Artikelsammlung 2010



I N H A L T


Heino Seerling


Johannes Tauler – Deutsches Wesen


In der Hoffnung von meinen Mitmenschen verstanden zu werden und für all jene die Ihre Seelenempfindung verloren haben.                                                                                                             

Die Seele ist der Dreh,- und Angelpunkt des gesamten Lebens.

Ihr gilt der gesamte Kampf auf dieser Welt.

Sei es so, das wir es noch erleben werden, das es eine andere Zeit für uns gibt mit einem anderen sog. Zeitgeist, wird die Frage nach dem wohin und was wir wollen, nicht zu beantworten sein ohne die Klärung dessen, was wir denn nun sind. Und mit wir meine ich das Volk, insbesondere unsere historisch, kulturelle und erbliche Gemeinschaft. Diese Begriffsbestimmung gilt ebenso für alle anderen Völker auf dieser Welt.

Nachdem nun also dieses Volk gezwungen wurde Ideologien, Religionen, Zwangsvermischung und Besatzung zu durchstehen, die nicht seinem Wesen und seiner Art entsprachen, ist zu klären was dieses Wesen und diese eigene Art denn nun ausmachen. Ebenso, was an dieser Art für viele Mächte denn nun so gefährlich ist und warum dieses deutsche Volk derart stark bekämpft wird.

Um es vorweg zu nehmen, es ist seine tiefe Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und seine Fähigkeit zur tiefen Erkenntnis, Betrachtung und Empfindung. Diese Worte stammen nicht von mir, sie stammen unter anderem von Jonathan Black und sind seinem Werk „Die geheime Geschichte der Welt“ entnommen. Und deutlich wird dieses tiefe, ehrliche, aufrechte Wesen gemäß Jonathan Black, an einem Mann der im 13. Jh. lebte, einem der späteren Denker wie Schopenhauer, Kant und Weiteren, Grundlagen des Denkens und Wirkens lieferte, aus denen dann Anfang der Neuzeit sich unsere Philosophie und Wissenschaft entwickeln konnte.

Der Name des Mannes den ich meine ist Johannes Tauler. Tauler war Prediger. Aber keiner der den Jesuitischen Leichengeruch der selbstzerstörenden Demut an sich trug, sondern einer der Kraft predigte, göttliche Kraft, Schöpfung und Wirken in uns allen.

Wir werden die Frage nicht beantworten können, ob die Kirche ihn nur deshalb wirken ließ, weil seine Anhänger sonst Feinde Roms geworden wären, und somit auch Tauler die Leute letztlich der Kirche zuführte, oder warum er so frei predigen durfte.

Warum aber nun dies alles für uns wichtig ist, ist der Umstand, daß Tauler ein Mann von enormer Geistesstärke war. Warum dies wiederum wichtig ist erkläre ich kurz.

Die Inder, einst ein geistiges Weltkulturvolk, erlebten zwei geistige Verfallszeiten. Nach der letzten kann man sehen was aus diesem einst so hochstehenden Volk geworden ist. Die Deutschen erleben Ihre geistige Verfallszeit nun seit dem Ende des II Weltkrieges. Was also kann die Deutschen nun daran hindern, abzufallen und zur Bedeutungslosigkeit und zur Degeneration zu verkommen? Einzig allein Ihre geistige Kraft und Stärke. Diese erlangen sie am ehesten durch den Kontakt zu Ihrer Seele und den Kontakt zur Volksseele, als auch durch Ehrlichkeit in Geschichtsdarstellung und allen alltäglichen Lebensbereichen.

Darauf richtet sich der Kampf der Feinde der Deutschen. Die Zerstörung der Seele und des Geistes. Nichts anderes verbirgt sich hinter unserem Fernsehen und anderen Medieninhalten, unserer „Bildung“, unserer verordneten Geschichtsschreibung, unserer „Gesundheits,- und Familienpolitik“ usw. Das deutsche Volk war schon oft Feinden ausgesetzt, und es war schon oft von inneren Zwängen und Widersprüchen zerrissen und mußte diese Aufgaben meistern.

Auch Tauler lebte in so einer Zeit, ähnlich der unseren heute, die uns zwingt, uns auseinanderzusetzen mit Lüge und Macht und innerem Wunsch nach Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Er zeigt uns wie er das machte, er tat es seinem deutschen Wesen gemäß. Das macht ihn für uns heute so wertvoll. Er zeigt uns, wie man mit Aufrichtigkeit seinen Gegner entwaffnet und mit der Wahrheit alle Lüge schlägt. Auch Tauler lebte in einer Zeit der seelischen Not. Die damalige, an die natürliche Ordnung der Dinge angeknüpfte Geistigkeit der Gemeinschaft stand unter dem enormen Druck der Kirche, der Geistlichkeit. Man ließ möglicherweise auch Tauler deshalb wirken, weil die Kirche die innere Reformation der damaligen deutschen Mystik und des damaligen Naturglauben hin zur christlicheren Mystik sah und anerkannte. Auch somit arbeitete Tauler letztlich der Kirche zu, sogar dann, wenn er gegen Papst und falsche unehrliche Christusfrömmigkeit und Pfaffenverlogenheit anging. Er führte auch durch seinen Widerstand, letztlich seine Anhänger doch hin zur Kirche, als deren Gegner er sich selbst nie offen sah. Aber es war ein Hinführen wie durch eine Metamorphose hindurch. Am Ende stand etwas Anderes als am Anfang. Nun gab es in der Geschichte mehrere ehrliche, aufrechte Mannen, die christlich zur Kirche standen. Entscheidend ist hierbei die Frage ob Tauler erkannte, daß die Deutschen durch die fremde, christliche Religion von Ihrem wesensechtem, rasseerbmäßig, eigenem Gottglauben abgelenkt wurden, oder ob er es nicht erkannte. Ich möchte sagen ja, diese Erkennen war auch Grundlage seines Differenzierungsvermögens, das nicht allein über seine Empfindungs,- und Gefühlswahrnehmung stattfand. Ob er über diesen Umstand tiefe Bewußtheit erlangte? Ich weiß es nicht. Möglicherweise nein. Wir müssen nur wissen, was dazu von Mathilde Ludendorff exzellent dargelegt wurde, das ohne die Irreführung durch Religionen, insbesondere der christlichen Religion, die Deutschen eine enorm hohe Verehrung in der Welt erfahren würden. Diese ehrliche Verehrung, die höher wäre als die künstlichen von Religionsträgern erzeugte, ist die Grundlage der Gefährdung aller heutigen Macht. Nun wissen wir auch warum seit fast 100 Jahren ein unerbitterlicher Kampf und zwei Weltkriege gegen das Deutsche geführt werden und Sie bis heute verleumdet und seelengemordet und krankgehalten werden. Und wir wissen auch, warum z.B. heute Impfstoffe den Deutschen empfohlen werden, die in anderen Ländern streng verboten sind. Im Schweinegrippeimpfstoff für die deutsche Masse, nicht dem Impfstoff für den deutschen Politiker, ist ein sog. Wirkverstärker enthalten. Der Name dieser Adjuvans, ist Squalen. Bei 95 % der Geimpften mit Golfkriegssyndrom wurden Squalen-Antikörper gefunden. Erst nach mehr als 10 Jahren wurden die Schäden vom US-Verteidigungsministerium anerkannt. In den USA ist Squalen verboten. Wenn die heutige Bundesregierung ihren Willen durchsetzt und 35 Millionen Menschen geimpft werden, ist damit zu rechnen, daß 8-9 Millionen Bundesbürger für die nächsten Jahrzehnte unter chronischer Müdigkeit und Fibromyalgie etc. leiden werden.

Nun, die Namen zur Zeit Taulers sind austauschbar, unsere heutigen Besatzer heißen anders, was damals der Papst war, könnte heute Zentralrat heißen, die verlogenen Pfaffen von damals sind heute Propagandatalkmaster wie Johannes B. Kerner, damalige falsche unehrliche Christusfrömmigkeit wird heute ersetzt durch Gutmenschengetue . Aber die Prinzipien des geistigen Kampfes und des Bestehen sind genau dieselben wie vor 700 Jahren. Das für Deutschland neue nach dem letzten Weltkrieg ist, das es seit dieser Zeit mehrfachbesetzt ist, durch die Alliierten mit ihren Armeen, durch den Zentralrat der Juden, durch Roms Priester und Jesuiten und der neuen aggressiven Sekte Roms, der FOKULARE MOVIEMIENTO, und über 400 Organisationen auf deutschem Boden die darüber wachen, daß es niemals wieder ein deutsches Entstehen gibt. Gerade ist die Kirche dabei den Kindergartenerziehungssektor und die Schulbildung in Deutschland unter Ihre Kontrolle zu bringen. Mit den Hochschulen und Universitäten hat sie es bereits geschafft. Wer regelmäßig die Nachrichten der Elite-Hochschulen in Deutschland liest, wird wissen, was Jesuiten bzw. Rom in den nächsten 20 und 30 Jahren vorhaben; wird wissen, welche Führer bzw. Vasallen an die Macht gelangen werden, denn Hochschulpolitik ist eine Politik der Macht in der Zukunft. Die Besatzer haben sehr richtig erkannt, das die Deutschen keinen fremden Führern folgen. Darum sind sie streng darauf bedacht, rechtzeitig aus dem Volk heraus Kinder und junge Menschen zu rekrutieren, die dann in Ihrem Sinne die Deutschen weiter ausplündern und unterdrücken. Diese werden durch das Volk nicht so schnell erkannt. Zu solchen Leuten gehören z.B. Johannes B. Kerner, Thomas Gottschalk, Heiner Geißler, Kurt Biedenkopf u.W. Erreicht wird diese Erziehung an Ihren Eliteschulen wie z.B. die von Salem. Die Schule Schloß Salem ist ein deutsches Internat mit Hauptsitz in der ehemaligen Reichsabtei Salem in der Gemeinde Salem, unweit des Bodensees. Gegründet wurde die Schule 1920.

Einige bekannte Schüler der Eliteschule Salems sind z.B.

Golo Mann (1909–1994), Historiker und Schriftsteller, Sohn von Thomas Mann
Monika Mann (1910–1992), Schriftstellerin, Tochter von Thomas Mann
Hellmut Becker (1913–1993), Jurist und Bildungsforscher
Georgia van der Rohe (1914–2008), Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin
Erik Blumenfeld (1915–1997), Unternehmer und Politiker der CDU, Major i.G.
Renate Horney (1916), Tochter von Karen Horney; Schwester von Brigitte Horney
Elisabeth Noelle-Neumann (* 1916), Gründerin „Institut für Demoskopie Allensbach
Prinz Philip, Duke of Edinburgh (* 1921)
Hildegard Hamm-Brücher (* 1921), Politikerin
Eberhard von Kuenheim (* 1928), ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BMW AG
Berthold Maria Graf Schenk von Stauffenberg (* 1934), Generalmajor a.D., ältester Sohn von Claus Graf Schenk von Stauffenberg
Lothar Gall (* 1936), Historiker und Bismarck-Biograf
August Oetker d. J. (* 1944), persönlich haftender Gesellschafter der Rüdiger von Fritsch-Seerhausen (* 1953), Vizepräsident des BND
Axel Troost (* 1954), Politiker und MdB, Die Linke.
Reinhard Zinkann (* 1959), Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Miele
Nicola Tiggeler (* 1960), Schauspielerin
Christian Kracht (* 1966), Schriftsteller
Ariane Sommer (* 1977), Schauspielerin und Autorin
Patrice Bart-Williams (* 1979), Reggae-Sänger

Nun zurück zu Tauler.

Das Entscheidende an der Gottbetrachtung von Tauler war der Freiheitsaspekt. Dieser Freiheitsaspekt, der sich in so vielen deutschen Persönlichkeiten zeigt, von dem hohenzollerischen Geschlecht des Friedrich des Großen über Bismarck oder den Ludendorffs, ist das Besondere in der deutschen Seele. Die deutsche Seele ist erfüllt von Freiheitsgedanken, Freiheitsgefühl und Sehnsucht nach arteigener Freiheit.

Von diesem Freiheitsaspekt geht die große Gefahr für alle Unterdrücker aus, und dieser Freiheitsaspekt ist die Grundlage so vieler vernichtender Kriege und Lüge, Propaganda und Hass gegen das deutsche Volk. Vom Freiheitswillen und Freiheitsdenken der Deutschen ging stets eine Gefahr für alle Unterdrücker der Völker aus. Daher mußte dieser deutsche Freiheitswille mittels Krieg ausgerottet werden, mittels Lügen, Fälschungen und einer gehörigen Portion haßerfüllter Propaganda zumindest unterdrückt werden.

Dieser Freiheitsaspekt war auch Grundlage des Strebens Taulers und Weiterer nach einer, dem deutschen Wesen entsprechenden freien Gottesbetrachtung und freien Gottesbegegnung einerseits und praktischer, lebens- und alltagstauglicher, handfester, erlebbarer Gottesbetrachtung ohne Halluzinationen und Illusionen andererseits. Eine Gotteslehre kann es also in diesem Sinne nicht geben. Gott ist erleb,- und erfahrbar. Wir selbst sind Teil einer Schöpfung. Dort wo wir es mit einer Gotteslehre zu tun haben, sind Priester am Werk.

Es wirkt in uns und auf uns Göttliches Prinzip also, das sich in uns und insbesondere durch uns, ständig schöpferisch ausdrückt. Die Erfahrung desselben nennt er Überformung. Die Wahrheit des Einzugs des Lebens in den Körper, den Einzug der göttlichen Seele, deren Geburt, nennt er Seelengrund. Den tiefen Seelengrund erkennt Tauler in der Tatsache, das der Mensch mit einer Seele geboren wird, eine „ göttliche „ Seele bekommt. Ob Tauler nun wie heutige Juden und Christen an einen persönlichen Gott glaubte oder ob er ähnlich Mathilde Ludendorffs an eine göttliche Schöpfungskraft (Lebenskraft, Richtkraft, Gestaltungskraft, Prinzip) glaubte sei dahin gestellt…

Ganz unten also so Tauler, am Grund der Seele bleibt die letzte Wahrheit übrig, der göttliche Ursprung in uns allen, in unseren Seelen, schlichtweg der Seelengrund. Die Seele ist also der Grund aller Wahrhaftigkeit und aller Tatsächlichkeiten.

Bei Kontakt zu unserer Seele, sind wir Menschen nicht verführbar, nicht manipulierbar, nicht beherrschbar, sondern unser Sein richtet sich allein nach der natürlichen Ordnung der Dinge, der Wahrhaftigkeit und den Gesetzen des Lebens und der Entwicklung unseres Seins.

Ich möchte mir hier eine eigene Interpretation erlauben. Ich erwäge die Seele als den übergeordneten Quell allen Daseins zu empfinden. Die Seele ist es schließlich, die dieses Sein erschaffen hat, auch die Vorstellung von Göttern. Die Seele ist der reiche „Pool“ von unendlichen Formen und Seinszuständen. Alles verändert sich ständig, die Seele aber bleibt. Das haben die Deutschen sehr gut herausgespürt mit ihrem Charakter, der sie wohl dazu auch befähigen konnte.

Und nun verstehen wir auch den Kampf auf dieser Welt zu ihrer, der Seele Unterdrückung.

Natürlich hatte Goethe Recht in seiner Beschreibung des Kampfes Mephistos mit Dr. Faust, dies war ein innerer wie auch ein äußerer Kampf. Machen wir die Augen auf, alle uns heute umgebene Führungspsychologie in den Unternehmen, alle Einweihungen in den Religionen, alle Unterordnungen in den Ideologien, zielen auf ein und dasselbe Ziel hin. Es ist die Hingabe und Aufgabe des Eigenen, des eigenen Willens, des eigenen Empfindens, des eigenen Vermögens, hin zu einer zombiehaften oder androiden Figur die auf Befehl automatisch an die ihnen zugedachte Ausführung geht. Das ist mit einer intakten Seele nicht möglich. Das ist mit einer nicht unterdrückten, nicht gemordeten, sondern frei sich entfaltenden Seele nicht möglich.

Die Zerstörung des Innenlebens, nach Tauler des göttlichen Innenlebens, geht nicht mit einer heilen Seele. Wie diese am ehesten und vollkommensten zu zerstören ist lehrte uns Ignatius von Loyola in seinen Exerzitien. Und alle nachfolgenden Machtstrukturen in den Jahrhunderten bauten auf diese Prinzipien auf, bis heute. Die einfache Formel der Macht sieht so aus: Macht = Dominanz + Penetranz. Diese Formel muß in ihrer Tiefe und ihrem Wirkungsfeld (Umfassenheit) verstanden werden. Ich ordne mich jemandem oder etwas unter (Aufgabe des eigenen Willens, welches von allen Religionen und Ideologien gelehrt wird), dieser/dieses penetriert mich dann ständig mit bestimmten Techniken, Forderungen oder Anweisungen. Unterordnen, tue ich mich durch erlebte Gewalt, dabei bleibt aber der Unterdrücker, der Feind erkennbar. Oder dadurch das ich suggestiv, hypnotisch, manipulativ, psychologisch behandelt wurde. Ich erkenne nicht mehr den Feind und akzeptiere eine Ordnung unter die ich mich unter Selbstaufgabe dann stelle.

Am Ende steht die leblose Hülle meines Selbst im Raum. Dann hat der Andere uneingeschränkte Macht über mich, ich selbst bin wie es heute heißt      „Hirngewaschen“, aber auch dieser Begriff ist eine Irreführung, in Wirklichkeit bin ich von meinem eigenen Seelenleben getrennt und funktioniere wie eine Marionette.

Und es beginnt am Anfang nur mit einem kleinen Punkt, einem kleinen Eingeständnis, einem kleinen Kompromiß an meine eigene Verleugnung, und am Ende steht meine komplette Zerstörung. Alles, was nicht meinem Wesen entspricht, dem Wesen des freien Empfindens und Erkennens, der freien Wahrnehmung, der freien Handlung, der freien Fühlens, zerstört mich. Dies wird erreicht durch fremdes, vorgeschaltetes oder implantiertes Denken und Glauben. Übernehme ich solches, bin ich unfrei und nicht mehr in meinem Wesen. Ein Vogel, der an Gleichmacherei glaubt und mit den Delphinen tauchen möchte wird letztlich ertrinken. So ist es mit uns und unserer Seele und unserem Wesen auch.

Der göttliche Funke in mir ist zum Erlöschen gekommen. Das war damals so, ist in allen Religionen und Ideologien so und ist Grundlage unserer heutigen neoliberalen Führungspsychologie in den Unternehmen. Darum ist jeder noch so „kleinsten“ Lüge zu widersprechen. Entwicklung der menschlichen Wesen kann nur auf Prinzipien wie Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Naturverständnis erfolgen. Insbesondere gilt dies für das deutsche Volk vor allem. Andere Völker haben andere Prinzipien, weil sie ein anderes Rasseerbgut und somit auch anderes Wesen besitzen.

Die oben genannten Eigenschaften waren und sind im deutschen Volk stark ausgeprägt. Darum ist dieses Volk der Hauptfeind aller mächtiger Eliten.

Der Kampf in der Welt ist ein Kampf für die Macht und gegen die Seele des Menschen.

Doch bei alldem ist Tauler kein Bekämpfer der Kirche, sondern ein Verwandler, ein Umformer. Tauler vereinigt Gottesschau und Lebensschau wenn er sagt:

„jeder soll sin selbes priester sin“.

Mönche, wie Tauler sie versteht, und Laien sollen in Ihrem Inneren frei sein und eine unmittelbare eigene Verbindung zu Gott haben.

Dies alles sind keine Gedanken der Erniedrigung sondern der Stärkung. Auch fordert er eine Vereinigung der vita activa und der vita contemplativa. Auch darin zeigt sich deutsches Wesen. Schöpferisches Schaffen und Wirken, sowie Besinnung und innere Schau.

Bei Tauler ist das Werk des Menschen Ausdruck Gottes. Gott drückt sich durch das schöpferische Wirken des Menschen aus und mit seinem Willen ordnet der Mensch die Dinge im Diesseits.

Aus diesen Grundlagen Taulers, ist später in der Neuzeit die Philosophie entstanden. Kant, Nietzsche, Hegel, Schopenhauer bauen auch auf diesen Überlegungen auf. In der Philosophie, ist es heute anerkannt, das die Philosophie mit Ihrer Welterkenntnis sich im und durch den deutschen Raum nur derart entwickeln konnte, da dieser Raum nicht gläubig-römisch-katholisch ausgefüllt war, sondern ein unabhängiges Denken quasi als Religionsersatz erst die Philosophie schuf.

Aus diesem Grund seien hier auch die Überlegungen Mathilde Ludendorffs erlaubt, nach Ludendorff ist es die Seele, die dem Menschen über das Rasseerbgut einen bestimmten Charakter „vererbt“, mit dem der Mensch zur eigenen Gotterkenntnis gelangen kann. Gott aber ist nicht Seele. Die Seele ist es, die Gott erschaffen hat. Die Seele ist es somit, die sich in den schöpferischen Wirken und Werken der Menschen ausdrückt, was aber als göttlich empfunden wird. Und warum? Weil der Mensch, besonders der deutsche Mensch erkennt, daß seine Ideen und Gedanken eben nicht nur trivial menschlicher Natur sind. Wenn er ein Flugzeug konstruieren kann, was einige Tonnen wiegt und es dennoch fliegt, dann ist für den Deutschen ein „göttlicher Wille“, ein „göttliches Wollen“, welches sich im Menschen, nicht im Tier, offenbart. Doch beobachtet man die Menschen, die es bewerkstelligten, daß so eine Maschine fliegen kann an, dann stellen wir bei unserer Analyse fest, daß diese Menschen Naturforscher sind, d.h. sie haben genau die Natur beobachtet und haben Naturgesetze gefunden, beispielsweise die Naturgesetze von Auf- und Abtrieb, welches die Geschichte der Fliegerei einleitete. Es war also kein Gott da, der dem Deutschen irgendwelche Worte eingepfiffen hat, wie er gefälligst seine Flugmaschine bauen soll. Der deutsche Mensch erkennt Naturgesetze, materiell-geistige Prinzipien, die ihm seine Seele stellt, die er durch Naturbeobachtung umsetzen kann, in geistige Gesetzmäßigkeiten, wie der Mathematik, so daß durch eine Reihe von mathematischen Formeln die Naturgesetze beschrieben werden können und so die Tatsache einer Flugmaschine erschaffen. Das alles geht aber dem deutschen Menschen weit über seinen geistigen Horizont. Daher nennt er es „göttlich“ und meint ein göttliches Prinzip, keinen persönlichen Gott.

Der Wille verlangt die Konzentration, besser noch gesagt die Verdichtung des Bewußtseins auf ein Ziel, meist auf eine Handlung, deren Abschluß ein Werk oder Wirken ist. Wir Deutsche haben die Fähigkeit zum Verdichten. Wir ziehen viele Gesetzmäßigkeiten zusammen, beachten viele Naturgesetze und bringen sie in ein harmonisches Verhältnis, weshalb die Deutschen auch fähig waren die ersten Flugmaschinen zu bauen. Dieses erkennende, gedankliche Verdichten, ist weit mehr als Konzentration. Würden wir uns konzentrieren, würden unsere Gedanken aufhören zu existieren. Dann würden wir gar nichts erfinden können. Und so genau ist es auch bei den Buddhisten. KONZENTRATION und MEDITATION sind asiatische Formen zur Ich-Auflösung, zur Willensauflösung, zur Auflösung der Tatenkraft.

Willenlosigkeit führt also zur Werklosigkeit. Wir erinnern uns, alle Religionen erwarten ein Unterordnen des eigenen Willens. Die Religionen erwarten es nicht nur, sie machen alles dafür, daß der Wille der Menschen gebrochen wird, damit sie sich gefälligst unterordnen. Mit Ideologien ist es genauso.

Dies kann niemals göttlicher Anspruch sein, etwas was wir verleugnen sollen, vernichten sollen, wie unseren eigenen Willen, dieser wäre uns sonst niemals erst mitgegeben worden. Göttlicher Wille war es uns diesen Willen zu geben mit dem wir unsere Welt, unsere Existenz ordnen können, nach welchen geistigen Prinzipien wir diese ordnen, das überließ er auch zwangsläufig uns, dies entspricht eben auch unserem freien Willen. Ist es aber, die uns vom Schöpfer mitgegebene Seele, die uns all die Fähigkeiten gab, die wir, in Erbauung dieser Fähigkeit fälschlicherweise für „göttlich“ halten, dann hat die Einführung des Wortes GÖTTLICH dennoch ihren Sinn, auch wenn Tauler ihn etwas anders verstanden hat. Wenn wir Prinzipien in der Natur, im Universum erkennen, dann ist das für den Menschen ein ganz aufregendes Erlebnis. Er ist im allgemeinen überwältigt von so einer Erkenntnis. Diese Größe, die sich hinter so einem Naturgesetz oder Naturprinzip verbirgt, ist größer als der Mensch selbst. Das hat der deutsche Mensch gefühlt und wurde so nicht größenwahnsinnig. Er unterschied zwischen seinem praktischen Leben, mit seinen geringen körperlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, und den erweiterten Möglichkeiten, die er über die Naturgesetze erkannte. Das sind zwei verschiedene Dinge. Das eine nannte er PERSÖNLICH, das andere GÖTTLICH.  

Tauler sagt dies in seiner Predigt 42 in kleinerem Maßstab so:

„Divisiones ministracionum sunt, indem autem spiritus.“

Damit stellt er den Gedanken in den Mittelpunkt, daß die Werke eines jeden Menschen einem göttlichen Geist entspringen, der jeden einzelnen auf eine besondere Lebenstätigkeit hinweißt. Er sagt weiter:

„Eime ieklichen wirt gegeben offenbarunge des geistes ze sinem nutze und frucht.“

Weiterhin sagt Tauler:

„Wan ieklich kunst oder werk, wie klein die sint, das sint alles sament gnaden und würket alle der selbe geist ze nutze und ze frucht des menschen.“

Kein Wort also von der uns heute auferlegten Gleichmacherei des Menschen und seines Wesens und Geistes. Diese heutige Gleichmacherei birgt die Gefahr der Zerstörung von allem. Erkenne ich nicht das Einzelne in jedem Wesen an, zerstöre ich dies damit. Tauler lebte in einer Welt, wo die Macht Roms unerträglich für die meisten Deutschen war. Es war eine Gotteswelt, es waren Gottesstaaten, die Rom regierte. Daher war der GEIST GOTTES immer allgegenwärtig zu sehen. Alles kam von Gott und der Mensch war nur der Empfänger. Aber aus deutscher, germanischer Sicht ist das nicht so. Unsere Vorfahren erkannten, daß ihre Körper selbst nach einem Prinzip erschaffen wurden. Dieses Prinzip muß großartig sein. Sie waren überwältig, wie es geht, daß eine Frau Kinder in die Welt setzen konnte, daß diese Kinder wachsen konnten und Bewußtheit entwickeln konnten, ohne daß die Eltern dafür etwas getan hätten. Daher erkannten sie richtig, daß diese schaffende Kraft (nicht Macht) ein göttliches Prinzip sein muß, welches weit über das Vorstellungsvermögen des Menschen hinausging. Erkenne ich nicht die Eigenart jedes Wesens an, kann ich es somit auch unwissentlich zerstören.

Tauler beschreibt die Verschiedenheit der Dinge. Würde man dies heute an den Menschen tun, hätte man sofort den Vorwurf des Rassismus und der Verhetzung vorzuliegen. Welche Zeit also war freier im Denken. Das 13. Jahrhundert oder das 21. Jahrhundert?

Weiter sagt er:

„Wissent, und wer ich nut ein priester und wer under einer samenunge, ich nems für gros Ding das ich könde schuh machen und die wolt ich in allen vor machen, und och wolt ich gern min brot mit minen henden verdienen.“

Oder:

„Es enist niergen ein werklin so klein noch künstelin noch so snöde es kome al von Gotte und es ist sunderlich Gnade un das sol ein ieklich dem nechsten vor tun des es nüt als wol enkan, welch mensche nüt us engibet noch enwürkt dem nechsten ze nutze er mus Gott antwurt ab geben.“  

Sinngemäß also: Kein Werk und keine Kunst ist so klein und schnöde, es sind alle sonderbare gaben, und ein jeder soll diese zum Wohle des Nächsten tun, so gut er es kann, und wer nicht wirkt dem Nächsten zu Nutzen, der muß Gott Antwort geben.

Diese irdische Ordnung entspricht einem einzigen großen Gedanken Gottes: jeder Mensch soll sein Amt und seinen Beruf zum Nutzen des Anderen ausfüllen. Das vergleichen wir mal mit dem Wirken unserer heutigen Banken und der Funktion heutiger „Volkswirtschaften“. Sowie es heutzutage Andreas Clauss ausdrückt,

„es gibt keine freie Marktwirtschaft, auch keine soziale Marktwirtschaft, es gibt lediglich eine verpflichtende Volkswirtschaft, eine, deren Aufgabe es ist, die bestmöglichen Umstände für das Leben und die Entwicklung eines Volkes zu schaffen“.

Ja, so sollte es sein, so meinte es schon Tauler vor 700 Jahren. Fragen wir uns also, was dazwischen gekommen ist, weil es nicht so läuft.

Im gleichen Zusammenhang deckt Tauler menschliche Schwächen auf. Dies ist laut Tauler: Schlechte, oder auf Anerkennung und Lob allein zugeschnittene Arbeit, Arbeit zum eigenen Vorteil und Gewinn, Arbeit, die durch unnötige Sorge den Menschen nicht zum Herrn sondern zum Knecht seiner Tätigkeit macht. Tauler erhebt diesen Gedanken weiter über den Wert der werktätigen Liebe bis zur Tugendlehre und erhebt somit den Menschen zum sittlichen Wesen und formt seinen Charakter. So versteht er seine Vita Aktiva. Dieses Empfinden der Arbeit entspricht unserer deutschen Seele. Und gnadenlose, herzlose Gewinnmaximierung ist seelentötend.

Tauler war ein kluger Fechter und mutiger Prediger der geistigen und sittlichen Ordnung die seinem Wesen entsprach, der die Schäden seiner Zeit um der Wahrhaftigkeit aufdeckt und der gegen alle Scheinheiligkeit des Wollens und Wirkens, des Urteils und der Gesinnung ankämpft.

Wo er die Unwahrhaftigkeit in „wille“ und „werc“ nur wittert oder gar kennenlernt, greift er sie an.

„nasewise lüte, die sint naswis, un es solt alsu sin und also sin und se wellen einen ieklichen richten nach irem haupte und nachn iren sinnen und nach irrer wise. Und die selben sint vierzig jar geschinen in geistlichem lebende und wissent noch hütte dis tages nüt wo si dran sint“.

Sinngemäß: Naseweise Leute sind naseweis geblieben und also richten Sie jeden nach Ihrem Haupte und Sinnen und Ihrer Weise. Und sie scheinen gar 40 Jahre in geistigem Leben und wissen noch heute nicht woran sie sind.

Mit solchen Aufforderungen zum ehrlichen, aufrechten Wirken im täglichen Leben, zur Arbeit für den Nächsten und für die Menschheit überhaupt ist Taulers Einstellung zur vita activa klar entschieden. Einer solchen Bejahung des guten Wirkens in der Welt steht eine gleich starke Anerkennung der vita contemplativa gegenüber. Tauler löst dies ohne inneren Widerspruch. Diese tiefe vita contemplativa soll in späteren Jahrhunderten noch Grundlage für tiefe Empfindung und tiefes Verstehen von Zusammenhängen in Philosophie, Forschung und Technik werden. Grundlage dafür wiederum ist eine tiefe Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit in der inneren Betrachtung. Das ist die Stärke des deutschen Wesens.

Darin liegt aber auch die Gefahr für das deutsche Wesen. Er ist ein leichtes Ziel für alle Niedertracht, Lüge, Hass und Angriff. Ein Aufrechter kann sich nicht verstecken, es liegt in seiner Wesensart. Darum sind die Aufrechten leicht auszumachen und zu bekämpfen. Ein Täuscher kann sich leicht verstellen.

Woran erkennen unsere Feinde uns noch? An unseren Projektionen! Was ich selbst an Wesensanteilen in meinem Inneren trage, das erkenne ich auch wieder in den Dingen die vor mir liegen, bzw. an meinem Gegenüber. In einer heutigen Zeit der Lüge und Täuschung, ist es immer wieder der Deutsche der meint dort etwas Gutes drin zu entdecken. Warum? Aufgrund seines eigenen gütigen Innenlebens. Das hat Ihm in den Augen unserer Gegner den Ruf des „deutschen Michel“ eingebracht, die im Deutschen eben nicht seine edlen Wesensanteile sehen sondern Anteile der Dummheit und Trotteligkeit oder noch Schlimmeres. Da wir ja nun aber wissen was Projektionen sind, verstehen wir besser was unsere Gegner uns da vorwerfen. Richtig, Ihre eigenen inneren Aspekte sind es, die sie meinen in uns wiederzuerkennen.

Wie aber erkennen wir nun am zielsichersten unsere Feinde? Mit genau derselben Methode. Wir werfen Ihnen einen Brocken hin und an Ihren Reaktionen, die Ausdruck Ihres eigenen Innenlebens sind werden wir sie ebenso leicht erkennen können. Der Lügner wird Lüge schreien, der Betrüger wird Betrug schreien, der Totschläger wird Mord rufen.

Der Deutsche hatte dafür, wofür es Bände von psychologischer Literatur gibt, nämlich dem Thema der Projektion, ein einziges aussagekräftiges Sprichwort gefunden. Es heißt: Was ich selber denk und tu, das trau ich auch dem andern zu. Damit ist alles gesagt. Es erklärt die Hetze der Gutmenschen gegen alles Nationale und vieles Weitere auch.

Alle Halluzination und Illusion führt vom Erkennen weg. Dies ist auch ein Grund warum heutzutage keine grundlegenden Erfindungen oder Erkenntnisse mehr gemacht werden. Oberflächliches oder politisch korrekt motiviertes, oder illusionierendes oder halluzinatorisches Denken ohne inneres Schauen wird niemals Erkenntnis und Naturverstehen mit sich bringen. Auch hierbei ist Freiheit wieder die Grundlage aller Entwicklung.

Bei der Berührung der Seele mit dem Göttlichen im Menschen, entsteht bei Tauler ein Wunder das er in seinen Predigten eher selten beschreibt.

„Also geschieht dem menschen: hie in disem so kumet er al ze mole von im selber und im gebirt des geistes (das ist al enthalt) und alles das sin was, dem enpfelt er hie allem in allen wissen, und in allen dingen entsint er als gar in sin luter nut.“l

Und er behauptet weiter: würde der Mensch jetzt nicht durch göttliche Kräfte gestützt und gehalten so müßte er sich auflösen.

„als der könig das sicht das si (die Seele) alsus ze mole von ir selber kumet, so enthalt er si und richt si uf und git ir sinen göttlichen minne kus.“

Vielleicht irrt Tauler hier in einem Punkt wenn er in der Trennung von Seele und göttlicher Kraft übersieht, daß es die Seele selbst ist, die alles hervorbringt, also auch die göttliche Kraft. Dies läßt sich mit der Zeit erklären in der Tauler lebte, denn aus der Zeit Taulers ist das die Art so zu denken, daß alles seinen göttlichen Ursprung hat. Ja sogar die Welt hätte Gott ins Zentrum des Universums gestellt, um zu demonstrieren, welche Macht er hat.

Der Beweis für Taulers Irrtum an dieser einen Stelle wird dadurch erbracht, daß sich leicht erkennen läßt, daß gerade Menschen, deren Seele gemordet oder stark unterdrückt wurde, daß gerade diese Menschen an einem Gott glauben, aus dem alles entspringen soll. Ein Mensch, der zu seiner Seele gefunden hat, einen guten Kontakt hat, braucht keinen übergeordneten Gott, weiß, daß alle göttlichen Prinzipien aus der Seele selbst entspringen.

Und das ist auch der Grund warum die deutsche Seele niemals untergehen wird. Sie wird von dem Göttlichen gestützt, bzw. ist Lebens,- oder Wirkkraft schlechthin.

Die Seele wird nie untergehen, denn sie hat ja alles erschaffen. Tauler wie gesagt meint, die Seele wird gestützt.

Die Menschen werden wahrscheinlich in Ihrem heutigen Wahne untergehen. Aber die Seele wird neue Menschen hervorbringen. Sie kennt keine Zeit und kein Ziel. Sie ist immer und ewig, Eigenschaften, die die Juden und Christen ihrem Gott und die Buddhisten ihren Göttern andichten, welche reine fiktive Andichtung ist.

Und jeder Mensch kann für sich entscheiden ob er daran Anteil nimmt an diesem seelischen Stützen, bzw. der Empfindung seines Seelengrundes oder ob er es zuläßt keinen Kontakt mehr zu seiner Seele zu bekommen. Menschen mit hohem Seelenempfinden werden freie Menschen sein, das sind dann Menschen, die Ihrer Eigenart und Ihrem Wesen entsprechen. Menschen ohne Seelenkontakt sind funktionierende Hüllen. So werden wir den Weg zur Freiheit wieder finden können, indem wir diese Zusammenhänge verstehen, indem wir diesen Kampf auf der Erde erkennen.

Dieses Erkennen und Empfinden der göttlichen Seele nennt Tauler Überformung. Es entspricht einer Art Belebung bei Tauler. Nicht das Ausmerzen, das Zersetzen, Zerstören, des demütigen Verwelkens der Wesensanteile liegt Ihm am Herzen, sondern deren Überformung, deren Belebung und Stärkung unter dem Aspekt seiner göttlichen, wesentlichen Eigenheiten. Mit dem Wort ÜBERFORMUNG spricht er eben eine Form an, die ÜBER der menschlichen Form steht:

„hie sol der mensch über formet werden mit disem über weselichen wesende, so müssen alle die formen not von dannen die man in allen kreften je enphieng. Das kennen, das wissen, das wellen, die würklichkeit, die fürwürflichkeit, die bevintlichkeit, die eigenscheftlichkeit… alles do der geist uf rasten denne in einem blike wirt alles überformet.“

Es ist der Einzug des Geistes, die eine Überformung im Menschen vornimmt. Und laut Tauler, wird der Mensch dann aufgefordert immer tiefer hinabzublicken in den Grund. In den Grund allen Seins. Das ist deutsche, innere Schau. Das brachte in Jahrhunderten so manches Erkennen mit. Und es ist eben nicht die halluzinatorische, oft von Drogen begleitete,  unaufrichtige Annahme einer falschen Betrachtung und die Versenkung darin wie wir es in anderen Kulturen finden, sondern die Prinzipien dieser Versenkung werden immer Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sein. Das ist unser eigenes völkisches Wesen. Und somit warnt Tauler:

„…die in diese (unaufrichtigen ) wise sehent mit unrechter friheit oder mit valschem lichte, so wer es die sorglicheste (sorgenvollste) wise die man in der zit haben möchte“.

Und zwangsläufig ergibt sich aus dem Erkennen von Wahrhaftigkeit sittliches Handeln.

„so süllen si denne fürbas in gutem friden ir geschefte tun ein iekliches als es im Got füget“. Aber auch Warnung.“die vil heilig schinent und vil grossen schin han und vil mere werk tun wan du tust, wann diese sprechent, dir zemole unrecht…“

Und wer in seinem Vertrauen in seine Worte und seinem Glauben der an Erkenntnis des Wesens der Dinge anknüpft, fühlt (er) sich niemandem Untertan, nicht mal dem Papst wie Tauler es selbst aussprach.

„…über die lüte (die Ihre Seele erkennen) enhat der babest enkeinen gewalt, wan got si hat selber gefriget (gefüget)“.

Er wendet sich gegen jede unaufrichtige, übersteigerte und unvernünftige Form des Gotterlebens. Er predigt wieder zurück zur Vernunft.

„wider zu der vernunft, der ist diese wise zümole unbegriffenlichen und enverstont diz nit. So kummet denne di geistliche schalkheit in den himeln, das sint ganz subtile geiste, die tüffele die verre über die anderen und sint in subtilkeit und in bosheit…“

Von Taulers Predigten muß unvorstellbare Wirkung ausgegangen sein, eine die zur Innenschau und Umkehr zwang. Und diese Kraft ist noch heute in seinen Worten. Dieser Kraft können wir uns aussetzen. Solchen starken Geist müssen wir wieder aufbauen, besser gesagt, man muß diesem Geist wieder Einlaß gewähren. Dies geht aber nur im Kontakt zur Seele.

Dann wird wieder Freiheit herrschen können. Tauler lehnte jegliche Spekulationen ab und überprüfte alles. Auch das sollten wir wieder tun lernen. Berührung und Gnade sieht Tauler in Ihrer Beziehung zum tätigen Sein und dem Wirken des Menschen. Seine Predigten sind schlichte Frömmigkeitsanweisungen. Seine Sprache eindringlich. Er bemüht sich um eine tief mystische Seelenhaltung genauso wie das daraus resultierende Wirken im Schaffen des allgemeinen Alltags. Gott drückt sich durch das Schaffen und Wirken eines jeden Einzelnen aus. Punkt. Das reicht. Keine esoterische Verklärung. Jede übertriebene Selbstbereitung sieht er mit großer Skepsis. All die Unruhigen und Hysterischen mit Ihrer nach Gott drängenden Sehnsucht führt er über eine stete Gesinnung zu einem einfachen nüchternden und damit um so wirkungsvolleren Gottvertrauen. Gott ist Alltag, in allem enthalten, macht die Augen auf, jedenfalls gilt dies für all die Menschen die die Überformung, also die Erweckung des Geistes und den Seelenkontakt erlebt haben. Durch Ihr Seelenerleben können sie Lüge von Wahrheit unterscheiden und das Wesen der Dinge erfassen. Dazu braucht es dann nicht das Nadelöhr des kirchlichen (heute politischen )Ablasses. Und diese Aussage gilt damals genau wie heute. Menschen mit Seelenkontakt werden die Führer der Menschheit sein. Zu allen Zeiten.

Wir finden also bei Tauler folgendes:

Die Grundzüge eines Menschen gipfeln in der Freiheit der inneren und seelischen Kräfteentwicklung.

Und er sagt:

„diese menschen werdent recht als die fürsten der welt di fri sin tun unter nieman ensint, also werdet diese in irem geiste, das si herschent über alle die bewegunge irs usseren und innren menschen“.

In diesen Menschen lebt dann auch notwendig eine männliche Urteilskraft. Die Vernunft regiert den Willen und führt zur Nüchternheit, niemals zur Extase. Als Gottgewollt ist dies Leben zu verstehen und zu meistern. Es ist sein Ruf nach kraftvoller Frömmigkeit des Herzens der, der süßen Christusminne gegenübersteht.

Heute wissen wir, der Begriff der SÜSSEN CHRISTUSMINNE ist leider von den Jesuiten geprägt und hat schlimmste Folgen für die Zöglinge der Kollegien, in denen sie zu „Söhnen Marias“ gemacht werden. Unter Ausnutzung der romantischen Seite der jungen Männer wurde dann der Begriff der „süßen Christusminne“ geformt.

Es gibt wenn überhaupt bei Tauler nur adelige Demut in Erkenntnis des großen Werkes, niemals Selbstverkleinerung.

Diesen Gedanken finden wir einige Jahrhunderte bei Nietzsche wieder der von aufrechtem, stolzem Gehorsam spricht. Einem Gehorsam aus Erkenntnis der Dinge entsprungen. Dies alles also ist deutsche Wesensart.

Natürlich ist dabei der Mensch nicht Gott. Eine Betonung des Abstandes sei auch bei Tauler erlaubt. Es geht Tauler um die Erfahrung Gottes in der menschlichen Seele als Erlebnis seiner unvorstellbaren Kraft und Größe, die den Menschen erneuert und ihn wieder auf das Ziel der Gotteinigung im Leben, Wollen, Handeln, Heilen und Helfen richtet.

Wenn diese Richtungskraft, wie wir es auch bei Mathilde Ludendorff lesen, Gottes Wille ist, ist er Naturgesetzen gleich und darum wird das Wirken unserer heutigen Elite gegen die Menschheit auch scheitern müssen.

 Mathilde Ludendorf sprach in diesem Zusammenhang vom Göttlichen, von Gottes Wille, in dieser Hinsicht, daß sie damit die Prinzipien der Naturgesetze meint, in denen sich das Göttliche offenbart, ebenso wie bei Tauler sich das Göttliche in den Werken der Menschen offenbart. Ludendorff meinte dabei nie einen persönlichen Gott. Diese göttlichen Prinzipien können sich im Menschen eben nicht nur in der Seele spiegeln, sondern auch in seiner Vernunft.

Als Tauler von einem Bauern gefragt wurde, der die Kirchenglocken läuten hörte, ob er denn nun alles stehen und liegen lassen solle und in die Kirche zum beten gehen solle, antwortete dieser sinngemäß,

„Gott drückt sich in vielen Dingen aus. Der Eine kann dies, ein Anderer das. All das ist von Gott und wird in die Welt von uns gebracht. Bleibe und tue Dein Werk, so hast Du Gott entsprochen“.

Unsere schöpferische Arbeit ist Ausdruck Gottes Wille und Wirken. Gott wirkt durch unser Handeln und Tun. Das Streben nach innerer und äußerer Erkenntnis und Entwicklung, dem Folgen seiner Seele. Das ist unser Schöpfungsakt. Wir können unser Wirken und unser Werk beseelen, und somit auch Schöpfer werden. Wird den Menschen diese Kraft bewußt, ist es mit der Unterdrückung in der Welt vorbei. Darum dreht sich der Kampf in der Welt. Es gibt große Kräfte die diesem göttlichen Plan entgegenspielen. Ihre Waffen sind Lüge, Hass, Mord, Leid, Betrug, Schuld und Elend.

Das Wesen des deutschen Menschen ist aufrecht und ehrlich und hilfsbereit.

Das Wesen des deutschen Mannes ist im Kampf mit diesen geistigen Welten zu bestehen. Das Wesen der deutschen Frau ist es, dies Leben zu behüten.

Nun wissen wir in welchem Kampf wir uns befinden.

Heino Seerling


Anmerkung:

Es bleibt zu überlegen, inwieweit ein Übernehmen Taulers Gedanken, aus einer Zeit, die unserer nicht entspricht sinnvoll ist. In Taulers Art drückt sich aber mit Sicherheit deutsches Wesen aus. Etwas, wonach wir mit der Erkenntnis aus diesem Brief nicht mehr weit suchen müssen. Wir sollten dabei nicht unbedingt die großen Geister, wie Tauler mit Sicherheit war, nachahmen, aber Sie verstehen. Sie lebten in einer anderen Zeit, hatten nicht das wissenschaftliche Verständnis, welches wir heute haben. Es liegen zwischen uns und dem Mittelalter enorm viele geistige Welten. Wir, die heute Lebenden, sind genötigt, eine neue Form des Gottverständnissen zu entwickeln, eine, die unserer Zeit entspricht mit allen Erkenntnissen, die unsere Vorfahren nicht hatten. Bedenken wir Eines: Wir sind die Spitze unserer gesamten Ahnenkette. Wir müssen heute und jetzt leben. Unsere Ahnen haben schon gelebt. Es ist wichtig und richtig, das Wissen, ihre Gedankengänge zu kennen, aber ist mit Sicherheit nicht richtig, diese zu praktizieren, ihre Vorstellungen zu übernehmen. Unsere Aufgabe bleibt der Eigene Weg.


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Otto Skorzeny


Adrian Baron von Fölkersam

Adrian Baron von Fölkersam

20. Dezember 1914, Petersburg – 21. Januar 1945, Hohensalza

Trotz der Forderung des »Unconditional surrender« und den Imperativen des Morgenthau-Planes (der durch die von Martin Bormann verfaßten und unterschriebenen »Führerbefehle«, die praktisch die vollständige Zerstörung der Industrie beabsichtigten, verschlimmert wurde) hofften wir, daß Deutschland im Westen weiter durchhalten würde. Wir wußten jedoch sicher, daß dies im Osten nicht der Fall sein konnte.

Die Russen wurden im Juli 1944 an der Weichsel gestoppt. Von diesem Zeitpunkt an stellten sie unzählige neue Divisionen auf und bekamen riesige Mengen Kriegsmaterial von den Westalliierten geliefert. Zwischen Roosevelt und Stalin wurde vereinbart, daß eine doppelte Offensive im Westen wie im Osten ab 20. Januar 1945 gestartet würde. Es hat sich gezeigt, daß Churchill Stalin bitten mußte, seinen Angriff zeitlich zu verschieben, da die deutsche Ardennenoffensive alle amerikanisch-englischen Pläne über den Haufen geworfen hatte.

Stalin trat erst am 12. und 14. Januar zum Angriff an – mit 225 Infanteriedivisionen und 22 Panzerkorps. Die sowjetische Überlegenheit wurde von General Guderian folgendermaßen eingeschätzt:

Infanterie:    11 :1
Panzer:          7:1
Artillerie:      20 :1
Luftwaffe:    20 :1

Trotzdem hieß es: weiterkämpfen und durchhalten. Es ging um Leben und Tod. In seinen Erinnerungen eines Soldaten bemerkt Generaloberst Heinz Guderian, damals Chef des Generalstabs des Heeres und für die Operationen im Osten zuständig, daß schon die ersten sowjetischen Besetzungen einzelner Dörfer in Ostpreußen gezeigt hatten, wie sich das Schicksal des deutschen Volkes gestalten würde, wenn die Flut nicht aufgehalten werden konnte. Siebenhundert Jahre Arbeit und Zivilisation standen auf dem Spiel. Er folgerte daraus:

»... die Tatsache, vom deutschen Volk eine bedingungslose Kapitulation zu verlangen, ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und eine Schande.« St.bann.Fhr. Baron v. Fölkersam kam am 18. Januar in Hohensalza [Hermann von Salza war Hochmeister des Deutschen Ritterordens (A. d. Red.).] nordöstlich von Posen an. Das war genau die russische Stoßrichtung im Mittelabschnitt einer 75 km langen Front zwischen Weichsel und Warthe. An diesem kleinen Frontabschnitt drangen 31 feindliche Infanteriedivisionen und 5 Panzerkorps ein, die von einer nahezu unbegrenzt starken Luftwaffe und Artillerie unterstützt wurden.

Mit Sorge verfolgte ich in Friedenthal durch die erhaltenen Funkmeldungen den Verlauf der Kämpfe. Da ich keine Truppen hatte, schickte ich Fölkersam zwei Dutzend Lastwagen mit Munition und Verpflegung. Er hatte darum schon am 18. Januar gebeten. Am 20. hörte ich, daß die Stadt eingeschlossen sei. Ich bemühte mich, noch mehr über die Schlacht um Hohensalza zu erfahren. Ich vertraute Fölkersam und seiner taktischen Geschicklichkeit. Er hatte nun das Kommando über alle dort eingeschlossenen deutschen Einheiten übernommen. Aber die Informationen, die aus den anderen Frontabschnitten kamen, bewiesen, daß die russische Dampfwalze wirklich erdrückend war. Es war nur ein Häuflein deutscher Soldaten gegen eine Riesenmasse: der Jagdverband Ost und Reste anderer Einheiten. So war ich entschlossen, die Verantwortung eines Ungehorsams auf mich zu nehmen und dem Jagdverband Ost den Befehl zu erteilen, den Ausbruch vorzubereiten und durchzuführen, sobald ich das Signal dazu gab. Adrian v. Fölkersam war bestimmt der eleganteste und ruhigste Kriegsabenteurer: 1945 war er siebenundzwanzig Jahre alt. Er war groß und schlank und hatte graue Augen. Um ein wahrheitsgetreues Bild von ihm zu zeichnen, ist es das beste, wenn er seinen Einsatz, für den er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde und den er mir eines Abends in Friedenthal schilderte, selbst erzählt:

»Es war Juli 1942, und wir befanden uns nördlich des Kaukasus. Ich war zwar Leutnant der Division Brandenburg, aber bei diesem Einsatz war ich Major Truchin vom NKWD, der mit Spezialanweisungen – die ich nur sehr geheimnisvoll erwähnte – und einem Trupp von 62 Mann direkt aus Stalingrad kam. Diese waren in der Hauptsache Balten, die fließend Russisch sprachen, und von mir persönlich ausgewählte Sudetendeutsche. Wir waren nicht gerade stolz, in der Uniform des NKWD zu stecken, aber die Notwendigkeit wird zum Gesetz, insbesondere wenn der Feind die Kriegsgesetze selbst nicht befolgt. Wir befanden uns an der Spitze der 17. Armee des Generals Ruoff, genauer gesagt der 13. Panzerdivision des Generals Heer, der eben in Armawir die Ölleitung Rostow-Kala-Baku erreicht hatte. Man führte uns nachts rund 50 km nordöstlich des großen Erdölzentrums Maikop, in Bieloretschenskaia über die Frontlinie. Wir hatten zwei Missionen: erstens, unseren Panzern die Besetzung Maikops so leicht wie möglich zu machen und zweitens, so gut es ging, zu verhindern, daß die Förderanlagen zerstört würden. Ich war Führer des Kommandos, und wir waren alle a la NKWD uniformiert und bewaffnet. Ein Spähtrupp brachte mir die Nachricht, daß Überlebende der im Rückzug befindlichen sowjetischen Einheiten in einem nahen Dorf kampierten. Sie waren von ihren Einheiten abgeschnitten, und unter den verschiedenen Gruppen herrschten die größten Meinungsverschiedenheiten. Es gab Kosaken aus dem Kuban, durch den wir eben marschiert waren, Ukrainer, Kirgisentruppen, Tscherkessen und Turkmenen – alle muselmanisch —, Georgier und schließlich Russen und sibirische Einheiten. Alles in allem etwa sieben- bis achthundert Mann. Nur die Russen und die Sibirier wollten zu ihren Einheiten zurück, aber sie waren in der Minderheit; ihre Offiziere packte die Unruhe. Sehr interessant war, daß es abgesehen von den Kamelen und Pferden auch Lastwagen und Benzin gab. So stand mein Plan bald fest.

Beim Morgengrauen umzingelten wir das Dorf und griffen mit Schüssen in die Luft an, weckten alle Leute auf, entwaffneten sie und stießen sie – >Dawai! Dawai!< auf den Hauptplatz. Dort stieg ich auf die Kühlerhaube eines Lastwagens. Meine treuen Kameraden des NKWD umstellten die Rednerbühne zu meinem Schutz, und ich improvisierte eine Ansprache. Nachdem ich festgestellt hatte, daß wir alle Mann schlafend angetroffen hätten, wo doch das sowjetische Vaterland die Wachsamkeit jedes einzelnen Verteidigers erfordere, brüllte ich:

>Was ist denn hier los! Man will hier desertieren?! Man will hier verraten! Versteht ihr nicht, daß unser großer Genosse Stalin, der geniale Vater unserer Völker, alles vorhergesehen hat? Warum sind wohl die Faschisten bis zum Kaukasus gekommen? Ich werde es euch sagen! Weil sie hier alle bis zum Letzten sterben werden! Diese Berge werden zu ihrem Grab!...<

In diesem Augenblick machten einige Kosaken ein paar sarkastische Bemerkungen, und einer von ihnen mußte lachen. Auf ein Zeichen von mir hielten zwei meiner NKWDs den Mann fest:

>Sollen wir ihn an Ort und Stelle hinrichten, Genosse Kommandant?< >Später, Genossen. Er soll ruhig warten. Laßt ihn wegführen!< Meine Strafpredigt ging weiter, und am Schluß befahl ich: >Die meisten von euch verdienen den Tod! Ich möchte zwar unterstellen, daß viele von euch sich von ein paar schmierigen Schlangen überreden ließen: ich kenne sie, denn wir sind gut informiert. Ihr seid uns zu Dank verpflichtet, daß ihr hier noch nicht einen schmutzigen Verrat gegen unser sowjetisches Vaterland begangen habt! Die Kosaken – alle nach rechts heraustreten! Die Turkmenen, Georgier und die anderen nach links! Die Ukrainer dorthin! Alle anderen bleiben hier, bis ich zurück bin. Kosaken vortreten!«

Meine gehorsamen NKWDs fingen sofort an, die Gruppen auszusortieren. Ich ließ ungefähr 30 Mann zurück, bestieg mit meinen übrigen NKWDs die Lastwagen, eignete mir zwei weitere Autos an und schob die Kosaken vor mir her. Nach dreiviertel Stunden Gewaltmarsch kamen wir an eine Schlucht. Ich stieg aus dem Auto und rief den Ataman. >Du willst zu den Deutschen überlaufen<, sagte ich zu ihm. >Das weiß ich. Du weißt auch, daß manche Kosakeneinheiten schon bei ihnen dienen? Sag die Wahrheit!<

>Warum fragst du mich das, Genosse Major?< >Glaubst du, daß dir deine Leute folgen werden?< Keine Antwort.

>Hör zu. Bleib hier ein bis zwei Stunden versteckt. Dann sind nur die Ukrainer im Dorf. Dann marschierst du in Richtung Anapa. Misch dich unter die Flüchtlinge der Roten Armee, und du wirst die Deutschen findend

>Was für ein Spiel treibt ihr denn?<

>In kurzer Zeit wirst du hier in der Nähe eine wilde Schießerei hören. Du rührst dich nicht, und du wirst nur denken: Na, das ist ja der NKWD, der uns erschießt! – Hast du jetzt kapiert?<

Ich kehrte ins Dorf zurück, wo man die Schießerei gehört hatte und erklärte den russischen und sibirischen Offizieren, daß sie besser die Kaukasier und die Ukrainer zurückließen: eine andere Einheit des NKWD würde >sich um sie kümmern<. Die Russen und Sibirier stiegen auf die Lastwagen, und ich folgte ihnen mit meinem von nun ab motorisierten Kommando.

Am Morgen des 2. Augusts stieß meine Kolonne auf die Hauptstraße und reihte sich in die in Richtung Süden bewegende Autoschlange ein. Es herrschte ein wüstes Durcheinander. An der Stelle, wo sich die Straße mit der Bahnlinie Armawir-Tuapse kreuzt, versuchten echte NKWD-Einheiten vergebens die Panik zu bewältigen. Ich stellte mich ihrem ausgesprochen schlecht gelaunten Kommandeur, einem Oberstleutnant, vor: >Wer sind Sie?< fragte er.

>Major Truchin von der Brigade Schdanow, Genosse Oberste >Wo kommen Sie her? Welche Mission haben Sie auszuführen?< >Wir kommen aus Stalingrad mit Sonderaufträgen, Genosse. Brigade 124-< Das Gesicht des Obersten hellte sich auf. Er wußte bisher weder von einer Brigade 124, noch von Sonderaufträgen; aber die Erfahrung hatte ihn gelehrt, vorsichtig zu sein.

>Na, endlich sind Sie hier! Wir warten schon seit gestern auf Sie! Wie Sie sehen, schicken wir die Kavallerie und die Panzer nach Tuapse und die Fahrzeuge nach Maikop. Auch die Infanterie wird dort neu gruppiert. Fahren Sie mit Ihrer Kolonne nach Maikop, aber, bitte sehen Sie sich die Infanteristen genau an! Es könnte sein, daß sich faschistische Spione darunter befinden! Ich verlasse mich auf Sie!< >Sie können sich auf mich verlassen, Genosse!<

In Maikop ließ ich meine Gruppe vor dem Stabsquartier des NKWD anhalten. Auf der Treppe traf ich einen der russischen Offiziere, der das eben erwähnte Dorf schon vor mir verlassen hatte. >Ich habe schon darüber Bericht erstattete, sagte er zu mir im Vorbeigehen. >Man erwartet Sie.< Der General des NKWD empfing mich infolgedessen besonders herzlich.

Ich genoß einen solchen Ruf, daß er weder meine Papiere noch den Sonderauftragsbefehl sehen wollte. Ich zeigte sie ihm trotzdem. Mit einer Handbewegung gab er mir zu verstehen, daß dies nicht notwendig sei. >Sie hatten rechts sagte er. >Diese Kosaken sind seit jeher Verräter. Sie haben ein für andere lehrreiches Beispiel gegeben. Heute abend sind Sie mein Gast, und jetzt werde ich Sie einquartieren, wie sich das gehört.< Bei diesen Worten glaubte ich, erkannt zu sein. Aber nein! Der General beschlagnahmte für uns eine große, komfortable Villa und eine Garage. Das war ein Glück, denn es war keine einzige Wohnung in Maikop frei, es war vollgestopft von Flüchtlingen. So konnten wir unsere Pläne mitten unter dem Feind vorbereiten. Sechs bis sieben Tage lagen noch vor uns, ehe unsere Panzer ankommen würden. Diese Zeit mußte so gut wie möglich ausgenutzt werden.

Eine genaue Untersuchung der Villa überzeugte uns, daß keine Mikrofone versteckt waren; trotzdem sprachen wir nur von unserem Vorhaben, wenn das Radiogerät genügend Lärm machte. Meine beiden Vertreter, Fähnrich Franz Koudele, alias Leutnant Protoff, und Feldwebel Landowsky, alias Leutnant Oktschakow, spielten ihre Rollen vollendet. In Maikop herrschte die schönste Unordnung. Man hielt uns für gefährlich und sah uns besser gar nicht an; jedoch konnte die geringste Unvorsichtigkeit unserer Leute die ganze Sache auffliegen lassen. An den ersten beiden Tagen mußte ich mir einige meiner Soldaten vorknöpfen, die sich nicht genügend in acht nahmen:

>Habt ihr denn vergessen, was ihr in der Sonderschule Allenstein gelernt habt? Genosse Wuischkin, schauen Sie nicht immer so sanftmütig drein! Das kann Ihnen und uns zum Verhängnis werden! Sie sind ein Mitglied des >Narodny Kommissaria Wnutrenny Diel<, vergessen Sie das niemals! Und Sie, Genosse Lebedew, hören Sie endlich auf, hinter den Mädchen des Kaufhauses Univermag herzulaufen: das ist nicht Ihre Aufgabe! Genosse Balamontow, Ihnen habe ich schon x-mal gesagt, daß Sie das Wort >Faschist< nur zusammen mit >stinkende Ratte< oder etwas Ähnlichem aussprechen dürfen. Von einigen Ausnahmen abgesehen, sagen Sie immer >Faschist<, als ob Sie >Schuster< oder >Autowerkstatt< sagen würden. So geht das nicht! Wenn Sie das Wort >Faschist< sagen, haben Sie erst ganz bösartig zu grinsen. Dann müssen Sie Ihrem Gesprächspartner scharf in die Augen blicken und ihn argwöhnisch anschauen. Er wird um so mehr zittern, da er gar nicht genau weiß, was ein Faschist eigentlich ist. Er wird sich schuldig fühlen und klein beigeben.<

Nach zwei nächtlichen Einladungen bei General Perscholl und einer großen Anzahl gemeinsam geleerter Wodkagläser stand ich mit ihm auf bestem Fuße. Wir inspizierten die Gefechtsstellungen. Der einzig gefährliche Punkt war diese Kreuzung zwischen Straße und Bahnlinie. Die gesamte Artillerie stand hier in Stellung, in drei Linien gestaffelt. Außerdem wurden noch Panzerabwehrgräben ausgehoben. Der General fragte mich, was ich ehrlich von diesen Vorbereitungen hielte.

>Genosse, die Verteidigungsstellung ist ausgezeichnet. Vorausgesetzt, daß die faschistischen Panzer auf dieser Straße und aufgereiht hintereinander anrücken. Aber was ist, wenn sie hinter den Sonnenblumenfeldern fächerförmig auftauchen, oder da und dort hinter diesem Hügel?< Der General dachte einen Augenblick nach und meinte dann: >Genau dasselbe habe ich den Führern der Panzerabwehr auch gesagt!< >Die Faschisten konnten Taganrog und Rostow passieren, eben weil wir sie nur auf einer Hauptstraße erwartet hatten, Genosse General! Was geschah aber? Die Faschisten drangen mit mehreren Angriffsspitzen auf breiter Front vor. Das können sie hier genausogut tun. Hier eine Spitze, dort eine und dort noch eine, und sie treffen sich hinter unserem Rücken. Man muß mit allem rechnen, Genosse! Ein gestaffelter Angriff ist immer gefährlich!<

>Sie haben recht! Da ich nun Ihre Meinung kenne, wird es mir leichter fallen, meinen eigenen Standpunkt zu verteidigen. Heute nacht noch müssen die entsprechenden Vorkehrungen getroffen werden.< Er freute sich ganz offensichtlich, nicht allein irgendeine Verantwortung übernehmen zu müssen. Auch wir trafen unsere entsprechenden Vorkehrungen. Bis zum Morgen des 7. Augusts hatten wir alle wichtigen Auskünfte eingeholt und unsere Pläne danach entworfen. Bis zum Tagesende war alles vorbereitet.

Ich fuhr zum Sitz des NKWD: Perscholl war weg – ich sah ihn niemals wieder. Die Archive waren weggeschafft worden. In der Stadt waren schon Plünderer am Werk, heilloses Chaos herrschte überall. Wir teilten uns in drei Gruppen. Die erste und größte wurde von Feldwebel Landowsky geführt. Seine Aufgabe war, so gut es ging zu verhindern, daß die Förderanlagen gesprengt würden. Es war nichts demontiert worden. Lastwagen fehlten, und die Bahnlinie Armawir-Tuapse bildete die Frontlinie. Das Kommando über die zweite Gruppe gab ich Koudele-Protoff; er hatte in der Stadt zu bleiben und die Telefonzentrale und Telegrafenverbindung mit dem Nordkaukasus zu zerstören.

Ich wollte das Kommando der ersten Gruppe selbst übernehmen, aber in der Nacht vom 8-/9. August erfuhr ich, daß zwei Brigaden der Roten Garde aus Tiflis und Baku angekommen waren und an der Bahn- und Straßenkreuzung Stellung bezogen. Das war dumm. Frühmorgens am 9. August erhielt ich den Funkspruch, daß Spähtrupps der 13. Panzerdivision nurmehr 20 km entfernt wären und in kürzester Zeit die Kreuzung angreifen würden. So setzte ich vier Wagen in Marsch; mit bewaffneten Soldaten auf dem Trittbrett gelang es mir, gegen den Strom der vorbeiziehenden Flüchtlinge einen Weg durch die Straßen frei zu machen. Schließlich war ich aus der Stadt, ließ die Autos in der Nähe eines frei stehenden Gebäudes parken, das von Militär bewacht wurde: die Nachrichtenvermittlungszentrale der Armee. An manchen Stellen schlugen schon Granaten unserer 15-cm-Haubitzen ein. Es war leerer auf der Straße geworden. Man hörte die Abschüsse der russischen Geschütze. Sechs unserer Leute schlichen sich mit Sprengpaketen unter den Armen in die Zentrale. Als sie zurückkamen, rasten wir sofort zwischen Granateinschlägen in Richtung Front. Ein paar Minuten später hörten wir eine starke Detonation: die Vermittlungszentrale war in die Luft geflogen. Bei der russischen Artillerie angekommen, ließ ich deren Kommandeur rufen, einen Oberstleutnant, den mir Perscholl während unserer ersten Inspektion vorgestellt hatte. Ich fragte ihn, auf was und auf wen er denn seiner Meinung nach mit seinen Kanonen schieße. >Auf die Germanskis natürlich!<

>Die Faschisten haben eine andere Richtung eingeschlagen, und die Frontlinie liegt jetzt hinter Maikop. Rufen Sie doch an!<

Er versuchte es – vergeblich natürlich. Dann gab er den Befehl, das Feuer einzustellen und so rasch wie möglich den Rückzug anzutreten. >Kommen Sie mit?< wollte er wissen.

>Pflicht ist Pflicht, Genosse. Ich werde unseren tapferen Infanteristen Bescheid geben, damit sich die Falle nicht hinter ihnen schließt.< >Genosse Major, wissen Sie, was Sie dabei riskieren?< >Dessen bin ich mir schon seit einiger Zeit bewußt!<

Wir erreichten die Stellungen, die von einer Infanteriedivision der Roten Garde gehalten wurden. Ich stellte mich dem General vor und meldete ihm, daß er fast abgeschnitten sei. Die Faschisten seien schon über Maikop hinaus. Er war ein pedantischer und argwöhnischer General; der NKWD war ihm offensichtlich nicht sehr sympathisch. Ich >drehte< sofort wieder >das Ding< mit dem Telefon und bemerkte nebenbei, daß sich die Artillerie schon auf dem Rückzug befinde. Vergeblich versuchte er zu telefonieren und fing nun an, mir unangenehme Fragen zu stellen. Stille trat ein. Wir schauten uns in die Augen. Ich hätte nicht gerne meine Pistole gezogen. In diesem Moment erschien, völlig außer Atem, ein Verbindungsoffizier und meldet den Rückzug der Artillerie. Ich wandte mich um. Erst dann befahl der russische General den Rückzug. Die benachbarten Einheiten bemerkten den Abmarsch und schickten Offiziere, um zu fragen, ob neue Befehle eingetroffen seien, was mir eine peinliche Diskussion ersparte, die recht unangenehme Folgen für mich hätte haben können. In der Zwischenzeit, zur vereinbarten X-Zeit, betraten Koudele-Protoff und seine Leute die Nachrichtenzentrale Nordkaukasus. Sie taten, als ob sie dort hinbefohlen wären. Sie redeten laut und stießen auf einen Kommandanten, der ihnen von oben herab erklärte: >Wenn der NKWD abgehauen ist, brauche ich nicht das gleiche zu tun!<

>Wie!<  schimpfte Koudele-Protoff.  >Ich bin Leutnant des NKWD und bitte Sie, gefälligst zurückzunehmen, was Sie eben gesagt haben!< Der Genosse Major wurde etwas kleinlaut und erklärte, daß er noch keinen Befehl zum Rückzug erhalten habe:

>Dann bekommen Sie auch keinen mehr! Die neue Frontlinie formiert sich gerade bei Apschetousk. Erkundigen Sie sich!< Anruf bei der Zentralstelle. Keine Antwort – natürlich. >Ich habe Befehl, dieses Gebäude zu sprengen<, sagte Koudele. >Und ich habe denselben Befehl, im Falle .. .<

>Gut, bleiben Sie doch mit Ihrer Mannschaft, wenn Ihnen nichts Besseres einfällt, und Sie gehen mit in die Luft! In weniger als 15 Minuten wird die Verbindungszentrale zum Nordkaukasus nicht mehr existieren. Die Faschisten können jeden Augenblick auftauchen!<

Der Kommandant und seine Untergebenen zogen mit erstaunlicher Geschwindigkeit ab. Dann kam die große Nummer: Koudele und seine Leute setzten sich an die Plätze der Funker und antworteten auf alle Fragen: >... unmöglich, Sie mit X, Y oder Z zu verbinden. Die Stadt wird evakuiert, und die Truppen marschieren in Richtung Tuapse. Wir haben Befehl, die Zentrale in einigen Minuten zu sprengen.« Alle noch einsatzfähigen Dienststellen in Maikop flüchteten schnellstens nach Süden. Koudele und sein kleines Kommando hielten an diesem Morgen des 9. Augusts 1942 die Zentrale Nordkaukasus, solange sie konnten. Aber es kamen chiffrierte Meldungen, auf die sie nicht antworten konnten. Man fragte sie, wer sie seien. Das beste war, alles sofort zu sprengen. Aber dieser Entschluß sollte das dritte Kommando Landowsky ganz beträchtlich bei der Ausführung seines Auftrages stören. Die Russen hatten das Erscheinen deutscher Truppen in Maikop einkalkuliert, und man hatte Vorkehrungen getroffen – selbst für den Fall eines Fallschirmjägereinsatzes. Landowsky verfügte über das zahlenmäßig stärkste Kommando, das er in kleine Gruppen falscher NKWD-Soldaten aufteilte. Er benutzte ein Feldtelefon, das er an das echte Telefonkabel anschloß, und rief die Nachrichtenzentrale der Armee an. Da auch bei einer Funknachfrage keine Antwort mehr kam, schickte er seine Gruppen in allen Richtungen zu den Erdölförderungsanlagen. Sie gingen planmäßig vor: sie kamen im Laufschritt an und ließen sich zu den Posten der Werkspolizei führen. Dort behaupteten sie, auf Befehl >von oben< hätten sie sofort die Aufgaben der Werkspolizei zu übernehmen und bei Annäherung der Nazitruppen alle Einrichtungen der Ölfelder zu zerstören. Der Trick gelang nicht in allen Fällen: in Makdse kamen sie zu spät. Der wachhabende Sicherheitschef hatte bereits die Armeezentrale angerufen, dann die Zentrale Nordkaukasus. Als er von beiden Stellen keine Antwort bekam, ließ er sofort alle Maschinen und Bohrstellen sprengen. Die Explosionswolke alarmierte sofort andere Sicherheitseinheiten, die dann diesem Beispiel folgten.

Die Vorhut der 13. Panzerdivision jedoch, die Maikop im Norden angriff, stieß nur auf schwachen Widerstand kleiner Infanterie-Einheiten, die die Nachhut bildeten. Die ersten Panzer General Heers rollten am selben 9. August 1942 um die Mittagszeit in die Vororte Maikops ein.«

Das war und so kämpfte Adrian v. Fölkersam. Für diesen Einsatz wurde er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Er war an meiner Seite, als wir die Burg in Budapest stürmten, und ich hatte ihn in den Ardennen in den Kampf ziehen sehen. Weshalb sollte ein Mann wie er in Hohensalza sterben? Ein Offizier, der die Aufgabe hat, eine Einheit im Gefecht zu führen, hat nur einen Willen: das ihm befohlene Ziel zu erreichen. Er sollte aber auch eine, wenn auch nur kleine Möglichkeit haben, dem Glück nachzuhelfen. Wenn aus taktischer Sicht der Gegner alle Chancen für sich hat, dann hilft der beste Wille nichts mehr. Im Laufe der letzten Kriegsmonate spielten Intelligenz und Ideenreichtum des Soldaten im Osten wie im Westen nur noch dann eine Rolle, wenn er handeln konnte, bevor er in der Lawine unterging.

Der Sturmbannführer der Waffen-SS v. Fölkersam, an der Spitze eines Bataillons und der Reste anderer Einheiten, wurde, wie viele andere von der Sturmflut eingeholt und überrollt. Die Nachrichten, die von der Front kamen, bewiesen mir ausreichend, daß es ihm trotz größter Geschicklichkeit und höchstem Mut nicht möglich sein würde, den feindlichen Angriff noch aufzuhalten. Die sowjetische Artillerie hatte schon in einem Kreis um Hohensalza über vierzig Geschütze je Kilometer aufgestellt und überschüttete unsere eingeschlossenen Truppen mit intensivstem Trommelfeuer. Ich wußte, daß Fölkersam sein Möglichstes tun würde, aber ich befürchtete, daß er mir nicht mitteilen würde, wie aussichtslos selbst die größte Tapferkeit seiner Kampfgruppe war.

Fölkersam war mein bester Kamerad und mein treuster Freund. Ihn bei einer derartigen hoffnungslosen Lage zu opfern, wäre zu hart für mich gewesen. Ihn einfach und unnötigerweise mit dem Jagdverband Ost untergehen zu lassen, war zu viel für mich. Als dann am 21. Januar 1945 mittags sein kurzer Funkspruch kam: »Lage unhaltbar. Soll ich Durchbruch versuchen? F.« nahm ich die Verantwortung auf mich, selbst den Rückzugsbefehl zu erteilen: »Heute nacht ausbrechen!« Es war schon zu spät. Am Nachmittag kam die schon von Major Heinz gefunkte Hiobsbotschaft:

»Fölkersam bei einem von ihm selbst angeführten Erkundungsvorstoß schwer verwundet. Kopfschuß. Habe Führung der Kampfgruppe übernommen. Ausbruchsversuch heute nacht.«

Vom Jagdverband Ost kamen einige Wochen später nur 2 Offiziere (Balten) und 13 Mann zurück nach Friedenthal – von insgesamt 800 Mann. Der nächtliche Durchbruch in zwei Gruppen ging zuerst mit Erfolg vonstatten. St.bann.Fhr. Fölkersam, noch ohne Besinnung, war notdürftig verbunden auf den Schlepper eines Artilleriegeschützes gelegt worden. Dieses Halbkettenfahrzeug sollte der Gruppe folgen, deren Durchbruchsstelle am günstigsten eingeschätzt wurde. Nach erfolgreichem Ausbruch teilte ein Funkspruch mit, daß die kleine Schutzgruppe für Fölkersam mit dem Schlepper durchgekommen war. Von dem Zeitpunkt an gab es keine weiteren Nachrichten von dieser Gruppe. In der Nacht vom 22-/23. Januar wurde der Großteil des Bataillons überraschend angegriffen und nach erbitterten Kämpfen aufgerieben. Die 15 Überlebenden irrten drei Wochen lang zwischen den feindlichen Linien herum und konnten uns nach der Rückkehr keine genauen Angaben mehr über das Schicksal der anderen Kameraden machen. Fölkersams Frau und seine neugeborene Tochter befanden sich in Posen, rund 140 km westlich von Hohensalza. Als ich am 20. Januar sah, daß sich die Lage an der Ostfront stündlich verschlechterte, beorderte ich den Divisionsarzt, Dr. Slama, nach Posen, der Mutter und Kind eben noch in den Westen bringen konnte. Fölkersam hatte einen jüngeren Bruder, der ebenfalls bei der Division Brandenburg war. Als Gefangener in der Sowjetunion soll er 1947 erfahren haben, daß Adrian seine Verletzungen überlebt habe und sich auch in Gefangenschaft befinde. Man sagte mir, er glaube bis heute daran.

Für alle, die Adrian v. Fölkersam gekannt haben, ist er nicht tot: er verachtete viel zu sehr den Tod, um jemals zu sterben und vergessen zu werden.


[Anm. der VS Red.: Ergänzende Informationen über Adrian von Fölkersam:

Der legendären Figur des Adrian Baron von Foelkersam begegnete in Friedenthal wohl jeder. Er ist Skorzenys Chef des Stabes. Der knapp 30-jährige Baltendeutsche aus St. Petersburg wuchs in Riga auf und war als Identifikationsfigur der baltendeutschen Jugend in Lettland vor dem Krieg weit bekannt. Nach dem Studium der Nationalökonomie in Wien arbeitete Adrian von Foelkersam – von seinen Freunden „Arik“ gerufen – als Journalist bei der Rigaschen Rundschau und engagierte sich als charismatischer Mannschaftsführer. Gemeinsam mit seinem Bruder Patrick kommt er nach Kriegsausbruch zur 2./Lehr-Regiment z.b.V. 800 „Brandenburg“, in der überwiegend Baltendeutsche und Freiwillige aus den früheren Kolonien Afrikas dienen. In zahlreichen waghalsigen Kommandoaktionen der „Brandenburger“ in Rußland beweist „Arik“ Mut, Kaltblütigkeit, Verhandlungsgeschick und Umsicht.

Am 14. September 1942 wird er nach einem besonders erfolgreichen Tarneinsatz in russischen Uniformen mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als Leutnant d. R. und Adjutant des I. Bataillons/Lehr-Regiment z.b.V. 800 „Brandenburg“ ausgezeichnet. Als die „Brandenburger“ immer weniger mit den für sie so charakteristischen Sondereinsätzen beauftragt werden, meldet er sich zu Skorzenys neuer Einheit, wo er als Chef des Stabes zu dessen wichtigstem Mann wird. Foelkersams Schreiber erinnert sich an diesen alle beeindruckenden Offizier: „Er war der große Schweiger. Er konnte hervorragend Varianten durchspielen. Er konnte exakt Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Er hatte immer Vorbehalte von Befehlen, die von Oben kamen. Jeder Befehl wurde erläutert und auf seine Umsetzbarkeit geprüft. So änderte er ohne weitere Zustimmungen Befehle ab. Er war von seiner Familientraditionslinie restlos überzeugt. Er war Anhänger der Eliteidee und Anhänger der Dichtung von Stefan George, was uns menschlich näher brachte. Seine Kommandounternehmen bereitete er mit Planspielen exakt vor und verwickelte Teilnehmer in nicht leichte Frage- und Antwortspiele. Er legte sehr großen Wert auf Einzelkämpferausbildung und Härtetests. Er war kein überheblicher Vorgesetzter. Er muß eine sehr große Vertrauensstellung eingenommen haben.“

Nachdem er (Walter Girg) mit Skorzenys Panzerbrigade 150 in den Ardennen kämpft, gerät SS-Hauptsturmführer Adrian Baron von Foelkersam am 20. Januar 1945 als Kommandeur des SS-Jagdverbandes „Ost“ durch einen Kopfschuß schwer verwundet in Hohensalza in sowjetische Gefangenschaft. Er ist nicht – wie in der Literatur gesagt – gefallen, sondern wurde von den Sowjets in Moskau gefangen gehalten. Sie zeigten an ihm und seinen Kommandounternehmen großes Interesse. 1949 verliert sich die Spur dieses bemerkenswerten Menschen in der Sowjetunion.

Aus dem Buch: Hagen Berger. Walter Girg. In Hitlers Auftrag hinter den feindlichen Linien. Geheimeinsätze in der Uniform des Gegners. Ein Eichenlaubträger zwischen Skorzeny, CIA und BND. Verlag für Wehrwissenschaften, 2014, SS. 62-63]


(Aus dem Buch: Otto Skorzeny. Meine Kommandounternehmen)


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Karl Dönitz


Der 20. Juli 1944

Die Ereignisse des 20. Juli und ihre Problematik beschäftigen immer wieder die deutsche Öffentlichkeit und bringen Meinungsverschiedenheiten in unser Volk. Wie eh und je haben wir Einigkeit nötig. Es wäre deshalb gut, wenn die Gegensätze, die durch die verschiedenen Ansichten über den 20. Juli hervorgerufen werden, überbrückt werden könnten.

Voraussetzung hierfür ist guter Wille zum gegenseitigen Verständnis für die unterschiedlichen Haltungen und Auffassungen. Nur die Wahrheit und der Versuch, die Probleme des 20. Juli frei von politischen Gegenwartszwecken zu sehen, können dazu verhelfen, die Aufspaltung zu überwinden.

Bei der Betrachtung des 20. Juli ist zu unterscheiden, ob die Tat vom menschlichen und sittlichen Standpunkt aus beurteilt werden soll oder von dem der politischen Richtigkeit. Es ist auch notwendig, klar abzugrenzen, an welcher Stelle sie etwa aufhört, sittlich und menschlich gerechtfertigt zu sein.

Am Mittag des 20. Juli 1944 rief mich in meiner Befehlsstelle in Lanke nördlich Berlins Vizeadmiral Voß aus dem Hauptquartier Hitlers in Ostpreußen an. Er sagte, es sei dringend erforderlich, daß ich sofort in das Hauptquartier käme. Die Gründe könne er am Telefon nicht angeben.

Als ich am späten Nachmittag des 20. Juli dort eintraf, wurde ich von Voß und dem Marineadjutanten Hitlers, Konteradmiral von Puttkamer, davon unterrichtet, daß einige Generalstabsoffiziere des Ersatzheeres ein Attentat auf Hitler unternommen hätten. Umfang und Zusammensetzung des Widerstandskreises und seine Motive waren mir völlig unbekannt. Verschwörung und Attentat überraschten mich daher sehr. Es schien mir unfaßbar, daß sich Offiziere im Kriege zu solch einer Tat entschließen konnten.

Wie stellte sich mir die Lage dar?

Die Front stand in schwerem Ringen gegen den äußeren Feind. Im Osten, Süden und Westen waren die deutschen Kräfte bis zum Zerreißen angespannt, im Osten vor allem, um ein Überfluten Osteuropas und Deutschlands durch die russische Übermacht zu verhindern. Nur die Haltung des Soldaten an der Front, der nichts sehnlicher wünschte, als in Frieden zu Hause zu sein, aber trotzdem immer wieder selbstlos bereit war, für seine Heimat und sein Volk das Leben einzusetzen, konnte die Front im Osten noch halten. Im Seekrieg ging die U-Bootwaffe unter großen Verlusten einen bewußten Opfergang. Sie kämpfte, ohne Aussicht auf zählbare Erfolge, ihren schweren Kampf mit dem Zweck, nicht abzuschätzende Kräfte der beiden feindlichen Seemächte zu binden, die gegen Deutschland selbst eingesetzt werden konnten, darunter eine große Zahl viermotoriger Bomber, die sonst für Luftangriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung verwendet würden.

So glich Deutschland einer belagerten Festung, die mit Mühe den äußeren Feind abwehrte. Ein Kampf innerhalb dieser Festung selbst mußte auf jeden Fall den Krieg nach außen stören und schwächen, wahrscheinlich die Fronten ganz auflösen und in Kürze die Niederlage herbeiführen.

Denn das Gelingen des Attentates bedeutete ohne Zweifel Bürgerkrieg. Die Verschwörer durften auf keine nennenswerte Gefolgschaft unter den Truppen in der Heimat rechnen, die sie brauchten, um nach der Beseitigung Hitlers die Macht in Deutschland auch wirklich übernehmen und sie sich erhalten zu können.

Die Masse des deutschen Volkes stand noch immer hinter Hitler. Man ahnte nichts von den Tatsachen, die die Widerständler kannten und die sie zum Handeln bewogen. Mit der Beseitigung Hitlers allein waren die Machtmittel des nationalsozialistischen Staates auch noch nicht gebrochen oder übernommen. Es war zu erwarten, daß seine Organe sich gegen die neue Regierung zur Wehr setzen würden; Chaos im Innern mußte die Folge sein.

Das alles konnte die Front in ihrer Widerstandskraft nur schwächen. Auch würde der personelle und materielle Nachschub ins Stocken geraten oder ganz aufhören. Konnte man unter diesen Umständen von Frontsoldaten etwas anderes erwarten als eine Ablehnung jeder Umwälzung im Innern?

Die Offiziere mußten von ihren Soldaten im Kriege immer wieder den Einsatz des Lebens fordern. Konnten sie die Hand zu einer Tat reichen, die die Kampfkraft der Front zum mindesten schwächen, das Leben der Soldaten also in erhöhtem Maße gefährden mußte?

So stellte sich mir die Lage dar und entsprechend handelte ich als Oberbefehlshaber meines Wehrmachtteils am 20. Juli 1944. Jede Erschütterung der Kriegsmarine war jetzt im Interesse ihrer Kampfkraft gegen den äußeren Feind so schnell und nachdrücklich wie möglich abzufangen. Den äußeren Feind zu bekämpfen, war allein ihre soldatische Aufgabe; ihre Geschlossenheit und Einsatzbereitschaft für diesen Kampf zu erhalten, war meine Pflicht. Ich durfte durch das Beispiel eigener Unsicherheit die mir unterstellten Soldaten nicht unsicher machen. Ich erklärte mich deshalb in meiner Rundfunkansprache an die Kriegsmarine am 20. Juli abends eindeutig gegen das Attentat.

Wie sehe ich die Dinge heute?

Die Marine war im Kriege von Hitlers persönlicher Führung nicht in dem Maße betroffen wie das Heer. Der Seekrieg war ihm fremd und unheimlich. Hitler enthielt sich der Marine gegenüber im späteren Kriegsverlauf jeden Eingriffs. So konnten zwischen ihm und der Marineführung auch nicht die Gegensätze entstehen, die sich zwangsläufig durch seine unmittelbare Führung des Heeres zwischen ihm und dem Generalstab ergeben mußten. Die Marine sah und erfuhr auch nicht, was etwa mancher General und Generalstabsoffizier an der Ostfront über Himmlers Wirken hinter den Frontabschnitten und über mancherlei sonstige Mißstände gewußt haben mag. Wegen ihrer Bindung an die See und an die Küsten besaß die Marine auch weniger Reibungsflächen mit der Partei und ihren Organen als die Heeresstellen der Heimat.

So hatte das Offizier- und Beamtenkorps der Marine, bis auf zwei Ausnahmen, mit der Widerstandsbewegung und der Planung und Vorbereitung des Attentats keine Berührung gehabt.

<…>

Ob das Attentat des 20. Juli politisch richtig war und ob es im Erfolgsfalle vor der Geschichte hätte bestehen können, das ist eine zweite Frage.

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Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß die Täter hinsichtlich ihrer außenpolitischen Erwartungen in schwerem Irrtum befangen waren. An der Forderung der Kriegsgegner nach „bedingungsloser Kapitulation“ hätte sich nichts geändert. Mit Hitlers Tod hätte nicht jedes Blutvergießen aufgehört, wie manche glauben. Auch hierüber nachträglich Thesen aufzustellen, ist unnütz, weil sie durch den Ablauf der Geschichte nicht mehr bewiesen werden können. Wahrscheinlich ist jedenfalls, daß die Auseinandersetzung im Innern, die Minderung und der Zusammenbruch der Widerstandskraft der Fronten nach außen, die Bombenangriffe, die bedingungslose Kapitulation und die russische Gefangenschaft unseres noch weit im Osten stehenden Millionen-Heeres, die Überflutung Ostdeutschlands durch die Russen sowie die Verschleppung der Ostbevölkerung noch sehr viel Blut gekostet hätten, wenn der Anschlag gelungen wäre.

Wie damals so glaube ich also auch heute noch, daß die Erwartungen, die die Attentäter des 20. Juli hegten, falsch waren. Wenn es ihnen gelungen wäre, an die Macht zu kommen, hätten sie die Niederlage mit ihren Folgen nicht verhindern können. Wie diese Niederlage, verglichen mit der des Mai 1945, ausgesehen hätte, ist völlig offen.

Es wäre aber höchstwahrscheinlich die Legende entstanden, daß nur der Verrat der Attentäter den Zusammenbruch herbeigeführt habe, und daß der Krieg zu einem guten Ende geführt worden wäre, wenn Hitler noch gelebt hätte. Ich glaube, daß die Herausbildung einer solchen Vorstellung das deutsche Volk noch viel tiefer zerrissen hätte, als dies heute durch den Meinungsstreit über den 20. Juli der Fall ist. Sie hätte es zum großen Teil mit dem Glauben belastet, daß es sein Unglück ausschließlich dem eigenen Verrat verdanke.

Wieviel schwerer wäre es dem deutschen Volk geworden, wieder gesund zu werden!

Wieviel schwerer wäre es ihm gefallen, zu einer seiner Lage entsprechenden, sachlichen Haltung sich selbst gegenüber zu gelangen, die die Voraussetzung ist für seine innere Stabilisierung und für sein angemessenes Verhalten gegenüber anderen Nationen!

Es ist also heute meine Ansicht, daß es falsch wäre, Männer zu verdammen, die sich aus tiefer Gewissensnot und in dem Glauben, das Vaterland hierdurch retten zu können, zu dem Schritt des Widerstandes, also des Hochverrats und des Attentats entschlossen, falls sie bereit waren, dabei ihr eigenes Leben zu opfern und diese Bereitschaft tatsächlich bewiesen.

Falsch ist es, Männern einen Vorwurf zu machen, die ihrem Eid getreu geblieben und in ebenso gutem Glauben bis zum letzten an ihrer Pflicht festhielten, den Kampf weiterzuführen.

Falsch ist es schließlich, das eine oder das andere Verhalten zum Range eines Mythos zu erheben. Es wird immer einen Teil des Volkes geben, der ihn nicht annimmt. Damit kann man den Riß nicht überbrücken, sondern nur vertiefen.

Ich habe erklärt und wiederhole, daß ich dem Hochverrat unter besonderen Bedingungen vom sittlichen und menschlichen Standpunkt aus Verständnis entgegenbringe. Ich muß hinzufügen, daß ich den Verrat militärischer Geheimnisse an den Gegner unter allen Umständen für verwerflich halte.

Wenn ein Staatsbürger sich gegen die Person des Staatsführers auflehnt, dem er die Verantwortung für das Unglück seines Volkes beimißt, so ist das zu rechtfertigen. Aber nie darf er sich anmaßen, Mitbürger, die so wenig Einfluß auf das Regierungsgeschehen haben wie er selbst, zu gefährden oder bewußt in den Tod zu schicken, indem er sich auf die Seite des Kriegsgegners stellt und ihm dadurch hilft, sein eigenes Volk zu vernichten. Zum Verräter militärischer Geheimnisse an den Gegner gibt es keine Brücke. Jedes Volk, jede Nation verachtet ihn. Selbst der Gegner respektiert ihn nicht, er benutzt ihn nur. Ein Volk, das zu solchem Verrat nicht in dieser Eindeutigkeit Stellung bezieht, rüttelt an den Grundlagen seiner Ordnung, in welcher Form es auch immer regiert sein mag.


(Aus dem Buch: Karl Dönitz. Zehn Jahre und zwanzig Tage)


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Heinz Guderian


Der 20. Juli 1944 und seine Folgen

Angesichts der Gefahr, die aus dem russischen Sieg und bei dem Fehlen jeglicher Reserven der nächst der Durchbruchsfront gelegenen Provinz Ostpreußen drohte, hatte ich als Vorgesetzter der Lehrtruppen der Panzerwaffe um den 17. Juli 1944 angeordnet, die kampffähigen Verbände aus Wünsdorf und Krampnitz bei Berlin nach Ostpreußen in den Festungsbereich von Lötzen zu verlegen.

Am 18. Juli meldete sich nachmittags ein mir von früher bekannter General der Luftwaffe und bat um eine Unterredung. Er teilte mir mit, daß der neue Befehlshaber West, Feldmarschall von Kluge, beabsichtige, ohne Wissen Hitlers einen Waffenstillstand mit den Westmächten zu schließen und zu diesem Zweck demnächst in Verhandlungen mit dem Feinde einzutreten. Diese Nachricht wirkte auf mich wie ein Keulenschlag. Vor meinem geistigen Auge zeichneten sich sofort die Folgen ab, die dieser Schritt Kluges und seine Auswirkungen auf die schwankende Ostfront und auf das gesamtdeutsche Schicksal nach sich ziehen mußte. Er hätte den sofortigen Zusammenbruch unserer Verteidigung in West und Ost zur Folge gehabt und zu einem nicht aufzuhaltenden russischen Vormarsch geführt. Bis zu diesem Augenblick hatte ich mir nicht vorstellen können, daß ein am Feinde stehender deutscher General im Gegensatz zum Oberhaupt des Reiches zu einem solchen Entschluß kommen würde. Da ich die mir gewordene Mitteilung nicht glauben konnte, fragte ich meinen Gesprächspartner nach seiner Quelle. Er weigerte sich, sie anzugeben. Er sagte mir auch nicht, weshalb er mir diese erschütternde Mitteilung machte, und was er sich davon versprach. Auf meine Frage, ob sich der geplante Schritt schon in nächster Zukunft ereignen würde, antwortete er mit Nein. Ich hatte also Zeit, mir in Ruhe zu überlegen, was mit dieser merkwürdigen Mitteilung gemacht werden konnte. Da ich im Hauptquartier durch fortwährende Vorträge und Besuche nicht zu ruhiger Überlegung kam, entschloß ich mich, am 19. Juli zu Besichtigungen nach Allenstein, Thorn und Hohensalza zu fahren und mir während der Fahrt Klarheit über meinen Entschluß zu verschaffen. Meldete ich das Gehörte Hitler, ohne die Quelle der Nachricht zu kennen, so setzte ich den Feldmarschall von Kluge unter Umständen zu Unrecht einem schweren und falschen Verdacht aus. Die Auswirkung auf Herrn von Kluge und die Westfront mußte sehr schlecht sein. Behielt ich die Nachricht aber für mich, und sie traf zu, dann machte ich mich zum Mitschuldigen an den schlimmen Folgen, die sie nach sich ziehen mußte. Es war also sehr schwer, den richtigen Weg aus dieser Situation zu finden.

Am 19. Juli vormittags besichtigte ich die Panzerjäger in Allenstein. Während dieser Tätigkeit wurde ich durch meinen Chef des Stabes, General Thomale, an den Fernsprecher gerufen und gebeten, den Befehl zum Abtransport der Panzer-Lehrtruppen von Berlin nach Ostpreußen um drei Tage zu verschieben. Der General Ulbricht, Chef des Allgemeinen Heeresamtes in Berlin, habe ihn angerufen und ihn darum gebeten, weil morgen – also am 20. Juli 1944 – eine „Walküre“-Übung der Ersatz- und Lehrtruppen in der Umgebung Berlins stattfände, die ohne die Teilnahme der Panzerlehrtruppen nicht zustande kommen würde. Das Deckwort „Walküre“ diente zur Tarnung der Übungen zur Abwehr feindlicher Luftlandungen und innerer Unruhen, wenigstens war dies die mir bekannte Bedeutung des Wortes. Nachdem Thomale mich über die augenblickliche Lage an der ostpreußischen Grenze beruhigt und versichert hatte, daß der Abtransport noch 2—3 Tage Zeit habe, gab ich innerlich widerstrebend meine Zustimmung zu der Teilnahme der Lehrtruppen an der Übung.

Am Nachmittag dieses Tages besichtigte ich Ersatztruppen in Thorn und fuhr am 20. Juli vormittags nach Hohensalza zur Besichtigung der dortigen Panzerjäger. Den Abend verbrachte ich zu Hause in Deipenhof. Ich hatte mich aufs Feld begeben und wurde von dort gegen 19,00 Uhr durch einen Kraftradfahrer an den Fernsprecher geholt, weil ein Gespräch aus dem Führerhauptquartier erwartet würde. Nach Hause zurückgekehrt, erfuhr ich durch meine Angehörigen die Radiomeldungen über das Attentat auf Hitler. Erst gegen Mitternacht erhielt ich sodann die Verbindung mit General Thomale und erfuhr von ihm in Kürze die Tatsache des Attentats, den Namen des Attentäters, den Befehl Hitlers, mich am nächsten Tage bei ihm zu melden und seine Absicht, mich an Zeitzlers Stelle in den Generalstab zu berufen. Das Flugzeug für die Rückkehr nach Ostpreußen sollte mich am 21. Juli um 8,00 Uhr in Hohensalza abholen.

Alle anders lautenden Angaben über meine Tätigkeit am 20. Juli 1944 sind erfunden. Ich habe von dem Attentat nichts geahnt, habe mit niemandem darüber gesprochen und am 20. Juli nur ein einziges Telefongespräch geführt, das eben erwähnte um Mitternacht mit General Thomale.

Der Vorgang, welcher zu meiner Berufung in den Generalstab führte, hat sich nach einer in meinem Besitz befindlichen eidesstattlichen Erklärung des Generals Thomale folgendermaßen abgespielt:

Am 20. Juli 1944, gegen 18,00 Uhr, wurde General Thomale in seiner Dienststelle von Oberstleutnant im Generalstabe Weizenegger aus dem Wehrmachtführungsstabe des Generaloberst Jodl angerufen und nach mir gefragt. Thomale gab meinen Aufenthalt an. Er erhielt darauf den Befehl, selbst sofort ins Führerhauptquartier zu kommen und sich bei Hitler zu melden. Er traf gegen 19,00 Uhr dort ein. Hitler empfing ihn in Gegenwart seines Adjutanten, Oberst von Below; er fragte zunächst noch einmal, wo ich mich befände, und ob ich gesund sei, was Thomale bejahte, und sagte sodann, er sei entschlossen gewesen, den General Buhle zum Chef des Generalstabes zu ernennen. Da dieser aber bei dem Attentat verletzt sei, und er nicht wisse, wie lange die Heilung der Wunden Buhle's dauern würde, habe er sich entschlossen, an Buhle's Stelle den Generaloberst Guderian mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes zu beauftragen. Thomale erhielt den Auftrag, dafür zu sorgen, daß ich mich am nächsten Morgen bei Hitler melden könne.

Aus diesem Tatbestand ergibt sich, daß Hitler ursprünglich nicht die Absicht hatte, mich zum Nachfolger Zeitzlers zu machen, mit dem er seit einiger Zeit in Konflikten lebte. Er hat seine Wahl erst auf mich gerichtet, nachdem durch das Attentat der für diesen wenig beneidenswerten Posten vorgesehene Kandidat ausfiel. Alle Folgerungen, die aus meiner Beauftragung mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes von Seiten der Gegner Hitlers in der Nachkriegszeit gezogen wurden, zerfallen in Nichts. Sie gehören in das Reich der Fabel oder stellen sich gar als böswillige Verleumdungen dar. Eigentlich könnten sich die Gerüchtemacher selber sagen, daß es nicht verlockend war, sich im Juli 1944 freiwillig zur Bearbeitung der Angelegenheiten der Ostfront zu drängen – und vorwiegend um diese handelte es sich bei der Stellung mit dem hochtönenden, historischen Namen.

Natürlich werde ich oft gefragt, warum ich den schweren Posten überhaupt angenommen habe. Man könnte einfach sagen: Weil es mir befohlen wurde. Die Schilderung der nun folgenden Ereignisse wird aber zeigen, daß die Ostfront sich am Rande eines Abgrundes befand, aus dem es Millionen deutscher Soldaten und die Zivilbevölkerung zu retten galt. Ich wäre in meinen eigenen Augen ein Schuft und Feigling geworden, wenn ich nicht den Versuch unternommen hätte, das Ostheer und die Heimat – Ostdeutschland – zu retten. Daß mir dies schließlich doch nicht gelang, bleibt bis zu meinem Tode das Unglück und der Kummer meines Daseins. Kaum einer kann das Schicksal unseres deutschen Ostens und seiner unschuldigen, wackeren, treuen und tapferen Menschen schmerzlicher empfinden als ich. Ich bin ja doch selber ein Preuße!

Am 21. Juli 1944 flog ich von Hohensalza nach Lötzen ab. Nach meinem Eintreffen hatte ich zunächst eine kurze Aussprache mit Thomale, der mir den Verlauf seiner Unterredung mit Hitler vom Vortage und den Verlauf des Attentats schilderte. Sodann traf ich mich mit Feldmarschall Keitel, Generaloberst Jodl und dem Nachfolger des schwer verwundeten Schmundt als Chefadjutant Hitlers und Chef des Heerespersonalamtes, dem General Burgdorf, um die mit der Neubesetzung der Stelle des Chefs des Generalstabes des Heeres zusammenhängenden Fragen zu klären. Insbesondere handelte es sich um eine nahezu vollständige Neubesetzung der Generalstabsstellen des OKH. Die bisherigen Stelleninhaber waren teilweise bei dem Attentat verletzt, wie der Chef der Operationsabteilung General Heusinger und sein erster Mitarbeiter Oberst Brandt, teils waren sie der Mitwisserschaft verdächtigt und bereits verhaftet, teils waren sie mir aus ihrer bisherigen Tätigkeit bekannt und als Mitarbeiter unerwünscht, teils hatten sie die Front noch nie gesehen und mußten aus diesem Grunde ausgewechselt werden. Vor dieser Besprechung hatte ich mein Eintreffen zur Übernahme der Geschäfte in der Dienstbaracke des OKH auf 16,00 Uhr angemeldet.

Nach Erledigung der Aussprache mit den Offizieren des OKW begab ich mich gegen Mittag zur Meldung zu Hitler. Er machte einen ziemlich mitgenommenen Eindruck; das eine Ohr blutete etwas; der rechte Arm war durch eine Prellung nahezu unbeweglich und lag in einer Binde. Geistig war er erstaunlich ruhig, als er mich empfing. Er beauftragte mich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Heeres und erklärte, daß er mit meinem Vorgänger Zeitzier seit einiger Zeit nicht mehr einig gewesen sei. Zeitzier habe ihm fünfmal sein Portefeuille zur Verfügung gestellt; das ginge im Kriege nicht an, und er könne den maßgebenden Generalen in dieser Hinsicht nicht mehr Rechte zugestehen, als den Männern an der Front. Diese könnten auch nicht kündigen oder den Abschied nehmen, wenn ihnen etwas nicht passe. Er verbot mir in aller Form, ihm Abschiedsgesuche vorzulegen.

Das Gespräch wandte sich dann den Personalien zu. Meine Wünsche zu der Stellenbesetzung im OKH wurden genehmigt. Die Stellenbesetzung der wichtigsten Frontkommandos wurde berührt. Hierbei bemerkte ich, daß der neue Oberbefehlshaber West keine glückliche Hand in der Führung großer Panzerverbände besitze, und daß ich daher vorschlagen müsse, ihn an anderer Stelle zu verwenden. Hitler fiel ein: „Und im übrigen ist er ein Mitwisser des Attentats!“ Keitel, Jodl und Burgdorf bemerkten alle drei, daß der Feldmarschall von Kluge „das beste Pferd im Stalle“ wäre, und daß man daher trotz seiner Mitwisserschaft nicht auf ihn verzichten könne. Mein Versuch, Herrn von Kluge unauffällig von der Westfront zu entfernen, war damit gescheitert. Da Hitler aber offenbar über die Haltung des Feldmarschalls von Kluge weit besser unterrichtet war als ich, sah ich von weiteren Schritten meinerseits ab.

An die dienstliche Erörterung knüpften sich noch einige persönliche Bemerkungen Hitlers. Er teilte mir mit, daß mein Leben gefährdet sei, und daß er daher eine Bewachung meiner Person durch die Geheime Feldpolizei angeordnet habe. Diese durchsuchte auch gründlich meine Wohnung und meine Kraftwagen, fand aber nichts Verdächtiges. Ich entschloß mich jedoch zum erstenmal, seit ich Soldat war, eine militärische Wache aus genesenden Panzermännern mit dem unmittelbaren Schutz meines Quartiers und meines Dienstgebäudes zu betrauen, die ihren Dienst bis zu meiner Entlassung treu versehen hat. Sie wurde von Zeit zu Zeit abgelöst.

Hitler riet mir sodann, seinen Leibarzt Morell wegen meines ihm bekannten Herzleidens zu konsultieren und mich von ihm spritzen zu lassen. Die Konsultation habe ich ausgeführt. Nach Befragen meines Berliner Arztes lehnte ich die mir dargebotenen Spritzen aber ab. Das Beispiel Hitlers ermutigte nicht gerade zu einer Behandlung durch Herrn Morell.

Hitler hatte sich durch das Attentat eine Prellung des rechten Armes zugezogen; beide Trommelfelle waren zerstört und im rechten Ohr die Eustachische Röhre verletzt worden. Er erholte sich sehr schnell von diesen äußeren Verletzungen. Seine bereits bestehende Krankheit, welche sich in zunehmendem Zittern der linken Hand und des linken Beines für jedermann sichtbar äußerte, stand nicht mit dem Attentat in Zusammenhang. Schwerwiegender als die körperlichen Auswirkungen machten sich die seelischen bei ihm geltend. Seinem Charakter entsprechend, verwandelte sich sein tief eingewurzeltes Mißtrauen gegen die Menschen im allgemeinen und gegen den Generalstab und die Generale im besonderen nunmehr in abgrundtiefen Haß. Im Zusammenhang mit seiner Krankheit, die unmerklich zu einer Umwertung der Moralbegriffe im Menschen führt, wurde aus Härte nunmehr Grausamkeit, aus der Neigung zum Bluffen Unwahrhaftigkeit. Er sagte oft die Unwahrheit, ohne es zu bemerken, und setzte von den Menschen voraus, daß sie ihn belogen. Er glaubte niemandem mehr. Die Verhandlungen mit ihm, die schon vorher schwierig genug waren, gestalteten sich nunmehr zu einer Qual, die sich von Monat zu Monat steigerte. Er verlor oft die Selbstbeherrschung und ließ sich in seinen Ausdrücken immer mehr gehen. In seiner engeren Umgebung fand er kaum ein Gegengewicht mehr, seit der höfliche und verbindliche Schmundt durch den ungehobelten Burgdorf ersetzt war.

Nach der Meldung bei Hitler betrachtete ich kurz das sogenannte „Lagenzimmer“, den Schauplatz des Attentats vom Vortage, dessen Zustand des öfteren geschildert wurde, und begab mich dann zum OKH in die Geschäftszimmerbaracke des Chefs des Generalstabes des Heeres, meinen nunmehrigen Arbeitsplatz. Ich fand die Baracke leer. Niemand war zu meinem Empfang zur Stelle. Nach Absuchen aller Räume traf ich im letzten einen schlafenden Gefreiten namens Riehl. Diesen braven Mann schickte ich auf die Suche nach einem Offizier. Nach einiger Zeit brachte er den Major Baron Freytag von Loringhoven, der mir aus der Panzertruppe bekannt und 1941 bei meiner Panzerarmee einer meiner Ordonnanzoffiziere gewesen war. Ich bat Freytag, die Geschäfte meines Adjutanten zu übernehmen. Dann versuchte ich die Heeresgruppen anzurufen, um mich über die Lage an der Front zu unterrichten. Im Zimmer des Chefs des Generalstabes standen drei Fernsprechapparate, deren Bestimmung mir nicht klar war. Ich hob den ersten Hörer ab. Eine weibliche Stimme meldete sich. Als ich meinen Namen nannte, schrie sie auf und hängte ab. Es dauerte lange, bis ich die Nachrichtenhelferinnen so weit beruhigt hatte, daß sie mir die gewünschten Verbindungen herstellten.

Die Entwicklung der Lage bis zum 20. Juli 1944 ist im vorigen Kapitel zu lesen. Sie war erschütternd. Um zu helfen, mußte zuerst das OKH arbeitsfähig gemacht werden. Diese Zentralstelle der Ostfront war in verzweifelter Verfassung. Mein Vorgänger hatte die Absicht gehabt, das OKH nach dem Maybach-Lager bei Zossen bei Berlin zu verlegen. Wesentliche Teile waren bereits dort, so der Generalquartiermeister mit allen seinen Organen, der Wehrmachts- und Heerestransportchef und zahlreiche andere wichtige Abteilungen. Die Nachrichtenverbindungen waren großenteils bereits umgelegt. Aus Ostpreußen konnten nur unter Schwierigkeiten die Gespräche zur Front und für den Nachschub des Gesamtheeres, der dem OKH oblag, durchgeführt werden. Der erste Entschluß, der gefaßt werden mußte, war der über den zukünftigen Sitz des OKH. Ich entschloß mich für Ostpreußen, wo auch Hitler und das OKW blieben. Die bereits getätigten Verlegungen nach Zossen mußten unverzüglich rückgängig gemacht werden.

Der nächste Schritt zur Wiederherstellung geordneter Zustände war die Stellenbesetzung. Ich berief, den General Wenck, der zur Zeit Chef des Stabes bei Schörner war, zum Chef der Operations-Abteilung, erweiterte aber bald seine Stellung zum Chef des Führungsstabes des OKH und unterstellte ihm außer der Operations-Abteilung noch die Organisations-Abteilung und die Abteilung Fremde Heere Ost, um den gesamten operativen Apparat in eine Hand zu legen. Mit der Leitung der Operationsabteilung wurde der Oberst von Bonin betraut, mit der der Organisations-Abteilung der Oberstleutnant Wendland. Die Abteilung Fremde Heere Ost behielt der bewährte Oberst Gehlen. Generalquartiermeister wurde anstelle des durch Selbstmord endenden Generals Wagner der Oberst Toppe. Zum General der Artillerie beim OKH wurde General Berlin, mein artilleristischer Berater aus Frankreich und Rußland ernannt, zum Heeres- und Wehrmacht-Nachrichtenchef der General Praun, mein alter Nachrichtenkommandeur aus den Feldzügen 1940/41. Bis alle diese Männer kommen konnten, vergingen einige Tage, bis sie eingearbeitet waren, weitere Zeit. Von den wichtigsten Mitgliedern des alten OKH blieb nur der Wehrmacht- und Heerestransportchef, der tüchtige General Gercke, in seinem Amt.

In den ersten Wochen meiner Tätigkeit hatte ich vollauf zu tun, die Maschine im Laufen zu halten. Zum Nachdenken über die sonstigen Probleme der Zeit blieb keine Muße. Dinge, die heute den Gegenwartsmenschen von Wichtigkeit scheinen, berührten mich damals kaum am Rande. Im Drange der Geschäfte blieb für die Tagesereignisse abseits der Front keine Zeit. Meine neuen Mitarbeiter und ich selbst arbeiteten bis tief in die Nacht, um die Front zu retten.

Welche Wirkung übte das Attentat vom 20. Juli nun tatsächlich aus?

Der Mann, auf den es abgesehen war, wurde leicht verletzt. Seine körperliche Verfassung, die ohnehin nicht die beste war, wurde noch mehr geschwächt. Sein seelisches Gleichgewicht wurde für immer gestört. Alle bösen Geister, die in ihm geschlummert hatten, wurden auf den Plan gerufen. Er kannte nun keine Hemmungen mehr.

Sollte das Attentat ernste Auswirkungen auf den deutschen Regierungsapparat haben, so hätten die wichtigsten Träger des nationalsozialistischen Regimes gleichzeitig mit Hitler beseitigt werden müssen. Aber von diesen war niemand bei dem Attentat zugegen. Für die Beseitigung von Himmler, Göring, Goebbels, Bormann – um nur die Wichtigsten zu nennen – war nicht vorgesorgt. Die Verschworenen hatten sich nicht die geringste Gewähr zu verschaffen gesucht, daß sie ihre politischen Pläne im Falle des Gelingens des Attentats auch wirklich durchführen konnten. Der Attentäter, Graf Stauffenberg, war sich dieser Schwäche seines Planes auch klar bewußt, denn er hatte seine Absicht bereits einmal aufgegeben, als er wenige Tage zuvor auf dem Obersalzberg bemerkte, daß Himmler und Göring, mit deren Anwesenheit er gerechnet hatte, nicht im Saale waren. Mir ist nicht bekannt, weshalb Graf Stauffenberg am 20. Juli zur Tat schritt, obwohl die Voraussetzungen für den vollen, politischen Erfolg seines Schrittes fehlten. Vielleicht hat ihn der Haftbefehl gegen Dr. Gördeler zur Tat getrieben.

Sollte das Attentat ferner selbst im Falle der Tötung Hitlers zur Übernahme der Macht durch die Verschworenen führen, so mußten die hierzu nun einmal notwendigen Truppen sicher sein. Die Verschworenen verfügten aber über keine einzige Kompanie. Sie waren daher nicht einmal in der Lage, die Macht in Berlin an sich zu reißen, als Graf Stauffenberg mit der falschen Nachricht vom Erfolg seines Anschlages aus Ostpreußen in Berlin landete. Die Offiziere und Männer der für „Walküre“ aufgebotenen Verbände hatten keine Ahnung, worum es ging. Daraus erklärt sich auch ihr „Versagen“ im Sinne der Verschwörer. Auch die von mir aus ganz anderen Gründen genehmigte Verzögerung des Abtransportes der Lehrtruppen der Panzerwaffe konnte nicht zum Erfolg beitragen, weil die Verschwörer gar nicht wagen konnten, die Truppe und ihre Führer in ihre Pläne einzuweihen.

Die außenpolitischen Voraussetzungen für einen Erfolg des Attentats waren nicht gegeben. Die Beziehungen der Verschworenen zu maßgebenden Politikern des feindlichen Auslandes waren spärlich. Keiner der maßgebenden, feindlichen Politiker hatte sich auch nur im mindesten zu Gunsten der Verschworenen festgelegt. Man geht wohl nicht zu weit, wenn man sägt, daß die Aussichten des Reichs bei Gelingen des Attentats um nichts besser gewesen wären, als sie es heute leider sind. Es ging unseren Feinden eben nicht nur um die Beseitigung Hitlers und des Nazismus.

Die ersten Opfer des Attentats waren der Oberst Brandt von der Operations-Abteilung des OKH, der General Körten, Chef des Generalstabes der Luftwaffe, der General Schmundt, Chefadjutant Hitlers, und der Stenographist Berger. Abgesehen hiervon waren viele Mitglieder des OKH und OKW verletzt. Dieses Opfer war unnötig.

Die nächsten Opfer waren die Mitwirkenden oder Mitwisser der Verschwörung und deren Familien. Nur eine kleine Zahl der Hingerichteten war tatsächlich aktiv an der Verschwörung beteiligt. Ein sehr großer Teil hatte etwas davon gehört und bezahlte kameradschaftlich gedachtes Schweigen über Gerüchte und Vorzimmergespräche mit einem bitteren Tode. Als erste fielen die Hauptführer, soweit sie nicht – wie Generaloberst Beck, Generalquartiermeister Wagner, General von Treskow, Oberst Baron Freytag von Loringhoven und andere – selbst ihrem Leben ein Ziel setzten, oder durch die Standgerichtsjustiz von Fromm erschossen wurden – wie Graf Stauffenberg, Ulbricht, Mertz von Quirnheim und von Haeften.

Hitler ordnete an, daß alle Beklagten vor einem gemeinsamen Gericht, dem Volksgerichtshof, abgeurteilt werden sollten. Für die Soldaten bedeutete dieser Befehl, daß nicht das zuständige Reichskriegsgericht über sie zu urteilen hatte, sondern ein Sondergericht aus Zivilrichtern, daß nicht die üblichen militärischen Strafgesetze und Strafvollstreckungsvorschriften für sie galten, sondern die von Haß und Rachsucht diktierten Sonderbefehle Hitlers. Unter der Diktatur gab es gegen diese Befehle kein Rechtsmittel.

Um die Soldaten, die der Mittäter- oder Mitwisserschaft verdächtig waren, dem Volksgerichtshof zuführen zu können, war ihre vorherige Entlassung aus der Wehrmacht erforderlich. Diese sollte auf Grund der Untersuchung durchgeführt werden, mit welcher Hitler einen sogenannten „Ehrenhof“ beauftragte, in welchen unter dem Vorsitz des Feldmarschalls von Rundstedt neben Keitel, Schroth, Kriebel und Kirchheim auch ich berufen wurde. Meine Bitte, mich wegen Überlastung durch das neue Amt, welches ich zusätzlich zu meiner Stellung als Generalinspekteur der Panzertruppen wahrzunehmen hatte, nicht mit dieser unglückseligen Aufgabe zu belasten, blieb unberücksichtigt. Ich konnte nur erreichen, daß ich einen ständigen Vertreter – eben General Kirchheim – erhielt, wenn mich meine anderen Dienstpflichten an der Teilnahme an den Sitzungen hinderten. Ich nahm anfänglich überhaupt nicht an den Verhandlungen teil, bis Keitel mich im Auftrage Hitlers aufsuchte und aufforderte, doch wenigstens gelegentlich zu erscheinen. Wohl oder übel mußte ich also an zwei oder drei dieser entsetzlichen Verhandlungen teilnehmen. Was ich da zu hören bekam, war tieftraurig und erschütternd.

Die Voruntersuchung wurde durch Kaltenbrunner und den SS-Gruppenführer Müller von der Gestapo geführt. Der erstgenannte war österreichischer Jurist, der zweite bayerischer Beamter. Beide hatten kein Verständnis für das Offizierkorps j von Müller kann man sagen, daß er ihm mit einer Mischung von Haß und Minderwertigkeitsgefühlen gegenüberstand; im übrigen war er eine eiskalte, ehrgeizige Natur. Außer diesen beiden nahmen der Chef des Heerespersonalamtes, General Burgdorf, und dessen erster Mitarbeiter, General Meisel, an den Sitzungen teil; sie waren Protokollführer und Beobachter im Auftrage Hitlers. Die Akten der Voruntersuchung enthielten die selbstverfaßten Angaben der Beschuldigten, meist Geständnisse von einer nahezu unbegreiflichen Offenheit, wie eben Offiziere vor einem Ehrengericht auszusagen pflegten, das sich aus Standesgenossen von gleicher Ehrauffassung zusammensetzte. Daß die Unglücklichen sich aber bei der Gestapo vor ganz anders denkenden Untersuchungsführern befanden, war ihnen offenbar niemals zu Bewußtsein gekommen. Die Aussagen enthielten daher nicht nur das, was die betreffenden selber anging, sondern auch die Namen und Handlungen oder Unterlassungen anderer. Jeder, dessen Name in einer dieser Niederschriften erwähnt war, wurde verhaftet und verhört. So gelang es der Gestapo bald, ein nahezu lückenloses Bild von dem Umfang der Verschwörung und dem Kreis der Beteiligten zu gewinnen. Aber nicht nur das. Angesichts der offenen Geständnisse war es oft unmöglich, ihre Verfasser für unschuldig oder unbeteiligt zu erklären. Ich habe bei den wenigen Anlässen meiner Anwesenheit redlich versucht, zu retten, wen ich irgend retten konnte. Es waren leider nur wenige, bei denen mir dieser Liebesdienst gelang. Im gleichen Sinne wie ich wirkten die anderen Beisitzer, besonders Kirchheim, Schroth und Kriebel. Feldmarschall von Rundstedt hat uns stets unterstützt.

Der „Ehrenhof“ hatte lediglich zu untersuchen, ob der Beschuldigte nach dem Ergebnis der Voruntersuchung voraussichtlich vor dem Volksgericht als Mitschuldiger oder Mitwisser verurteilt werden würde oder nicht. Traf die erstgenannte Voraussetzung zu, dann schlug das zuständige Personalamt den Betreffenden zur Ausstoßung aus der Wehrmacht vor. Damit war dann nicht mehr die Zuständigkeit des Reichskriegsgerichts gegeben. Diese Untersuchung konnte lediglich auf Grund der vorliegenden Akten gefällt werden. Vernehmungen der Beschuldigten waren nicht zugelassen.

Man geriet bei diesen trüben Verhandlungen in die größten Gewissenskonflikte. Jedes Wort mußte überlegt werden, wollte man nicht durch die Entlastung des einen andere, noch nicht bekannte oder gar verhaftete Kameraden ins Unglück bringen.

Die Todesurteile des Volksgerichts wurden durch Erhängen vollstreckt, eine Todesart, die das deutsche Strafrecht und erst recht das Militärstrafrecht vorher nicht kannte. Bis dahin wurden Soldaten, die des Todes für schuldig befunden wurden, durch die Kugel getötet. Die Vollstreckung der Todesstrafe durch Erhängen wurde von Österreich importiert. Aber sie wird leider auch heute noch angewandt.

Wer einen Staatsstreich ausführt, muß damit rechnen, daß er im Falle des Mißlingens wegen Hochverrats sein Leben verwirkt hat. Aber wie viele von den für den 20. Juli 1944 Hingerichteten waren sich dessen bewußt? Wohl nur die wenigsten. Dieses Argument fand allerdings vor Hitler keine Gültigkeit. So kam es, daß Offiziere verurteilt wurden, die von der Absicht eines Staatsstreiches erst unmittelbar vor dem 20. Juli Kenntnis erhielten und nun nicht sofort Meldung erstatteten, weil sie sich der Tragweite des Gehörten wohl kaum so schnell bewußt werden konnten. Völlig Unbeteiligte wurden in den Todeswirbel hineingerissen, weil sie versuchten, Kameraden zu helfen. Das vielleicht erschütterndste Beispiel hierfür ist der Fall des Generals Heistermann von Zielberg, des Schwiegersohnes meines hochverehrten, früheren Inspekteurs und Divisionskommandeurs, des Generals von Tschischwitz. Zielberg war am 20. Juli 1944 Kommandeur einer Division an der Ostfront. Sein erster Generalstabsoffizier, Major Kuhn, früher in der Organisations-Abteilung des OKH unter General Stieff, war Mitwisser der Verschwörung. Zielberg erhielt ein Telegramm mit dem Befehl, Kuhn sofort festzunehmen und unter scharfer Bewachung nach Berlin zu schicken. Er gestattete Kuhn, zu einem neuen Gefechtsstand allein vorauszufahren. Er wollte ihm damit eine Chance geben. Kuhn benutzte die ihm gebotene Gelegenheit aber nicht, um sich zu erschießen, wie Zielberg angenommen hatte, sondern um zum Feinde überzugehen. Zielberg wurde verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Dieses urteilte milde. Nach einiger Zeit erfuhr Hitler von dem Urteil. Er befahl ein neues Verfahren mit dem Ziel, auf Todesstrafe zu erkennen, weil Kuhn als ehemaliges Mitglied der Organisations-Abteilung des OKH Kenntnis der geheimsten Dinge erhalten habe, und sein übertritt zum Feinde daher einen erheblichen Nachteil für die Kriegführung bedeute. Zielberg wurde im Februar 1945 erschossen. Auch der zweite Schwiegersohn meines unglücklichen Vorgesetzten, der herzensgute General Gothsche, erlitt das gleiche Schicksal, allerdings aus einem anderen Grunde: er hatte geäußert, daß dieser Krieg wohl nicht mehr gewonnen werden könne. So traurig die Schicksale der Verurteilten waren, fast noch schlimmer gestaltete sich das Los der Hinterbliebenen. Die Sippenhaft, die über sie verhängt wurde, schuf große Not und Seelenpein. Nur wenig konnte man helfen und lindem.

Das Ergebnis des Attentats ist furchtbar, wie immer man die Dinge auch betrachten mag. Ich selbst lehne den Mord in jeder Form ab. Unsere christliche Religion gibt darüber ein eindeutiges Gebot. Deshalb kann ich den Entschluß zum Attentat nicht gutheißen. Abgesehen von diesem religiösen Grund muß ich aber auch feststellen, daß weder die innen-, noch die außenpolitischen Voraussetzungen für das Gelingen des Staatsstreiches gegeben waren. Die Vorbereitungen waren völlig unzulänglich, die Auswahl der Persönlichkeiten für die wichtigsten Stellungen unverständlich. Die treibende Kraft war ursprünglich Dr. Gördeler, ein Idealist, der glaubte, den Staatsstreich ohne Attentat ausführen zu können. Er und seine Mitverschworenen waren zweifellos von dem Gedanken beseelt, das beste für ihr Volk zu tun. Dr. Gördeler hat auch die Auswahl der Mehrzahl der führenden Persönlichkeiten getroffen und darüber Listen geführt, die durch eigene Unvorsichtigkeit der Gestapo in die Hand fielen, über den Charakter des zum Oberhaupt des Reiches bestimmten Generaloberst Beck habe ich mich bereits oben geäußert. Sein Verhalten am 20. Juli bestätigt die Richtigkeit meiner Ansicht. Feldmarschall von Witzleben war ein kranker Mann. Er haßte zwar Hitler glühend, besaß aber schwerlich die Entschlossenheit zur Durchführung eines Militärputsches in so gespannter Lage. Generaloberst Hoeppner war ein tapferer Frontsoldat; ich bezweifle aber, ob er sich der Tragweite seiner Handlungen am 20. Juli voll bewußt geworden ist. General Ulbricht war ein sehr tüchtiger Offizier und beherrschte seinen Aufgabenkreis; er hatte aber keine Kommandogewalt und keine Truppe, auf die sich ein Staatsstreich hätte gründen können. Bis zum 20. Juli 1944 war jahrelang diskutiert und verhandelt worden. Der Kreis der Mitwisser erweiterte sich ständig. Es nimmt nicht Wunder, daß die Gestapo schließlich Wind von dem einen oder anderen der verschiedenen Zirkel der Verschworenen erhielt, und daß nun eine Verhaftungswelle drohte. Diese drohende Verhaftungswelle wiederum erweckte wahrscheinlich in dem impulsiven Grafen Stauffenberg den Entschluß zum Attentat, den die anderen Verschworenen kaum gefaßt haben würden. Die Ausführung des Attentats mißlang. Der Attentäter aber irrte sich vollständig bezüglich der Wirkung seiner Bombe und verhielt sich mehr als unbesonnen. Generaloberst Fromm, der Befehlshaber des Ersatzheeres, spielte eine undurchsichtige Rolle. Auch er wurde schließlich ein Opfer des unglückseligen Attentats. General Heinrich von Stülpnagel, der Militärbefehlshaber in Frankreich, ein großer Idealist, den ich gut kannte und bei jeder Anwesenheit in Paris aufsuchte, mußte auf schreckliche Art sterben. Das Furchtbarste aber war das Ende des Feldmarschalls Rommel, über welches ich erst in der Gefangenschaft die Wahrheit erfuhr. Erst dann kam die ganze Tragik, in der wir gelebt hatten, mir zu vollem Bewußtsein.

Natürlich wird immer wieder die Frage aufgeworfen, was geschehen wäre, wenn das Attentat gelungen wäre. Niemand kann das sagen. Nur eines scheint sicher: Damals glaubte ein sehr großer Teil des deutschen Volkes noch an Adolf Hitler und wäre zu der Überzeugung gekommen, daß die Attentäter den einzigen Mann beseitigt hätten, der vielleicht noch in der Lage gewesen wäre, den Krieg zu einem glimpflichen Ende zu bringen. Mit diesem Odium wäre das Offizierkorps, die Generalität und der Generalstab in erster Linie belastet worden, schon während des Krieges, aber auch hinterher. Der Haß und die Verachtung des Volkes hätte sich gegen die Soldaten gekehrt, die mitten in einem Ringen auf Leben und Tod durch den Mord am Oberhaupt des Reiches unter Bruch des Fahneneides das bedrohte Staatsschiff führerlos gemacht hätten. Daß unsere Feinde uns deshalb besser behandelt hätten, als es nach dem Zusammenbruch geschah, ist unwahrscheinlich.

Nun wird man fragen: Was also hätte geschehen sollen? Da kann ich nur sagen: Es wird so viel von Widerstand gegen das Hitler-Regime geredet und geschrieben. Wer von den noch Lebenden, den Rednern und Schreibern, die an Hitler hätten herankommen können, hat denn selber wirklich auch nur ein einziges Mal Widerstand geleistet? Wer hat gewagt, auch nur ein einziges Mal Hitler seine abweichende Ansicht mitzuteilen und gar Auge in Auge mit dem Diktator auf seiner Meinung zu beharren? Das hätte geschehen müssen! In den Monaten, in welchen ich die Lagevorträge und zahlreiche militärische, technische und politische Besprechungen bei Hitler erlebte, taten das nur sehr wenige Menschen, von denen leider nur die wenigsten noch unter den Lebenden weilen. Ich muß aber ablehnen, jene Leute Widerstandskämpfer zu nennen, die nur hinter den Kulissen getuschelt haben, daß sie anderer Ansicht seien, die nur andere Leute anzustiften versuchten. Hier scheiden sich die Geister. Wer anderer Ansicht war als Hitler, hatte die Pflicht, ihm das offen zu sagen, wann immer sich ihm die Gelegenheit darbot. Dies gilt in erster Linie und ganz besonders für die Zeit, als es noch Zweck hatte, nämlich für die Zeit vor dem Kriege. Wer sich darüber klar zu sein glaubte, daß Hitlers Politik zu einem Kriege führen mußte, daß ein Krieg verhindert werden mußte, daß er zu einem Unglück für unser Volk werden mußte, der hätte vor dem Kriege die Gelegenheit suchen und finden müssen, dies Hitler und dem deutschen Volke in unmißverständlicher Deutlichkeit zu sagen, wenn nicht im Inlande, dann aus dem Ausland. Haben die seinerzeit Verantwortlichen das getan? Ich habe die deutschen Soldaten in zwei schweren Kriegen gesehen und hatte im zweiten Weltkriege die Ehre, sie zu führen. So wie sie gekämpft haben, treu bis in den Tod, treu ihrem Eid trotz drohender Niederlage, so treu sollen sie bleiben. Nur aus dieser Treue, aus diesem Opfermut, aus diesem unausgesprochenen Heldentum kann die Wiedergeburt eines starken und gesunden Volkes und Staates hervorgehen. Gebe Gott, daß es der jungen Generation gelinge, auf dieser edlen Grundlage ein neues Deutschland in Frieden aufzubauen, ein Deutschland, vor dem die anderen Völker wieder Achtung haben, wie einst.

(Aus dem Buch: Heinz Guderian. Erinnerungen eines Soldaten)


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Wladimir Iljin


Wladimir Iljin

Berlin-Neukölln, den 2. Januar 1942
Wipperstr. 10, o/Weichert


An das Außenpolitische Amt der NSDAP.

Meinen Ausführungen in bezug auf mein Buch „Schutzkästchen der deutschen Kultur“ erlaube ich mir noch folgendes hinzuzufügen:

1.) Dem letzten Kapitel über Helmholtz sollen nur zwei weitere Kapitel über Fechner und Moritz Plank folgen. Theodor Fechner ist der ganzen Welt als Wissenschaftler und Philosoph hinreichend bekannt, so daß ich mich für berechtigt halte, von einer besonderen Darlegung, die mich veranlaßt haben, ihm in meinem Werke ein besonderes Kapitel zu widmen, Abstand zu nehmen. Fechner hatte einen hervorragenden und durchaus selbständigen Schüler u. a. Auch in der russischen wissenschaftlich-philosophischen Literatur, nämlich meinen ehemaligen Lehrer, den z. Zt. bereits verstorbenen Professor der Universität Kiew – A.N. Giljarow, Schöpfer einer besonderen philosophischen Richtung, die er als „synechologischen Spiritualismus“ bezeichnete. – In dem Moritz Planck gewidmeten Kapitel werde ich unter Berufung auf den hervorragenden französischen Physiker, Mathematiker und Denker Henri Poincaré nachzuweisen versuchen, daß eben M. Planck – und nicht etwa Einstein und seinesgleichen – als Schöpfer der modernen Physik zu gelten haben.

2.) Dem „Schatzkästchen der deutschen Kultur“ soll sich ein weiteres Buch, betitelt: „Hitler der Übermensch, Rosenberg – sein Prophet und Nietzsche – sein Vorläufer“ anschließen. Darin wird nachgewiesen werden, daß der Kultur von „Mitteleuropa – Deutschland“, die Überkultur des Nationalsozialismus gefolgt ist, – geschaffen von Übermenschen und Menschengott Adolf Hitler. Er ist der erste wahre Übermensch, dessen Erscheinen Nietzsche verkündet hat. „Mein Kampf“ und „Der Mythos des 20. Jahrhunderts“ stellen eine Vollendung dessen dar, wozu „Also sprach Zarathustra“ den Auftakt bildet. Dieser Werdegang der deutschen Kultur und des deutschen Geistes reicht mit seinen Wurzeln in weit entlegene Jahrhunderte zurück. Auch Fichte und Hegel finden darin ihre Plätze. Diesem zweiten Buch über die deutsche Kultur soll die von mir bereits verfaßte und heute im Druck befindliche Broschüre „Die kulturelle und Aufklärungstätigkeit im nationalsozialistischen Deutschland“, sowie die Broschüre meiner Frau „Hitler als Weltführer“ als Grundlage dienen. Diese nationalsozialistische Überkultur unserer Zeit findet in der titanenhaften Erscheinung des allmächtigen und allgegenwärtigen Übermenschen Hitler einen vollständigen Ausdruck. Somit schließt der zweite Teil meines Werkes mit einem donnernden Wagnerschen Akkord zur Verherrlichung der drei Gestalten von Adolf Hitler, Alfred Rosenberg und Friedrich Nietzsche.

Heil Hitler!

Wladimir Iljin


Wladimir Iljin | An das Außenpolitische Amt der NSDAP Wladimir Iljin | An das Außenpolitische Amt der NSDAP



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