräbnisstätte im Nu von Fäkalien überflutet wurde. Nach der treffenden Formulierung des allrussischen Patriarchen Tychon über dieses symbolische Ereingis „entsprach das Salböl der Reliquie“.

Man nenne uns bitteschön auch nur ein einziges Heiligtum irgendeines Volkes und irgendeiner Religion, das über Abwasserkanälen erbaut worden wäre! In den ersten Jahren der Sowjetmacht errichteten die Bolschewiken dort, wo zuvor orthodoxe Kirchen gestanden hatten, mit Vorliebe öffentliche Bedürfnisanstalten. Die Nutzung von Produkten der Lebensfähigkeit zu magischen Zielen ist von alters her bekannt. Um dem mächtigen russischen Volk das gewünschte Ausmaß an Unheil widerfahren zu lassen, war selbst die außergewöhnliche Degenerierung des Führers unzureichend, weshalb man zur Steigerung des Effekts noch natürliche Schmutzprodukte einsetzte. Der Ort, an dem das Mausoleum zu stehen kam, war von W. D. Bontsch-Brujewitsch ausgesucht worden.

Die Antwort auf die erste Frage der klassischen russischen Literatur „Wer ist schuld?“ weist nun auch darauf hin, wie die richtige Antwort auf die Frage „Was tun?“ lautet.

Als den heidnischen Kaisern des alten Rom genug von den ständigen Rebellionen der Juden hatte, bedienten sie sich einer ganz konkreten magischen Methodologie. Im Jahre 132 n. Chr. wurde Jerusalem nach der Niederschlagung des x-ten Aufstandes auf Befehl Kaiser Hadrians mitsamt seinem Tempel in Schutt und Asche gelegt, worauf man die Umgebung der Stadt umpflügte. Anschließend führten heidnische Priester auf dem ganzen zerstörten Territorium eine Reinigungszeremonie durch; zuletzt wurden in feierlicher Form heidnische Tempel errichtet, und die Stadt erhielt einen neuen Namen: Elia Capitolina. Die Römer wußten, was es zu tun galt, und wir haben die Verpflichtung, ihrem Beispiel zu folgen. Das Mausoleum gehört bis in die Grundfesten abgerissen; alle Komponenten der „revolutionären Nekropole“ sind vom Roten Platz zu entfernen, die satanischen Sterne von den Kremltürmen abzumontieren. Anschließend ist der Boden einzuebnen und es ist eine Reinigungszeremonie zur Vertreibung der Dämonen sowie zur Beseitigung des Leichengifts durchzuführen. Es liegt auf der Hand, daß das orthodoxe Christentum mit seiner dahinwelkenden Energie und seinem Reue-Kult hier wenig ausrichten kann. Einzig und allein das arisch-vedische Heidentum in seiner russischen Tradition kann mit dieser bolschewistischen Niedertracht aufräumen.

Die Mumie des roten Pharao ist zu verbrennen und seine Asche jenseits der russischen Landesgrenzen – am besten über dem Meer – zu zerstreuen. Auf dieselbe Weise ist mit seinem kranken syphilitischen Hirn zu verfahren, das gesondert aufbewahrt wird.

Die wahren Machthaber des heutigen Rußlands spielen die sogenannten Monarchisten und die Kommunisten geschickt gegeneinander aus; durch ihre Politik wird das ganze Land zum Spielfeld zweier Mannschaften, von denen die eine die Reliquie des Zaren und die andere die Mumie Lenins hochhält. Die einen wie die anderen verehren Leichname.

Solange wir als nationales Heiligtum keinen natürlichen, russischen Lebensquell wählen, ist an eine Wiedergeburt Rußlands nicht zu denken.

23. Februar – 3. März 1998


Aus dem Buch: Wladimir Awdejew „Metaphysische Anthropologie“ (Moskau, 2002)


[1] Der Name hat in der russischen Sprache eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Wort „Sabbat“.
[2] Deutsche Buchtitel und Kapitelbezeichnungen sind aus dem Russischen rückübersetzt!
[3] Gubernie = Gouvernement

Wladimir Awdejew | Metaphysische Anthropologie

Umschlag der russischen Ausgabe


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