Die verborgenen Folgen des Russischen Marsches


Prof. Dr. Pjotr Chomjakow


Der Russische Marsch 2006. Foto: Roman Saponkow


Der Russische Marsch vom 4. November war zweifellos das hoffnungsvollste Ereignis im politischen Leben Rußlands nicht nur der vergangenen Woche, sondern des ganzen Herbstes. In Anbetracht dieser Tatsache verwundert es nicht, daß das Drama des Russischen Marsches in den Medien noch längere Zeit hohe Wellen schlagen wird. Wie so oft stehen dabei rein äußerliche, besonders spektakuläre und emotionsbefrachtete Aspekte der Frage im Vordergrund.

Obwohl wir nicht gedenken, uns lange bei den äußeren Umständen des Geschehenen aufzuhalten, sind einige Worte zu den Einzelheiten angebracht. Bekanntlich haben die Organisatoren des Marsches letztendlich auf eine Kundgebung bei der Metrostation Komsomolskaja verzichtet und diesen lediglich als Sammel- und Ausgangspunkt benutzt. Dies ermöglichte es, die Nowaja Chodynka zu umgehen. Bei der Komsomolskaja gab es nicht einmal ein Gedränge. Von Abgeordneten begleitet, marschierten die Kundgebungsteilnehmer mehr oder weniger organisiert bis zum Park Kultury und begaben sich von dort aus zum Treffen auf dem Dewitsche Pole (Feld von Dewitsche).

Festzuhalten ist, daß es auch dort zu keinerlei nennenswerten  Ausschreitungen kam, obwohl ein erheblicher Teil der aus der Gegend um Moskau angereisten Marschteilnehmer – je nach Schätzungen 300 bis 550 - von der Miliz festgenommen wurde. Als Vorwand für ihre Verhaftung diente, daß manche von ihnen eiserne Gegenstände auf sich trugen, doch wurden keine Schlägereien registriert, bei denen diese verwendet worden wären. Die Behörden behaupten, es seien lediglich 37 Personen verhaftet worden. Vermutlich um die Öffentlichkeit mit einer polizeilichen Bürokratensprache einzuschüchtern, unterschieden sie zwischen „Verhafteten“ und „zwecks Feststellung ihrer Personalien für kurze Zeit in Gewahrsam Genommenen“. Im vorliegenden Fall machte dies freilich keinen großen Unterschied.

Unbestätigten Berichten zufolge soll der Abgeordnete Kurjanowitsch von Angehörigen der Miliz festgenommen und schwer mißhandelt worden sein. Wenn dies den Tatsachen entspricht, müßte man die Umstände dieses Zwischenfalls näher untersuchen. Es wäre dies dann das dramatischste Ereignis dieses 4. Novembers gewesen.

Mit Hilfe der von ihnen kontrollierten Medien stellten die Machthaber den verhältnismäßig „ruhig“ verlaufenen Marsch als Fiasko dar. Man kann diesen Herrschaften insofern recht geben, als die Geschehnisse des 4. Novembers an und für sich von recht geringer Bedeutung sind. Doch sind die politischen Konsequenzen dieses Epos vom Russischen Marsch weitaus größer als die äußerlich sichtbaren. In der Woche vor dem 4. November ereigneten sich nämlich Dinge, die für das Schicksal Rußlands ungeheuer weitreichende   Auswirkungen haben werden, welche in der Hitze der unzähligen Konfrontationen kaum einer so richtig abschätzen konnte.

Selbstverständlich wird all dies zur gegebenen Zeit erkennbar und Gegenstand eingehender Analysen werden. Doch haben wir Grund zur Annahme, daß wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt die einzigen sind, welche die daran Interessierten auf diese tektonischen Erschütterungen in der gegenwärtigen Entwicklung unseres Landes hinweisen. Freilich sei gleich hervorgehoben, daß die Tendenzen, die wir nun zur Sprache bringen wollen, zwar höchst aufschlußreich erscheinen mögen, jedoch auf den ersten Blick kaum als „tektonisch“ wahrgenommen werden dürften. Aber der erste Blick kann trügen. Beim Aufzählen und Beleuchten dieser Tendenzen werden wir darlegen, daß sie in ihrer Gesamtheit tatsächlich eine schicksalhafte Wende in der Geschichte des Landes einleiten – eine Wende, deren Umfang sich kaum überschätzen läßt. Wir schrecken nicht vor der Behauptung zurück, daß sie noch folgenschwerer sein wird als selbst die revolutionären Umwälzungen der Jahre 1917 und 1991.

Nun zu den Fakten:

Erstens: Die erste Novemberwoche galt seit jeher als Zeitraum, wo die Linken aktiv wurden. Sie bewiesen damit, daß sie im politischen Leben auch weiterhin eine Rolle spielten, und machten auf sich aufmerksam. Dieser Zustand hielt auch an, nachdem der 7. November als Feiertag abgeschafft und durch den 4. November ersetzt worden war. Im Jahre 2005 wurde der neue Feiertag schlicht ignoriert, und am siebten marschierten die Linken auf – vielleicht nicht so eindrücklich wie früher, aber immerhin: Sie marschierten.

Indem die Linken am 4. November 2006, dem wichtigsten Tag der politischen Saison, durch ihre Abwesenheit glänzten, haben sie anschaulich unter Beweis gestellt, daß sie politische Leichen sind, bei denen jeder Versuch einer Wiederbelebung aussichtslos ist. Ungeachtet aller ihnen noch offenstehenden Möglichkeiten haben sie gezeigt, daß sie in der aktuellen russischen Politik kein Machtfaktor mehr sind. Es gilt zu betonen, daß dies nicht etwa die Folge situationsbedingter Konstellationen oder der Schwäche der Linken ist, sondern das Ergebnis einer neuen Konfiguration des russischen Widerstandes. Für die Linken gibt es heute schlicht und einfach nirgends mehr einen Platz. Weder als Gegner noch als Verbündete sind sie noch ernstzunehmen.

Wir fordern unsere Leser auf, über die Tragweite dieser Tatsache nachzudenken. Die Linken, die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, haben ihre Linie auch nach dem Zerfall der UdSSR, nach dem Jahre 1993 sowie nach den stürmischen Umwälzungen der Jahre 1998 bis 2000 beibehalten. Doch nun finden sie sich über Nacht auf dem Abstellgleis wieder – nicht etwa als Ergebnis irgendwelcher Intrigen, sondern ganz automatisch, nicht weil irgend jemand dies wollte, sondern durch den Verlauf der Ereignisse. Nicht der dämonische, allmächtige Tschubais hat den letzten Nagel in den Sarg des Kommunismus getrieben – obschon er sich weidlich bemühte, eben dies zu tun -, sondern die noch gestern kaum bekannten Führer der DPNI [Dwischenije protiv nelegalnoi immigratsii, Bewegung gegen die illegale Einwanderung], die überhaupt keinen Gedanken an die Linken verschwendeten.

Es versteht sich, daß die Linken nicht endgültig in der Versenkung verschwunden sind. Auch künftig werden sie gelegentlich in Politik und Massenmedien herumgeistern – als politische Gespenster.

Das Verschwinden der Linken von der politischen Szene ist ein weitaus bedeutenderes Ereignis als der Niedergang der LDPR [Liberaldemokratischen Partei Rußlands]. Doch auch die Talfahrt der Schirinowski-Leute ist eine wichtige Entwicklung, die nach demselben Mechanismus verläuft wie der Absturz der KPRF. Für Schirinowski findet sich in der neuen Konstellation des politischen Widerstandes einfach keine Nische mehr. Indem er Kurjanowitsch wegen seiner Beteiligung an der Organisation des Russischen Marsches aus seiner Partei ausschloß, hat Schirinowski übrigens bewiesen, daß er sich dessen voll und ganz bewußt ist, und erkennen lassen, daß er beabsichtigt, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Dieses Signal wurde von seiner Partei und deren Sponsoren einhellig begriffen. Die örtlichen Sektionen der LDPR zerfallen vor unseren Augen, und die wichtigeren unter den Schirinowski-Anhängern wie der Parlamentsabgeordnete Mitrofanow suchen ganz unverhüllt nach einer Nische „außerhalb der Politik“. In diesem Zusammenhang wirkt der Wunsch des Führers der waidwunden LDPR, so rasch wie möglich eine Stelle als Botschafter der Russischen Föderation in Israel anzutreten, völlig logisch.

Was aber ist im Lager der Organisatoren des Marsches geschehen? Noch Wichtigeres und Bemerkenswerteres! Wir schenken es uns, auf die Einzelheiten der Intrigen bei der Vorbereitung des Marsches einzugehen, und weisen statt dessen auf eines seiner Ergebnisse hin.

Die „Staatspatrioten“, die „orthodoxen Patrioten“, die „Verfechter der Reichsidee“, die „Eurasisten“ und ähnliche Gruppierungen haben sich den Organisatoren des Marsches direkt entgegengestellt. Die russischen Nationalisten und die „Staatspatrioten“ haben zum ersten Mal erklärt, daß sie keine Verbündeten (nicht einmal unzuverlässige oder zeitweilige), sondern unversöhnliche Feinde sind.

Dies war nach der Geburt der national-patriotischen Opposition keineswegs der Fall gewesen. In den achtziger und neunziger Jahren haben nur ganz wenige russische Nationalisten eine solche Entwicklung befürwortet und angestrebt. Doch schließlich ist sie doch eingetreten, und zwar abermals gewissermaßen ganz von selbst. Eigentlich war niemandem daran gelegen, einen solchen Konflikt zu provozieren, aber er stellte sich trotzdem ein. Er stellte sich gemäß der inneren Logik der politischen Entwicklung Rußlands ein. Die beiden Lager haben sich gegenseitig verwünscht. Und nun können die Patrioten, die Anhänger eines „einheitlichen starken Rußlands“, nicht mehr darauf bauen, daß die Nationalisten ihre Politik unterstützen werden – ganz im Gegenteil: Sie haben die Nationalisten zu ihren gefährlichsten Gegnern erklärt.

Es ist aufschlußreich, daß diese Spaltung Hand in Hand mit einer religiösen Abgrenzung ging. Die radikalen russischen Nationalisten betrachten die Orthodoxie in ihrer übergroßen Mehrheit als ihren Feind, und die Orthodoxen haben sich offiziell vom Nationalismus distanziert. Paradoxerweise hat der Führer der DPIN, Below, seine Zugehörigkeit zur Orthodoxie stets betont und die Vormachtsstellung der Heiden in seiner Bewegung nach Kräften bekämpft. Doch die Logik der Entwicklung der Ereignisse hat sich als stärker erwiesen als die Bemühungen einzelner Menschen, auch jener, die bei dieser Entwicklung die treibende Kraft waren.

Nun können die verschiedenen Chorugwenoszy [Anmerkung: Chorugwenoszy = „Fahnenträger“ - christlich-orthodoxe Fanatiker. Yavolod] nicht mehr behaupten, sie seien „für die Russen“. Sie sind allenfalls „für die Bewohner Rußlands“. Und diese beiden Begriffe stehen einander mittlerweile feindlich gegenüber.

Interessanterweise sind die Teilnehmer am Marsch und die sogenannte „Nationalsozialistische Gesellschaft“ (NSO)[1], die sich von dem „eurasistischen orthodoxen Gezücht“ (so der von diesen Gruppierungen verwendete Ausdruck) losgesagt hatten, lange Zeit zusammen marschiert, und es wäre schwierig gewesen zu unterscheiden, wer zu den Nationalsozialisten und wer zu den „reinen“ Anhängern des Marsches gehörte. Doch genau eine Woche vor dem Marsch gingen den Nazis die Nerven durch. Sie begannen den Marsch als Provokation zu bezeichnen und versuchten die DPNI auf alle mögliche Weise in Verruf zu bringen. Die DPNI ihrerseits stellte ihre Position bezüglich nationalsozialistischer Symbole und Losungen eindeutig klar und verbot deren Benutzung während des Marsches. Und obgleich es unter den Aktivisten des Marsches zahlreiche Anhänger der NSO gab, erfolgte auf der obersten Stufe eine Spaltung, und die Mehrheit der NSO distanzierte sich vom Marsch.

Hier gilt es sogleich zu unterstreichen, daß die Vorwürfe der Nazis, wonach die DPNI eine Schöpfung des Geheimdienstes der russischen Föderation sein soll, haltlos sind. Die Führung dieser Bewegung hatte drei Wochen vor dem Marsch Informationen erhalten, die auf undichte Stellen innerhalb des Innenministeriums zurückgingen und denen zufolge schwere Provokationen gegen die Organisatoren des Marsches geplant waren. Zahlreiche führende Persönlichkeiten der DPNI sahen sich deshalb gezwungen, halbwegs in den Untergrund abzutauchen, und einige mußten sogar ihre Familien aus Moskau evakuieren.

Dies läßt sich durch einen Auszug aus einem Telegramm erhärten, das am 30. Oktober 2006 an sämtliche Bezirksabteilungen der Miliz abging. Infolge derselben Lecks im Innenministeriums wurde der Text dieses Rundschreibens Analysten zugänglich. Punkt 1.9. lautete wie folgt:

1.9. Maßnahmen in die Wege leiten, um Personen festzuhalten, die am 4. November bei der Organisation nicht genehmigter Massenveranstaltungen in den Städten der Russischen Föderation beteiligt sind.

Für die Echtheit dieses Dokuments, das unter Analytikern die Runde machte, kann ich nicht die Hand ins Feuer legen, doch etliche Anzeichen weisen darauf hin, daß es authentisch ist. Somit haben die Führung der DPNI sowie die Aktivisten des Marsches nicht etwa unter dem Schutz des Geheimdienstes agiert, sondern im Gegenteil seinem Druck getrotzt.

Dies ist offenkundig und eindeutig.

Jetzt, nach dem 4. November, werden diese Dinge höchstwahrscheinlich schon bald in Vergessenheit geraten. Wir berichten darüber nicht etwa, um unter den Mehr-oder-weniger-Patrioten und Mehr-oder-weniger-Nationalisten zu agitieren. Wir schreiben für seriöse Analytiker. Und wir halten daran fest, daß die Führung der DPNI zwar allerlei Ränke gesponnen haben mögen, jedoch nicht unter dem Schutz der russischen Machthaber standen.

Die Nazis jedoch, welche die DPNI kritisieren, haben in der Hitze des Gefechts eine ganze Menge von „Freudschen“ Fehlleistungen begangen. So fanden sich auf den nationalsozialistischen Websites mehrmals Warnungen vor einer „Destabilisierung der Situation“ oder einer „Erpressung der Machthaber“.  

Mit diesen Ausreden hat die nationalsozialistische Bewegung bewiesen, daß sie ihren Wesen nach überhaupt nicht revolutionär ist – auch wenn sie noch so gerne diesen Eindruck erwecken möchte. Allerdings fallen viele auf dieses Image herein, und sei es auch nur, weil sie nicht gründlich genug nachdenken. Aufmerksamen Beobachtern war stets klar, daß das ganze aufregte Gerede von “direkter Aktion” nur äußerst bescheidene und dazu noch verhältnismäßig gefährliche „direkte Aktionen“ zur Folge hat. 

Dies begann bereits vor langer Zeit. Schon die RNE [Russische Nationale Einheit] verbot ihren Mitgliedern, freiwillig an heißen Punkten zu kämpfen. Und diese Tendenz setzt sich fort. Die „direkten Aktionen“ der Nazis vom 4. November können nur Befremden auslösen. Sie beschlossen, dem Treffen der Liberalen auf der Bolotnaja Ploschtschad „Probleme zu bereiten“. Es bedarf fürwahr großen Mutes, um Bürgern mittleren und vorgerückten Alters, von denen ungefähr die Hälfte Frauen sind, an die Gurgel zu fahren! Überhaupt ist es heute ein reines Vergnügen, gegen die Liberalen zu Felde zu ziehen. Die Machthaber behandeln sie schlecht und werden vermutlich gleich beide Augen zudrücken, wenn jemand auf diese „Agenten des Westens“ eindrischt.

Ja, an liberalen Damen Balzacschen Alters kann man sein Mütchen bedeutend leichter mittels „direkter Aktionen“ kühlen als an Putins Milizionären, geschweige denn an den Männern fürs Grobe von der OMON [Krawallpolizei].

Geradezu komisch wirken die „direkten Aktionen“ der wackeren Nazis, die den Teilnehmer an einer liberalen Kundgebung vom anderen Ufer der Moskwa aus (!!!) Verwünschungen zuriefen.

Im übrigen unterscheidet sich der Kampf, den die angeblich oppositionelle NSO gegen die Liberalen führt, in nichts von ein und demselben Kampf, den die Putin-Leute von Naschi („Die Unseren“) den Liberalen liefern. Wodurch denn?

Man kann jedoch noch weiter gehen und fragen, worin sich die Nazis von „der ganzen Kanaille“, d.h. den eurasistischen und orthodoxen Reichspatrioten, unterscheiden. Die Antwort: Einzig und allein durch ihren Stil und ihre Rhetorik, nicht jedoch in ihren strategischen Zielen. Genau wie diese „Kanaille“ erstreben nämlich auch sie die Bewahrung und Stärkung des Imperiums, nur mit ihnen selbst an der Spitze. Und sie legen allen Hunden dieses Imperiums gegenüber eine ausgeprägte Zuneigung an den Tag. Vor einer radikalen Zerschlagung der russischen Staatsmaschinerie, die ihr Programm an und für sich erfordert, schrecken die Nazis zurück – weil sie dies weder bewerkstelligen können noch wollen.

Welche Schlußfolgerungen können wir daraus ziehen? Jene, daß sich die Opposition radikal verändert hat. Die „Halbopposition“ in Gestalt der Linken hat aufgehört zu existieren. Die Pseudo-Opposition in Form der LDPR, der „Reichspatrioten“ und der „orthodoxen Patrioten“ desgleichen.

Und in der neuen Opposition (diesen Ausdruck wollen wir uns merken) hat sich gleich zu Beginn ein Kern herauskristallisiert, der tatsächlich bereit ist, das Regime um jeden Preis kompromißlos zu bekämpfen.

Die Gegner dieser Linie – die Nazis nämlich – haben sich bereits selbst demaskiert. Und nicht genug damit: Die Schlagkraft der radikalen neuen Opposition ließ sich anhand der Masse der Protestierenden einschätzen. Trotz der lärmigen Diffamierungskampagne gegen jene, die den Ideen des Marsches die Treue gewahrt haben, erwiesen sich diese als recht zahlreich.

Bezeichnenderweise haben alle, welche tatsächlich kämpfen wollen und bereit sind, dies zu tun, sich dem Marsch letzten Endes angeschlossen oder ihn wenigstens indirekt unterstützt. Dies taten sie ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten mit den „im gleichen Lager stehenden“ Gegnern des Marsches. Dies gilt namentlich für die einfachen Anhänger der NSO. Der gesündeste und tatkräftigste Teil der NSO blieb dem Marsch nämlich trotz allem treu. Doch dies bedeutet, daß sie sich früher oder später vom Nazismus lossagen und sich der gesünderen und aussichtsreicheren Linie jener anschließen werden, die man vorderhand lediglich mit dem recht unscharfen Ausdruck „neue Opposition“ kennzeichnen kann.

„Na und?“ wird sich der eine oder andere Leser fragen. Die Götterdämmerung der Linken und die Schirinowski-Leute war schon lange abzusehen. Die Vertreter der Reichsidee, die Orthodoxen und die Eurasier galten aufmerksamen Analytikern ohnehin schon seit jeher allesamt als Agentur des Kremls. Die Nazis hatten in Rußland aufgrund völlig begreiflicher innerer und äußerer Ursachen nie irgendwelche Chancen auf einen Durchbruch. Mit dem Hakenkreuz als Wahrzeichen darf man in einem Land, das den Angriff Hitlerdeutschlands überlebt hat, schwerlich auf Erfolg hoffen. Außerdem besitzen die Nazis keine Aussichten, irgendwelche reelle Hilfe von außen zu erhalten. Und daß sie keine Chance haben, Teil einer soliden Koalition zu bilden, behaupten nicht nur die Faulen. Abgesehen davon, daß es der NSO stets schwer fällt, sich mit anderen politischen Gruppierungen abzusprechen, ist sie ständig mit – oft recht wüsten – Streitigkeiten in den eigenen Reihen beschäftigt. Vor dem 4. November konnten wir beobachten, wie innerhalb der NSO der eine den anderen aufs gröbste beschimpfte und attackierte.

All dies macht die Nazis von Anfang an völlig konkurrenzunfähig. Sämtliche seriösen Teilnehmer am politischen Spiel kapieren dies. Offensichtlich ist dies der Grund dafür, daß die Regierenden die Nazis letzen Endes stets mit Samthandschuhen anfassen. Daß der Geheimdienst die RNE von 1991 bis 1996,  als sie auf dem Höhepunkt ihrer Popularität stand, ganz unverhohlen protegiert hat, ist mittlerweile allgemein bekannt und wird gar nicht mehr angezweifelt.

Und dies ist logisch. Die Nazis haben viele echte Radikale für ihr vollkommen aussichtsloses Projekt eingespannt. Doch nun geht es mit diesem Spiel rasch zu Ende. Die wahren Radikalen standen mutterseelenallein da und hatten all jene Freunde verloren, von denen die Alten in ihrer Weisheit treffend sagten: „Befreie mich, Gott, vor solchen Freunden; mit meinen Feinden werde ich selber fertig.“

Und Gott hat die russischen Nationalradikalen in der Woche vor dem 4. November von solchen Freunden befreit.

Doch was hat diese unerwartete Kristallisierung der radikalen nationalistischen Opposition gebracht?

Die echte russische radikale Opposition, die auch nur theoretische Chancen zum Sturz des Regimes besaß, bildete bisher stets nur einen Bestandteil einer breiteren Koalition, in der sie nie die erste Geige spielte. In ausnahmslos allen oppositionellen Gruppierungen gehörten die Radikalen bloß zum Fußvolk.

Die radikale Opposition war von allen Seiten von ihren „geschworenen Freunden“ eingekeilt. Jetzt hat sie sich ihrer entledigt und zugleich die Nichtigkeit und Handlungsunfähigkeit all dieser ehemaligen „Freunde“ demonstriert.

Dies bedeutet im Grunde, daß es in Rußland bisher keine echte revolutionäre Opposition gab. Zum ersten Mal gibt es nun eine.

Doch wie stark sind nun jene, die sich aus der „erstickenden Umarmung“ befreit haben und „bereit sind, bis zum Ende zu gehen“? Wie groß sind ihre Chancen? Lohnt es sich für seriöse Teilnehmer am politischen Spiel überhaupt, sie in ihre Berechnungen einzubeziehen?

Die Antwort auf diese Frage lautet, daß die „neue Opposition“ ihre Stärke und ihre Perspektiven noch vor dem Marsch unter Beweis gestellt hat.

Wie?

Denken wir diese Frage gemeinsam durch!

Die Machthaber wollten den 4. November zum Feiertag ihrer Lakaien machen, die der Macht im traditionellen russischen Stil ihre Loyalität entbieten. Doch ist ihr dies gelungen?

Der 4. November wurde zum Tag des nationalen Widerstands und durchaus nicht nur zum Tag einer Versammlung um den Kreml herum. Die bescheidenen „neuen Oppositionellen“ mit ihren verschwindend geringen Möglichkeiten haben dabei den allmächtigen Kreml besiegt. Hat dem Kreml sein selbstangemaßtes Monopol auf die Medien dabei geholfen? Ein Monopol, das sich in anderen Fällen so effizient bewährt hat?

Nein.

Die Medien, selbst die speichelleckerischsten, sahen sich während der Vorbereitung des Russischen Marsches gezwungen, mehr über den Widerstand gegen diesen zu berichten, als Süßholz über die „Einheit“ zu raspeln. Ihre Monopolstellung hat ihnen dabei nicht geholfen.

Dazu kommt folgendes: Wenn man sämtliche in den Zeitungen erschienenen Artikel sowie Radio- und Fernsehsendungen in der Woche vor dem Marsch sorgfältig analysiert, gelangt man zum Ergebnis, daß die Organisatoren sowie die vorbereitenden Maßnahmen ungefähr so oft erwähnt wurden wie Putin.

Wem ist dergleichen nach 1999 sonst noch geglückt?

Niemandem.

Zeugt dies etwa nicht von Handlungsfähigkeit?

Zu den Machthabern selbst. Haben Sie ihre Angst vor einem Marsch, der von kaum bekannten Aktivisten organisiert wurde, nicht dadurch erkennen lassen, daß sie schon zwei Wochen vor dem Ereignis den zentralen Apparat des Innenministeriums alarmierten?

Denken Sie darüber nach, lieber Leser. Wie erschrocken muß man doch sein, um die Stellvertreter des Innenministers fast schon rund um die Uhr in Alarmbereitschaft zu versetzen.

All dies ist doch ein Beweis für die Schlagkraft der Opposition, nicht wahr?

Die Frage ist rein rhetorischer Art: Natürlich ist es ein Beweis.

Wie ist es nun um andere Teilnehmer am politischen Spiel bestellt, die Liberalen nämlich, die nie eine Gelegenheit verstreichen lassen, um das Schreckgespenst des „russischen Faschismus“ an die Wand zu malen? Sie haben die Organisatoren des Marsches von Anfang an aus ihrer Position kritisiert, dann aber plötzlich seine Genehmigung verlangt.

Die Nazis erklärten eilends, dies belege die „Verbindungen zwischen Below und Beresowski“.

Meine Herren, wenn die DPNI tatsächlich Geld von Beresowski erhielte, könnte Below mit jenem Maß an Tatkraft, daß er an den Tag gelegt hat, wirklich eine Revolution entfachen. Abermals nicht, um die Dummköpfe zu überzeugen, sondern um seriöse Analytiker mit Fakten zu versorgen, erklären wir in voller Kenntnis des Sachverhalts: Die DPNI hatte kein Geld. Sie bekam weder von Beresowski noch von anderen Liberalen welches. Wenn ich sage, sie habe kein Geld gehabt, spreche ich von größeren Summen und nicht von jenen zwanzig- oder fünfzig- oder auch hunderttausend Dollar, die ihre Führung bestenfalls aufzutreiben vermochte. Dieses Geld haben mehr oder weniger wohlhabende führende Mitglieder der Bewegung aus ihren eigenen Taschen in das Projekt investiert.

Und nun haben die Liberalen den ihnen eigenen Pragmatismus und das, was andere ihre „Prinzipienlosigkeit“ nennen, erkennen lassen. Sie erkannten, daß sie hier der Geburt einer neuen Kraft beiwohnten, die selbst mit den beschränktesten Möglichkeiten erstaunliche Erfolge erzielen würde.

Jene Liberalen, die sich für die Ergebnisse des Kampfs gegen das Regime interessierten (längst nicht alle von ihnen gehören zu dieser Kategorie, was sich vor und während des Russischen Marsches gezeigt hat), begriffen, daß man gut daran tut, diese neue Kraft ernstzunehmen, so wie sie früher Limonow, der über eine zwar beschränkte, aber reale Kraft verfügte, durchaus ernst nahmen. Nun sahen sie sich einer unvergleichlich stärkeren Kraft gegenüber und machten gleich einen leichten Bückling vor ihr.

Die Interessen der Liberalen sind nicht die unseren. Doch ihre professionelle Einschätzung der „neuen Opposition“ interessiert uns sehr wohl. Und sie schätzen sie sehr hoch ein, auch wenn sie dies niemals offen zugeben werden.

Wir wollen darauf hinweisen, daß all diese Ergebnisse noch vor dem Marsch erreicht wurden. Mit diesem selbst stellen die Organisatoren unter Beweis, daß sie die modernen Kommunikationstechniken beherrschen. Von diesen mag zwar viel die Rede sein, doch bisher hat in Rußland noch niemand vordemonstriert, wie man sie sich zunutze macht. Genau dies haben die Organisatoren des Marsches aber getan.

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie sich die Lage darböte, wenn die Initiatoren des Marsches diesen am Vortag, also dem 3. November, abgeblasen hätten:

1) Die erwähnten Resultate waren ohnehin schon erzielt.

2) Die Polizeikräfte des Innenministeriums hätten sich trotzdem an den Orten massiert, an denen der Marsch vermutlich vorbeigeführt hätte, und hätte andere Punkte entblößen müssen. Dies hätte dem interessierten außenstehenden Beobachter die Möglichkeit vor Augen geführt, bei Bedarf an anderen Orten massive Aktionen durchzuführen. Die Möglichkeit, mit geringen Kräften ein völliges Chaos heraufzubeschwören. Die Machthaber haben so oder so gezeigt, daß sie ungeachtet ihrer scheinbaren Allmacht in Wirklichkeit sehr verletzlich sind.

3) Die einen oder anderen Spannungen oder Zwischenfälle wären auch dann eingetreten und hätten den Bürger verärgert und an dem Pseudo-Feiertag zu Unruhen geführt.

4) Die Machthaber hätten eine schallende Ohrfeige erhalten und sich als Narren blamiert, die eifrig nach Luft haschen.

Es gilt allerdings darauf hinzuweisen, daß die einfachen Unterstützer des Marsches einen solchen Schritt nicht begriffen hätten. Doch professionell gesprochen war nicht ihre Reaktion entscheidend, sondern diejenige jener, welche das Epos des Marsches als Außenstehende verfolgt haben.

Uns liegen Berichte vor, wonach der Zentralrat der DPNI auf ein solches raffiniertes und für alle Mitkämpfer ungefährliches kombiniertes Vorgehen bestanden hat. Daß sich die Führung der Bewegung darauf nicht einließ, zeugt nicht von den Mängeln der „neuen Opposition“, sondern von der Qualität der gegenwärtigen Führung der DPNI, die letzten Endes eine Kompromißlösung gewählt hat. Der Marsch wurde zu einer Kundgebung der Unterstützung für das Treffen des „Volkswillens“.

Den Machthabern blieb die demütigende Ohrfeige erspart, die sie bei einem völligen Verzicht auf den Marsch erhalten hätten. Doch andererseits hat die DPNI vor ihren wenigen übriggebliebenen Verbündeten und vor ihrem eigenen Anhang ihr Gesicht gewahrt.

Man muß anerkennen, daß diese Lösung trotz allem elegant war. Doch so wichtig dies für die DPNI auch sein mag, für die neue Opposition als politische Kraft ist es nicht von Bedeutung. Für sie ist die DPNI nämlich bloß ein Samenkorn, das unvermeidlicherweise zugrunde gehen wird, aus dem jedoch der Halm der „neuen Opposition“ entsteht.

Es ist dies eine Prognose, die auf der inneren Logik der Entwicklung der Opposition beruht. Die Kristallisierung wird ihren Fortgang nehmen. Die Tendenzen zur politischen Radikalisierung, zur kritischen Überdenkung der alten Ideale, das Abstoßen von Verbündeten – all das wird weitergehen, und neu zur Bewegung stoßende Menschen werden überlebte Ansichten über Bord werfen müssen.

Noch ein Punkt. In seiner Erklärung vom 3. November vertrat D. Rogosin die These, wonach die Ziele des Marsches auch so erreicht, ja sogar “übererfüllt“ worden seien – etwas überhastet zwar, aber ohne jedes Wenn und Aber. Damit haben sowohl die Führung der DPNI als auch Rogosin bewiesen, daß sie die Situation begriffen haben. Die Frage lautet lediglich, ob sie das volle Ausmaß des Erreichten begreifen – und ob sie in diesem Fall nicht in Versuchung geraten werden, die Ergebnisse dieses Epos möglichst teuer an den Kreml zu „verkaufen“.

Was die DPNI betrifft, ist die Lage undurchsichtig. Der radikal-revolutionäre Kern der Bewegung betrachtet den Marsch mitsamt seinen positiven Auswirkungen zweifellos als Sprungbrett für den nächsten Kampf. Doch das politische und psychologische Porträt Belows gibt Grund zur Annahme, daß er vermutlich versuchen wird, den Erfolg des Marsches zusammen mit Rogosin in einen politischen Sieg umzumünzen, bei dem das Regime unangetastet bleibt.

Die „neue Opposition“ läßt sich jedoch nicht mehr abwürgen. Sie existiert mittlerweile und ist sich dessen bewußt. Sie wird unter neuen Bezeichnungen immer wieder aufs neue entstehen. Als selbständige Kraft. Mit einem eigenen „politischen Antlitz“.

Schließlich werden sich jene, die den Machthabern mitsamt ihren offenen und heimlichen Verbündeten Widerstand leisten, und die neue Opposition in den nächsten Jahren zu einem zentralen Faktor des politischen Lebens Rußlands mausern.

Doch wo bleibt denn die eingangs versprochene „tektonische Erschütterung“ der politischen Landschaft?

Hier die Antwort auf diese Frage:

In voller Übereinstimmung mit der Logik der politischen Evolution Rußlands fiel die Entstehung der „neuen Opposition“ zeitlich mit einer buchstäblich explosionsartigen Entwicklung bestimmter gesellschaftlicher Stimmungen zusammen. Konnte man die Radikalen früher noch mit der Warnung kirre machen, diese oder jede Handlung werde zum „Zerfall Rußlands“ führen oder „dem Staat Schaden zufügen“, so rufen heute sehr viele radikale Publizisten just dazu auf: Zur Zerschlagung Rußlands und zur Demontage der autoritären, bürokratischen polizeistaatlichen Maschinerie.

Losungen wie „Der russische Staat ist der Hauptfeind des russischen Volkes“, „Rußland ist nicht für die Russen, für die Russen wird Russenland sein“ finden ihre nahtlose Fortsetzung in Parolen wie den folgenden: „Ohne die Zerstörung Rußlands (d.h. des Imperiums) wird den Russen kein menschliches Leben vergönnt sein“ oder „Der Zerfall Rußlands ist die Rettung der Russen“.

Die „neue Opposition“ mit ihrer Bereitschaft, das Regime kompromißlos und rücksichtslos zu bekämpfen, stellt die politische Verkörperung dieser Stimmungen dar. Die Geschwindigkeit, mit der sich diese „neuen Stimmungen“ und die „neue Opposition“ ohne jede Unterstützung (ja, so ist es!) formiert haben, ist fürwahr erstaunlich. Beide sind vor erst anderthalb Jahren buchstäblich aus dem Nichts, in einem Vakuum, während der „bleiernen Zeit“ und Apathie des Putin-Regimes entstanden und bereits zu dem geworden, was sie heute sind.

Eine Extrapolierung dieser Geschwindigkeit auf die nahe Zukunft läßt keinen anderen Schluß zu als den, daß der Zerfall des heutigen Rußlands nicht zu vermeiden sein wird – nicht infolge des ethnischen Separatismus in den Randgebieten und auch nicht aufgrund äußeren Drucks, sondern vor allem als Ergebnis innerer Prozesse.

Die Effizienz der „neuen Opposition“ ist nach dem Kriterium „Kosten und Ergebnisse“ schlechthin einzigartig. Bei auch nur minimaler Unterstützung von außen und bei Erlangung mehr oder weniger umfangreicher finanzieller Ressourcen kann die „neue Opposition“ mittels einer anti-imperialen völkisch-nationalen Revolution tatsächlich den Sieg davontragen.

Doch ein Sieg mittels einer solchen Revolution wird das Ende des russischen Imperiums und der byzantinisch-orthodoxen Geschichte einläuten, das Ende einer Periode, die weitaus länger gedauert hat als die 1917 gestürzte Romanow-Dynastie oder die Sowjetepoche, die 1991 mit dem Auseinanderbrechen der UdSSR ihren Abschluß fand. Seinem Wesen nach wird dies das Ende Rußlands bedeuten. Und den Beginn einer neuen Geschichte eines neuen Landes – der demokratischen Konföderation Russenland.


P.S. Die innere Logik, der Rhythmus und der Stil unseres Kommentars haben es uns nicht gestattet, im Hauptteil unseres Textes gewisse Fragen subjektiven Charakters zu streifen. Nichtsdestoweniger ist es notwendig, auf die Rolle des subjektiven Faktors bei diesem ganzen Epos hinzuweisen.

Man muß zweifellos anerkennen, daß die Persönlichkeit A. Belows (Potkins) sowie jene seines Bruders einen erheblichen Einfluß auf den durchschlagenden Erfolg der DPNI ausgeübt haben. Die Gebrüder Potkin haben es verstanden, den Mechanismus der Konsolidierung der neuen Opposition zu bestimmen, der einerseits sehr schlagkräftig ist und es andererseits bisher vermocht hat, so zu manövrieren, daß die Bewegung den Schlägen der Machthaber nicht direkt ausgesetzt war.

Die Frage nach den Migranten ist das Moment, mittels dessen man jene, die mit dem heutigen Leben zutiefst unzufriedne sind, auf einfache Weise und ohne tiefschürfende Erklärungen galvanisieren kann. Und indem der Führer der DPNI nur die „illegalen“ Einwanderer aufs Korn nimmt, vermeidet er es, sich allzu sehr zu exponieren. Nichtsdestoweniger tummelt sich Potkin am Rande des Abgrunds und treibt ein recht gefährliches Spiel. Doch hier haben die Gebrüder Potkin außergewöhnlichen persönlichen Mut gezeigt und sich nicht gescheut, ihre Freiheit zu riskieren.

Dies ändert freilich nichts daran, daß A. Below und sein Bruder alles in allem dazu neigen, sich auf einen Handel mit den Machthabern einzulassen, wobei sie sich auf Politiker wie Rogosin, Saweljew und Kurjanowitsch stützen, die man zwar nicht einfach als „Systempolitiker“ abtun darf, die jedoch keinesfalls die „neue Opposition“ verkörpern.

Die „neue Opposition“ in ihrer reinen Form verficht nämlich nicht nur Losungen wie die vom „völkischen Nationalismus“, sondern fordert auch:

- Die völlige Demontage der russischen autoritär-polizeilichen Staatsmaschinerie;

- Die Zerschlagung Rußlands oder zumindest seine Umwandlung in eine Konföderation bei unbedingter Abtrennung des Nordkaukasus;

- Eine loyale Haltung gegenüber dem Westen und ein völliges Abrücken von der antiwestlichen imperialen Politik, Ideologie, Weltanschauung und Mythologie;

- Die Abwendung von der Orthodoxie und die Rückkehr zum Heidentum;

Weder Below noch seine neuen Mitkämpfer in Gestalt einiger weniger Duma-Abgeordneter werden eine solche Politik je mittragen.

Gerade eine solche Politik ist jedoch das Ziel zahlreicher Mitglieder der DPNI.

Die politische Logik der Entwicklung der “neuen Opposition” wird früher oder später dazu führen, daß diese Opposition entweder innerhalb der DPNI die Führung an sich reißen oder den Zerfall der Bewegung einleiten oder aber ihre politische Heimat in einer neuen Kraft finden wird, zu der dann ein erheblicher Teil der tatkräftigsten und entschlossensten DNPI-Leute abwandern dürfte.

So oder so wird die „neue Opposition“ zwangsläufig einen Teil des politischen Kapitals der DPNI erben, welches diese in letzter Zeit so emsig angehäuft hat.

Großenteils dank der Arbeit A. Belows, wohlverstanden.

Doch durchaus nicht allein dank ihm.

04.11.2006



[1] Nationalsozialistische Gesellschaft (auf Russisch = NSO) eine von FSB (KGB) gegründete Organisation. In ihrem Informationsdienst befinden sich 8 Mitarbeiter, die im Weltnetz den Eindruck einer Massenorganisation vermitteln sollen. In ihren Reihen zählt sie 40 – 80 Mitglieder aus verschiedenen Sportklubs. Die Mitglieder wechseln sehr oft. Das Ziel: Diskreditierung der russischen nationalen Bewegung. In- und ausländische Massenmedien verweisen oft auf diese Organisation, wenn Sie über die Gefahr des russischen Faschismus berichten. Die Nationalsozialistische Gesellschaft (NSO) wird zum Teil von Maxim Grizaj (jüdischer Oligarch) finanziert. Das Geld fließt auch aus dem Fonds für Invaliden des afghanischen Krieges (!!!). Der Bruder von Maxim Grizaj arbeitet im FSB und gibt der NSO Schutz. [Redaktion]


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