Die Rehobother Bastards


Eugen Fischer


Eugen Fischer | Die Rehobother Bastards und das Bastardierungsproblem beim Menschen


Zur Psychologie.

Auf Grund des versuchten kleinen Bildchens vom Leben und Treiben der Bastards kann man nun darangehen, ein paar Züge aus ihrem Gesamt-Geistesleben herauszusuchen als charakteristisch und eigen für sie.

Das erste, was auffällt, ist die große geistige Verschiedenheit innerhalb der Bastards; sie ist deutlich und auffällig größer als etwa in einer großen Hererowerft. Die Neigungen, die Intelligenzäußerungen der sozial oberen und vieler unteren sind hier sehr verschieden. Das erschwert ein Urteil außerordentlich.

Wenn man Einzelheiten betrachtet, fällt einiges Negative auf. Besonders lebhaft ist der Bastard nicht, sein Gefühlsleben ist stumpf, lau, die Gefühle scheinen langsam und träge aufzusteigen und abzuklingen. So macht er sehr oft den Eindruck der Teilnahmslosigkeit. Aber es ist natürlich schwer zu sagen, was etwa unter einer ruhigen und fast unbewegten Maske vorgehen könnte; daran muß man z. B. beim Hottentotten stets denken! Beim Bastard hingegen sind uns doch oft die Züge so wenig fremd und seine sonstigen geistigen Regungen so verständlich, daß ich glaube, jene negative Behauptung wird richtig sein. Mit dieser Gefühlsabschwächung (dem unsrigen gegenüber) verbindet sich ein bis zum Phlegma gehendes, ruhiges Temperament (oder stellt einen Teil davon dar). Das scheint Burenerbschaft; es ist bei den stärker hottentottischen Bastards eher geringer. Es mag übrigens nicht nur ererbt, sondern zum Teil dem Klima zuzuschreiben sein; wenn man auch sagt, daß das gewiß gesunde und schöne Klima im hochgelegenen Südwest den Weißen arbeitsfähig erhält, ein weit verbreitetes Energieärmerwerden, ein Nachlassen der Spannkraft, eine Neigung zum bequemen laisser faire, laisser aller ist bei Weißen aller Nationalitäten dort unten doch zu verspüren. Der Bur ist viel phlegmatischer als der Holländer in Europa. — Einerlei welches die Ursache, vorhanden ist deutlich diese Gefühlsarmut. Sie zeigt sich auch im Mangel an Poesie, an Kunst, an Gesang usw. —

Mit dem Gefühlsmangel hängt es zusammen, daß man die Bastards gelegentlich brutal oder grausam genannt hat — es mögen solche Züge einzeln aufgetreten sein, aber im ganzen sind sie das nicht. Auch als Undankbarkeit gedeutetes Betragen oder Unzuverlässigkeit dürfte so erklärt werden. Das Gefühl, dankbar sein zu müssen, anhänglich zu sein, war wohl in jenen Fällen noch gar nicht aufgekommen. Wo es einmal wirklich da ist, da zeigt sich der Bastard im allgemeinen zuverlässig. Das ist das Urteil der Offiziere, die mit ihnen vor dem Feind gelegen (vgl. Bayer 1907), das muß höher angeschlagen werden, als das des Kaufmannes, der ihn unzuverlässig nennt, der ihn auf Betrugsversuchen ertappt, dabei aber selber die Dummheit und Unwissenheit aller Eingeborenen ausnützt — das sehen die Bastards auch und das erzieht sie nicht gerade!

Diebstahl, Veruntreuung kommt z. B. in Rehoboth äußerst selten vor. Worthalten gilt als anständig und wird auch entsprechend gepflegt — im allgemeinen! — Petrus Diergaard sagte z. B. einmal, wie davon die Rede war, daß die Bastards Hab und Gut um Schnaps weggäben, er wette um eine Kuh, daß er eine Woche lang keinen trinke. Nach 6 Tagen kaufte er (es ging damals noch) sich welchen im Laden — kein Mensch dachte an jenes Gespräch — er aber bat, mit dem Abgeben der Kuh warten zu dürfen, bis er wieder auf die Farm gehe. — Daß es auch genug Unehrlichkeit gibt, ist natürlich. —

Ein anderer Charakterzug des Bastards ist ein gewisser Ernst. Die Heiterkeit, wie sie der Neger hat, ist wohl auch dem Hottentotten fern, dem Bastard sicher. Eine gewisse Würde ist mitunter zu sehen, fast immer aber ein ernsterer Zug. Das stört natürlich absolut nicht, daß man auch einmal lustig ist, daß gelacht und getanzt wird, jenes ist der Grundzug. Ins Melancholische, wie etwa bei manchen Südseeinsulanern, gehts aber sicher nicht. — Eitel muß man die Bastards nennen. Es ist nicht nur Stolz auf Hab und Gut, Stolz auf ihre Lebensart als Söhne weißer Väter, die sie jedesmal beim Photographieren noch rasch Toilette machen ließ, so daß mancher sich ausbat, erst noch einen anderen Rock oder einen Halskragen holen zu dürfen, oder daß sie baten, den Hut keck auf den Kopf setzen zu dürfen, weil er ihnen gut stand — es ist viel rein persönliche Eitelkeit. Beschwerde sich doch eine alte Frau, daß ich auf meinen Photographien alle ihre Runzeln mitphotographiert habe, während die Bilder weißer Frauen, die sie in Europäerhäusern sah, ohne Runzeln seien.

Daß man mit dem Leugnen von Gefühlen vorsichtig sein muß, zeigen Beobachtungen, die man an besseren und gewöhnlicheren Bastards bezüglich der Neugierde anstellen konnte. Über die Meßinstrumente und die Meßtechnik, vor allem über Haar- und Augentafel waren sie stets über alle Maßen erstaunt. Die niederen Schichten der Bevölkerung drängten sich, das zu sehen, amüsierten sich, wenn ihre Nase gemessen wurde, lachten und debattierten über den Glasaugensatz. Bei den Vornehmen, besonders alten Männern und würdigen Müttern konnte man am Gesicht, an den Augen brennende Neugier und große Verwunderung merken, aber sie beherrschten sich, hielten das unter ihrer Würde, man hätte sie für teilnahmslos gehalten ohne sehr genaues Beobachten. — Da zeigte sich doch Überlegung, das Bewußtsein, sie dürften sich nicht als „Eingeborene“ zeigen und, sagen wir — blamieren.

Da handelt es sich also nicht um Gefühlsmangel, sondern um Sichbeherrschen. Das können die Bastards auch bei Schmerz, wie ich gelegentlich als Arzt feststellen konnte. So stoisch wie ihre hottentottischen Vätern sind sie dabei allerdings nicht, die aber auch geradezu Wunder darin leisten. (S. Wandres, Deutsche Kolonial-Zeitung 1909, S. 513.) —

Auch sonst haben sie eine gewisse Würde und halten auf sich, nicht nur persönlich, auch auf die „Nation“. Auf ihr Verhalten im Krieg, auf die Anerkennung, die das dem gesamten Volk, der „Nation“ seitens „Deutschland“ eingebracht hat, sind sie nicht wenig stolz. Einen Geisteskranken aus „guter Familie“, der durch Tobsuchtsanfälle und dann durch allmähliche Verblödung zum Spott der Kinder wurde, haben sie zum Teil auf Gemeindekosten unter ziemlichen Opfern in eine kapenglische Eingeborenenirrenanstalt verbracht, weil es eine Schande sei, solchen Kranken wie ein wildes Tier zu fesseln, wie man mir ausdrücklich erklärte — doch ein ganz schönes Beispiel von Gemeinsinn.

Bezüglich des Willens ist zu vermerken, daß da die Hottentottenseite eher überwiegt. Die Stetigkeit des Wollens, des Verfolgens einer Sache fehlt, die Energie, die der Europäer hat, fehlt.

Das schließt — so eigen es klingt — eine gewisse „Zähigkeit und Ausdauer“ nicht aus, die ihnen Bayer zuerkennt. Passarge hat sehr schön gezeigt, wie der Buschmann, das wankelmütigste Geschöpf, auf der Jagd eine Zähigkeit und Ausdauer an den Tag legt, die alles in Schatten stellt. Ähnlich ist der Bastard auf dem Marsch, hinter Viehräubern her, beim Trecken von unverwüstlicher Ausdauer. Aber die Arbeitsenergie des Europäers fehlt ihm, die Zähigkeit auszuharren und stets auf neuem Weg und mit neuen Mitteln zu versuchen, ein einmal gefaßtes Ziel auch zu erreichen — sich etwa auf der Farm durch Mißernte, Ernteverlust, gescheiterte Versuche nicht klein kriegen zu lassen; am selben Werk wieder und wieder anzufangen — das nennt er nicht sein eigen. —

Gutmütig und gefällig nennt Bayer den Bastard, ich glaube das trifft die Wahrheit. Auch gerecht muß man den Bastard nennen, er hat einen deutlichen Rechtssinn, der natürlich inhaltlich von unserem oft abweicht, aber deutlich als solcher wahrnehmbar ist.

Endlich die Intelligenz. Sie ist nicht gering, sicher sind viele Bastards ebenso intelligent wie Buren. Sie können vielfach lesen, schreiben, rechnen. Die Jugend lernt in der Schule ganz gut, die jüngere Generation spricht drei Sprachen. Sie lernen auch gut, sich in neue Dinge schicken, verstehen, neue Verhältnisse oft ganz treffend und gut zu durchschauen. Selbstverständlich sind diese Gaben verschieden verteilt, ich konnte da oft nach einer kleinen Anzahl Fragen schon recht bedeutende Unterschiede feststellen. Dabei fiel mir besonders auf, daß bei einzelnen das an sich gute Denkvermögen außerordentlich langsam abläuft. Sie sind anstellig und geschickt, lernen Handgriffe, Hilfeleistungen usw. leicht.

In den Bereich der Intelligenz gehört auch die Voraussicht. Die ist mangelhaft. Aber das hängt wohl damit zusammen, daß „Voraussicht“ eben mehr umschließt, auch folgerichtiges Wollen, sich beherrschen oder sich für den Augenblick manches versagen um der Zukunft willen, — das liegt dem Bastard nicht. Da zeigt sich oft der Augenblicksmensch, wie er im Hottentotten steckt. Da wird für den Augenblick die Zukunft vergessen und geopfert, für Tand, Schmuck, Alkohol das Besitztum veräußert. Darin sind die hottentottischeren ärger wie die europäischen — das Vermögen wandert allmählich von jenen zu diesen.

Mit dieser mangelhaften Voraussicht, andererseits mit dem oben erwähnten Energiemangel hängt die Erscheinung zusammen, daß der Bastard einer ihn beherrschenden Leidenschaft völlig nachgibt. Eine solche — ich denke die einzige — ist der Alkohol. Sie scheinen alle außerordentlich auf Alkohol erpicht zu sein, da nützt alles eigene Einsehen — und das ist da — nichts, sobald die Versuchung naht; der Alkoholhunger siegt dann regelmäßig. Ein größeres Glück als das Alkoholverbot ist dem Bastardvolk nicht widerfahren in seiner ganzen Geschichte.

Ja hier muß sogar viel härter geurteilt werden. Der oben erwähnte Energiemangel zusammen mit dem Phlegma vereinigen sich mit dieser mangelnden Voraussicht recht oft zu richtiger Indolenz, zu stumpfsinniger Trägheit. Auch von diesen Bastards gilt, was Schultze so anschaulich von denen in Kamaggas schildert, sie könnten sich vieles selber machen, aber sie ziehen vor, sich's vom Weißen zu kaufen; sie könnten ihren Wohlstand noch bedeutend heben, aber sie sind zu gleichgültig. Immerhin sind die Schwierigkeiten des Landes hier viel viel größer als in Kamaggas, so daß man sagen muß, in Anbetracht dieser Umstände leisten sie erheblich mehr als jene und sind viel betriebsamer als jene. Die Faulheit fiel auch sonst schon auf, Leutwein (1908) erwähnt sie z. B. auch.

Endlich noch Phantasie, Kunstsinn und Kunstbetätigung; die sind schwach entwickelt, Sprache, Erzählung, Lied, Leben und Treiben, Sitte und Brauch sind phantasiearm, inhaltsleer, nüchtern.


Verhältnis zu den Stammrassen.

Wenn es sich um die Beurteilung der Leistungsfähigkeit farbiger Rassen, um die Frage handelt, ob diese — kurz gesagt — kulturell minderwertig sind oder nicht, wird meiner Meinung nach viel zu viel Wert auf die Intelligenz gelegt. Da wird als Beweis dafür, daß Farbige nur ungebildet, unerzogen, aber sonst uns Weißen gleichwertig seien, darauf hingewiesen, daß sie rasch Lesen, fremde Sprachen, Rechnen lernen, daß sie geschickt Maschinen bedienen, als Schreiber, kleine Beamte usw., als Handwerker sich brauchbar erzeigen. All das beweist für jene Frage, glaube ich, gar nichts. All das könnte der allergrößte Teil der Bastards leicht erlernen, ja ein Teil betätigt sich darin schon von allein, einzelne führen schriftlich Rechnung über ihre Ein- und Verkäufe usw. Und doch behaupte ich, sind sie kulturell, nach geistiger Leistungsfähigkeit gegen die reinen Weißen minderwertig. Es ist eben falsch, nach der Intelligenz der Gesamtmenge zu urteilen. Wenn unsere eigene kulturelle Leistungsfähigkeit von der Intelligenz der großen Menge in unseren Großstädten, ja sogar von der Intelligenz einer sogar gut organisierten größeren Fabrikarbeiterschaft oder der der Gesamtbauernschaft abhinge, dann wäre sie der mancher Farbiger allerdings nicht überlegen. Aber daß wir aus dem Niveau der Gesamtmenge dauernd und in relativ großer Zahl Individuen hervorbringen, die die Menge gewaltig überragen an Leistungsfähigkeit, das hebt uns als Gesamtheit himmelhoch über alle Farbigen (in die ich hier die Mongolen nicht einrechne). Die Überlegenheit aber dieser Einzelindividuen ist beileibe nicht rein intellektuell. Vielleicht viel größer als der intellektuelle ist der Unterschied in ihrem Besitz an Energie, an Phantasie, die sich im Kombinieren, im Disponieren, Assoziieren, schöpferischen Schaffen zeigt, an absolutem Selbstbewußtsein, das ein Zaudern und Schwanken beseitigt und rasches sicherstes Zugreifen erlaubt, welches Zugreifen dann allerdings durch die nötige Intelligenz in die richtige Richtung gelenkt wird, an Charakter, nicht nur im Sinne von gut nach den landläufigen Begriffen, sondern im Sinne von homogen, konsequent, sich selbst getreu. Das sind die Männer, die uns Werte bringen, die unsere Politik, unsere Industrie und Technik, unsere Wissenschaft, auch unsere Strategie besorgen. Die Eigenschaft, diese hervorzubringen, in solcher Zahl, daß nie im erforderlichen Augenblick Mangel ist, daß dauernd wenn nicht Ia Männer, so doch viele I und II Männer existieren und von Zeit zu Zeit wieder Ia Führer, — diese Eigenschaft halte ich für ein Rassenmerkmal bestimmter Rassen [Ob innerhalb Europas diese Eigenschaft quantitativ verschieden verteilt ist — ich glaube das — tut hier nichts zur Sache, hier handelt es sich um Weiß und Farbig — auch die Mongolen lasse ich hier ganz aus der Betrachtung weg.]. Und die fehlt den farbigen Rassen vollständig. Es müssen eben offenbar sehr viele Erbeinheiten, die jene Eigenschaften bedingen, in der Gesamtheit kreisen, damit die Chance, daß sie sich treffen, groß ist. Wenn in einer Rasse nur eine davon ganz fehlt, oder nur zwei ganz extrem selten sind, werden eben tatsächlich anderswo bestehende Möglichkeiten hier nicht vorhanden sein, bzw. vorhandenes so gut wie nicht realisiert werden.

Diese Rasseneigenschaft des Hervorbringens besonderer günstiger Kombinationen fehlt nun meiner Ansicht nach auch allen Bastardgruppen. Damit sind, glaube ich, auch alle Beweise für sogenannte Gleichheit und Gleichwertigkeit hinfällig, die in der Vorführung vereinzelter hochbegabter Bastardindividuen bestehen; daß Booker-Washington, daß Du Bois geistig bedeutende Männer sind, daß es deren auch früher schon einzelne gegeben hat, aus den Reihen des Halbblut, ja daß sie sogar gerade solche geistigen Kombinationen darstellen (Energie, Phantasie, Intelligenz usw.) wie ich sie vorhin als charakteristisch skizzierte, beweist eben nur, daß die einzelnen geistigen Qualitäten je von Weißen und Farbigen sich getrennt vererben und einmal zufällig in eben solchen Kombinationen sich auch im Bastard treffen können. Aber nach der Natur der Dinge muß dieser Fall selten sein und die Beobachtung zeigt das. Das sind ganz Vereinzelte, die ihren Stamm weit überragen. Wo sind in einer weiß-farbigen Mischlingsbevölkerung zahlreichere Leute, die sich als Fabrikdirektoren, als großkaufmännische Leiter, als Verwaltungsbeamte hervortaten? Wo sind Bastardmänner, die, wie so viele, wirklich viele, absolut und relativ viele Weiße in Amerika sozusagen mit dem Cent angefangen haben und durch ihre Kraft später an der Spitze großer Unternehmen standen — und nicht etwa nur in Amerika! Und wo ist auch nur ein reiner Farbiger, der wirklich organisatorisch Bedeutendes schuf? In reiner farbiger Zucht scheinen eben jene Kombinationen entweder noch viel viel seltener zu sein (so daß sie bisher noch nicht unter Verhältnissen realisiert wurden, daß sie sich zeigen konnten) — oder sie fehlen ganz!

Also nicht einfach Intelligenzunterschiede einer Gesamtbevölkerung, sondern die Fähigkeit aus dieser sehr viele eigentümliche Kombinate (Energie, Phantasie, Intelligenz, Selbstbewußtsein, Charakter, körperliche Fähigkeit) hervorzubringen, das ist die Rasseneigenschaft.

In dieser Rasseneigenschaft sind also unsere Bastards dem Europäer weit unterlegen, wie alle Bastards. Damit ist ein Urteil gefällt — und ich glaube, ruhig ein solches aussprechen zu dürfen — über ihre Leistungsfähigkeit. Selbständige Weiterbildung der ihnen überkommenen Kultur wird den Bastards versagt sein, sie brauchen dauernd weiße Führung. In freier Konkurrenz mit den Weißen würden sie unterliegen. Darin sind sich alle Kenner einig, ja, das haben die Intelligenten unter ihnen selber bemerkt Dasselbe zeigte sich bei allen entsprechenden Bastards überall auf der Erde.

Verglichen mit der farbigen Stammrasse dagegen schneiden sie gut ab. Der oft gehörte Satz, daß Bastarde stets schlechter als beide Elternrassen sind, vor allem moralisch, ist ein Unsinn, der durch die zahllose Wiederholung nichts von seinem unsinnigen Charakter verliert. Ich verzichte auf Belege, wie oft der Unsinn nachgebetet und abgedruckt wurde. Er gilt vielen als erwiesene Tatsache. Er enthält vielleicht wirklich ein Körnchen Wahrheit. Vom Standpunkt der Annahme getrennter Vererbung der einzelnen geistigen Qualitäten können wir leicht verstehen, daß bei der Mischung stark verschiedener Rassen besonders viele Individuen entstehen, die sehr disharmonische geistige Eigenschaften haben; die etwa eine gehörige Dosis Mut, Energie und dabei Mangel an Intelligenz, an Selbstbeherrschung und Voraussicht, dafür lebhafte Triebe, starke Affekte ererbt haben; der Gelegenheitsverbrecher, der sich zügellos jeder momentanen Reizung, jedem Verlangen nach fremdem Eigentum, Geschlechtsgenuß usw. hingibt, ist da. Das kann also wohl und wird auch bei Bastarden öfter auftreten als bei Reinzucht, besonders wenn die eine Stammrasse viele Eigenschaften hat, die sie zum Leben in unserer Kultur weniger befähigt, wo sich in engem Räume tausende von Reibeflächen dauernd bilden. Aber der Hauptgrund für die tatsächlich oft zu beobachtende Verkommenheit der Bastarde liegt am sozialen Milieu. In der Hafenstadt, in Minenstädten, in der Großstadt Indiens und Amerikas, da sind die tausende von Mischlingen aller Hautschattierungen, die jene Behauptung entstehen ließen. Ohne Kenntnis eines Vaters, ausgestoßen von der weißen Seite, in Gesellschaft aller Elemente, die auch die niederste Schicht der Weißen aus sich stößt, sogar von reinen Farbigen ausgeschlossen, die jene illegitimen Verhältnisse mit oft feinem Empfinden verachten, so wächst das Bastardgesindel der Großstadt auf — soll das etwa nicht schlechter werden als reine Rassen? Aber es gibt auch anderes. In Inselindien, in Indien und anderwärts sind bessere Verhältnisse; aber auch hier bleibt eine Disharmonie in der Erziehung (Erziehung im weitesten Sinne). Dauernd merkt und fühlt das Halbblut, daß es ausgeschlossen und als Menschheit zweiter Klasse behandelt ist, dabei ist oft die Unterrichtung gut — vielleicht zu gut — dauernd ist es eine Halbstellung, auch eine einheitliche seelische Anlage wird darunter leiden und sich nicht harmonisch entfalten. Wo ein Mischling aus zwei hochwertigen Rassen in sozial anerkannter Stellung, also ohne jene Milieueinflüsse aufwächst, da wird er sicher gleichwertig sein oder sein können.

Ich führe also die Erscheinung, daß Mischlinge hier und da schlechter — geistig minderwertiger — als beide Stammrassen seien, soweit sie überhaupt zutrifft, zum größten Teil auf Milieuwirkung, zum geringeren auf das Erscheinen völlig disharmonischer Kombinationen zurück, eine Verallgemeinerung aber jener Behauptung, als hänge sie kausal unvermeidbar am Bastardierungsprozeß als solchem, ist irrig. Mehrfach haben sich gute Kenner der verschiedensten Mischlinge, Missionare in gleichem Sinne ausgesprochen [Z. B. Flierl (Neu-Guinea) Kol. Rundsch. 1910.].

Der genauere Vergleich der Bastards mit der farbigen Stammrasse zeigt vielmehr, daß er ihr meistens überlegen ist. Für unsere Rehobother Bastards möchte ich das ebenfalls behaupten. Bayer, Leutwein, Schwabe und viele andere sind derselben Ansicht. Wir nennen nun einmal geistig leistungsfähig und hochwertig, was unsere Kultur annehmen, nachschaffen, weiterbilden kann. Diesem Ziel kommt der Bastard näher als irgend ein anderer Farbiger. Er hat Eigenschaften des Hottentotten, die wir dort für einigermaßen brauchbar halten, übernommen, und europäische, die wir noch für besser halten, dazubekommen.

Andererseits soll nicht verkannt werden, daß er gerade durch seine Bastardnatur auch ungünstige Eigenschaften erworben hat. Das ist sein Hochmut auf das „bessere“ Blut, „ich bin Bastard, nicht Eingeborener“ ist sein stolzes Wort; das verführt ihn dazu, sich über manche Eingeborenenarbeit erhaben zu dünken. Auch eine gewisse Faulheit fließt aus dieser Quelle, er will nicht dauernd schuften wie arme Eingeborene, er will Herr sein. Herrenbewußtsein ohne Herrenpflichtbewußtsein kann man bei ihm feststellen (Und das wird großenteils durch falsche Behandlung seitens der Europäer — private und offizielle — gesteigert und genährt.).

Man sieht ein vielgestaltiges Bild, man darf sagen, es ist im ganzen nicht unerfreulich. Es ist ein tüchtiges Völkchen (bei geeigneter Behandlung der zwei Klippen: Stolz und Alkohol) das beste der Kolonie.


Anhang.

Die politische Bedeutung der Bastards.

Es kann nicht im Rahmen dieses Buches liegen, auf die zahlreichen Fragen der Kolonialpolitik, Kolonialwirtschaft und -verwaltung oder gar des Kolonialrechtes einzugehen, die sich an das Vorhandensein der „Bastards“ und der Mischlinge überhaupt knüpfen.

Aber mit ein paar Strichen muß doch auf dieses Gebiet hingewiesen werden, auch der Naturforscher, der sich anthropologisch, also rein um wissenschaftlicher Probleme willen, mit dem Bastardvolk beschäftigt hat, es kennen gelernt hat, wird die Pflicht haben, der Frage nicht auszuweichen, was er denn nun, abgesehen von seiner speziellen Wissenschaft, aber auf Grund seiner Kenntnisse vom „Bastard“ als aufmerksamer Beobachter von der Brauchbarkeit, Zukunft usw. des Bastardvolkes oder des Halbblutes überhaupt denkt — stehen doch zurzeit solche Dinge im Vordergrunde deutscher Kolonialfragen.

So sei im folgenden des Verfassers Ansicht gegeben — nichts mehr als eine Ansicht, zu der ein naturwissenschaftlich denkender Beobachter kommen konnte.

Da sei zunächst noch einmal betont, daß man das Bastardvolk, dem dieses Buch gilt, unter keinen Umständen zusammen nennen oder gleich beurteilen darf, wie einzeln entstehende Mischlinge, daß aber auch diese in den einzelnen Kolonien wohl ungleich gewertet werden müssen.

Betrachtet man zunächst das „Bastardvolk“. Aus der ganzen oben gegebenen Beschreibung geht hervor, daß es sich um ein lebenskräftiges, leistungsfähiges und seine Stelle wohl ausfüllendes kleines Volk handelt.

Die Frage, ob man seine Vermehrung, sein Gedeihen wünschen soll, ist kaum diskutierbar, es ist da und wächst. Für unsere Kolonie ist es ohne Zweifel von Nutzen. Die Leistungsfähigkeit ist der der reinen Hottentotten überlegen. Es kann bei geeigneter Behandlung, Leitung, weiterer Erziehung, auf deren Anfänge die rheinische Mission mit voller Befriedigung blicken kann, ganz gut zu einer eingeborenen Arbeiterschicht werden. An erster Stelle käme alles in Betracht, was mit Viehhaltung und Fuhrwesen zusammenhängt dann aber auch Handwerke, zu denen ganz gute Ansätze da sind.

Dieses zweite ist nicht mit ganz der Sicherheit zu sagen, wie das erste. Ob sich wirklich das ganze Volk dazu eignete, käme auf die Probe an. Für sehr viele glaube ich es sicher.

Eine dritte Beschäftigung schlägt Hesse (1904) vor, die als eingeborene Polizeimannschaft [Ebenso jetzt wieder v. Zwergern, Frankfurter Zeitung Nr. 208, 1911.]. Ich halte das für einen ganz ausgezeichneten Vorschlag und die Bastards für ideal geeignet dazu — die richtige Verwendung vorausgesetzt, d. h. unter weißer Oberleitung und nie gegen Weiße (es sei denn in momentaner Not oder schlimmste weiße Verbrecher). Aber um gegen farbiges Gesindel, Viehdiebe usw. in diesem Lande verwendet zu werden, über Durststrecken und auf langen Patrouillen sind sie ausgezeichnet. Und ihr Selbstgefühl als „Bastards“, eine Stufe über „gewöhnlichen“ Eingeborenen, könnte da sehr gut ausgenützt werden!

In all den drei „Berufen“ setzte ich „eingeboren“ dazu. Soll man diese Bastards, von denen viele über großes Vermögen und den „Eingeborenen“ gegenüber über einige Bildung verfügen, dauernd als Eingeborene betrachten und behandeln. Meiner felsenfesten Überzeugung nach unbedingt: ja!

Zunächst kann man einen gewichtigen Grund anführen, der dieses Festhalten im Eingeborenenverhältnis als auch in ihrem Interesse stehend dartut. Das Bastardvolk ist zwar, wie oben angeführt, wirtschaftlich, nach Arbeits- und Verwaltungsfähigkeit meiner Meinung nach jedem reinen Eingeborenenstamm überlegen. Aber dem Weißen gegenüber würde es keinerlei Konkurrenz aushalten können. Das Leben und der Bestand des Bastardvolkes hängt, wie ich glaube, davon ab, daß die deutsche Regierung es gegen die Gelüste, die Sorglosigkeit, den Voraussichtsmangel seiner eigenen Mitglieder schützt. Wäre Verkaufsfreiheit jeglichen Grund und Bodens, wäre Einkaufsfreiheit aller Alcoholica gegeben, wäre der Bastard völlig selbständig, rechtlich als Käufer und Verkäufer, als Vertragschließender (Kauf-, Pacht-, aber auch vor allem Eheverträge), so wäre in sehr kurzer Zeit alles Land und der größte Teil Vieh in der Hand des Weißen; verkauft, verpfändet, weggegeben gegen Augenblicksbedürfnisse.

Die Bastards gedeihen inmitten des weißen Mannes Land wirtschaftlich nur, weil die Regierung ihre schützende Hand über sie hält. (Nur das Mehr an Gedeihen gegenüber reinen Hottentotten kann der eigenen Tüchtigkeit der Bastards zugeschrieben werden.)

Der Standpunkt, man lasse sie dann eben zugrunde gehen, wenn sie es nicht besser können, ist natürlich unhaltbar, solange wir hoffen können, im Bastardvolk für uns eine wertvolle Bevölkerung zu erhalten und zu erziehen, die bestimmte Arbeit in der großen und nötigen Arbeitsteilung einer Kolonialkultur übernimmt — aber auch nur so lange!

Ich füge dazu, daß es ihnen meiner Meinung nach zurzeit zu gut geht, daß sie zu viel Schutz haben. Das wird zunächst den dortigen Farmern und Kaufleuten aus der Seele gesprochen sein, denn denen ist es nicht zu verdenken, wenn sie Leute im Besitz von sehr gutem Land und viel Vieh sehen, die ihnen selber wirtschaftlich unterlegen sind. Ich gehöre nicht zu denen, die demgegenüber von walten müssender Gerechtigkeit gegen den freien Bastardstamm und Dankbarkeitspflicht von 1904/05 her sprechen. Gerechtigkeit braucht nicht in künstlichem Schutz zu bestehen und 1904/05 haben sie ihre Pflicht getan, nicht mehr — und diese nur, weil die Maßgebenden ihren Vorteil dabei sahen. Aber es steht der Vorteil der Gesamtkolonie gegen den einer Anzahl einzelner Kolonisten, wenn wir die Bastards hegen. Ich sagte, es geschieht eher zu viel, weil ich überzeugt bin, daß etwas weniger Unterstützung sie zu mehr Tätigkeit anregen würde, es geht dem Volk zu gut, es genießt seinen Reichtum und faulenzt — nur des Lebens Zwang würde sie zu etwas mehr Arbeit anregen. Es sind eine Menge Einzelvorschläge gemacht — es ist meines Amtes nicht, auf sie einzugehen, das ist Sache der Kolonialpolitiker. Ich will nur soviel hier andeuten, als ich als Naturwissenschaftler verstehen kann.

Also man gewähre ihnen eben das Maß von Schutz, was sie als uns gegenüber minderwertige Rasse gebrauchen, um dauernden Bestand zu haben, nicht mehr und nur so lange, als sie uns nützen — sonst freie Konkurrenz, d. h. hier meiner Meinung nach Untergang! Der Standpunkt klingt fast brutal egoistisch — wer den Rassebegriff, wer die oben im Abschnitt „Psychologie“ dargelegten Punkte zu Ende denkt, kann nicht anderer Ansicht sein. Darnach ergibt sich also auch in ihrem Interesse, daß sie für uns „Eingeborene“ sein und bleiben müssen.

Unendlich viel mehr aber als dieses Wohl und Wehe des Bastardvolkes bedeutet für die Frage, ob man sie als „Eingeborene“ belassen soll, unseren eigenen Volkes Gedeihen.

Wenn die Bastards irgendwie dem Weißen gleichgesetzt werden, kommt ganz unweigerlich Hottentottenblut in die weiße Rasse. Auf die Dauer könnte das auf keine Weise vermieden werden. Noch wissen wir nicht sehr viel über die Wirkungen der Rassenmischung. Aber das wissen wir ganz sicher: Ausnahmslos jedes europäische Volk (einschließlich der Tochtervölker Europas), das Blut minderwertiger Rassen aufgenommen hat — und daß Neger, Hottentotten und viele andere minderwertig sind, können nur Schwärmer leugnen — hat diese Aufnahme minderwertiger Elemente durch geistigen, kulturellen Niedergang gebüßt. Daß einzelne Mischlinge persönlich hochwertige Individuen sind — Amerika hat viele solche Paradefälle — widerspricht dem auf keine Weise, wie oben gezeigt wurde. Diese Fälle sind heutzutage, wo wir die Mendelschen Regeln kennen, zu erwarten, aber ebensoviele ganz wertlose Individuen sind zu erwarten und das Gros als minderwertig.

Das gilt nun nicht nur für das Bastardvolk, sondern für jedes Halbblut, das von Europäern aus Negern, Hottentotten u. a. gezeugt wird, ich schließe auch die sämtlichen, auch polynesischen, Südseevölker ein; eine Verbesserung unserer Rasse ist durch solche Kreuzung unmöglich, eine Verschlechterung, im günstigsten Falle nur durch disharmonische Anlagen, sicher zu gewärtigen.

Die Einzelbeweise dafür bedürfen nicht der Ausführung. Spanien, Portugal, das ganze lateinische Amerika sind abschreckenste Beispiele, auf viele Verhältnisse im römischen Kaiserreich, dann im mittelalterlichen Sizilien, heute in Indien und Inselindien, auf Nordafrika könnte man hinweisen. Ich halte die Tatsachen für schlagend. Aber wenn auch nur die Wahrscheinlichkeit, ja die bloße Möglichkeit bestände, daß Bastardblut unsere Rasse schädigt, ohne daß dem auf der anderen Seite eine gute Chance gegenüberstände, daß es uns verbessere, muß jede Aufnahme verhindert werden. Ich halte diese Sachlage für so absolut klar, daß ich einen anderen Standpunkt eben nur als den vollkommenster biologischer Unkenntnis ansehen kann.

Auf die ethische Seite, auf die rechtliche Seite der Frage, wie das im einzelnen zu regeln ist, brauche ich hier nicht einzugehen — hier handelt es sich geradezu um den Bestand — ich sage das in vollem Bewußtsein — unserer Rasse, das muß in jeder Beziehung der oberste Gesichtspunkt sein, da haben sich eben ethische und rechtliche Normen darnach zu richten — oder aber — falls man das als Unrecht gegen die farbige Bevölkerung empfindet — weg mit der ganzen Kolonisation, denn die ist natürlich von einem ewigen Friedens- und Gleichheitsstandpunkt aus Unrecht, glücklicherweise herrscht nicht dieser, sondern eine gesunde Expansionskraft des Stärkeren.

Darnach erübrigt auch jedes Wort über die sog. Mischehenfrage. Möge Gesetzgeber und Verwaltung sehen, wie man die Einzelverhältnisse regelt, dem anthropologisch gebildeten Patrioten kommt es nur auf eines an: nicht ob sich Mischlinge bilden, sondern nur, daß sie unter allen Umständen Eingeborene bleiben. Man hat gelegentlich auf die Buren und ihren großen Rassestolz hingewiesen — mit Recht — (Leutwein z. B.) und man hat gesagt, sie hätten sich rein gehalten, weil sie fast keine Mischlinge erzeugt hätten — nein, sie hielten sich als Buren vollkommen rein, und sie gaben einem ganzen Mischlingsvolk das Leben — aber sie gingen soweit, daß nicht nur die Bastardkinder, sondern die mit farbigen Frauen lebenden Buren sogar ausschieden aus ihrer Gemeinschaft! Ich will nicht sagen, Verachtung für den Mann, der sich ein Hottentottenweib oder ein Bastardmädchen nimmt — aber kein Verkehr mit ihm, keine Gemeinschaft, er bricht damit die Brücke zwischen sich und seinem Volke. Seine Nachkommen sind Eingeborene von Glied zu Glied. —

Vom Standpunkt aus endlich, daß dadurch einzelne Männer und ein von ihnen aus deutscher Frau zu erwartender tüchtiger Stamm uns verloren geht, von dem Gesichtspunkt aus begrüßt auch unsereiner jede Maßregel, die die Mischung verhindert, vorbeugen ist besser als nachher behandeln! —

Daß die betreffenden weißen Männer meistens herabgezogen werden, „verkaffern“, wie man sagt, das finden alle Kenner und berichten alle Quellen. Daß es auch Ausnahmen gibt, und je gebildeter die „Bastards“ werden, desto mehr, ist natürlich zuzugeben; den Kernpunkt der ganzen Frage berührt das nicht.

Und nun nur noch das eine:

Daß man bei voller Wahrung der Intaktheit unserer Rasse die auszuübende Härte, die den gebildeten Einzelbastard trifft, möglichst mildert, ist natürlich nur aufs dringenste zu wünschen! Es kann kaum jemanden geben, dem hier in der deutschen Heimat unser Bastardvölkchen so ans Herz gewachsen ist, wie dem Verf., der es eben nun kennt, wie es hier daheim wohl wenige kennen, der es draußen auch lieb gewonnen hat. Trotzdem das ausgesprochene Votum: es sind Eingeborene und müssen solche bleiben und nie sollte einer oder eine aufgenommen werden in unsere Rasse. Aber herausheben kann man sie aus den anderen Eingeborenen — sie als deren beste — und das hat man getan. Sie haben mehr Rechte, Vorrechte: Selbstverwaltung, eigenen Rat usw. Sie dürfen im Verband der deutschen Schutztruppe dienen und werden dazu ausgebildet. Bei dem ausgeprägten Stolz der Bastards sollte man dieses „dürfen“ gegenüber den anderen Eingeborenen noch viel mehr betonen, man könnte geradezu an die gedienten Leute Abzeichen oder dergleichen verleihen. Man hat sie vom Paßzwange befreit und anderes mehr. Sie dürften ruhig eine Stufe über den anderen Eingeborenen stehen. Falls sie sich dann bei guter, gerechter, strenger und sie nicht verziehender Behandlung, bei ihnen entsprechender Benützung wirklich so entwickeln, wie zu erhoffen und zu erwarten ist, werden wir in Zukunft in unserer Kolonie ein kräftiges und arbeitsames Eingeborenenelement haben, neben dem farm- und erdarbeitenden Ovambo und Herero, dem meiner Meinung nach am wenigsten taugenden viehhütenden Hottentotten, als eingeborene Handwerker und Handarbeiter, als Polizeileute, d. h. kleine Beamte, als Leiter und Führer des gesamten Trosses und Fuhrparkes von Regierung, Truppe und Privaten, zum Teil als kleine Farmer in ihrem Bastardland, in das auch alle Ausgedienten zurückkehrten — ein sich wohlfühlender kleiner, uns treu ergebener Stamm, auch noch nach Generationen: die Nation der Bastards.


Ergebnisse.

Wenn man die vorstehende Untersuchung der „Rehobother Bastards“ überblickt, wird man nicht umhin können, zu sagen, eine Bastarduntersuchung, die Anthropologie einer ganz typischen Mischbevölkerung, ist doch auch lohnend! Wenn uns die Untersuchung alter, reiner Stämme, sozusagen übrig gebliebener Reste aus der Vorzeit des Menschen, Bilder liefert von der Form, von der Anatomie, die die Menschheit oder Teile davon besessen haben oder noch besitzen, so lehrt uns die Bastardforschung ein Stück von den Vorgängen, von der Biologie, die die Menschheit erlebt hat und noch erlebt. Beides ist uns vonnöten! Das erste aber ist oft schon ausgeführt, das andere, die Bastardforschung, ist recht stiefmütterlich behandelt worden. Möge das anders werden, möge die Frage der Bastardierung innerhalb der Menschheit nun einmal die ihr gebührende Beachtung finden, möge Arbeit — aber exakte, problembewußte Facharbeit einsetzen! —

Die Hauptergebnisse dieser ersten größeren Bastardstudien seien zum Schluß in ein paar Leitsätzen niedergelegt.

1. Die anthropologische Untersuchung der Rehobother Bastards zeigt eine wohl charakterisierte, aber sehr stark variable Bevölkerungsgruppe. Die anthropologischen Merkmale der beiden Stammrassen kombinieren sich in der mannigfaltigsten Weise. Die Bastards stehen im allgemeinen zwischen jenen. Die stärker europäisch aufgekreuzte Gruppe hat mehr europäische und im Mittel dem europäischen Mittelwert nähergerückte Merkmale, die stärker hottentottisch aufgekreuzte umgekehrt.

Die Mischbevölkerung ist gesund, kräftig, sehr fruchtbar.

2. Die Vererbung der beiderseitigen Rassenmerkmale erfolgt alternativ und zwar nach den Mendelschen Regeln. Das konnte für Haarform, Haar-, Augen-, Hautfarbe, Nasenform, Nasenindex, Form der Lidspalte, Stirnbreite u. a. nachgewiesen, für viele andere Merkmale wahrscheinlich gemacht werden.

Zur Biologie der Bastards wurde festgestellt, daß die Körpergröße und Gesichtslänge die beider Elternrassen übertrifft; die Fruchtbarkeit ist nicht beschränkt, das Geschlechtsverhältnis nicht geändert.

3. Variationskurven und Variationskoeffizient zeigen die Bastardnatur der stark variierenden Bevölkerung nicht an.

4. Eine präpotente Rassenvererbung gibt es nicht. Daß etwa farbige oder primitive Rassen als solche stärker „durchschlagen“ in der Vererbung, ist falsch.

Einzelmerkmale sind dominant, nicht Rassen. Dominanzmerkmale gibt es bei allen Rassen. Die Rassenmerkmale scheinen (größtenteils) (alle?) ohne jede Korrelation zu sein.

5. Als Ergebnis einer Rassenkreuzung gibt es keine neuen Rassen, rein durch Bastardierung niemals. Die Merkmale spalten nach der Mendelschen Regel wieder auf, das ist die Grundlage für v. Luschans „Entmischung“.


Das dürften die wichtigsten Ergebnisse sein; aber für mindestens ebenso wichtig halte ich die Aufrollung von Problemen, neue Fragestellung. Und da bot sich gerade genug — wir Anthropologen müssen bekennen, daß wir noch Lücken im einfachsten ABC haben! — Zunächst wird es dringendes Erfordernis, auch für den Menschen die „Erbeinheiten“ zu analysieren. Zoologen und Botaniker kennen Dutzende solcher an ihren Versuchsobjekten — wir noch fast gar keine! — Nur Kreuzungsstudien können sie uns kennen lehren. Und erst darnach können wir daran gehen, die äußeren Merkmale zu prüfen, was an ihnen Erbgut, was Umweltwirkung, „Modifikation“, ist — jetzt ist uns noch der „Phänotypus“ alles. Erst wenn wir derartige Analysen vornehmen, werden wir die Anthropobiologie übersehen und dann erst dürfen wir — und müssen wir — praktische Eugenik — Rassenhygiene — treiben.

(Aus dem Buch: Eugen Fischer. Die Rehobother Bastards und das Bastardierungsproblem beim Menschen)


Eugen Fischer | Die Rehobother Bastards | Fotoalbum

>>> Fotoalbum <<<


Als PDF herunterladen!


Zurück zur Deutschen Rubrik


Achtung! Die Meinung des Seiteninhabers stimmt nicht immer mit der Meinung des Autors überein!


Индекс цитирования - Велесова Слобода Рейтинг@Mail.ru Яндекс.Метрика